Zu Fuß zum Dammtor

Zum Dammtor-Bahnhof

Es hat gefroren in der Nacht, die Brücke, die von Planten und Bloomen, seinen Alster-seitigen Ausläufern am Stephansplatz, zum Dammtor führt ist ein wenig glatt. Ich bin spät dran. So spät dran, dass ich heute morgen Katzenwäsche gemacht habe. In den Spiegel sehe ich sowieso nicht mehr gerne. Die Ränder unter meinen Augen sind inzwischen zu Tränensäcken geworden, allein schon an ihnen kann man mein wahres Alter erkennen. Alles andere ist noch ganz gut in Schuß. Mein Haar darf ich für Mitte 50 voll nennen, außerdem ist es so blond, dass die wenigen grauen Strähnen gar nicht so recht auffallen wollen. Schlank bin ich auch – und werde es wohl bleiben, denn nun gehe ich öfter zu Fuß. So wie heute zum Dammtor.

Dummerweise, denn eigentlich mag ich nicht mehr angesehen werden. Aber wegen meines Mediengesichtes und meiner Cab-Calloway-Haltung erkennt mich auch noch jeder Hamburger auf Anhieb. Ich bin spät dran, würde am liebsten rennen. Das gehört sich aber nicht für einen Bürgermeister a. D.. Habe sowieso so viele Gedanken im Kopf, dass ich sicher stolpern würde. Dachte, das wäre nun vorbei. Ich darf nicht vergessen Marcus anzurufen und ihm davon abzuraten den Landes-Chef zu machen. Himmelfahrtskommando.

Die Akkordeon-Spielerin auf der Brücke grüßt mich, grinst ein Politikergrinsen. Schön, sie hat mich nicht erkannt.

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