Wirtzhaus

Ich kenne in der Gegend kaum noch eine Kneipe, die den Namen verdient. Büsing, Schlag; alles versunkene Namen. Es waren die Kneipen meines Grossvaters, wo man anschreiben konnte, weil er sich jeden Abend, später jeden zweiten, die Mühe des Arbeitstages herunterspülte. Eine andere Art Generationenvertrag.

Gehe ich heute durch Ottensen dann klingt dieses Gefühl höchstens noch nach. Überlagert von stylischen Restaurants mit Pseudo-ajurvedischer Billigküche in Rotholzimitatambiente. Das Ribatejo kommt meinem Verständnis von Kneipe noch am nächsten. Deswegen fühlen wir uns dort wohl so wohl, eben weil neben den Touristen sich auch eine Nachbarschaft dort trifft, denen Carlotta auch Kredit gibt, und unseren Kindern auch. Währenddessen sind Portugal und Altona gleichsam unter Belagerung durch Menschen in schwarzen Anzügen, die ihr Dasein in Rollkoffern hinter sich her ziehen, die genau in ein Overhead Compartment passen.

Ich befinde mich derzeit auf Reisen. Ja, ich besitze auch einen Rollkoffer. Und gleich begebe ich mich auf eine Verandtaltung voller Männer mit schwarzen Anzügen. Da war es wichtig und gut, sich im Gasthaus Wirtz in der Südstadt (auch so ein Nachklang-Viertel) mit Kottelet und hausgemachtem Kartoffelsalat aufzuladen. Mit ein paar Kölsch im Kopf die Patina dieser untergegangenen Welt zu sehen. Fortuna-Wimpel an der Wand und Erinnerungen an grosse Boxer aus Köln. Echte Menschen, laut und fröhlich. 

Ergänze