Zeitlose Orte

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Es galt lange, dass Orte an denen die Zeit scheinbar spurlos vorbei geht, mindestens zur tiefen Provinz zu zählen seien. Eigentlich ist es anders herum.
Orte, zu denen man zurückkehrt, ohne eine wesentliche Veränderung wahrzunehmen, sind faszinierend. Nahezu perfekt, denn der Druck des Wandels verpufft hier, findet einfach keine Angriffsfläche.

Blankenese, bei Hamburg, war lange Zeit ein solcher Ort. Zwar zogen immer mehr Hamburger hinzu, das Wesen des kleinen Fischerdorfes, die gegenseitige Unterstützung, das gemeinsame Gefühl an einem besonderen Flecken Erde wohnen zu dürfen, das ist immer noch so, wie immer schon.

Vor gut 30 Jahren segelte mein Vater öfter mit uns Jungs nach Aeroe, einer Insel in der dänischen Südsee. Abends spielten wir dann auf der Mole von Aeroeskoebing und sahen den großen schwarz-weißen Fähren zu, wie sie ein paar Landwirtschaftsfahrzeuge und Menschen an Land spuckten. Nebenbei fingen wir eimerweise Krebse für das Abendbrot.

Besucht man Aeroeskoebing heute, fügen sich die Wahrnehmungsmuster von damals nahtlos in die gerade eintrudelnden Eindrücke von Auge, Nase und Ohr.

Hier muss sich nichts ändern. Warum auch? Solange es segelnde Väter gibt, die ihren Kindern dänisches Soft-is und Lakritzpfeifen schenken, solange man an der Mole Krebse mit altem Weißbrot fangen kann, solange das Leben in diesem Rhythmus lebenswert ist, solange muss sich hier nichts ändern.

Eine stoische Kraft entspringt daraus. Ein wenig von dieser Kraft kann man mitnehmen. Allerdings muss man immer mal wieder zurückkehren.

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