HSV: Grobe Folklore

HSV: Grobe Folklore

Man kann es schlechtes Timing nennen, dass einen Tag nachdem der Chefredakteur der 11Freunde, Philipp Köster, im Abendblatt Paulianer und HSVer zu Fast-Freunden machen wollte, sich diese Folklore in Form von Fäusten und Stangen am Altonaer Bahnhof gewaltig manifestiert. Unsinn ist die Annahme, HSVer und Sankt Paulianer wären sich eigentlich ziemlich ähnlich, obendrein.

Sicher, werfen jetzt einige ein, diese Form der Folklore, auch Hooliganismus genannt, pflegen nur wenige. Der Umgang mit ihnen ist aber entscheidend. Und das ist der unüberbrückbare Unterschied zwischen Kultur und Folklore, zwischen einmischen und zwitschern.

Wer schon einmal mit einer vollen S-Bahn in Richtung Altonaer Volkspark gefahren und nach einem Spiel durch den düsteren Volkspark zurück, an der Autobahn und der Namen-gebenden Müllverbrennung in Richtung Hamburg, der weiß vielleicht, was ich meine. Unverhohlen wird hier mindestens grenzwertig gepöbelt, ohne dass irgendjemand einschreiten wollte. Alle anderen kommen spät mit dem PKW und fahren früh, nennen die Hools in der eigenen Fanschaft erleichternd Idioten, die nicht für den HSV sprächen. Ihre Gesänge geniessen sie dann im Familienblock. Für mich eine nur wenig harmlosere Kultur, als diejenige, die ich Anfang der 80er Jahre in Richtung St. Pauli verlassen habe oder die sich in Ostseenähe findet.

Nun klappt das Miteinander am Millerntor und vor allem auswärts auch beim magischen Anhang nicht immer, aber immer habe ich erlebt, dass andere Fans vehement eingegriffen haben, wenn es zu bunt wurde. Das wünsche ich mir vom HSV auch. Fasst euch ein Herz und verteidigt eure Kultur, und was von ihr übrig ist. Macht Transparente, schmeißt die Spacken raus aus dem Volkspark, die anderen Übles wollen. Und die Gäste aus Stellingen beschütze ich am Millerntor gerne persönlich, mit vollem Vertauen darauf, dass ich nie alleine stehe, wenn unsere Gastfreundschaft von innen bedroht wird. In diesem Sinne Willkommen in Hamburg, willkommen am Millerntor.

Vuvuzela – Lärmen tun nur die weißen Event-Fans

Hahaa, das möchte ich ja fast unbesehen glauben, dass die Event- und Modefans des WM-Zirkus sich die Vuvuzela nur als hippe Folklore umhängen und hineintröten, ohne über den eigentlichen Gebrauch im Sinne einer südafrikanischen Fußball-Kultur auch nur eine Minute nachzudenken.

Ein globaler Vorgeschmack auf die Heimspiele am Millerntor nächste Saison? “Olee, olleee, olleee Ollee, meine Perle, Sankt Pauliiiiii!!!” ;( Continue reading “Vuvuzela – Lärmen tun nur die weißen Event-Fans”

Schwarz-Rot-Geil vs. Vuvuzela

Es ist immer Sommer, wenn der Weltmeister ausgedaddelt wird. Nun, in Südafrika derzeit nicht, aber das stört ja nur die Brasilianer, die das “nicht abkönnen”, wie Oliver Kahn feststellen durfte im ZDF gestern. Das war bestimmt den Koreanern ein innerer Volksparteitag, das späte Anschlusstor am winterlichen Kap der guten Hoffnung.

Inzwischen habe ich mich an die Hornissenschwärme im Fernsehrauschen gewöhnt, finde sogar, dieser Klangteppich passt besser zu Bela Rethy, als so mancher “Sieg, Sieg”-Chor, ich mag den nämlich, den Herrn Rethy – die Bannerträger, die da in Fraktalschrift “Chemnitz” und “Brandenburg” ins Afrika dieser Tage hängen machen mir dagegen Angst. Empfehlen möchte ich allen Anhängern der Theorie, dass “Schland-Schland”-Gesänge uns zu besseren Menschen machen, als Vuvuzela-Getröte, folgende Artikel: Continue reading “Schwarz-Rot-Geil vs. Vuvuzela”

Innerer Reichsparteitag und post-kolonialistische Lärmempfindlichkeit

“Das war für ihn wohl ein innerer Reichspateitag” – schwelgt ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein im 2. Tor der DFB-Elf – genauer, lt. Meedia (Youtube Link), mit dem Satz: „Das ist für Miro Klose doch ein innerer Reichspartetag, jetzt mal ganz im Ernst, dass der heute hier trifft.“

Das habe ich ehrlich überhört. Lese das jetzt erst. Finde das auch nicht schlimmer, als das systematische negieren von afrikanischer Fußball-Kultur in Form von Vuvuzelas.

Legalize it, Vuvuzela

Der Witz mit Uweseelas war gut. Seit dem kleinen satirischen Seitenhieb der Titanic kann ich mir “Euch” Uwe (Seeler) nicht anschauen, ohne zu grinsen.

66% der ZDF Zuschauer sind übrigens dafür die Vuvuzelas (Uweseelas) zu verbieten. Die FIFA ermittelt.

Nach den heftigen Beschwerden über die höllisch lauten Vuvuzela-Tröten erwägt das Organisationskomitee der Fußball-WM ernsthaft ein Verbot. Bei Sicherheitsrisiken könnten die Tröten aus den Stadien verbannt werden.

Dabei stünde es uns gut zu Gesicht, das als afrikanische Fußballkultur zu respektieren. Das Verbot dieser lauten Freude in Berlins Freudenmeile am Olympiastadion aus so genannten Sicherheitsgründen ist ja soo unafrikanisch – Sicherheit fängt da nicht bei Lärm, sondern bei Dingen an, die metallisch in den Körper gelangen. Das andere ist Schäubles Kultur – “uns Merkel” – eine Mannschaft, die wir ausgepfiffen hätten, wäre sie in einem Stadion angetreten, meinetwegen im Bundestag, anstatt in der BILD.

Forza Vuvuzela – Lärmt was das Zeug hält. Gegen europäische Fußballgemütlichkeit und deutsche Kommentatoren. Dagegen ist ein brummendes Stadion doch eine Wohltat!

Hartplatz-Heldinnen

Meine.
Heute war der erste Frühsommertag in Altona. Der HFV hatte unser Spiel gegen Halstenbek schon zweimal verschoben, nun war es dran, das Spiel unserer Altona 93 Deerns der E2 sollte um 14:00 angepfiffen werden.

Wie immer bei Heimspielen wurde Caffee und Kuchen, Capri-Sonne (als Belohnung für die Spielerinnen, heimische und auswärtige) und Schnobkram in Tüten aufgebaut. Der Schiedsrichter und der gegnerische Trainer sehr entspannt, das kenne ich auch anders im Hamburger Kinderfußball. Continue reading “Hartplatz-Heldinnen”

Südkurve war schön, Zeit für uns zu gehen

Wenn ich an meine vergangene Saison auf den Traversen des Millerntors denke, im Südosten, da wo gesungen und gewirkt wird zwischen USP und Gegengeraden, dann kommt schon ein wenig Wehmut auf, denn die Einzigartigkeit dieser Aufstiegssaison wird wohl auch persönlich einmalig bleiben, nachdem wir uns seinerzeit umsonst für Saisonkarten Süd angestellt haben.

Es bleiben Erinnerungen an ein Jahr, das als das intensivste meiner Leidenschaft eingehen wird. Magische Siege gegen Ostseebewohner, immer wieder Naki – immer wieder das Pflanzen von Fahnen in Rasen, der uns was bedeutet. Erst gestern wieder. Bierhütchen, Bierdusche und Barden im Ballsaal. Bewußtmachende Blockaden, Bier-ernstes bashen der Bullerei, biestige Bagger und GeBäck aus Übersee.

Farewell Südkurve YNWA :) – ich komme wieder, und wenn es als Sponsor sein muss. Continue reading “Südkurve war schön, Zeit für uns zu gehen”

FC St. Pauli – das Buch – die Lesung und Thees Uhlmann (Tomte) singt zum 100.

Es war eine schöne Stimmung da am Millerntor gestern. Prominente, Spieler, unser Präsident und das älteste aktive Mitglied des magischen FC schwelgten in Erinnerungen. An Aufstiegsfeiern auf Mallorca, Bustouren nach Berlin und der 90-jährige Herr Pein gab ein eigenes Liebesgedicht zu seinem Verein zum Besten, dass einem schon Pipi in die Augen treiben konnte. Der frühe Höhepunkt des Abends.

Musikalisch wurde es dann auch – Thees Uhlmann, grundentspannter Sänger der Mucker um Tomte, gab eine Spezialversion seiner Liebeserklärung an Sankt Pauli zum Besten: Das hier ist Fußball, das hier sind Dramen … Continue reading “FC St. Pauli – das Buch – die Lesung und Thees Uhlmann (Tomte) singt zum 100.”

Die Vollendung

Sechs auf fünftem Platz bedeutet:
Beharrlichkeit bringt Heil. Keine Reue.
Das Licht des Edlen ist wahrhaftig.

Der Sieg ist errungen. Die Kraft der Beständigkeit ist nicht zuschanden geworden. Es ist alles gut gegangen. Alle Bedenken sind überwunden. … Aufs neue strahlt das Licht einer edlen Persönlichkeit und setzt sich durch unter Menschen, die daran glauben und sich darum sammeln. Die neue Zeit … ist da.

Für mich eines der schönsten Fotos von gestern. Von einem Fürther aufgenommen, wenn ich das richtig deute. Auf diesem Weg nochmals Danke für die Gastfreundschaft. – und das Orakel (IGing) hatte recht behalten.

Fürth ist braunweiss – und St. Pauli ist Weltmeister

Ich bin heiser, der Rasen ist im Eimer und Deniz Naki trägt Sonnenbrille. Nach dem magischen Spiel in Fürth, als sich die Boys in Brown selbst am eigenen Schopf in die Erstklassigkeit hoben, habe ich das Schauspiel von oben genossen. Wie der Kaiser seinerzeit, nur nicht auf dem Rasen, sondern auf der inzwischen verwaisten Tribüne, auf der wir uns Minuten vorher verrückt um die Hälse fielen.


Wir sind aufgestiegen. Und das Heimspiel gegen Paderborn wird wehmütiges Abschied nehmen. Von einer zweiten Liga, die mir gut gefallen hat ;)

Flucham Football Club #HSV

Ich habe es vorher getippt, das 2:1 da in London, das kleine Finale, das der HSV ja schon zuhause verloren hatte. Und doch konnte ich mich nicht freuen.

UUh, Uuh schallte es da durch das pittoreske Stadion, als Boateng am Ball war. Da war er, der Vorgeschmack auf den vielgerühmten englischen Fußball. Schlagartig war mir klar, dass ich emotional hier nichts zu suchen hatte, ein rechthabender Fremdkörper war, da im Aston in der Rothenbaumchaussee, der eigentlichen Heimat der Rhothosen.

Der Fußball, der mir wichtig ist, der mit Anstand und Respekt, der wird nur auf Sankt Pauli gespielt. Da ist ein Totenkopf hinter dem Tor in London schön anzusehen, Magie transportieren die dort aber keine, da kann Gerome noch lange Raute sein, da werde ich zu seinem Begleiter.

Freiluftturnier am Millerntor

„11. Freiluftturnier“ der offiziell eingetragenen Fanclubs und Fangemeinden:

So, die Würfel sind gefallen. Die beinharten Kicker aus meinem Fanclub “Kommando Boys in Brown” sind in die Gruppe A gelost worden.
Bitte warm anziehen und Schienbeinschoner nicht vergessen. Sonst gibts unschöne Eisen-Dieter-Gedenk-Ergüsse;

Gruppe A
Kommando Boys in brown
No tengo idea
G.A.S.
Braun-weiße Tulpen

“Am Montag, 24. Mai 2010 findet das 11. Freiluftturnier der offiziell eingetragenen Fanclubs statt. Wie bereits vor zwei Jahren, wird es diesmal wieder nur ein eintägiges Turnier geben und das Teilnehmerfeld ist auf 40 Teams reduziert. Es kann vor Ort diesmal nicht gezeltet werden!
via Fanclubsprecherrat

Lieber Zweiter statt Fürther – mit Schnauzer Aller!

Wer mich mich Schnauzbart sehen will, der muss mit nach Fürth kommen. Das Unternehmen vorzeitiger Aufstieg in der Provinz, oder kurz “Fick Dich 2. Liga”, startet für mich am Sonnabend. Mit der Anreise zu meiner ersten Mottofahrt:

“Nieten, Schnauz und Dosenbier oder auch Hippiematten, schlimme Lederschnürhosen und Batikshirts. Wollen wir doch nicht so tun, als ob der Autonomen-Chic damals regiert hätte.”

In guter alter Rollo-Aller-Manier kann ich mich schon ganz persönlich auf die streitbare Dialektik meiner Familie gefasst machen, und das alles für den Aufstieg. Schade, dass es Bum Shanka in Ottensen nicht mehr gibt – wo kriege ich denn jetzt son ein feines Batik-Shirt her? :)

“64. Vor der Vollendung wandelt sich in 6. Der Streit”

Raute Dich: HSV-Flashmob auf dem Hamburger Rathaus – laues Chörchen

Flashmobs haben in Hamburg ja eine gewisse Tradition. Man könnte auch sagen, massenmedial wirksam sind sie hier geworden, letztes Jahr zum “Alle so Yeahh!”-Flashmob zum Besuch der Kanzlerin. Nun haben sich am Vorabend des Halbfinal-Hinspiels der St. Ellinger (HSV) gegen Fulham HSV-Fans zu einem Flashmob-Singen am Hamburger Rathaus verabredet. Unter zuhilfenahme des Vereins und des Hamburger Abendblattes, das mit seiner Ankündigung und Promotion sicher zu der einigermaßen stattlichen Anzahl HSV-Fans beitrug, die sich da eben versammelten, der Versammlung aber irgendwie das “flashige” nahm. Continue reading “Raute Dich: HSV-Flashmob auf dem Hamburger Rathaus – laues Chörchen”

St. Pauli und ich sind wieder zusammen

Es ist auf den Monat zwanzig Jahre her, dass ich das erste Mal Mitglied des magischen FC St. Pauli geworden bin. Damals als aktiver Spieler in der 2. Bundesliga (Baseball ;) und mit Hoffnung im Herzen.

Ende der 90er Jahre hatte sich aus Gründen, die ich nicht mehr ganz nachvollziehen kann, unsere Beziehung ein wenig abgekühlt, bis wir uns so entfremdet hatten, dass ich mich scheiden ließ, meiner Verflossenen aber immer treu blieb, was das fußballerische angeht. Nachdem meine drei großen Lieben, die ich in Altona dann fand, inzwischen aus dem Gröbsten raus sind, begann zaghaft die alte wieder an die Tür zu klopfen. Nun sind wundervolle fünf Jahre vergangen, in denen wir wieder zusammen geliebt, gelacht, gezetert und gestritten haben. Unsere Leidenschaft ist wiederentflammt – höchste Zeit, sie in den heiligen Stand einer Ehe zu übertragen: Seit heute bin ich wieder Mitglied. Über die fantastische Abteilung Fördernde Mitglieder. ForzAFM, Forza Sankt Pauli, meine Liebe.

Nachtrag zum Spiel gegen Union Berlin

“Und der ganze Tag hatte rein gar nichts mit (organisierter) “Fanfreundschaft” zu tun. Sondern es ging nur um viele Anhänger, die eine ähnliche Idee davon haben, wie sie Fußball erleben wollen.” – schreibt @saumselig im Blog Textilvergehen – und ja von diesen Unionern bin ein Fan, nicht erst seit Sonnabend, aber seitdem ganz besonders. … und dass ich mit der Verschwendung als Klammer des Wochenendes richtig lag, bestätigt mir ausgerechnet die Berliner Zeitung:

“Nie mehr Dritte Liga!” sangen sie nach dem 2:1 gegen den FC St. Pauli. Dann verabschiedeten sie den Gegner mit Applaus in die Kabine.

Das Szenario passte zu diesem Tag, an dem die Einstufung als Risikospiel durch die Deutsche Fußball Liga und die massive Polizeipräsenz wie Verschwendung von Steuergeld wirkte. Warum müssen Fans derart bewacht werden, die sich mögen?

Verschwende Dich, Sankt Pauli

Die Sonne sandte verschwenderisch viele ihrer warmen Strahlen nach Berlin, trotz Aschewolke brannte sich die über den Vormittag, den wir auf Einladung von Sebastian und Steffi auf einem Spreedampfer mit Skipper Eddy nach Köpenik schippernd verbrachten, tief in die Haut. Gut gelaunt, auch wenn es ein wenig knapp war, erreichten wir die Alte Försterei. Wiederum verschwenderisch gingen nun die Ordner und Sprengstoffhunde mit unserer wenigen Zeit um, die immer schneller verrann – Tasche abgegeben und mit einiger Mühe zum Anpfiff in den Block Y.

Da begann aber die Verschwendung erst richtig, sich auch auf die Jungs in Braun zu übertragen. Die verschenkten dann nämlich großzügig drei gute Chancen zur Führung in den ersten 10 Minuten, während die Unioner einen magischen Freistoß nur brauchten, der einer fröhlichen Verschwendungssucht des Schiris entsprang, mit Fehlentscheidungen um sich zu schmeissen.

“Auch wenn beim FC St. Pauli mitunter Klasse aufblitzte, wir uns diesmal beim Schiedsrichter und dem Fußballgott bedanken konnten, zwischenzeitlich nicht in Rückstand geraten zu sein, Kampf und Einsatz bis zum Abpfiff wurden endlich wieder einmal belohnt.” – fasst das Spiel dann ganz gut zusammen.

Am Support kann es nicht gelegen haben, so viele Stimmbänder, die wir da im Köpeniker Wald ausreizten, dass nun nicht mehr verschwendet wurde, sondern gekrampft.

Übrigens verschwendeten die Ordnungshüter später kein bischen ihrer geliehenen Macht an uns, sondern rackerten sich an acht Rockern (Bandidos) ab, die ohne Helm fuhren. Auch eine Form der Verschwendung, wenn dann signifikante Teile von Hundertschaften in Marsch gesetzt werden.

In Hamburg angekommen verschwendeten dann noch ein paar “heimkommende” Hansa Fans ihren Hass an uns Paulianer, die – inzwischen ein kleines Häuflein – im Speisewagen ihnen zuwinkten. Keine Sekunde verschwende ich jetzt noch an dieses Spiel – eine kurze Woche liegt vor uns – dann verschwende ich meine Zeit lieber an die Erinnerung an diese freundlichen Berliner.

Montagsrausch am Millerntor

Es war ein wenig, wie nach dem Spiel in Rom 1990, als der Kaiser da durch das tobende Stadion schritt, in die vom Rauch verhängten Flutlichter blickte. Nun, letzten Montag war ich kein Teamchef, aber doch auch ein wenig beteiligt, am stimmungsvollsten Abend am Millerntor, seit langem.

WEEEE LOVE SANKT PAULI, FABOULOUS SANKT PAULI, hallte da in mir nach, das knapp 90 Minuten zuvor von der Gegengerade über die Süd rund ums Stadion brüllte- und wenn man genau hinschaut, da war ich nicht allein, kurz vor dem Abschalten der magischen Beleuchtung, silbern schimmernd im Hamburger Frühlingsdunst. Da steht noch einer im Mittelkreis, Kaiser-gleich und versunken.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits meine feuchtfröhliche Runde durch und hinter die Kurven hinter mir.

Nach dem Spiel wollten wir das Millerntor ja gar nicht mehr verlassen, ich auch nicht. Diesen Ort der magischen Versöhnung zwischen Fans, Fans und fantastisch aufspielenden Boys in Brown. Persönlich versöhnt habe ich mich dann noch mit Andi und Thomas, der übrigens übermorgen in Berlin sein 300. Auswärtsspiel feiert. Danach Kontrast – zum AFM-Container, feiern, Astra trinken, WE BEAT THE FUCKING AUGSBURG … Ne Raute getroffen, eine nette, und eine mit VIP-Band. Band abgemacht, irgendwie unter die Jacke geklemmt und mich in die Süd geschmuggelt, weiter Astra getrunken. Wieder Kontrast, und langsam wurde sie heiser die Stimme. Fabian Boll getroffen und sich ein Grinsen abgeholt, so mit ein paar Astra intus werde ich ja immer peinlicherweise zum Boll-Groupie. “Das ist wieder mein Sankt Pauli”, sagt der und wird nach diesem Statement zum Abend zur inzwischen fortgeschrittenen Stunde von seiner kleinen blonden Frau nach Hause beordert.

Helmut Schulte ist noch immer da, versteht meine Bitte aber nicht, die Blockade und ihre Aufarbeitung unter uns Fans zu regeln und nicht mit dem Strafrecht. Das Mißverstehen liegt nicht an meiner Aussprache, die ist immer noch tadellos. “Strafe muss sein”, sagt er uneinsichtig verkürzt. Er und Corny erscheinen mir in seinen Augen ohne Zweifel als der Verein sich verstehend und in ihrer Funktion im Zweifel und bei aller Beteuerung eine privat-rechtliche Veranstaltung. Corny flieht, hat keinen Bock auf mein Zetern für eine Süd, die das irgendwie alleine regelt – was sich nach meinen eigenen Gefühlen von vor 2 Wochen ja auch für mich selbst irgendwie eigenwillig anhört – aber es ist mächtig, dieses Verzeihen, Verbrüdern und Feiern – da kann ich keine Formalien gebrauchen. Inzwischen sind die verkündet die formalen Konsequenzen aus der Südkurven Blockade durch USP und anderen, Sonderrechte, welche für wen weiss keiner so genau, sind erstmal eingezogen, entzogen, von Papi Littmann. Wie Fernsehverbot, nur andersherum.

Werde das alles nun wieder sehr vermissen nächste Saison, so ohne Saisonkarte, aber ich will das dieses Frühjahr noch sehr leben diese Liebe, so rauschhaft wie einst und wie am Montag. Vielleicht geht das ja nur durch den gleichzeitigen Abschied – das Verlieren meiner Südkurve als lautes Wohnzimmer, genauso, wie diese Magie an diesem Abend aus Scherben nur wieder-entstehen konnte. Sonnabend feiern wir in Berlin mit den Unioner. Uns, das Leben als Liebende und hoffentlich einen Auswärtssieg, zu Thomas 300. Auswärtsspiel und nichts weniger!

Magische Stille am Millerntor – 20 ohne 90 Minuten Roar gegen Augsburg

Update: USP haben den 20-minütigen Schweigeboykott gegen die fernsehfreundlichen Anstoßzeiten der DFL, montags Abends, abgesagt. Nachdem die Mannschaft selbst darum bat, haben die Ultras auch im Sinne einer Wiederannäherung der St. Pauli-Fans auf der Süd entschieden: 90 Minuten volle Pulle – Niemand schweigt am Millerntor!

Am Montag wird das DSF schon Sport1 heißen, die Zerfledderung des Spieltages der Bundesligen ist dann aber immer noch wirksam. Wer seine Mannschaft regelmäßig auswärts zu supporten versucht, kennt die Melange an Frust zu Genüge, die sich aus polizeilicher Gängelung und mediendevoter Anstoßzeit ergibt. Bei Fahrten nach Freiburg, oder eben von Augsburg nach Hamburg ist 20:15 an einem Montag einfach zu spät, um ohne Urlaubstag und Übernachtung nach St. Pauli zu reisen, so sehr sich eine Reise auch lohnt.

Ich habe die Freiburger damals sehr bewundert, als sie sich solidarisch zeigten mit den weit gereisten Sankt Paulianern – und unterstütze den Protest der Südkurve am Millerntor nun ebenfalls – 20 Minuten keinen lauten Support zu zeigen am Millerntor. Wünschen würde ich mir, dass wir eine Form finden, wie bspw. die Dortmunder, die ja vorhaben gegen Mainz 20 Minuten lang Zeitung zu lesen. Den Protest in dem einen Medium visuell mit dem angeblichen Genuß eines anderen zu pointieren, finde ich eine Spitzenidee. Und da geht es ja auch um was, sportlich gesehen.

Außer einem unmelodischen “Scheiß-Sport1”, wäre dieser Montag auch dazu geeignet mit einem versöhnlichen Blinzeln wieder an unsere Fähigkeit zu erinnern, das Millerntor mit Magie aufzuladen – ganz leise vielleicht. Flüsternd und vor allem gemeinsam!

Entschuldigung in Sachen Südkurven-Boykott am Millerntor

Liebe Frau Stanislawski, lieber Buttje Rosenfeld,

ich möchte mich für die Unannehmlichkeiten, ja die von mir nicht vorhergesehenen Einschränkungen in Ihrer Entscheidungsgewalt und Freiheit, beim Betreten auch Ihrer Südtribüne herzlich entschuldigen. Es tut mir leid, dass Sie durch das Blockieren der Stehplatz-Traverse Süd nicht auf ihre Sitzplätze kamen. Ich habe es gut gemeint, als ich, also nicht ich persönlich, aber mein Fanclub-Sprecherrat, via meinem Fanclub “die netpirates” den Aufruf zum Supportboykott unterschrieb.

Ich bin zumindest bis zur vollständigen Blockade selbst, sozusagen mitschuldig und da sich kein anderer eine lupenreine Entschuldigung für die jedem Maß entfliehende “Gewalt” zu entschuldigen vermag, tue ich das hiermit. Continue reading “Entschuldigung in Sachen Südkurven-Boykott am Millerntor”

Schönes neues Sankt Pauli

Mit was haben wir es hier eigentlich zu tun? Mit einem Generationenkonflikt? Mit einer Machtprobe, die Fans mit Fans ausfechten, weil ihnen der Präsident zu ungriffig ist, oder einfach über? Was ist denn in den verrückten Wochen los, in denen ich fünf Stunden umsonst angrille, Hooligans des HSV zustimmen muss, wenn sie von der Polizei in Sachen Fußball Verhältnismäßigkeit einfordern, mich für Fanrechte ereifere, dann plötzlich vor Gleichgesinnten stehe, die mir Prügel androhen, meine damit negieren – worum geht es da? Continue reading “Schönes neues Sankt Pauli”

Wenn das Gesicht die Fassung verliert, sieht man in die bedrängte Seele

Ein Mitglied meiner Bezugsgruppe, der zuvor in verschiedenen Diskussionen die Aktion noch unterstützt hat und bei freundlicher Ansprache auch bereit gewesen wäre, sich anzuschließen, hat gestern einen großten Teil der Illusionen über “seinen” Verein eingebüsst. Ich habe selten ein Gesicht gesehen, dem die Erschütterung so klar anzusehen war. Fabulous St. Pauli Blog

– hätte ich einen Spiegel dabei gehabt, hättet ihr in meine Seele sehen können. Mit den eigenen Fangesängen niedergeschrien zu werden war wirklich grausam.