Treppenhaus-Gezwitscher (Twitter analog) (2)

Es ist eine Art “toter Briefkasten” von Menschen, die zusammen leben (in einem Haus nämlich), sich aber den Tag über nicht, oder nicht oft begegnen. Das Treppenhaus, genauer der Platz an der Briefkasten-Reihe, an dem jeder täglich vorbeikommt und an dem außer den schwer leserlichen Notrufnummern für Klempner und Elektriker auch wichtiges, banales und provokantes angepinnt wird. Meist, um Nachbarn darauf vorzubereiten, dass es am Wochenende ein wenig lauter zugeht (“… wenn ihr Lust habt kommt doch auch gerne vorbei” ist bei uns durchaus sympathisch und ehrlich gemeint). Manchmal aber auch, um kleine Geschichten über Mißverständnisse und Ärgerlichkeiten auszutauschen.

Wir sind fast ein Drei-Generationen-Haus – nur, dass wir nicht miteinander verwandt sind. Wir haben ältere Eltern, Omas und ganz junge Mütter – die mit der eingebauten Ottenser-Vorfahrt. Lustigerweise sehe ich gestern Abend diesen Zettel (oben) und danach eine Folge von Ugly Betty, in der Betty in ihrem New Yorker Appartment eine Karaoke-Party mit ihren Nachbarn feiern will. Im Treppenhaus alte Zettel an genau der gleichen Stelle, wie bei uns. Mit drohenden Hinweisen an den Zeitungsdieb und vergilbte Info-Blätter. Hier hängt Betty ihre Einladung auf – und erntet ein dickes “DIE” auf ihren Treppenhaus-Tweet.

Das scheint ein universelles menschliches Prinzip zu sein, das Treppenhaus-Zwitschern – nur, dass es bei uns noch friedlicher zugeht, als in Manhattan.

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