Wer braucht Filmkritiker?

Die gerade geführte Debatte, ausgelöst von Joseph Schnelle in der Berliner Zeitung, ob Kinos Blogs brauchen oder das Internet oder sich Kinogänger, von denen es immer weniger geben soll, doch besser in Printmedien informieren, als bei den Filmfreunden im Internet mutet gespenstisch an.

Schnelles größter Fehler: das Wiederaufwärmen dieses dummerhaftigen Kausalitätsansatzes Print=Qualität; Internet=Schrott.

Tatsache ist: Ein Teil des Kulturjournalismus in Print und Radiomedien wird verschwinden, weil es immer mehr ebenso kosten- wie verantwortungslose, zudem meinungsschwache Angebote der Blog-Amateure geben wird. Kritiklos verlängerte Werbung eigentlich.

Ich habe selbst ein paar Filmkritiken in dieses Blog geschrieben. Mal schnoddrig, mal kurz, mal ausführlicher. Meine Ideen würde Herr Schnelle als Schrott bezeichnen. Einerlei.

Beim lesen dieses vor Arrogangst triefenden Artikels sehe ich sie wieder vor mir, die zauseligen Filmkritiker mit denen ich auch schon die Kinosäle bei Pressepremieren teilte. Notorisch unterbezahlt, überwissend – wenn es um bengalische Filme geht, die vor 1965 gedreht wurden, aber danach fragt sie ja niemand. Rauchend und grau im Gesicht saßen sie da. Der neueste Hollywoodfilm wird als körperlich schmerzende Zumutung wahrgenommen. Ein verschwendeter Vormittag, wie so oft. Nicht gebührend gewürdigt wird ihr Wissen, das sie mit Tausenden von Taxifahrern teilen. Weder von Verlagsleitern, noch von Lesern.

Das schlägt auf die Stimmung, macht miesepetrig. Immerhin wurde man dafür bezahlt und kam aus den miefigen Redaktionen heraus, wenn man denn eine hatte. Da traf man immer dieselben Schleicher und in jeder Stadt sahen sie gleich aus.

Tatsache ist: Gute Filmkritik findet sich auch im Netz. Unbezahlt, mit Detailwissen bespickt, dass einem die Ohren schlackern, wenn man dann möchte, pointiert und manchmal doof.

Meinung ist: ich mag Fußball auch lieber parteiisch. Lebendig und nicht versteckt hinter einer kulturwissenschaftlichen Fassade, die an das Bukarest der 90er Jahre erinnert. Der Artikel von Herrn Schnelle drückt Angst aus und Unverstehen einer echten Welt, die aktiven Wettbewerb und Neugier erfordert, ohne Standesdünkel im warmen und subventionierten Bettchen des Feuilletons. Sollen sie sich doch ein Blog aufmachen, für bengalische Filme – und schreiben worüber sie verstehen!

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