Galaktisch

In zwei oder drei Milliarden Jahren wird unsere Milchstraße mit dem Andromeda-Nebel fusionieren. Sie werden ein paar Jahrhundertmillionen umeinander hertanzen und dann verschmelzen.

„Zwei oder drei Milliarden“, Du willst es ganz genau wissen. „Sag ich doch, zwei oder drei Milliarden“. Und kein Schwein wird sich daran erinnern, dass die Dinger Milchstraße und Andromeda hießen.

Wir liegen auf dem Rücken, der Sand in Laboe ist noch warm von der umwerfend sonnigen Woche, die hinter uns liegt. Du schaust in die Sterne, ich schaue Dich an. Deine Nase hat mir immer schon gefallen, die von der Seite wie ein fast perfektes Dreieck aussieht. Ich muss unwillkürlich an einen Schwertfisch denken, wenn ich Dich sehe, aber das kann ich Dir natürlich nicht erzählen, das würde man ja kaum als romantisches Kompliment verstehen. Schade, denn im Grunde ist es eines.

Im Augenwinkel sehe ich die Existenz eines Kometen zu Ende gehen, er zerbricht in drei Teile, die hell über den Himmel jagen. „Ooooaaahh“, rufst Du begeistert. Und ich hoffe, dass Du Dir dasselbe wünschst, wie ich. „Galaktisch“ weiterlesen

Mad in Bordesholm

Ich fahre diese Strecke regelmäßig und wenn man eine Regel aufstellen kann, dann die, dass es rund um Neumünster immer Ärger gibt. Entweder fängt hier der Stau in Richtung Norden an, weil irgendwelche Ruhrpottler in Scharen ihre Kinder und Trekking-Räder nach Dänemark kutschieren oder irgendein Investitionspaket verfrühstückt wird: „Wir bauen für Sie bis Sommer 2014“.

Ich bin eine besonnene Autofahrerin, das Autobahndreieck Bordesholm ist für mich der Alptraum und wenn ich könnte und eine Waffe hätte, dann wären am Straßenrand schon etliche weiße Kreuze, die ich initiiert hätte: LKW-Fahrer, Audi TT Hobbymachos und eben die Radtransporter aus Nordrhein-Westfalen, das wären meine Opfer gewesen. Ich zwinge mich dann immer zur Ruhe, schaue auf die alten und schönen Bäume am Straßenrand, und versuche mich über das Grün zu freuen, dass es ja in Schleswig-Holstein sehr viel gibt. Meistens hilft das, und wenn Neumünster und Bordesholm passiert sind, dann beruhige ich mich meist.

Heute auch. Und regelmäßig, wenn ich die drei Windräder sehe, die so schön synchron sich drehen, freue ich mich fast. Irgendwie ist mir entgangen, dass ich sie heute nicht gesehen habe. Dabei war gar kein Nebel oder einer der häufigen Starkregen-Schauer, die dann über die Kieler Bucht ziehen. Es ist warm und hell. Fast blauer Himmel und wenn ich darüber nachdenke, wird es auch immer wärmer in meinem Wagen. „Mad in Bordesholm“ weiterlesen

Blickwechsel

Irgendeine Ina hatte ihm einmal erzählt, dass sie froh sei, wieder in Hamburg zu sein, weil ihr nun die Männer wieder auf den Ausschnitt starrten, statt auf die Schuhe.

Nun stand Peter an der Ampel und wartete auf das Grün, als er sich vornahm, Frauen, die an ihm vorübergehen, zuerst auf die Schuhe und dann in die Augen zu sehen. Nur um zu beobachten, was das mit ihm anstellte, dieser Blickwechsel

Patina

Bier wird schal, Witze können abgestanden sein, selbst bevor sie entstehen. Weil die Haltung dahinter stinkt.

Patina jedoch ist schwer zu erreichen. Diese Schönheit im Gebrauchten erreicht nur, wer sich benutzt. Keine Angst vor Schrammen hat. Patina ist Verschwendung und Widerstand zugleich. Warm. Und immer ist Rotwein im Spiel. Immer.

Die Wehmut, die sich in verwitterten Kerben sammelt, ist dann schön, wenn ihr Anlass fröhlich war. Sich auf das Leben einlassen, auch wenn es pütschert, ist die Tugend der Stunde.

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Call on me

Manchmal hatte Peter Jenisch das Gefühl, als würden Songtexte aus dem Radio zu ihm sprechen. Dann erschrak er. Denn der Anblick dieser Frau am Straßenrand passte so genau, und nur genau für ihn …

„Call on me, I am the same boy i used to be“

Ausgerechnet dieser Song, einer seiner Lieblings-peinlichen-Mainstream-Hits aus den so fernen 90er Jahren.

Seitdem war viel passiert. So viel. Und nun kam ihm dieser Song und dieser Mensch wieder in die Quere.

Na ja. Eigentlich konnte man das so nicht sagen, in die Quere, denn Peter wusste ja nicht einmal genau wohin er wollte. Bisher hatte er sich vorgestellt, dass es so wie es war, ziemlich gut war. Bis er das Auto auf der Brücke blinken sah. Das veränderte alles, so kurz dieser Augenblick auch war, in dem er Janes Gesicht gesehen hatte.

Sie war es, ganz sicher. Sie war älter geworden, und noch ein wenig schlanker, als er sie in Erinnerung hatte. Aber sie war es, ganz sicher. Er hatte gewendet, schnell noch einen Nachrichtensender eingestellt, und fuhr das kurze Stück zurück, seinem Schicksal entgegen.

***

Interview en passant: mit Mia Diekow auf der Insel

Nu kommt Steffen. Er ist zu spät und „rasender Reporter“. „Judith“, von der ich garnicht weiß wie sie heißt, und weswegen sie Interviews am Bande gibt, fängt an das Eis zu brechen, indem sie über Baden und Hamburg schnackt.

Steffen bemerkt die Segelschiff-Ohrringe an „Judiths“ Ohren und dann sagt sie, dass sie, „wenn sie mal so richtig spießig werden würde, ein Boot kaufen würde“ – wie doof sie doch noch ist. Vielleicht stellt sie sich ja auch alternde, reiche Popstars in Antibes vor. Um Spießer geht es, Agentenfilme, und nach Neuseeland auswandern. Aufhänger für dieses Interview wohl. Doofe Popkulturbilder, die besonderes suggerieren. „Mia will nach Neuseeland, Nonoti, mit drei Häusern.“ Nun habe ich einen Namen, und der Zauber ist vorbei.

Vielleicht reißt Steffen das Ruder ja noch rum. „Mia“, die eben noch „Judith“ hieß, fängt an zu faseln. Schade.

Ok, nu geht’s um Musik. Gut. Mias Musik ist tanzbar, groovy sagt Steffen sogar. Finde im Netz die Liedzeilen „weil ich so gerne liebe und ich könnt schon wieder“ – und hoffe inständig, dass es um diese geht. Aber dann behauptet sie, Kant verstanden zu haben und ich höre an Steffens Nuscheln, dass er abgeschaltet hat.

Klavier, Katze und Helge Schneider soll mit auf die Insel.

„jetzt will ich mich vergeben
gott, lass es männer regnen“ … Und nu stell ich mir kurz Helge Schneider vor, dann taucht doch zum Glück der stramme lächelnde Taxifahrer vor meinem Auge auf, und nun geht es wieder ;))

Neben Judith?

Ich setze mich nach einem langen Telefonat in das Café unter den Linden, auf die der Meile abgewandten Seite. Ich möchte meine Ruhe. Finde einen freien Tisch, den die Linden, die Markise und das weiße Gitter des Eingangs gemütlich abschirmen.

Neben mir sitzen zwei Frauen, die miteinander reden. Ich setze mich und bestelle einen Pfälzer Grauburgunder von 2009. Inzwischen sind genügend Fetzen der Unterhaltung neben mir herübergewandert, dass mir klar ist: das ist kein Gespräch, das ist ein Interview. „Neben Judith?“ weiterlesen

Plan B hat es noch drauf!

Gestern Abend versammelten sich überwiegend mittelalte Männer, die wohl mehrheitlich gemeinsam haben, dass sie entweder immer noch versuchen mit Popkultur ihren Lebensunterhalt zu verdienen, oder – die wenigen – die das tatsächlich tun.

Johnny Haeusler, Frontmann und Sänger der Gitarrenpop-Band "Plan B" stellte dann auch nach dem ersten Lied treffend fest, dass es gestern Abend um zwei Fragen ginge: "Ob sie es noch drauf haben – und, ob wir, das Publikum, es noch drauf haben" – die Antwort könnt ihr euch anhören … (Youtube Link)

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Abschleppen

„Du, Frau Schlägel, kannst Du mal bitte rüberkommen?“, frage ich meine Kollegin ein Büro weiter. „Jaaahaa, Moooment“, flötet es von nebenan. Wie ich dieses Langziehen von Vokalen hasse. Als sie dann vor meinem Schreibtisch steht, zeige ich aus dem Fenster: „Sag mal, kannst Du das Kennzeichen da unten lesen?“ – „Jahaaaa, HH-V0-9999. – Wiesooo?“. „Nix, Danke. Machst Du die Tür zu, wenn Du rausgehst?“.

Im vierten Stock des „World Cruise and Finance Center“ hat man eine Spitzensicht auf die kleine kurze Eckstraße, die größenwahnsinnig „Lange Straße“ heisst. Hier parken die ganzen „Unmarked Paketboten“ immer, wie ich die schmierigen Subunternehmer der ehemaligen Bundespost immer nenne. Ich notiere mir dann die Kennzeichen, oder lasse sie von Frau Schlägel, also von Marion notieren und rufe dann die Polizei. Wenn ich Glück habe, meine Quote liegt bei grandiosen 25% (wenn meine EBITDA-Quote dieses Jahr nur auch so hoch wäre, aber das hat mir ja der Einkauf versemmelt mit diesem Panamadeal). Heute ist ein besonders schönes Exemplar an der Reihe. Übergewicht, beige-blondierte Fisselhaare unter einer HSV-Kappe. „Love the Armory“ steht auf seinem T-Shirt, was wie eine Tätowierung aussieht, was auch immer das heissen soll. Weiss der Spinner bestimmt selber nicht.

Die Polizei erscheint. Hurrah, heute ist mein Glückstag: Zwei Bulletten. Eine blonder als die andere. Der Mann gestikuliert. Herrlich, einer von der Sorte, die denken, sie können sich mit ihrem Charme herausreden. Sind ja Mädchen da gegenüber. Hat sich der Typ in den letzten zehn Jahren mal im Spiegel angesehen? Auf Machos, die unsere Auffahrt blockieren und dann auch noch anzüglich werden, können die Polizeimeisterinnen sicher besonders gut.

Das Telefon klingelt, meine Frau ist dran. Was wir denn nun mit dem Elternabend machen heute Abend. „Ich muss noch länger arbeiten, Schatz – ich kann nicht, rufe zurück“. Als ich wieder heruntersehe auf die Straße vor meinem Gebäude, sind alle eingestiegen. Schade.

Na dann. Sauber hefte ich meine Fotos in den Blog vom heutigen Fang und gehe zur Entspannung eine Runde bei welt.de kommentieren. …

Remember VH-1derland!?

VH-1DERLAND Homepage
VH-1DERLAND Homepage

Das VH-1derland war schon öfter hier Thema und mein erstes „echtes“ Projekt im WWW. Bei der Produktionsfirma, die Musikfernsehen für Erwachsene machen wollte hatten sich viele Musik- und ein paar Internetbegeisterte zusammen gefunden.

Ich habe aus dieser Zeit noch viele Freunde und denke gerne daran zurück … und heute habe ich beim Foto-Suchen auf meiner Festplatte (genauer den Festplatten) einige Screenshots des letzten VH-1derlands gefunden – und ja ich bin sentimental geworden – und meine ganz selbstgefällig, dass das deutsche Netz ein solches Magazin immer noch gut gebrauchen könnte: „Remember VH-1derland!?“ weiterlesen

Bluespunkpop mit Spreeblick – „Plan B“ ist wieder da

Schön, dass ihr wieder da seid.
„Coming back for more: Plan B aus Berlin, zum ersten Mal seit 18 Jahren wieder live auf der Bühne:“

6. Juni 2012 — Hamburg, Molotow
7. Juni 2012 — Berlin, Lido

Hier die neue Version von „Grab it!“, aufgenommen im April 2012 in den Berliner Trixx-Studios, wo die Band damals auch ihre allerersten Demos erstellt hat.

Der Song ist als legaler und kostenfreier Download unter http://soundcloud.com/plan-b-berlin/grab-it-2012 erhältlich und wird später auch bei iTunes, Spotify usw. zu finden sein.

Stay tuned: http://fb.com/planb.berlin
Twitter: @_plan_b_
http://planb-berlin.com

Pure Fruit

Den Milchbauern werden faire Preise versprochen, und den meisten vorenthalten. Eine Prise Salz ist nie verkehrt und in meiner Küche wachsen die Tulpen nach unten.

„Taken by a stranger“, habe gestern eine Reise in die Vergangenheit unternommen. Nach Blankenese. Und ich habe sie schadlos überstanden, was in diesen Tagen nicht selbstverständlich ist. Parks sind in Zeiten wie diesen regelrechte Gefahrengebiete. Zu wenig Passanten.

Meine Taschentücher sind ein SOLO Talent, 10 Stück, ca. 21×21 cm groß. „ca.“? Das es das noch gibt, toll. Ungefähres, das aus deutschen Fabriken herauskommt, wo findet sich das noch? 4-lagig in Lagos.

Nach dem Öffnen im Kühlschrank STEHEND aufbewahren. Die simpelsten Dinge wollen nun auf Packungen gedruckt werden. Pure Frucht, gepresste. In meinem Magen wälzt sich Maispampe, zusammen mit Bio Apfel-Orange mit Maracuja und Mineralwasser aus den bayrischen Alpen.

Habt ihr gewusst, dass Milch fast 5% Kohlenhydrate hat? Und die Milchbauern kriegen faire Preise vom Biodiscounter, der geschickt suggeriert, als zahle er diese. Dabei zahle ich seine fairen Preise. Aber steht das auf der Packung? „Lieber Erik, sie haben unseren Milchbauern einen fairen Preis für die Milch bezahlt, Danke dafür.“

Hoffentlich ist der Orangensaft wenigstens direkt und hat nicht allzuoft gelitten.

Deja Vu

S01E07: Folge sieben des Blogerature-Experimentes mit Metalust

Das Hellgrau des Himmels über Berlin schien sich nahtlos bis zum Boden zu erstrecken. Fast weiße Schwaden zogen über die Spree, als sie über die kleine Brücke am Wikingerufer spazierte.

Es war schon Dunkel und doch konnte man gut sehen, wie hier im Westen der Zahn der Zeit seit der Wiedervereinigung ungehindert an den Fassaden der Häuser nagte. Der Westteil Berlins sah inzwischen an einigen Stellen schlimmer aus, als der Osten der ehemaligen Hauptstadt der DDR gleich nach der Wende. Schon komisch, fand sie. „Deja Vu“ weiterlesen

Simon Desue: „Wie werde ich Youtube-Star“ – how to become a Youtube Star

Simon Desue: Tipps für Youtuber (Screenshot Youtube/Clixoom)
Simon Desue: Tipps für Youtuber (Screenshot Youtube/Clixoom)

Simon Desue ist gerade der heisse Scheiß auf Youtube. Im letzten Jahr ist dem deutschen Teeniestar auf Youtube das gelungen, was viele erträumen: er ist (neben Herrn Tutorial) einer der heissesten männlichen Youtube Stars.

Im Interview mit Clixoom verrät er, was euch, ihn, zum Star auf Youtube macht … „Simon Desue: „Wie werde ich Youtube-Star“ – how to become a Youtube Star“ weiterlesen

Der Brief (S01E02) #Video #vorgelesen

“Was soll denn die Scheiße?” rief Piet, griff zitternd nach den Zigaretten in der Innentasche seiner zerschlissenen Lederjacke, zündete eine an und setzte sich neben die Leiche, den Brief noch immer in der Hand.

… Die Episode zwei des Blogerati-Experimentes eines Episodenromans mit Metalust habe ich nu auch vorgelesen und außer zum Nachlesen (Index der bisher erschienenen Episoden) „Der Brief (S01E02) #Video #vorgelesen“ weiterlesen

Farewell Whitney

Whitney Houston ist tot, wow, das haut mich um. Vielleicht, weil sie noch mehr Teil meiner Jugenderinnerungen war, als Michael Jackson bspw. Der fand ja auch jenseits der frühen 90er statt. Sie nicht. Eingekapselt in Erinnerungen an Knutschereien zu ihrer Musik und dem klagvollen Nachgeben, wenn man nach Dirty Dancing nun seine Schwärme noch in Bodyguard begleiten musste.

Die Sängerin Whitney Houston ist tot. Wie US-amerikanische Medien in der Nacht zum Sonntag berichteten, starb die Soul- und Popdiva und sechsfache Grammy-Gewinnerin im Alter von 48 Jahren. Die Leiche sei am Samstag im Beverly Hilton Hotel gefunden worden. (ZEIT online)

Der leichte Unmut, mit dem sie ihre glasklare Stimme in die Welt getragen hat, und ihre Selbstzerstörung machten sie letztlich erst zu einer meiner Ikonen. Kaputtgehauen und ausgespuckt vom Popzirkus verlor sie letztlich nie ihre Würde, auch wenn sie oft kurz davor stand.

„John Zwo“ Blogliterati-Experiment Episode 1 vorgelesen

Ich schreibe eine Geschichte. Mit dem Autoren des Blogs „Metalust“ zusammen. Jeder schreibt eine Episode, dann spinnt der andere weiter. Nun habe ich mal versucht, einen dieser Texte vorzulesen. (Nachdem der Einschlafen-Podcast einen meiner Artikel vorgelesen hat, weiss ich: sie taugen zum Einschlafen).

Episode 1: John2, vorgelesen (Youtube) „„John Zwo“ Blogliterati-Experiment Episode 1 vorgelesen“ weiterlesen

„Ping Pong Prosa“ – ein Blogexperiment

Seit einiger Zeit spiele ich mit Momo vom Blog Metalust eine Art Phantasie-Ping-Pong. Ich schreibe einen Blogartikel, denke mir eine Handlung aus, und er schreibt ihn in seinem Blog weiter. Darauf reagiere ich mit einem Weiterspinnen seiner Ideen – und so weiter.

Inzwischen sind fünf Episoden entstanden, und eine Geschichte, die noch ihren roten Faden sucht, aber das ist ja auch beabsichtigt. Damit ihr bei Interesse einsteigen und folgen könnt, habe ich hier einen kleinen Index dessen, was bisher geschah:

Alles sieht nach einer Krimigeschichte aus. Sie spielt in Hamburg, in Ottensen und an der Bebelallee – innerhalb des Ring2 ;(, wobei das nichts zu sagen braucht

Index:
001: John Zwo
002: Der Brief
003: Der Abschied
004: Der Leichentransport
005: Bahnfahrt nach Berlin
006: Blaue Augen

Neu: 007: Deja Vu

Bahnfahrt nach Berlin #prosaexperiment

s01e05: Episode fünf eines Blogliterati-Experimentes

Jane mochte Bahnfahrten. Sich in die Hände dieses beeindruckenden Systems zu geben, ohne Verantwortung dennoch fortzukommen, das hatte sie immer fasziniert und auf eine kindliche Art beruhigt.

Ihr ganzes Leben war sie schon für sich selbst verantwortlich und allzu oft auch für andere. Hier, im ICE von Hamburg-Dammtor nach Berlin fühlte sie sich befreit von der Verantwortung, konnte sich zurücklehnen und das Ankommen anderen überlassen. Heute hatte sie auch noch besonderes Glück, das Abteil war zwar reserviert, aber leer geblieben.

Die Vororte Hamburgs lagen gerade hinter ihnen, schnell und stetig sauste die Mecklenburger Landschaft an ihr vorbei. Sie hatte sich den Ipod in die Ohren gehängt und das Shuffle-Programm hatte ihr Johhny Cash ausgewählt. A Boy Named Sue. Ein toller Song und eine wahnwitzige Story, dachte sie, als sie über die beige-braunen Felder und die nackten Bäume in den Himmel schaute.

Ihre Gedanken begannen zu fliegen. Zurück an den Tag, an dem sie das Familien-Notizbuch das erste Mal in Händen gehalten hatte. Bei der Beerdigung ihrer Großmutter war es gewesen. Eine Art Inititions-Ritus ihrer weit verzweigten Familie – und Bewahrer eines gruseligen Geheimnisses. Deswegen war sie nun auch auf dem Weg nach Berlin. Wegen dieses Geheimnisses, von dem jeder Zweig der Familie einen Teil verwahrte und dessen Ausmaß sie nun erst erahnte, da sie zwei von Ihnen gefunden hatte. John Zwo hatte keines dabei gehabt, zumindest hatte sie in ihrer Eile keines finden können.

Juri würde sicher genauer nachschauen, darum hatte sie ihn gebeten, als sie ihn wegen der Beseitigung der Leiche anrief. Später müsste sie sich ihm weiter offenbaren, was ihr die gerade wohlig einsetzende Entsoannung abrupt wieder entriss. Sie setzte sich gerade hin und schloss die Augen.

Die Brücke an der Bebelallee hatte ihr Großvater gebaut. Genauso, wie ein Dutzend andere in Europa. Zu einer Zeit, als die Moderne noch Versprechen war, die Hochbahnen und U-Bahnen Städte explodieren ließen, war die ganze Vorbereitung plötzlich zur Entfaltung gekommen. In Berlin war er auch gewesen. Hatte dort an den Arbeiten am Gleisdreieck mitgewirkt. Opa als Architekt, sein Bruder, Johns Vater, als Vermesser.

Sie alle hatten diese Gabe gehabt, und die Aufgabe ihr übertragen aufzuräumen, nun da die Amnäsie den besonderen Wahnsinn auslöste, der alle 400 Jahre ihrer Sippe zustieß.

Nur diesmal, so hoffte sie, ginge es vielleicht ohne unschuldige Opfer. Dafür müsste sie das ganze Geheimnis ergründen. In Berlin.

„Die Fahrscheine bitte“, sagte eine Stimme durch die letzten Zeilen von „Highwayman“ hindurch. Auch eine unaussterbliche Floskel.

Teil fünf des Prosaexperimentes mit @metalust
Index:
001: John Zwo
002: Der Brief
003: Der Abschied
004: Der Leichentransport

Die Frau mit der purpurnen Krone

Ich sitze im Bus,
Die Heizung pfeift, ein Mann hustet.
Die Frau mit der purpurnen Krone auf dem Kopf achüttelt sich.
Ekelig diese Wärme im Winter.

Ich will hinaus, die Nase in den Wind stecken, bis sie blau wird und abfriert.
Die Frau mit der purpurnen Krine schaue ich verdrießlich an. Ihr gebe ich alle Schuld.

Der Abschied

s01e03

Er soll einen Abschiedsbrief hinterlassen, das hatte sie sich spontan überlegt. Ein Selbstmord eines Verzweifelten, wie es so viele in dieser Stadt gibt. Einer mit Drogenproblemen, von Psychosen wegen jahrelangem Marihuana-Genuss hatte man ja schon oft gelesen:

„Als ich wieder aufwachte, war es noch hell. Der Temperatur, der tief stehenden Sonne musste es Winter sein; sie schickte sich an, unterzugehen. Und da war auf einmal wieder alles da. ALLES!

Es schoss in mich wie ein Blitzstrahl, die Bilder, sie waren kaum zu ertragen. Ja, klar, Bebelallee! Kein Wunder, dass es das war, was mich ansprach. Kein Wunder, dass ich da hin fuhr …

Die Pistole habe ich noch bei mir. Ich halte es einfach nicht aus. Verzeih mir, wem auch immer diese Laube gehört – ich halte das nicht aus. Es tut mir leid. Vergib mir.

Dein John Zwo.“

Den Brief hatte sie fertig geschrieben, da atmete der Mann noch. Paralysiert von ihrem Taser, mit dem sie ihn kampfunfähig gemacht hatte. Es war fast ganz dunkel in der Gartenlaube, in die sie den Mann verfolgt hatte, der für alles verantwortlich war. Das Handysignal hatte sie zu ihm geführt, nachdem sie schon an dessen Genauigkeit gezweifelt hatte, so wirr war er durch Hamburg gefahren. Nun wusste sie warum. Er hatte sie nicht erkannt, sich selbst nicht mehr erkannt.

Zuerst, als er wieder zu sich gekommen war, sie ansah, mit seinen hübschen blauen Augen, hatte sie an einen Effekt der Stromwaffe gedacht. Er stammelte, und behauptete mit schwacher Stimme, sich an nichts mehr erinnern zu können. Wer sie denn sei, hatte er dann gefragt – und an seinem Blick hatte sie erkannt, dass er sich tatsächlich nicht erinnerte.

Wenn sie ehrlich zu sich selbst war, dann fiel ihr das Ganze nicht leicht. Immerhin war es nun schon eine Weile her, dass sie den Entschluss gefasst hatte. Und hinterfragt hatte sie sich nie. Es lief aber auch alles wie am Schnürchen. Solange gab der präzise Ablauf der Dinge ihrer Entscheidung diese wichtige Stütze. Doch als er das Foto von der grünen Tür via Twitter und Facebook gepostet hatte und nicht hinein ging, da kam alles durcheinander.

Warum war er umgekehrt? Das hätte alles nicht so ablaufen sollen. „Warum, warum?“, das hatte sie ihn erregt gefragt, aber er hat sie nur debil angesehen. Und gezuckt.

Das hatte alles durcheinander gebracht, auch die Gewissheit, dass alles gut und richtig war.
Sie löschte die Taschenlampe und jagte noch eine Ladung Wechselstrom in den Körper vor ihr. Das würde keiner überleben, er schon. Strom, der für andere Menschen lethal war, brachte ihn nicht um. Sie legte die Pistole in seine linke Hand und führte sie an seine Schläfe. Er hatte die Augen doof verdreht. Und doch fiel es ihr schwerer, als gedacht, abzudrücken.

BUMM! – vorbei.

Inzwischen war es früh am Morgen. Der Verkehr auf der Bebelallee nahm zu und das Brummen ermahnte sie daran, dass sie sich aufmachen musste. Ob sie in Hamburg bleiben würde, wusste sie noch nicht mit Bestimmtheit zu sagen. Zuallererst musste sie Juri anrufen, um ihm von John Zwo zu erzählen. Und von seinem Ende.

Index:
001: John Zwo
002: Der Brief
003: Der Abschied

Bücher ABC – Literatur und Buchkritik auf Youtube

Wer sich mit Video und Bewegtbildformaten in der digitalen Welt beschäftigt, der landet schnell bei Youtube und seiner mannigfaltigen Sammlung von Web-TV Formaten. How-to Videos sind da der neue heiße Scheiss – und Verarsche geht auch immer. Aber Literatur?

Heute bin ich auf ein paar Youtuber_innen gestossen, die das Format Buchbesprechung auf Youtube versuchen zu etablieren, und das sogar erfogreich und teilweise sogar, ohne das Buch gelesen zu haben. :)

Das hat mich inspiriert, auch einen Beitrag zum Themen-Tag „Bücher ABC“ beizusteuern:

Klingt wie eine schlechte Helge Schneider Parodie und ist schlimm … und ein nicht ganz ernst gemeinter Beitrag. Wie das aussehen kann, wenn sich große Jungs damit beschäftigen, kann man bei Litscout sehen …

Love

Heute Mittag hat mich meine eigene Vergangenheit herzlich umarmt und auf die Wange geküsst. In Gestalt der unnachahmlichen Love Newkirk, die ich bei einer befreundeten TV-Produktion wieder traf. Nach fast 15 Jahren, die – so schien es mir – nur an mir nicht spurlos vorbei gegangen sind. Lustig, da läuft man sich über ein Jahrzehnt nicht über den Weg und dann digital und in persona gleich 2mal hintereinander

Love ist schon lange nicht mehr bei VH-1, dem Musiksender für Erwachsene – wer erinnert sich noch? Nun steht ihre Tochter im Rampenlicht und macht ihre ersten Auftritte als Sängerin, wie hier bei der Aftershow Party zu „Queens of Pop“ (arte):

Eine Stimme, die wir uns merken sollten, twimc!