Von eingebildeten und myspace Stalkern

Manchmal entstehen Themen, wenn zufällig an einem Tag verschiedenste Quellen komplett anders einen Begriff aufgreifen.
Heute lese ich im HA, dass die Stalkerin, die Jil Sander gepeinigt hat,- Es begann 1999 mit einem “selbstgestalteten” Buch, es folgten Briefe und es endete 2005 schließlich mit Morddrohungen – nun vor Gericht erscheint. Gut soweit.

Später finde ich in meinem RSS-Reader ein Posting von Robert, das ursprünglich aus dem Blog “Drin in der Stub`n” stammt. Eine satirische Geschichte übers Stalking. Sehr lesenswert:


Verzeihung, ich wollte nicht stören!

Nach einer Begebenheit des Journalisten Chris Dannegger

>>
Viele Menschen müssen nachts raus. Vielleicht, weil unerwartet der Ehemann nach Hause kommt, vielleicht aber auch – und das geschiet weitaus häufiger -, weil irgendwo da draußen einem Fremden der Sinn nach Belästigung steht. Mein Fall ist etwas komplizierter. An meinem letzten Tag vor Eintritt ins Eheleben hatte ich unbeschwert die Nummer meines Schwagers Winfried gewählt, um ihn zu sagen, dass mit der Partybeleuchtung am Wochenende alles klar ginge. Oder besser, ich hatte geglaubt, ich hätte die Nummer meines Schwagers gewählt. Dass dem nicht so war, bemerkte ich, als mir eine fremde Frauenstimme pikiert ins Wort fiel: “Sehr interessant”, sagte die Stimme, “aber hier ist Doktor Kling und nicht die alte Schnapsdrossel!”

Nachdem wir die Nummern abgeglichen und den Fehler in der Zahlenreihe lokalisiert hatten, entschuldigte ich mich verlegen und legte auf. Dann wurde mir bewußt, dass ich im Gegensatz zu Frau Dr. Kling meinen Namen nicht genannt hatte; eine weit verbreitete Unsitte, die mich selbst regelmäßig auf die Palme brachte. Ich drückte kurzentschlossen die Wahlwiederholung und machte mein Versäumnis gut. Frau Doktor Kling aber zischte gnatzig, das sei nicht nötig gewesen und sie wolle nun nicht mehr belästigt werden.

Später konnte ich nicht einschlafen. “Belästigt”, hatte Frau Doktor Kling gesagt. Das Wort hallte durch meinen Kopf wie das Echo in einer Tropfsteinhöhle. Vielleicht hielt sie mich für einen dieser verrückten Stalker, die andere Leute telefonisch an ihren wahnhaften Gedanken teilhaben ließen. Ja, womöglich kauerte sie nun mit einer Trillerpfeife im Mund neben dem Telefon und hatte Angst vor dem Einschlafen. Das hätte ich mir nie verziehen.

“Frau Doktor Kling”, säuselte ich in den Hörer, “ich wollte nochmals mein Bedauern äußern.”
“Was?”, fragte die Bedauerte matt. “Und deshalb wecken Sie mich?”
“Keine Panik”, beruhigte ich sie, “es ist nur, damit Sie nicht glauben, ich sei irgend so ein Irrer, der plötzlich nachts in ihrem Schlafzimmer steht. Ich meine, Ihren Namen habe ich ja nun. Da wäre es theoretisch auch ein Leichtes, Ihre Adresse herauszubekommen und über den Balkon einzusteigen … Ich dachte nur, Sie sollten wissen, dass das gar nicht mein Stil ist — über den Balkon …. Sind sie noch dran?”

Frau Doktor Kling klang beklommen, als sie ihre Stimme wiedergefunden hatte. “Hören Sie” stammelte sie, “ich bin mir sicher, Sie haben Furchtbares erlebt. Aber es gibt für alles eine Lösung. Die Menschen sind nicht alle schlecht.” “Natürlich nicht”, bestätigte ich. “Das ist genau das, was ich sagen wollte. Nehmen sie nur mich, ich bin völlig harmlos, ehrlich. Schon in der Schule haben mich alle gehänselt, weil ich so harmlos war. Sich haben mich derart gehänselt, dass ich vor Wut hätte um mich schlagen können. Aber das habe ich nie getan, weil ich, wie gesagt, viel zu harmlos war … ”

“Jetzt aber”, rief Frau Doktor Kling. “Glauben Sie etwa, dass mich das interessiert?” “O, ich versteh Sie”, sagte ich, “Sie haben Angst vor mir. Aber wenn Sie mich sehen könnten, dann würden sie selber darüber lachen, dass sie mich für einen unterbelichteten Waffennarr gehalten haben, der versucht, mit Rohheit zu imponieren, weil er es nicht gelernt hat, sich auf erwachsene Weise einer Frau zu nähern.”

“Das habe ich doch niemals gesagt!” “Gesagt nicht”, pflichtete ich ihr bei “aber bestimmt gedacht. Wissen Sie was? Ich fahre jetzt zur Tankstelle, kaufe den größten Blumenstrauß, den ich kriegen kann und dann komme ich zu Ihnen, damit Sie einen Blick auf mich werfen und dann wieder ruhig schlafen können.” “Das halte ich für keine gute Idee.” “Doch, doch, ich bestehe darauf.”

Ehrlich, ich wollte Frau Doktor Klings Scheibe nicht einschmeißen. Aber da sie das Klacken der Kieselsteinchen offenbar nicht hörte, nahm ich zunehmend größere, bis sie wohl zu groß wurden. Als ich später der Haftrichterin vorgeführt wurde, meinte diese, für eine Anzeige reichten die Indizien aus, Stalking sei deine ernste Sache. Ich glaube, sie hat da was missverstanden. Das muss ich ihr unbedingt sagen. Zum Glück steht ihr Name im Telefonbuch.
< < Auf der Suche nach dem Ursprung dieses Postings stolperte ich über eine bekennenden myspace-Stalker.
Eigenwillig.