Vorschule Hamburg: Die Katastrophe nimmt ihren Lauf

Acht förderbedürftige Kinder sind es offiziell in der Vorschule meiner Tochter. Mindestens und soweit „offiziell“ bestätigt, als auch Robert Heinemann dies bei der Schulbehörde recherchiert hat.
20 Kinder und eine Vorschullehrerin, eine der besten und hart gesottensten der Stadt. Immer wenn man meint, es kann kaum noch schlimmer kommen, dann zeigt sich, dass die Versorgung der jüngsten Hamburger Schüler im Krankheitsfall selbst rudimentär nicht mehr gewährleistet werden kann.

Auf meinen Hilferuf Ende Oktober ist reagiert worden. Bemerkenswerter Weise nur von Herrn Heinemann, Frau Britta Ernst schweigt bis heute. Ob sie ihre Abgeordnetenpost nicht liest, oder der Ordner von Spam voll läuft weiß ich nicht. Schade.

Trotz der Tatsache, dass wir uns im Wahlkampf befinden, unsere Schule Thema in der Bürgerschaft war, wie mir berichtet wurde, und man sich fröhlich stritt über die Unterversorgung unserer Kinder, trotzdem bleibt es an der Schule hängen und an uns Eltern die Lücken aus Bordmittel zu schließen. Von der Bürgerschaft, dem Senat und seinen Zirkeldemokraten, von der Stadt und der Behörde erreicht uns nur zynische heiße Luft. So schreibt die Schulbehörde mir, dass unsere Schule vergleichsweise gut dasteht, es noch viele Vorschulen gäbe, an denen es weit schlimmer aussieht. Mein Gott, was für eine Bankrott Erklärung.

Herr Heinemann weicht aus, indem er darauf hinweist, dass in Ottensen ja die Eltern ihre Kinder sowieso eher in die Kita schicken, was dem Problem wirklich nicht weiterhilft. Immerhin, hatte ich das schon erwähnt, er meldet sich wenigstens (*seine Antworten unten).

Nun ist unsere tapfere Vorschullehrerin krank geworden und alles bricht vollends zusammen. Die einzige Ersatzkraft in ganz Hamburg, eine ausgebildete Vorschullehrerin, ist angeblich so krank, dass sie ihren Stadtteil nicht verlassen kann. Ist also nutzlos, für uns nicht existent. Darauf, das muss man sich mal vorstellen, ist Hamburg nicht vorbereitet, dass Lehrer ausfallen, Wahnisnn! Eher verschlimmernd die 400-Euro-Hilfskräfte, die nun versuchen die acht sozial auffälligen Kinder und ihre Klassenkameraden zu verwalten, völlig überfordert reagieren und die Situation eskalieren lassen.

Ich habe nicht den Eindruck, dass die Schulleitung hier versagt hätte. Im Gegenteil, sie wird unter dem Deckmäntelchen der Selbstverantwortung genau so gegängelt und allein gelassen, wie wir Eltern und unsere Kinder.

Die Vorschule droht auseinander zu brechen. Wer kann verteilt die Kinder auf Omas, andere Vorschulen und Kitas. Nur diejenigen, die unsere Hilfe am Nötigsten hätten, werden mit einem Rumpf an Betreuung zurück gelassen. Die Förderkinder.

Es ist ein Skandal, dass in Hamburg nicht mindestens der gleiche Betreuungsschlüssel für Vorschulen gilt, wie für Kitas. Es ist ein Skandal, dass Kinder, die aus gutem Grund für die Schule vorbereitet werden sollen durch die Minderausstattung der Vorschulen ihrer Chancen beraubt werden.

Es macht mich krank, dass ich nun vor einer Wahl stehe. Kann ich überhaupt noch jemanden dieser Zyniker wählen, die da lustig akademisch, allein über Gymnasien streiten? Wenn ich nicht alt genug wäre, um zu wissen, dass Farbbeutel das Problem nicht lösen, oder mutiger, wäre ich auf dem Weg zu Max Bahr und danach ins Rathaus.

* meine Antworten kursiv
Robert Heinemann schrieb:

Sehr geehrter Herr Hauth,

auch wenn es sich nach meiner Recherche “nur” um acht schwierig zu integrierende Kinder handelt, sind die Belastungen für die Vorschullehrerin und die anderen Schülerinnen und Schüler nicht zu leugnen. Mit
verantwortlich für dieses Problem ist die Tatsache, dass in Ottensen nur wenige Eltern ihre Kinder in eine Vorschulklasse geben: Entweder bevorzugen sie eine Kita oder sie geben ihr Kind z.B. in eine Vorschulklasse außerhalb Ottensens. Dies führt dazu, dass diese acht Kinder z.B. nicht auf zwei Vorschulklassen verteilt werden können, wodurch sich das Problem deutlich reduzieren würde.

Mit Verlaub, ich sehe in den von Ihnen angeführten “Tatsachen” sind keine Entschuldigung für die mangelhafte Ausstattung der Vorschulen.
Hier würde ich gerne Ihre Haltung zur zukünftigen Politik der CDU erfahren. Sicher ist es ebenfalls “Tatsache”, dass die dieses Jahr auftretenden Probleme mit der “Schulpflicht für förderbedürftige Kinder” systemimmanent werden – eben auch durch den oben von Ihnen beschriebenen Umstand. Gerade die Trennung in Kita-Vorschulen und Vorschulen an Grundschulen wird die Situation noch weiter verschärfen, wenn nicht massiv in die pädagogische Ausstattung der Vorschulklassen investiert wird. In diesem Zusammenhang habe ich mit Verärgerung zur Kenntnis genommen, dass das ‘Schulgeld’ der Eltern leider nicht für die Schulen eingesetzt wird, sondern zur Konsolidierung des Haushaltes umgeleitet wird.

Nach mehreren Gesprächen mit der Bildungsbehörde habe ich den Eindruck gewinnen können, dass der Schulleiterin die aktuelle Problematik – die zumindest an dieser Schule so in der Vergangenheit offenbar noch nicht
aufgetreten ist – sehr bewusst ist und sie von sich aus bereits mehrere Schritte unternommen hat, um die Vorschullehrerin zu unterstützen.

Diesen Eindruck haben wir auch, allein die Maßnahmen werden nicht ausreichen, bezieht sich doch auch die Schulbehörde auf in der Mehrzahl privat organisierte Hilfe (Studentin, Schülerpraktikantin).
Wir fordern eine massive Unterstützung der Vorschule. Eben auch um dem völligen Vertrauensverlust vorzubeugen. Bereits jetzt lässt sich in der Elternschaft in Ottensen der Trend vernehmen, noch weniger nicht förderbedürftige Kinder in der Vorschule anzumelden. Dieser Stimmung muss durch energische pädagogische Qualitätssicherung entgegen gewirkt werden, sonst sieht sich die Vorschule Rothestraße im nächsten Jahr mit einem noch ungünstigeren Verhältnis konfrontiert!

Entsprechende zusätzliche Stunden stehen der Klasse zur Verfügung – so arbeitet jetzt ein Türkischlehrer zeitweise mit den überwiegend türkischen Jungen.

Wie ich zwischenzeitlich höre stehen Schulen mit erhöhtem Förderbedarf zusätzlich bis zu 5-7 Doppelstunden zur Verfügung. Wir Eltern möchten nachfragen, wo diese Ressourcen geblieben sind.

An weiteren Unterstützungsmaßnahmen wird von Seiten der Schule derzeit meines Wissens gearbeitet.

Mit freundlichen Grüßen

Robert Heinemann
Schulpolitischer Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion

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Sehr geehrter Herr Hauth,

die Rothestraße zählt bislang nicht zu den Schulen mit einem erhöhten Förderbedarf. Auch wenn Sie die konkrete Situation vor Ort verständlicher Weise anders bewerten, bitte ich Sie zu berücksichtigen, dass die Zusammensetzung der Schülerschaft in vielen anderen Stadtteilen noch deutlich schwieriger ist. Selbstverständlich ist aber regelmäßig zu überprüfen, ob die Einstufung der Schule Rothestraße noch richtig ist.

Ihren Unmut über die aktuelle Situation verstehe ich. In der Vergangenheit wären diese acht Kinder aber ohne jede Förderung in die 1. Klassen gekommen. Jetzt besteht die Chance, diese Kinder – auch wenn dies ein schwieriger Prozess ist – an Regeln zu gewöhnen, in der deutschen Sprache zu fördern und so den gemeinsamen Start für die neuen 1. Klassen deutlich zu verbessern.

Ich bitte auch immerhin anzuerkennen, dass 2001/2002 noch durchschnittlich 21,9 Kinder in einer Vorschulklasse saßen, heute sind es 20,5 – die Rothestraße liegt offenbar noch leicht darunter. Weitere Verbesserungen würde ich Ihnen kurz vor der Wahl natürlich gerne versprechen – ich halte aber wenig von Wahlversprechen, die nicht abschließend durchkalkuliert sind und nachher nicht eingehalten werden. Anders als die SPD haben wir aber stets erklärt, dass uns eine weitere Verbesserung der Qualität (d.h. auch der Ausstattung) in Kita und Vorschule wichtiger ist als eine Abschaffung der Gebühren. Die SPD hat jetzt letzteres versprochen – für Qualitätssteigerung wird dann ganz sicher kein Geld mehr vorhanden sein.

Mit freundlichen Grüßen

Robert Heinemann
Schulpolitischer Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion
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