Ja, ich komme auch zur JHV …

aber dass die Mopo die Veranstaltung meinetwegen umbenennt, ist dann doch zuviel der Ehre ;)

Am kommenden Dienstag findet im Saal zwei des CCH die Jahreshautversammlung des FC St. Pauli statt. Der Präsident hat viel zum Vorzeigen. In der MOPO spricht Stefan Orth (45) über…

… fehlt übrigens noch ein „h“ ;)

… die Gegengerade: Die Verträge sind ausverhandelt, von der Stadt und den Banken gibt es positive Signale. Wir wollen und können uns keinen Experimentalbau leisten. Wir werden hanseatisch und bodenständig eine Entscheidung treffen, sie noch im November bekanntgeben. Nur soviel: Für mich ist das Alleinstellungsmerkmal das gesamte Millerntorstadion mit all unseren Fans. Die Tribüne wird 13500 Plätze haben, davon 2500 Sitzplätze. Sie wird zu Beginn der neuen Saison nutzbar sein.

Das ist in der Tat ein Thema, bei dem sich Stefan Orth durchaus profilieren kann. Die Welle, so lese ich das, ist wohl passé.

… den Antrag für die Mitgliederversammlung eines teilweisen Rückbaus der Business-Seats: Wir haben unsere selbst gesteckten Ziele beim Abverkauf der Business-Seats in der 2. Liga mehr als erreicht, möchten uns für einen eventuellen Wiederaufstieg in die 1. Liga eine gewisse Flexibilität bewahren. Zudem sind wir an Verträge mit der Stadt gebunden. Die frei gebliebenen Plätze wurden seit Saisonbeginn in normale Sitzplätze umgewandelt und verkauft. Deshalb sind wir auch ständig ausverkauft.

Tja, da hatte man ein ganzes Jahr Zeit, dieses Thema zufriedenstellend zu lösen – und nun kommt ein unerklärter Vertrag mit der Stadt ins Gespräch – und dass die Mopo nicht nachfragt, spricht ja auch wieder Bände. (sic!)

Ich Libero

Ich stelle mir vor, wie Hubert Burda und Maria Furtwängler beim Frühstück sitzen am Sonntag letzter Woche. Maria nimmt sich noch einen Schluck Darjeeling aus der kleinen Silberkanne, die Esperanza immer frisch nachfüllt. Beide sind noch ein wenig mitgenommen von der Bambi-Party, die war dieses Jahr besonders schön, und die TV-Reichweite stimmte auch.

Du, Hubert?
Ja, mein Schatz.
Der Buschido ist ja doch ganz nett.
Ja, mein Schatz, sagt Hubert leise und lächelt.

Eine Woche vorher stand ich auf den Nordhängen des magischen Millerntor und schaute Männern aus Fürth zu, wie sie den Spielfluss meiner Boys in Brown zerstören suchten. In der ersten Hälfte gelang ihnen das sehr effektiv, was Fürth mit einem Lastminute-Tor krönte.

In der zweiten Hälfte wurden wir St. Paulianer dann emotional. Bei Max Pass auf Deniz hüpfte ich auf die Schulter von Thomas, in freudiger Erwartung des Tors. Naki, jaaaa. Wir umarmten uns, tanzten ein wenig auf dem Fleck. Der Quotenrocker küsste mich auf die Wange und ich ihn zurück. Deniz Naki tanzte um die Eckfahne und kriegte sich nicht wieder ein vor Glück. Das war ein Moment purer Leidenschaft, unter Männern.

Wir waren Libero.

Empörend

Millerntor unter Flutlicht
Millerntor unter Flutlicht

Montag Abend im Oktober. Die Sonne ist schon seit einer Stunde untergegangen, Feuchtigkeit fällt von oben auf den Rasen und bricht das Flutlicht am Millerntor, als ich mich in Richtung Nordkurve aufmache. Ich habe immer Probleme mit der inneren Motivation an Montagen. Da helfen auch zwei Wachmachbiere nur bedingt. Wie machen das unsere Boys in Brown nur, denn das ist schon wuchtig, was die in den ersten 20 Minuten spielen. Wuseln sich mit exaktem Passspiel durch die müde Fortuna-Abwehr, dass es eine Freude ist. Allen gefällts, nur Herrn Perl scheint der Spielfluß zu stören, dass er gleich drei Aktionen von Flo Bruns abpfeift. Das hat mehr Wirkung auf das Spiel, als die umstrittenen Szenen in der zweiten Hälfte. Empörend, dass so fiese Fußballerdarsteller, wie Fortunas Rösler (#30), der Jarolim für Arme vom Rhein, nicht in ihre Schranken gewiesen werden und ich verstehe das voll und ganz, dass unsere Jungs sich da verschaukelt und verpfiffen vorkommen.

Das Empören über die Schauspielertruppe Fortuna Düsseldorf macht durstig – und wie das so ist, war man am Anfang einmal im Container, dann muss man immer wieder. Herausspülen, diese Ungerechtigkeit und still dann mit Blick auf das dampfende Millerntor genießen und hoffen, dass das Nichtaufgeben wieder einmal hilft. Es hilft nicht – und so kommt das Millerntor zu Ruhe. Ausempört und völlig augepowert vom Kampf gegen Unsportlichkeit und das, was Schwafler Cleverness nennen. Da fiel vielen nicht mal ein, unsere Jungs mit einem YNWA aufzubauen. Der Süden, die Singing Area und uns Fünf auf der Nord mal ausgenommen.

Niedergeschlagen und ein wenig dun melancholisch dann an der Domschänke abzutauen lädt dann aber wieder auf. Hoffentlich steigen die doofen Fortunen in die erste Liga auf, verdient haben sie sich diese Strafe auf jeden Fall gestern.

Der Morgen danach und immer noch Spitze

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Schalldruck von überall her. Das künstliche Licht des Millerntor über das immer erstaunlich viele Schwaden an Zigarrettenrauch wabern explodiert geradezu. Quer und im Kreis brandet ein Jubel, den man nur orgiastisch nennen kann. Er hat keine Struktur mehr, keine Richtung. Der Druck löst sich auf, diese heisere Konzentration, die die letzte Halbestunde unsere Boys in Brown immer wieder gegen den Kanarienvogel Fromlowitz hat anrennen lassen. Fünf Ecken und doch kein Tor. Erinnerungsschlacke fühle ich ganz dumpf unten, so haben wir noch so manches Spiel verloren letztes Jahr. Dieses aber nicht. „Der Morgen danach und immer noch Spitze“ weiterlesen

Seid non-established!

Zur Diskussion über die Blogger-feindlichen (Twitter, Facebook, meinetwegen auch StudiVZ-feindlichen, grundsätzlich Nutzer-, Internet- und Fan-feindlichen) AGB des FC St. Pauli, ist dies der beste Kommentar bisher:

Insbesondere auch Fanzines sind davon betroffen, wenn diese einen kleinen Gewinn machen und dieser wahrscheinlich von der Redaktion versoffen wird (oder in Projekte gesteckt wird), dann wird man die Gewerblichkeit ohne weiteres bejahen müssen. Und welches Fanzine hat bitte diese Macht, dass man es nicht verbieten kann? Der Übersteiger vielleicht, aber sonst? Meint ihr wirklich, es gäbe einen riesigen Aufschrei, wenn das Ende der Welt plötzlich weg wäre? Oder dieser Blog? Ich glaube es nicht. In der jetzigen Form ist das eine Inhaltskontrolle durch die Hintertür und es wird sehr stark auf die Formulierungen ankommen, die in einer neuen Version benutzt werden. Mein Vorschlag: Nehmt den Scheiss einfach ersatzlos raus. Und wenn die DFL meckert: Zeigt denen einen gestreckten Mittelfinger, seit verfickt noch mal endlich einmal „non established“.

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Morgens Tilsiter

Ich finde ja, das ist einer der pittoresken Spielplätze in Hamburg, der Fußballplatz des Sportvereins Polizei in der Sternschanze. Sonnabend morgen 8:30 Uhr vor allem. Immerhin, der Kiosk hat schon Kaffee und die Sonne scheint.

Unsere E1-Deerns sind noch ein wenig müde, als sie so kleckerweise aus der Heimat eintrudeln in den Nachbarstadtteil. Man begrüßt sich erfreut, geht man doch teilweise auf gleiche Schulen oder kennt sich von anderen Gruppen her.

So richtig sudsche und freundlich geht man dann auch in der ersten Halbzeit miteinander um. Die Abwehrreihe vor Tormädchen Hannah justiert sich nach ihren lauten Anweisungen und lässt der starken 10 von Sternschanze keinen Raum zur Entfaltung. In die andere Richtung versiegen die Angriffe der Deerns ein wenig, so richtig kommen wir nicht zum Abschluss. „Morgens Tilsiter“ weiterlesen

Tango Rosario

Mein erstes Erlebnis mit dem Tango Rosario.
Es regnete in Strömen und es wurde fast schon duster.
Da macht es besonders viel Spaß, zu Flanken, zu Halten, zu Schiessen, zu Bolzen.

Kindheit, der Geruch nach Modder und Grass. Die erste wütende Kraft der Hormone in den Fuss transferieren, alles andere vergessend. So, dass man noch bufft, wenn es längst zu dunkel ist.

Geschrieben in ia Writer auf dem IPad

Das ambivalente Wesen des St. Paulianers – oder „re: Der etwas andere Verein aus Hamburg“

Jolly Rouge auf der Südtribüne
Jolly Rouge auf der Südtribüne

Letztens, als ich unterwegs zu einem Mittagessen mit Frodo war, im Raval, wie gewöhnlich für einen unregelmäßigen Bloggermittach, die Sonne schickte erste warme Strahlen gen Hamburg, traf ich Lutz Wöckener, Sportjournalist und Autor beim Hamburger Abendblatt. Er kam gerade vom Training und hatte mal wieder Hiobsbotschaften dabei. Wir grüßten uns, und hielten uns gegenseitig ein paar Minuten in einem Schnack auf. Thema war natürlich der FCSP.

Ich konnte es mir nicht verkneifen, ihn ein wenig aufzuziehen, wie er denn die Proteste der Sozialromantiker mit dem Wettskandal und den Mannschaftsleistungen verknüpfen könne, oftmals in einem Atemzug.
— heute morgen schlage ich das Hamburger Abendblatt auf und sehe, er hat es wieder getan. „Das ambivalente Wesen des St. Paulianers – oder „re: Der etwas andere Verein aus Hamburg““ weiterlesen

Fußball, Umarmung, männliche Zärtlichkeiten – je offener, desto homophober? Oder andersrum? #schwul

hetero schwul

Die Nationalmannschaft qualifiziert sich mal wieder – aktuell für die EM 2012. Und Jogi Löw ist wieder Thema in den Google-Suchphrasen, die diese Postille erreichen (Ist Jogi Löw schwul?). Die These, die ich damals rezitierte, nämlich, dass viele Männer gerade in Fußballstadien geradezu intim und zärtlich werden und deshalb das Schwulsein so tabuisiert wird, damit man sich das verdachtsfrei auch erlauben kann, erhält Aktualität in einem Artikel bei Stefan Niggemeier über den Aufreger von Oliver Bierhoff über den Tatort neulich. Ich möchte einen Kommentar von ihm hierherzitieren, weil er gut beschreibt, welch perfider Logik Heten* hier folgen.

– genau deshalb muss Homosexualität doch im Fußball so tabuisiert werden, damit man als heterosexueller Mann “gefahrlos” andere Männer drücken und sogar küssen kann. Man kann das auch in jugendlichen Subkulturen oder in südländischen Kulturen sehen: Je stärker Homosexualität tabu ist, umso eher können Männer miteinander Arm in Arm herumlaufen.
Das ist schlimm, aber logisch.

* der Autor ist bekennender heterosexueller Fußballfan und hat schon Männer umarmt und geküsst. Außerdem findet er Brunnemanns Bauchnabel und Florian Bruns Beine auch hübsch, Dazke Momo fürs drauf Aufmerksam machen.

Ohne Orthung #profcsp

Stefan Orth und sein Präsidium geben keine gute Figur ab, zumindest in der digitalen Vereinsöffentlichkeit sind die Vorstände des FC St. Pauli minderpräsent. Woran liegt das?

Zum einen natürlich an einer gewachsenen Gemütlichkeit, mit der man sich in den Gremien eingekuschelt hat. In einer merkwürdigen Mischung aus Kungelei, gegenseitigem Misstrauen und Stellungskrieg operiert jeder Vereinsteil an und mit dem anderen.

Fröhlich degradiert ein Michael Meeske in einem Selbstinterview* dann seinen Souverän, die vermitgliedschafte Fanbasis. Als notwendiges Übel, als Störenfried, den man zwar toleriere, weil er für die so fein vermarktbare Folklore sorge. Als wesentliche Instanz aber will Meeske das nicht wahrnehmen, die St. Pauli Fans da draussen, auch die in Digitalien, würde sich über weniger Proteste freuen, und bestätigt eine Weichgespültheit, die über normales Mediengebaren hinaus, Rückschlüsse auf den Charakter zulässt.

Lasst uns in Ruhe, hier im inneren Zirkel, meint das. Es spiegelt eine Arroganz wider, die entlarvend ist. Und unzeitgemäß.

Genauso, wie die Journalisten der Bundespressekonferenz lernen müssen, dass Kommunikation einer Regierung nicht mehr nur über gemütliche Zirkel funktioniert, wird man sich beim FC St. Pauli überlegen müssen, wie man mit einer Fanöffentlichkeit kommuniziert, und zwar verbindlich, die kein Gremium ist, keine Gruppe, sondern eine soziale Community.

Viel Zeit bleibt ihnen nicht, denn die außervereinliche Fanschaft organisiert sich derzeit mit enormer Geschwindigkeit selbst. Und wäre durchaus in der Lage, in den Verein zu wirken (#AOMV). Höchste Zeit für Orth & Co. dies mindestens zu moderieren. Ein zweiter Fankongress macht aber nur Sinn, wenn vom Präsidium die Ernsthaftigkeit belegt wird. Alles andere wirkt wie ein merkelsches Moratorium.

*
Wenn Du in andere Stadien siehst, wie dort teilweise Sponsoringaktivitäten umgesetzt werden, bist Du dann eher neidisch oder denkst Du „schön, dass es bei uns anders ist“?
Letzteres, denn zum einen gefällt es mir auch „privat“ besser und zum anderen kann es für uns keine Möglichkeit sein, alles zu vermarkten, was auf den ersten Blick bei den anderen Clubs geht. Lediglich da, wo wir aus meiner Sicht eben auch mal ungerechtfertigt für unsere Art der Vermarktung kritisiert werden, denkt man manchmal, dass es ein wenig unkritischer auch ganz schön sein kann…

Forza AFC Deerns

Zu einem Titel hat es nicht gereicht, und doch bin ich furchtbar stolz auf unsere E1-Deerns von Altona 93. Denn sie haben Beute mit nach Hause gebracht, die mehr wert ist, als so ein dusseliger Pokal – einen handfesten Satz neuer Trikots (Foto für die Sponsoren, wie bei den Großen) und die Erkenntnis, dass man auch im Kleinen so leiden kann, wie der magische FC.

Deerns Altona 93 E1

Jolly Rouge – wie rot wird das Millerntor am Samstag? #FCSP

Ich habe mich in Dortmund sehr gefreut, dass die große, eindrucksvolle und wunderhübsche rote Jolly-Rouge-Flagge mit im Block war. Und ich frage mich, nachdem das auswärts sich auch so eindrucksvoll hält, dieses Protest-Rot, wie das gegen Hannover 96 aussehen wird. Immerhin können auch wir Fans unsere Spannung ruhig mal wieder aufladen nach dem Derby und der Auswärtsfahrt zum deutschen Meister in spe, wie Stani das mit seiner leicht überzogenen „Drecks-Kick“-Ansprache gemacht hat.

Was liegt an? Habt ihr eure Pappen noch?
Allez St. Pauli, Allez Jolly Rouge!

Foto: Ausschnitt aus @rim_lights schönem Foto, die Flagge ganz rechts, das ist meine ;)

Euphoria Sanktpauliensis

Euphorie – „subjektiv temporäre überschwängliche Gemütsverfassung“

Wir könnten gewinnen, wenn jetzt alles gut geht könnten wir gewonnen haben, wenn … diese Anspannung löste sich da mitten in der letzten Woche in einem Abpfiffschrei. Inmitten dieser enttäuschten Rauten ein sehr subjektives HOCHGEFÜHL. Gewonnen. Verdient, dann der 2. Gedanke, inneres Lächeln, nein natürlich nicht, aber das macht es fast noch schöner, das in diesem Tempel der Leistungsschau junger Männer. Nach ein paar Tagen trägt dann dieser Aufwind nicht mehr. Irgendwie war es einem immer klar, dass man berauscht auf dünnem Eis feiert – schön ist es gerade deswegen, aber endlich.

Wespen sind es gewesen, die uns das zeigen durften, das Vorbangen war zuende, das Grinsen auch. Eine Art Dankbarkeit stellte sich ein, am Ende der Woche in der Dortmunder Fremde, ein tiefes angstfreies Mögen.

Dünn ist die Schicht des Glücks beim FC St. Pauli derzeit und keine Vorfreude mehr.
Vor Hannover 96 habe ich richtig Bange.

Armer Fußball, armer HSV

„Hamburger Wetter, Wir haben Hamburger Wetter“

Gegen den modernen Fußball

Ich habe unglaublich gerne bei strömendem Regen Fußball gespielt. Manchmal sind mein Bruder und ich gerade dann in den benarchbarten Park gelaufen, Tango Rosario unter den Arm, Stutzen runter und buffen. Grätschen auf Rasen hat ja was sehr sinnliches, eine ansonsten geradezu brutale Bewegung hin zu Gegner und Ball wird zu einer fließenden, der man mit ein wenig Fantasie fast Anmut zuschreiben könnte.

Große Spiele, an die man sich lange erinnert, sind anstatt ins Wasser zu fallen in einer Regenschlacht gemündet, die der eigenen Mannschaft (SC Nienstedten gegen Altona 93)genauso, wie Polen gegen Deutschland – die Wasserschlacht – oder von weniger Pathos getragen aber mindestens genauso schön, das letzte Heimspiel der Hinserie gegen den 1. FCK, bei dem man Carsten Rothenbach den Spaß ansah, die Bälle abzugrätschen, sich der Physik des Millerntors zu unterwerfen. Ein nicht zu beschreibendes Gefühl der Erdverbundenheit, wenn der Schlamm dann langsam verkrustet am Oberschenkel, die Wonne, den dann nach so einem Spiel heiß abzuduschen. All das hat die moderne Rasen-Kultur, der moderne Fußball á la HSV unmöglich gemacht – und das ist ein herber Verlust.

Es ist dabei unerheblich, dass der Rasenvau nun gar nicht mehr gewinnen kann (und davon ist kalt-kalkulatorisch ja nach wie vor auszugehen, an einem Nachholtermin am 16.2.) – ohne immer die Frage mitzudenken, was passiert wäre, wenn das Derby auf einem richtigen Fußballplatz ausgetragen worden wäre, anstatt in einer Eventbutze mit Parkhaus, der ihre Verbindung zu dem Wesen des Spiels schon lange abhanden gekommen ist. Fehlen tut mir dieses nie gespielte Derby trotzdem ungemein.

p.s. natürlich lasse ich mir bei allem Mitgefühl nicht nehmen, heute alle Rauten die ich treffe (oder lese) mit einem lustigen „Rollrasenbesieger“ zu begrüßen – vor allem die, die aus ihrer billigen Arroganz noch nicht erwacht sind.

@drobo_ampem Forza Esbjerg – bis bald! #fcsp

Es gibt wenige Spieler des magischen FC, die eine so enge Verbindung zu diesem Blog haben, wie Davidson Drobo-Ampem. Nach seinem fulminanten Debut gegen Rot-Weiss Oberhausen vor knapp zwei Jahren, und der Erwähnung in einer Folge „Rückwærts TV“, hatten Kumpels ihm den ersten Real Tweet in einem Stadion gewidmet. Ein wenig verwirrt war er damals, Mediengeschichte geschrieben zu haben, aber gefreut hat es ihn sehr, wie er mir später im Jahr bei einem kurzen Gespräch veriet.

Ich fand das immer schade, dass Davidson „Drobo“ Drobo-Ampem sich nicht festspielen konnte – und werde das Fachsimpeln über ihn vermissen, das ich immer mal wieder mit dem Junior des indischen Imbisses bei mir um die Ecke über seine Entwicklung beim FC St. Pauli hatte.

Nun leiht der Verein ihn an einen dänischen Erstligisten – und tut genau das richtige, ihm Spielpraxis zu ermöglichen, damit in Dänemark die Gazetten in Kürze auch befürchten, dass bei der spielerischen Entwicklung St. Pauli ihn schnell wiederhaben möchte. Forza Drobo – auf ein baldiges Wiedersehen am Millerntor

Im Sommer 2006 aus der A-Jugend des SC Vorwärts/Wacker Billstedt ans Millertor gewechselt, verlässt Drobo den FC St. Pauli nach nun viereinhalb Jahren.

Cheftrainer Holger Stanilawski äußerte sich wie folgt: „Für Drobo ist es einfach wichtig, dass er all das, was er die Jahre bei uns gelernt hat, regelmäßig im Spiel abrufen kann. Nur so kann er sich immer weiterentwickeln und den nächsten Schritt machen. Gegen Köln haben wir ihn eingewechselt, weil er sich diesen Bundesliga-Einsatz nach den vielen Jahren, die wir zusammen gegangen sind, einfach noch mal verdient hat.“

Ich vermisse den magischen Morike Sako #fcsp

Magischer Morike Sako - Aufstiegsspiel Hommage

Er ist der einzige Spieler des magischen FC gewesen, von dem ich mir ein Autogramm habe geben lassen, und das war auch eher ein Zufall. Ich wollte gerade ein Tor pinkeln gehen und verließ Per-Arnes Sitzplatz auf der alten Haupttribüne, stapfte nach oben und kam erstmal nicht weiter, weil einige Fans Morike Sako entdeckt hatten und er ihnen nun mit einem Monster-Edding Autogramme auf die T-Shirts malte. Ich versuchte mich durchzuschlängeln und merkte plötzlich die harte Kante des Stiftes auf meinem Schulterblatt, Morike hatte angenommen, ich drehte ihm den Rücken als Aufforderung zu. Ich war ein wenig überrascht, was er wohl merkte, dann lachten wir beide über diese komische Situation. Und wenn man genau hinschaut, dann kann man den kleinen Kinken in der sich verwaschenden Unterschrift heute noch erkennen.

Ein paar Wochen später hatte ich dann leihweise Willis Dauerkarte für die Nord, als Morike Sako in der Nachspielzeit auf unserer Seite das Siegtor, ich meine köpfte, bin mir aber nicht ganz sicher, denn das kam ja selten vor. Ich glaube es war gegen Erfurt und aus meiner persönlichen Erinnerung eines der wichtigen Tore zum Aufstieg in die 2. Bundesliga. Vor mir tobte das Millerntor und zwei Jungs im schwarzen Morike Sako Trikot saßen auf dem Zaun und wurden geradezu ekstatisch. Ein magischer Moment. „Ich vermisse den magischen Morike Sako #fcsp“ weiterlesen

St. Paulis Wort des Jahres: „Logenbewohner“, Sportler des Jahres: Unsere Boys in Brown!

Millerntor

Der Millerntor-Geschäftsklimaindex sieht rosig aus, ein weiteres Quartal steigt er unaufhörlich. Die Geschäftsführung setzt dabei auf den steigenden Binnenkonsum. Der Kulturetat schmilzt dagegen weiter ab. Ganze Tribünen müssen um ihren Status als heilige Kurven im Konzertensemble des Millerntor Roarr fürchten, darunter vornehmlich die Haupttribüne, die häppchenweise zu einer Stellinger Aussenstelle mutiert.

So spiegelt sich das Leben der Stadt in unserem Mikrokosmos, wobei die Spruchbänder von Blau (sic!) nur anekdotisches Symptom sind. Anfeuern per SMS ist sogar mir als Twitterer zu viel Umweg. „St. Paulis Wort des Jahres: „Logenbewohner“, Sportler des Jahres: Unsere Boys in Brown!“ weiterlesen

Immerinnerung

Manches muss man sich immer wieder in Erinnerung rufen, um dann nicht mehr darüber nachdenken zu müssen. Automatismen heissen die. Am Freitag „griff“ keiner dieser Automatismen, da war nackter Kampf, freilich zu einer Melodie, die tief in St. Paulis Seele spielt, to my hoday. Und wie bei uns in Hamburg der Veermaster zur Melodie des unbedingten Torschusses wurde, so passt es gut irgendwie, dass tiefer südlich in Freiburg, technisierte Ansagen die Melodie bilden, zu einem perfekten Wochenende (an dem Freiburger wieder einmal den Unterschied zwischen Hamburgern und Stellingern erfahren durften).

„Unser Fußballplatz hat zwei Tore. Diese sind auf der Rückseite mit Netzen gekennzeichnet. Leuchtstreifen im Rasen weisen Ihnen den Weg dorthin.“

„Not und Elend“-Tour nach Bremen

Winterwunderland
Am Sonnabend gab es den ersten (selbstgekochten) Grünkohl der Saison als Belohnung für klirrend kaltes Anstehen nach den ersten Stehplatztickets zur Rückrunde. Der Winter zog ein, morgens kroch er frierend in meine Schuhe, abends wärmend und kräftig in Form von Kochwurst und Grünkohl in meinen Magen. Am Sonntag machte ich mich dann auf den Weg nach Bremen. Es sollte eine nette Adventsausfahrt werden, mit einem Fußballspiel mittendrin. „„Not und Elend“-Tour nach Bremen“ weiterlesen

Grünkohl. Kruse, und reine Liebe

Modebasar Casablanca

Ach was für ein schöner Sonntag. Wir haben endlich Max Kruse gesehen, ihn gefeiert und gelernt, weswegen gerade Fabian Boll so wuchtig ist; wir haben gesungen und getanzt, trotz Dzekos Gegentor, gerade weil Diego so bäh spielte, und für den ersten Grünkohl der Saison.

Neue Bekanntschaften aus Ostfriesland, tolle Aktionen gegen Schwarzhändler, ein rundum harmonischer Abend, und ein Entlassen von Wolfsburger Fans, die ja „ScheissStpauli“ singen, weil sie nach Hause müssen.

Ich erinnere mich noch an das Testpiel im Winter, wo die Wolfsburger besser und nicht so verzweifelt waren :))

Das ewige Thema: schwuler Fußball

„is schwul trainer for deuschland“ ist die kuriose Variante des Phänomens, dem sich diese kleine (Heten-)Postille seit mehr als vier Jahren gegenüber sieht. Jedes, aber wirklich jedes noch so unwichtige Freundschaftsspiel (sic!) der deutschen Nationalmannschaft zieht unweigerlich hunderte Besucher nach sich, die sich über die womöglich contranormale sexuelle Interessenslage unseres Bundestrainers informieren wollen. Kurz gefragt: „Ist Jogi Löw schwul?“ – meine Interpretation dieser Frage ist ebenso alt – und genauso die Diskussion in den Medien, über dieses angebliche Tabu. An das ich immer weniger glauben will.

Wenn es nicht einfach ist für den Einzelnen, dann sollen sich doch alle Spieler (m)einer Mannschaft, idealerweise alle an einem Spieltag outen, an einem Samstag als schwul, an dem folgenden allesamt als polygam. Solange dies Thema verschwurbeln, bis der Boulevard die Lust verliert (sic!) – und die Kurven gleich mit.

Ich schaue mir heute die Boys in Brown am Millerntor an und bin 90 Minuten schwul. So wie Fußball sein soll!

Die falsche Ultra-Debatte St. Pauli

USP Ultra Sankt Pauli

Gotthilf Fischer wäre begeistert von so einem famosen Chor. Denn die Sänger sind ungeheuer ausdauernd und singen weiter, ganz egal, was passiert. Das Ergebnis ist ein monotoner Singsang, der die Atmosphäre von Fahrstuhlmusik verbreitet.

Irgendjemand im Stadtteil hat dieses Tag der USP durchgestrichen. Vielleicht jemand aus Stellingen, vielleicht aber auch jemand wie Sven Kummereincke, ein St. Pauli Fan und trotzdem Gegner der Ultras. Einer, der sich durch das „dauernde Singen“ genervt und durch den durchaus berechtigten Hinweis auf die verhaltene Stimmung während der letzten Heimspiele am Millerntor provoziert fühlt. „Die falsche Ultra-Debatte St. Pauli“ weiterlesen

Schluss mit dem Playmate-Fußball

Klamme Kälte kriecht unter die Laibchen, es wird zweimal täglich trainiert in dieser Woche. Schön sein war gestern, das gilt auch für das Spiel des FC St. Pauli. In hübsche Menschen ist man eben auch nur verknallt, einen euphorischen Sommer lang. Im werktäglichen St. Pauli, im schmuddeligen November, stehen heute gerade mal zwei Menschen vor mir an, um Karten für das Spiel gegen Kaiserslautern zu ergattern. Playmates und Posterboys in Brown hängt man sich eben lieber in den Spind oder an die Wand, und nicht ins Herz. Bei Nieselregen kann sich nur verlieben, wer auch das eklige an St. Pauli mag. „Den Ball abfressen“ möchte Matthias Lehmann in einer herrlich übermotivierten Variante des Grasfresser-Schwurs, der absolute Hingabe verspricht. Weh soll es tun, auch den Gegnern. „Schluss mit dem Playmate-Fußball“ weiterlesen

FC St. Pauli vs Marco Fritz 1:3


Am Vormittag hatten meine Deerns ihr Achtelfinale gegen den TSV Niendorf im HHer Pokal. Der Verband hatte ein wenig verschlafen und es erschien kein Schiedrichter. Die Spielleitung hat dann ein Vater der Niendorferinnen übernommen – und er hat gut gepfiffen, auch wenn er statt einer Pfeife zwei Finger benutzte.

Ich bin mir sicher, dass Thorsten, so hieß er, das Spiel am Nachmittag ebenfalls souveräner hätte leiten können, als das Marco Fritz und seine Fuzzies an der Linie getan haben. „FC St. Pauli vs Marco Fritz 1:3“ weiterlesen

Griechen-Grippe HSV

Da kann einem schon schwindelig werden, wenn man von sieben Toren in einer Pokalpartie liest, und es sich bei dem 5:2 der Eintracht gegen den HSVau nicht um das Ergebnis einer ausgeglichenen Partie mit anschliessendem Elfmeterschießen handelt. Der liebe Herr Veh hat eine Entschuldigung, er hat Grippe. Seine Mannschaft die Scheißerei. Muss an den Fußmarsch gestern durch Altona denken, den eine freundliche Diskussion um Fankultur begleitete hat, um Stellinger Honks (das war der Ausdruck meiner Rauten-Begleitung) und die Niederlage in Stuttgart. Über freundliche Biere in Polizeisportvereinen und Ziele, Pflichten, die von Fans und von Vereinen. Es war Dunkel – und ich wette, mein Bekannter hatte sich im Leben nicht gedacht, dass ein von der Magen-Darm-Grippe genesener Frankfurter und ein Grieche mit drittem Frühling ihm den heutigen Abend versauen würden. Jaja, die Griechen, die sind mächtig im Arsch, so als Land – und Gekas trifft doch. Arschvoll nennt man das. :)

Petric trifft doppelt und ins eigene Netz,
Gekas-Gala gegen unglücklichen HSV (Kicker.de)

Magisches Scheitern

Ihr macht das Scheitern erst schön. Bastian, Florian und alle daneben – in bester Absicht und Tradition. 90 Minuten fern beckmannscher Wichtigkeit oder effektiver Produktivität. Und wenn wir wieder einmal absteigen sollten, besetzen wir die VIP-Logen und lassen das Polizeiorchester „YNWA“ aufspielen.

Derby FCSP – HSV: Wenn sich „falsch rum“ richtig anfühlt

»Ringelpiez mit Anfassen – es hat nur noch gefehlt, dass wir in rosa Röckchen auflaufen!«
Frank Rost (HSV)

»Wie wärs, wenn ALLE St. Paulianer im Fummel (für Heten: „Frauen“Kleider) zum Derby gingen?«
momorulez #fcsp

Am Ende dieses Derby-Tages war ich heiler wieder zuhause angekommen, als ich losgegangen war und das war so nicht unbedingt vorauszusehen gewesen, führte der Weg zum Millerntor doch meinen Kumpel Björn und mich, zusammen mit dem HSV-Mob von Altona nach St. Pauli. Als wir aufeinander trafen, unsere, meine Gäste und ich, waren wir schon an der Reeperbahn, die Polizei hatte gerade beschlossen, Bengalos und Feuer im Fan-Tross des HSV mit Wasserwerfern zu löschen und einen Auffang-Kessel gebildet, in den sie die freundlichen Burschen leitete. „Scheiss-St. Pauli“ dröhnte mir entgegen, und ich sang gerne mit. Öffnete mir eine Dose „Hansa“-Pils, schnackte mit meinen Mitstehern über dieses Derby, den HSV und das große selbstbestimmte Glück, St. Pauli-Fan zu sein.

Überhaupt war dieses Derby in erster Linie eine Vergewisserung, dass es sie noch gibt, die Seele dieses Vereines und die Magie dieses Ortes. Nach meinen Erlebnissen bei der Vergabe der Dauerkarten Saisonkarten für die Süd und am Tag der Legenden war ich mir nicht mehr ganz so sicher, ob wir uns nicht geradewegs in eine „pseudo-coole“ Version des HSV verwandelten. Sozusagen innerstädtischer Event-Fußball mit Amüsiermeile. Dieses Derby hat mich allerdings davon überzeugt, dass St. Pauli mir noch eine ganze Menge zu bieten hat, und dieser Sonntag darf mit Fug und Recht als identitätsvergewissernd bezeichnet werden, obwohl wir über die Rauten in unseren Logen noch mal sprechen müssen, wie über die Logen überhaupt. „Derby FCSP – HSV: Wenn sich „falsch rum“ richtig anfühlt“ weiterlesen

Ausflüchte und die Chance, sie auf anderer Ebene zu widerleben

„Brux: Das ist ein Risiko des sportlichen Erfolges, dann hast du da auch Leute unterhalb vom Ballermann-Niveau. Da können wir als Verein nichts machen,…“ (mopp)

Das klingt nicht nur nach HSV, das ist es auch. Angst diffundiert aus der Menschenkutte, die sich medialen, ja Vereins-politischen Zwängen beugen muss. Bitteres Subjekt.

Die Diskussion um den armen Sven Brux, dem es auch nicht gelingt, mit seinem Ideal bei St. Pauli alt zu werden, sollten wir nutzen, um eines klarzustellen, und zwar „The Sankt Pauli Way“: WIR TOLERIEREN KEINE GEWALT, AUCH UNSERE EIGENE MACHT NICHT! WIR MÖGEN EUCH VERARSCHEN, ABER WI MOK DI DOCH!