Yesim – St. Pauli wehrt sich gegen Abschiebung

Zwischen Hamburg und Berlin gibt es viele Parallelen. In letzter Zeit tauchen diese auch in den Medien immer wieder auf. Aktuell diskutieren beide Städte kräftig darüber, dass zwei Familien, die lange schon in Deutschland leben und am Leben in den beiden Städten teilnehmen, Opfer einer verfehlten, verdrängten und von der Politik verschleppten Immigrationsdebatte und einer unmenschlichen Bürokratie werden – sie sollen abgeschoben werden.

Die beiden Fälle sind Schicksale, die bemerkenswerte Ähnlichkeiten aufweisen. Yesim, genau wie ihre Generationsgenossin die „17-jährige Hayriye Aydin, die vor kurzem vom Bundespräsidenten für ihr Engagement gegen Antisemitismus ins Schloss Bellevue eingeladen worden war“, ist gerade vor Bekanntwerden ihrer drohenden Ausweisung mit ihrer „Band im Hamburger Rathaus sogar mit dem Peter-von-Zahn-Gedächtnispreis“ ausgezeichnet worden. Beide Familien und beide Mädchen gelten als gut integriert, was ich hier jetzt nicht zerrede und als Auszeichnung stehen lasse.

Wenn ihnen nun trotzdem die Abschiebung droht und einem die Verfaultheit einer kranken Verwaltung in die Seele sickert – endlich muss man ja fast sagen – dann kann einem schon mal das Mittagessen hochkommen, bei allen unterschiedlichen Ansichten auf anderen Gebieten.
Bevor wir uns jetzt weiter in die wichtige und überfällige Integrationsdebatte stürzen und ich hier das Modell der „universellen Achtung“ mitdiskutieren möchte, muss gehandelt werden.
Beide Abschiebungen müssen verhindert werden. Auf St. Pauli findet kommenden Dienstag dafür Folgendes statt:

St. Pauli läuft für Yesim: Am Dienstag, den 9. Mai 2006 von 14.00 bis 16.00 Uhr veranstalten die Ganztagsschule St. Pauli, der „Jamliner“ der Jugendmusikschule Hamburg, die Gemeinwesenarbeit St. Pauli-Süd, das Jugendhaus der Kirche, das Nachbarschaftsheim Silbersack und der Baui
Brunnenhof im St. Pauli Stadion am Millerntor einen Sponsorenlauf.
Der Erlös geht als finanzielle Unterstützung an Yesim und ihre Mutter. Spendenkonto: Schulverein der Ganztagsschule St. Pauli, HASPA, Kto. Nr. 10 24 21 46 76, BLZ 200 505 50. Nähere Informationen bei der Ganztagsschule St. Pauli unter Tel. 42 888 170.

(Anwälte kosten nämlich viel Geld, aber nur so läßt sich mit Verwaltungsbürokraten reden, leider – Anm. d. Blogautors)

Bei dieser Gelegenheit noch eine Ermahnung an unsere Ottenser Jungs in Berlin, Olaf Scholz und Markus Weinberg: Nehmt das bitte Ernst! An diesem Fall entscheidet sich, ob wir Hamburger Vertrauen in unsere Institutionen zurück erhalten. Scheitert die verwaltungstechnische Eingliederung dieses Mädchens in unsere Stadt – die menschliche hat nämlich schon stattgefunden und steht hier gar nicht zur Debatte-, hinterlässt das einen noch größeren Graben zwischen Menschen und Bürokratie. Fatal, für beide Seiten.

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