Warum Scheiss-Rufe scheiße sind

Ein holländischer Premierminister hat einmal vor einer Weltmeisterschaft etwas wichtiges gesagt, das mir im Gedächtnis geblieben ist, obwohl ich gar nicht Addressat seiner Worte war. Sinngemäß warnte er seine niederländischen Landsleute davor, ihre Identität überwiegend aus der Rivalität gegen Deutschland zu ziehen. Ein Selbstbewußtsein, das sich aus dem Abgrenzen gegen andere speist, ist keines.

Das ist mir zur Charaktereigenschaft geworden. Und war bisher in meiner Wahrnehmung auch eine Eigenschaft dieser magischen Vereinigung, die sich lose da jedes zweite Wochenende am Millerntor trifft. Gegen andere, waren nur Engstirnige und Armgläubige – Rostocker beispielsweise, denen man ihre Unkultur ja schon an dem “Scheiß-St. Pauli” erkennt, das viele Minuten ihres so genannten Supports ausmachen.

Gestern habe ich es wieder gehört. Ein Scheiß-RWO, das mir nun als Tradition verkauft wird. Meinetwegen. An eine Scheiß-Bielefeld-Tradition will ich mich aber nicht gewöhnen. Da lief glücklicherweise ein “We love St. Pauli” aus der Gegengerade dagegen – und zeigte den Unterschied auf, zwischen Abgrenzen und Ausstrahlung.

6 Replies

  • Ich muß wohl nicht extra betonen, dass ich Deiner Meinung bin.
    Würde es allerdings eher so formulieren:
    “Abgrenzung durch Ausstrahlung”

    • Ja, Ausstrahlung hat aber immer eine Richtung – ringförmig nach Außen – und sie gibt jedem die Möglichkeit, sich in ihre Mitte zu stellen.

      … das gilt auch für Menschen aus Rostock übrigens!

  • Völlig richtig ist “Identität (nicht) überwiegend aus der Rivalität gegen XY” erlangen zu wollen.

    Aber wenn jemand doof ist, darf man ihm das auch mal (mal!) sagen. Schon für’s Protokoll ;)

    • Völlig richtig ist, daß man mal sagen darf wenn jemand doof ist. Aber Sch…RWO ist dumm weil pauschal und primitiv. Das wollen wir nicht und deshalb wurde von uns auch kräftig dagegengesungen. So etwas mit Tradition zu erklären ist wirklich das dämlichste was ich die letzte Zeit gelesen habe.

  • Ich habe vor zwei Wochen die nicht benötigten Dauerkarten eines Kollegen genutzt und s04 gegen bvb in der “Sporthalle” auf Schalke erlebt.
    Seit langem bin ich mal wieder in die Situation gekommen vor dem Ende eines Spiels gehen zu wollen.
    90 minuten plus Halbzeit plus ca. 15 vor dem Spiel, nur eine Textzeile (Lied kann man das bei drei Wörtern nicht nennen) – “…. bvb hu…söhne”
    Ganz grosser Support. Scheiss bvb währe echt eine Abwechslung gewesen. ;-)
    Selbst meinem “Königsblauen” Begleiter war es irgendwann zu peinlich.

    Auch schön war der Bierbecherwurf eines “Fans” der Heimmannschaft als 8 Reihen vor ihm eine einzelne Person beim Gegentreffer , wohl vor Freude für den BVB, aufsprang. Das Bier ergoss sich auf die blauen gekleideten Fans in den 6 Reihen vor ihm, der leere Becher dann einen blauen in der 7 Reihe. Im folgenden gab es ein Gerangel zwischen den beteiligten Schalker Fans. NaJa zumindest haben die in der Phase dann nicht oben besagte Worte gesungen ;-)

    Ich befürchte Fussball war für viele an dem Abend nicht der Hauptrund in das Stadion zu gehen.

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