Winterpausen-Buch: “Niemand siegt am Millerntor”

niemand siegt am millerntor/Niemand siegt am Millerntor – ja das habe ich hier auch schon oft gesungen. Ich freue mich auf den Start der Rückrunde, wie Bolle – und vertreibe mir die Zeit mit der Lektüre eines Buches, das ein im positiven Sinne Verrückter geschrieben haben muss.

René Martens, “Niemand siegt am Millerntor” ist ein feines Buch für kalte Tage. Die akribisch zusammengestellten Infos, die jedem Anspruch an ein braun-weißes Quartett genügen sind mit lebendiger Hingabe aufgeschrieben und illustriert.

Besonders gelungen finde ich die Rubrik “Talkshow”, in der bekannte und weniger berühmte Paulianer ihre Geschichte zu der Stätte ihrer Liebe erzählen – dem Hamburger Millerntor.

Seit 1988 kann ich diese Geschichte mitschreiben, seit ein paar Jahren auch digital – aber gerade die Geschichten aus den 50/60ern oder von vor dem Krieg sind es, die eine solche verrückte Sammel-Leidenschaft, wie René’s zum Weltkulturerbe am Kiez, druckwürdig und zu einer runden Winterpausen-Lektüre machen!

Inhalt:
Kapitel 1 – Frühgeschichte

* Vom wahren Millerntor – Kleine Geschichte eines großen Namens
* Bodenständig für immer – die typischen Merkmale des Standorts Heiligengeistfeld
* Von Falke bis Fichte – die anderen Millerntorclubs
* Fußball ohne Stadion – St. Paulis Plätze bis 1945
* Ein Produkt der Anarchie – Politische Querelen um die Heimat des FC
* “Die Aufregung kennt keine Flaute” – Fußballberichterstattung in der Nachkriegszeit
* Das medienhistorische Spiel – Fand Weinachten 1952 am Millerntor eine Premiere statt?
* Die Folgen der Globalisierung – Große internationale Spiele auf St. Pauli

Kapitel 2 – Sturm und Drang

* “Der Staat muss sich etwas einfallen lassen” – Was Anfang der 1960er Jahre alles verkehrt lief
* Kampfmaschine im Karnickelloch – Die historische Verletzung des Verteidigers Heinz Deininger
* Auf engstem Raum – Das Millerntor in den 1960er und 1970er Jahren
* Es war einmal – Die Südkurve, die Meckerecke und was sonst verschwunden ist
* Die Spezialitäten des Hauses – Von Wasserklosett bis Werbung – eine Sightseeing-Tour
* À la recherche du temps perdu – Die Geschichte der nicht realisierten Neubauten
* “Wir sehen uns auf den Barrikaden” – Politik am Millerntor – ein Abriss

Kapitel 3 – Talkshow

* “Die Ultras könnten meine Kinder sein” – Ein Gespräch über Fußball und Musik
* “Den modernen Fußball kann man sich nicht schöntrinken” – Ein Gespräch über Engagement und Visionen
* “Vier- Sterne- Hotels und verfallene Häuser” – Ein Gespräch über Stadion und Stadtteil

Kapitel 4 – Spieltage

* Die Essentials der Geschichte – Zwischen Himmel und Hölle – 36 Schlüsselspiele
* Aus dem Leben der anderen – Von Dünebergern, Zyprioten und Legenden
* Hello und Goodbye – Notizen zu Trauerfeiern und Einweihungsspielen
* Das Gute an den schlechten Zeiten – Eine kleine Zahlenrevue zur Zuschauerentwicklung
* Heimspiele in der Fremde – Der Volkspark und andere Asylorte

Kapitel 5 – Mixed Zone

* Always ultra – Erinnerungen an einen berühmten Fan: St. Pauli-Willi
* Wenn Tote keine Verluste bringen – Die Lebensdauerkarte, das Prunkstück der organisierten Millerntor- Kultur (ein Gastbeitrag von Peter Cardorff
* “Der Klub der flotten Dichter” – Samples aus einem halben Jahrhundert Stadionliteratur
* “Das Stadion ist meine Kirche” – Katja Löffler, seit ihrer Geburt blind, schreit und stürmt für den FC St. Pauli
* The incomplete songbook – Stadionsongs und -gesänge – eine Hitparade
* Rotwein in Pappbechern – von Günter Grass bis DJ Koze – Kultur am Millerntor
* Millerntor Murder Mysteries – Das Stadion als Krimischauplatz – Drei Beispiele

Kapitel 6 – Neue Welt

* Status quo vadis – Die lange Geschichte einer noch jungen Tribüne
* “Sozialromantik ist sexy” – Wie St. Pauli – Anhänger die Währungsreform stoppten
* “Niemand kann uns zwingen, uns zu verkaufen” – Der Kampf um den Namen des Stadion – und die Identität des Klubs

Verlag Die Werkstatt, 160 gebundene Seiten, 24,90 EUR, ISBN 978-3-89533-600-3

(via Kiezkicker)

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