Wir sind die Einwanderer von Digitalien

Flut 1962

“Mensch, Du bist ja enorm fleissiger Nutzer bei facebook”, begrüßt mich einer der Konferenzteilnehmer gestern in der Vor-Münchner Provinz. Ich stutze. Wie so oft in letzter Zeit, wenn ich bspw. auf ein Foto angesprochen werde, das seinen Weg sich bahnte durch meinen sozialen Strom. Wenn es vom iPhone zu Flickr gesandt, dank Twitpic zwischenzeitlich zu einem Tweet umgeformt, dann zu meinem aktuellen facebook-Status wird.

Klar, Vernetzung, schon begriffen – und doch ist ein Teil meines lymbischen Systems tief erschrocken, wenn es in der realen Welt, von einem Geschäftspartner, den man alle paar Monate einmal sieht, auf das eigene digitale Treiben angesprochen wird. Ob es daran liegt, dass ich Einwanderer in diese Welt bin? Haben es da die Eingeborenen einfacher? Wirken da meine Ängste und mein Unwohlsein, beispielsweise den Datenschutz betreffend, auf jüngere Generationen einfach so, wie der Schlager oben auf meine?

Ich bin analoger Muttersprachler und muss auf digitale Eingeborene genauso merkwürdig wirken, denkt man zuerst – und irrt vielleicht. Denn sind die eigentlichen Ur-Einwohner von Digitalien nicht Such-Bots, Server, Maschinen und Algorithmen? Und die Alten, wir Einwanderer aus Analogistan, die einzigen, die noch in der Lage sind die Matrix zu erkennen?

Schicke mir jemand bitte einen Wald, ich möchte pfeifen.

6 Replies

Ergänze