Unwort des Jahres: “Werbenetzwerk für Blogs”

Nach adical Adnation plant nun auch technorati ein Werbenetzwerk für Blogs aufzubauen. Trotz eines viel größeren Marktes ist die Idee nicht besser, als die der Berliner Blogentrepreneure Sascha Lobo und Johnny Haeusler.

Technorati, which has raised around $10 million in new funding to save it out of oblivion, is now launching an online ad network for blogs, amidst heavy competition in the sector. The Technorati Media network has signed on some blogs as its core, more focused on technology sector: blogtalkradio, Blogcritics, blogcatalog, BlogTV, GeekAlerts, GPSMagazine, NerdApproved and Technabob.

Werbung will Norm. Nicht nur deswegen gibt es den so oft schon totgeglaubten Standardbanner noch. Der Wert dieses normierten Stücks werblicher Kommunikation, ob es nun medium rectangle oder wallpaper heißt, bestimmt sich nach dem Umfeld in dem es geschaltet wird. Teurer auf einem Finanzjournal – wenn wir mal Werbende aus dem Bereich Altersvorsorge nehmen – und billiger auf Communities, wie wer-kennt-wen bspw., wo die Menschen milliardenfachen PI-Schaum abwerfen beim sich gegenseitig verknüpfen. In der Stimmung eine Riester-Rente abzuschließen ist da keiner.

Und Blogs? In den USA finden sich immerhin noch Weblogs mit thematischer Klarheit *und* einigermaßen signifikanter Reichweite. In Deutschland kenne ich da keines. Blogs sind hier nur in den Augen ihrer Betreiber besonders; für Media-Agenturen leben wir unterhalb der Wahrnehmungsgrenze.

Werbetechnisch gesehen ist das so, als würde es Klopapier für Dicke geben, das sich aber in Nichts von dem für alle unterscheidet.

disclaimer: Ich finde die Idee eine feine Blogagentur zu gründen, um über ein Netzwerk, wie Adnation stark focussierte Kampagnen zu fahren, die in einem großen Mediaplan eben keinen Platz haben, hingegen nicht so schlecht. Eigentlich ist es auch genau das, was Sascha und Johnny mit der Casio Kampagne gemacht haben. Nur dann muss ich den Anspruch und die Kommunikation anpassen – ein Werbenetzwerk ist das nicht mehr. Eher eine online Werbeagentur mit angeschlossenen Werbeträgern

4 Replies

  • Wie bei so vielen Dingen, die aus den USA nach Europa kommen, braucht es auch bei den Blogs ein wenig Zeit, bis sie eine ähnliche Verbreitung wie drüben gefunden haben.

  • Ich bezweifle, dass das Thema Blogs hierzulande noch mal durch die Decke geht, also Massenphänomen wird.

    Die Gründe sind, neben kulturellen Unertschieden, dass ich heutzutage keine Blogs mehr brauche, um mich sozial zu vernetzen, meine Meinung kundzutun, zu diskutieren oder Fotos einfach zu publizieren. Dazu gibt es eine Fülle von sozialen Applikationen und Networks, wovon Blogs nur eine, die entwicklungsgeschichtlich älteste, Variante sind.

  • Ich persönlich denke schon, dass Blogs in Deutschland noch mehr Potenzial haben als zurzeit. Ich denke da aber vor allem an themenspezifische Blogs – ob “Corporate” oder privat ist eher zweitrangig. Denn um mit einer gewissen Regelmäßigkeit vergleichsweise schnell, unkompliziert und trotzdem “professionell” (im Sinne von ordentlich, ansehnlich) kleine oder größere Fachbeiträge zu veröffentlichen, sind Blogs nach wie vor sehr gut geeignet.

    Die Inhalte vieler “Ich schreib jetzt einfach mal, was ich gerade so denke und tue”-Blogs werden sich allerdings auch meiner Meinung nach zunehmend in Social Networks, Microblogging-Dienste (Twitter) u. Ä. verlagern.

  • @Michael, da gebe ich Dir recht. Andererseits verschiebt sich die Kommunikation, vor allem in Fachbereichen doch hin zu einer dezentralen. Da twitter ich, favorisiere Links auf de.icio.us, tagge Fotos auf flickr und das ganze aggregiert dann Friendfeed.

    Was ich meine ist, das Zeitalter des Konzeptes “Website” scheint sich dem Ende zu nähern — was dann ja auch bedeutet, dass Werbung anders aussehen muss — und der Begriff “Werbeträger” sich auf den Autor und sein Image niederschlägt ;)

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