Vuvuzela – Lärmen tun nur die weißen Event-Fans

Hahaa, das möchte ich ja fast unbesehen glauben, dass die Event- und Modefans des WM-Zirkus sich die Vuvuzela nur als hippe Folklore umhängen und hineintröten, ohne über den eigentlichen Gebrauch im Sinne einer südafrikanischen Fußball-Kultur auch nur eine Minute nachzudenken.

Ein globaler Vorgeschmack auf die Heimspiele am Millerntor nächste Saison? “Olee, olleee, olleee Ollee, meine Perle, Sankt Pauliiiiii!!!” ;(

11FREUNDE: In Europa wird diskutiert, ob die Vuvuzelas die Stimmung in den Stadien kaputt machen. Wie sehen Sie das?

NIREN TOLSI: Für schwarze Südafrikaner ist es ein traditionelles Instrument, mit dem sie schon seit 1940er Jahren ihre Mannschaft unterstützen. Allerdings beruhte die Wirkung des Instruments bislang auf dem Effekt, dass Fans rhythmisch und harmonisch darüber miteinander kommunizieren.

11FREUNDE: Können Sie das lautmalerisch beschreiben?

NIREN TOLSI: Beispielsweise gibt eine Gruppe ein kurzes Ba” vor und die andere antwortet mit einem groovigen “Baa-Baba-Baaa”. Dieser Effekt ist bei der WM leider ein wenig verloren gegangen.

11FREUNDE: Inwiefern?

NIREN TOLSI: Beim Eröffnungsspiel in Soccer City hatte ich den Eindruck, dass es vielen nur darum ging, mit der Vuvuzela Lärm zu erzeugen. So lange sich das Match im Mittelfeld abspielte, erzeugten die Zuschauer nichts Musikalisches, sondern nur ein lärmiges Grundrauschen.

11FREUNDE: Haben Sie eine Erklärung dafür?

NIREN TOLSI: Die WM hat dafür gesorgt, dass die Mittelklasse angefangen hat, sich für Fußball zu interessieren. Schauen Sie in die Stadien, sehr viele Fans der Bafana Bafana sind weiß, aber das entspricht nicht dem Zuschauerquerschnitt bei Ligaspielen. Zu den regionalen Spielen in Johannesburg kommen sonst kaum Weiße.

11FREUNDE: Verkommt die Plastiktröte damit zur Fan-Folklore?

NIREN TOLSI: Ach nein, die Vuvuzela ist fester Bestandteil unserer Kultur. Sie hat ihren Ursprung im Kuduhorn und steht insofern auch als Symbol für Südafrika. Irgendwie auch schön, wenn die Welt sieht, dass es hier in den Stadien etwas anders läuft.

Erschienen im Tagesspiegel online

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