Elektronische Tickets der Bahn nicht für das IPhone?

Sitze gerade im ICE nach Berlin. Fahrkartenkontrolle. Der Mann hinter mir zeigt seine elektronische Fahrkarte (e-ticket) auf seinem IPhone vor.

„E-Tickets dürfen wir nur auf Laptops, Notebooks und Tablets entgegen nehmen“ sagt die Schaffnerin, und erzählt von einer internen Anweisung. Der Mann blickt erstaunt und auch ein wenig angespannt, als die wuchtige Dame lächelt. ’Aber nu erzählen Sie mir mal, wo ein Tablet anfängt und ein Smartphone aufhört’.

Das mag ich an der Bahn ja, wenn Menschen im Sinne ihrer Kunden (und sicher auch aus Bequemlichkeit) ihren Ermessensspielraum ausnutzen.

Bravo!

Die Privilegierten spotten zurück

Ich kenne Malte Welding vom Lesen und ich bin mir sehr sicher, dass er sich nicht für einen Rassisten hält. Ich habe den Eindruck, dass er seine kleine Replik auf die Empörung von zwei Frauen, die eine Feministin, die andere schwarze Aktivistin, für Satire hält – und die darf ja bekanntlich alles. Dass er mit seinem Text dominante Strukturen, in denen weisse Männer definieren, wie man sich worüber gefälligst aufzuregen hat, wiederholt, ist ihm im besten Fall nicht klar gewesen. Es ist deshalb so schäbig sich über die Empörung zweier Frauen zu erheben, ihnen das Recht darauf durch Verspottung abzusprechen, anstatt sie erstmal als Verletzung zu akzeptieren, (vom Stil mal ganz zu schweigen) weil er in dem Moment, indem er so etwas schreibt:

„Das schlägt der Fäss_in doch die Böd_in aus! Die Reaktion der jungen Grünen war ein gewaltvoller Übergriff, nein Entschuldigung: eine Übergriff_in!

Wer ist der bessere Mensch in diesem titanischen Kampf der politisch korrekten Geisteselite: Antifa-Frau oder PoC-Schriftstellerin, linker ASTA oder die Feministin?“

… dies als weißer Mann tut. Da kommt Malte nicht raus. Und anstatt sich seiner Zugehörigkeit zur Dominanten unserer Gesellschaft gewahr zu werden, hinzuhören und die Verletzung zumindest zur Kenntnis zu nehmen, definiert er, weshalb das garnicht aufregenswert sei.

„Da lädt jemand eine Autorin ein, hat das Café, in dem gelesen wird, vorher nicht untersucht, und kennt die Abkürzung des in Deutschland nicht besonders üblichen Begriffs People of Color nicht: und wird dafür hingestellt, als hätte sie das Dritte Reich mit Gaskammern beliefert.
Das ist ein Ichbinbesseralsdu-Wettbewerb, bei dem ich kotzen muss.“

Und dieses Statement, lieber Malte, ist Rassismus Dominanz-Gebaren in Reinform.

Für seine Kommentatoren ist man nicht verantwortlich, aber das, was sich bei Malte dann in der Kommentarsektion tummelt, ist in seiner Geisteshaltung gut bei Hansa Rstock aufgehoben und provoziert meinen Widerspruch.

Das ist inzwischen so ekelig Männerbündisch, dass ich mich da nicht mehr hinbewegen möchte. Malte würde ich empfehlen, wenn er sich ein wenig erholt hat, von der narzisstischen Kränkung, die man als Bewerteter empfindet, sich Noahs Buch reinzuziehen oder sich wohlig zurückzuziehen in seinen Dominanzkokon, dann aber Frauen, wie Lantzschi und Noah wenigstens das Recht auf Artikulation nicht zu verwehren.

Lektüre:

Noah Sow
Lantzschi
Hatr Comments auf Noahs Artikel
Mädchenmannschaft
Metalust

Die Piraten und ihr Leck an Steuerbord #Rechts

Die taz diskutiert die Piraten unter dem Stichwort „Feminismus“ – und man sollte das lesen, wenn man sich mit den Piraten in Berlin mitgefreut hat. Denn das Ignorieren von Diskriminierungen führt zu gefährlicher Schlagseite nach rechts:

Stattdessen arbeitet die AG Männer mit den Männerrechtlern von Agens und Manndat zusammen, die Männer vor allem als Opfer von Frauenpolitik thematisieren.
Ja, das ist ein großes Problem für die Partei. Diese AG widerspricht komplett dem postmodernen Ansatz des Programms. Die Partei macht sich mit dieser AG für die rechte Szene anschlussfähig. Man kann mit einem Klick von der Seite der AG Männer zu „eigentümlich frei“ gelangen. Das ist ein ultrarechtes Organ. Ich lese Ihnen das „Zitat des Tages“ von dieser Seite vor: „Die muslimische Invasion Europas brächte nicht nur Nachteile: Feminismus, Gender Studies und Regietheater würden immerhin verschwinden.“

via taz

London riots …

Der Aufstand der Ungebrauchten.

Genau das haben wir auf der #mlove11 diskutiert, der Kapitalist Butcher und ich.

“There will be a price on my head”, sagte Mike Butcher nach einer unserer Sessions auf der #mlove11 und meinte damit, dass die Personalisierung in der digitalen Welt sich dahin weiterentwickelt, dass unsere Kaufentscheidungen und persönlichen Vorlieben nicht nur Ziel von Werbung sind, sondern unsere Persönlichkeit selbst einer Aktie ähnlich mit einem Preis versehen werden kann. Eine Entwicklung, die ich auch befüchte und bei der viele von uns sich wundern werden, was für einen Ramsch ihr Leben darstellt, monetär gesehen.

Und was war das i8m Kern in London? Der Aufstand der Ungebrauchten, der menschlichen Penny-Stocks, der abgeschriebene Ich-AGs, für die jeder Montag ein schwarzer ist.

ZEIT ONLINE: Sind die Unruhen in London ein Teil der Suche nach neuen Modellen jenseits des Kapitalismus?

Žižek: Nein, ganz bestimmt nicht. Ich teile da auch nicht die Bigotterie vieler Linker, die im selben Atemzug die Gewalt verdammen, in dem sie für Verständnis für diese Leute werben – etwa was soziale Ursachen anbelangt. Nein. Was man hier sieht, ist genau die post-ideologische Gesellschaft, wie die Neoliberalen sie so gerne wollten. Zygmunt Bauman war auf dem richtigen Weg, als er von der Randale unbrauchbarer Konsumenten sprach. Es handelt sich um enttäuschte Konsumenten, die einer perversen Form des Konsums, einem Karneval der Zerstörung, nachgehen. In viel schlechteren Situationen haben es Menschen geschafft, sich politisch zu organisieren, was hier vollkommen misslang.

Ich verstehe von Politik ja nicht viel, aber das klingt in meinen Ohren plausibel. Der Unterschied zwischen neo-konservativen und linken Positionen wären dann die Konsequenzen, die wir aus dieser Erkenntnis ziehen?

Im Sommer frei

Wenn ich erwache, morgens meist, dann schaue ich auf eine Oase. Grün ist es hier jetzt im Sommer und von einem Wall umgeben in dem Menschen wohnen. Der Putz bröckelt leise von den Mauern, manchmal höre ich es rieseln nachts.

Streetart BerlinDie Flasche Wein drückt noch ein wenig in meinem Kopf, viel mehr als Schlappheit bleibt nicht mehr von so einem bisschen.

Die erste Morgentoillette ist schnell gemacht. Das mag ich so an der Spree, dass sie sauber ist und warm und mich dennoch erfrischt. Nun geht es hinaus aus meiner Burg zwischen Oberbaumbrücke und Kreuzberger Nacht. Hinaus in den umzingelnden Wahnsinn von hetzenden Menschen und den vielen Touristen. Ich mag die leiden, die meisten, und doch sehen sie mich nicht. Mir tun sie leid, je mehr Mitleid aus ihren Augen spricht, dieses schnell abnehmende Mitleid, das eigentlich nur dazu dient den wohligen Schauer des Grauens auszukosten, wenn die Vorstellung, man sei ich, der Erkenntnis weicht, es doch nicht zu sein. „Im Sommer frei“ weiterlesen

Du weisst, Dein Viertel wird gentrifiziert, …

Wenn:

  • Deine Nachbarn dich verklagen, statt Dir Schläge anzudrohen
  • Menschen über 40 den ganzen Sommer in Schlappen herumlaufen.
  • Auf BMWs und SUVs vor Deiner Tür „St. Pauli Aufkleber“ prangen. Oft neben dem der örtlichen internationalen Schule.
  • Kinder nicht laufen, sondern in Wagen gefahren werden, die soviel kosten, wie Dein Auto.
  • Zunehmend schwäbisches statt anatolisches Deutsch gesprochen wird.
  • Hip-Hopper weg, Pop-Hopper hinziehen. (Und Du Platten von ihnen im Schrank hast (Never mind Fettes Brot ;) )
  • Nur die pensionsreifen Lehrer_innen an der Grundschule Deiner Kinder noch im Viertel wohnen.
  • Die Selbsthilfe-Werkstatt in ein Industriegebiet zieht
  • Starbucks
  • Statt Vereinsemblemen, die Menschen „North Face“ auf ihren Jacken tragen.

… und Dir wird klar, dass Du Teil dessen bist, wenn Du bei einem Fair-Trade Rebellencaffee diese Zeilen in Dein Ipad tippst.

Fußball-Networking #next11

Ich bin ein schlechter Konferenz-Einordner. Zum einen fällt es mir schwer, Konferenzen zu beurteilen, die in Berlin oder Hamburg stattfinden, also zuhause oder in der Vorstadt, und mit denen zu vergleichen, die im Ausland sind. Das liegt nicht immer daran, dass die internationalen besser wären, ich empfinde das nur oft so – vielleicht ein Effekt meiner Sozialisierung in den 80er Jahren, als alles englische einen hochbesonderen Nimbus genoss.

Auf der next11 in Berlin habe ich mich außerdem weniger in Panels oder Vorträgen aufgehalten, sondern viel „genetworked“, wie man das neudeutsch so nennt. Das Erweitern des eigenen Horizonts und professionellen Bekanntenkreises über Menschen, mit denen man sozial verknüpft ist. Ich bin hierbei ein Verfechter der Theorie der „weak ties“, also der Erkenntnis, dass die unverhofften und losen Bekanntschaften oft genug Anlass oder Ausgangspunkt für tolle Projekte werden können.

Seit ein paar Jahren trage ich meine Vorliebe für einen besonderen Stadtteilverein regelmäßig vor mir her, was beim Networken oft einen weiteren Effekt hat – man kommt nicht nur zum Thema der Konferenz ins Gespräch, sondern über die Schiene Fußball.

Gestern auf der next11 in Berlin war das mal wieder so. Wir saßen draussen, der Pottblogger (herzlichen Glückwunsch BVB Borussia zur Deutschen Meisterschaft) und fanden schnell Parallelen zwischen Fußballvereinen und Communities. Dazu gesellten sich weitere Konferenzteilnehmer. Vom FCA (Augschburg) und den Stuttgarter Kickers beispielsweise. Sympathische Menschen, mit tollen Ideen. Vielleicht demnächst mehr als lose Krawattenbrüder ;)

(Frage mich allen ernstes, ob das Fans vom HSV auch so geht – immerhin kann man mit denen in der Regel gut Frotzeln ;)

Astra-Kneipen in München oder Berlin

Astra Stube Foto

In Hamburg trinkt man Astra. Vor allem wenn man jung und hip und Fan des FC St. Pauli ist. Diese Haltung pflanzt sich derzeit in weitere deutsche Städte – aber wo kann ich denn in München Astra trinken? Im Glockenbachviertel bestimmt. Aber wo genau? Und wo in Berlin, außer im Pony in Mitte – das kann ich nicht mehr ertragen – wie Berlin-Mitte insgesamt. ;)

Workshop-Moderation und Visualisierung

Wer einen Workshop plant, für ein Produkt, ein Team-Event oder so, der möge sich auf der Suche nach einer Moderatorin für diese Veranstaltung an meine Empfehlung erinnern: Anna Lena Schiller

Diese Dame ist nicht nur sehr sympathisch, sondern vermag es, einen Workshop zu steuern und zu moderieren, ohne autoritär werden zu müssen. Man merkt das kaum, dass man nach ihrer Pfeife, oder besser Edding tanzt. Nicht zuletzt wegen ihrer musikalischen Ausbildung ist sie in der Lage, komplexe Zusammenhänge in einer kreativen Form zu manifestieren, die man gerne und immer wieder sich vornehmen kann, auch wenn der Workshop gelaufen ist
– und das ist, seien wir ehrlich, doch die größte Kunst, das Angewendete in den Alltag zu übernehmen.

Im Echoraum verstrahlter Egomanen? #Berlin

„Die Shitstorms der letzten Jahre waren allesamt laue Pupse, nicht mehr. Anders ausgedrückt: Berlin Mitte ist nicht Deutschland, es gibt anderswo oft noch wichtigere Themen als irgendeine Tigerkralle oder ein amüsierendes Weblog, das offline gegangen ist. Wo ist eigentlich der Shitstorm zur Hartz IV Erhöhung? Oder der Shitstorm zum Dioxin-Skandal? Der Shitstorm gegen die schwarz-gelbe Bundesregierung?“

… fragt sich Nico Lumma in seinem Blog – und meint den letzten Aufreger um Nerdcore. Und ich pflichte ihm bei, dafür blogge ich lange genug ;)*

* und kein Halbfinale in Sicht 2011 ;)

Hotel Angleterre Berlin – kein Hotel für Digitale Nomaden #fail

Berlin.

Das Hotel Angleterre liegt in der Nähe des Checkpoint Charlie am Margarine-Ende der Friedrichstraße in Berlin. Mein Lieblingshotel, das nahe Adina in der Krausenstraße war leider ausgebucht. Inzwischen erinnere ich mich dunkel, dass ich, ich glaube es war mit @ognibeni, mal über dieses Hotel gesprochen habe. Das LAN (WiFi gibts nicht) kostet stolze 15 EUR pro Tag – und der Fernseher krisselt. Ich kann nur jedem digitalen Nomaden eine Wegmarke an die Friedrichstraße 31 kleben: weiträumig umwohnen!

Na dann gute Nacht – treibe ich mich draussen rum – mit den anderen armen Touristen.

Altona-Budapest-Berlin Frühstück im Eurocity

In diesem Speisewagen wurde lange Zeit sehr viel geraucht. Vor und nach dem Essen, zum dunkelschwarzen ungarischen Caffee. Das verstärkt den Ostblockcharme noch, der einen auf der Reise von Hamburg nach Berlin umwebt, setzt man sich in einen Eurocity nach Budapest am Morgen.

Die Kellner tüdeln sich langsam ein, heizen den historischen Caffeeautomaten an und sortieren sich nach einer kurzen Nacht. Bis 23:00 werden Sie in diesem reisenden Stück Ungarn arbeiten heute, dann erreicht der Zug Budapest. Nach einer kurzen Nacht zuhause, geht’s um sechs Uhr wieder zurück nach Altona.

Vielleicht sehen wir uns dann wieder, auf einen kurzen Caffee im rollenden Ungarn.

Vinos – Berlin zum Abendbrot

Den Tipp habe ich von einer Freundin aus Spanien. Den besten Weinhandel für spanische Weine findet man in Berlin. Auch ihren.

Nach einem Besuch bei Vinos in Berlin-West, da wo jetzt zur Berlinale die Transferempfänger der deutschen Kulturelite sich ihren Caffee bestellen, versuchte ich den kostenlosen Versand – und erlebte tolle Geschichten mit der Deutschen Post, die heutzutage DHL heißt, und mir weismachen wollte, ernsthaft, dass ich nicht da wohne, wo ich wohne. Sowas schweißt Sender und Empfänger zusammen.

Und bei spanischem Wein bin ich geblieben. Entgegen dem Tempranillo-Trend, bevorzuge ich zu meinem Käse Weine des mallorquinischen Weinguts Santa Catarina, oder wie heute einen Yecla.

Magermodel Bahn – ohne Winterspeck bricht alles zusammen

Auf dem Rückweg aus Berlin saßen wir ICE-Passagiere in einem alten Luxuszug des Metropolitan, der einst zwischen Hamburg und Köln in einem Expressdienst auf solventen Kundenfang ging. Das ging gehörig daneben, die Manager flogen lieber. In den 90er Jahren hat man mit der Bahn auch noch nicht solche Winter erlebt, was nicht an den Temperaturen liegt sondern am Schlankheitswahn der Bahn.

So das Fazit eines Gespräches, das ich vor zwei Wochen mit einem alten Bahner führte. „Wenn es kalt wird und eng, dann kommt es nicht nur auf die Technik an, sondern auf deine Reserven“, hatte mein Gegenüber durchaus plausibel den Vergleich zum Sport gezogen, „früher hatten wir in Altona immer noch mindestens eine Lok und einen Lokführer in Reserve – heute fährt die Bahn just in time

Eigentlich schade – ich bin ja bekennend gerne Bahnfahrer – denn mit Zuverlässigkeit im Winter, einer modernen Klima-PR und mit Reserven für eine Schlussoffensive hätte die Bahn dieses Jahr für einen Frühlings-haften Aufschwung auch auf Strecken sorgen können, auf denen der Metropolitan keine Chance hatte.

Das hässliche Gesicht des 1. FC Union Berlin

Berlin, Prenzlauer Allee

Die Frage vier im Vorspiel-Interview mit Fans/Bloggern des 1. FC Union Berlin, was denn Union und der FC St. Pauli gemeinsam haben, und was sie trennt, wieso bspw. die „Blutsbrüderschaft“ nicht hinhauen konnte, erinnert mich an eines der Erlebnisse, die mich dazu brachten, meinem Besuch am Montag in der Wuhlheide nicht nur freudig entgegen zu sehen.

Es war im Winter 2004 als ich von meiner ersten Begegnung mit Heiko, einer Veranstaltung von Movable Type, aus dem Friedrichshain in den Prenzlberg zurückfuhr. Ich hatte zwei oder drei Bier getrunken und war müde. Das scheint mir der Auslöser dafür gewesen zu sein, dass ich mir die vier bulligen Skins und ihren schmächtigen Begleiter mit Minipli-Vokuhila genauer ansah, als sie zu mir in die Tram stiegen. „Das hässliche Gesicht des 1. FC Union Berlin“ weiterlesen

Berlin Sonnenuntergang – Berliner Gute-Nacht-Gedicht

Was meint ihr wohl, was eure Eltern treiben,
Wenn ihr schlafen gehen müsst?
Und sie angeblich noch Briefe E-Mails schreiben.
Ich kanns euch sagen: da wird geküßt,
Geraucht, getanzt, gesoffen, gefressen
,
Da schleichen verdächtige Gäste herbei.
Da wird jede Stufe der Unzucht durchmessen,
Bis zur Papagei-Sodomiterei.
Da wird hasardiert um unsagbare Summen.
Da dampft es von Opium und Kokain.
Da wird gepaart, daß die Schädel brummen.
Ach schweigen wir lieber. – Pfui Spinne Berlin!

/ Joachim Ringelnatz

Fernsehturm-Berlin

Lou Reed’s Berlin

jetzt gerade auf 3sat.

Lou Reed

Und ich habe fast vergessen, wie mitreissend diese Stimme und diese Musik, ihre Geschichten und schrägen Töne sind. Mal ruckt sie, mal schleift sie einen über rauhe Längen, dann schiebt sie mich wieder, fast brutal, mit klaren, tiefen Riffs vor sich her.

„New York“ hat mich in einer solchen intensiven Zeit begleitet, in der ich am liebsten am Boden lag. Lou hat mich immer wieder gezogen und getrietzt. Ich habe ihm geglaubt, weil er nicht nett war.

Dann wurde alles besser, und Lou Reed ein alter Mann.

Als Jugendlicher habe ich neidisch die Geschichten meiner Mutter über Lou Reeds „Winsen Luhe“-Zeit gehört, Lou’s „Berlin“ schliesst den Kreis.

Danke, es geht mir gut.

Die perfekte Westerwelle nach Neu-Kölln

Sätze wie „es gibt kein Recht auf staatlich subventionierte Faulheit!“ sind ja eh schon an die Verlierer gerichtet. Sind ja Leute, die sich viel Zeit dafür nehmen, diese ganz realen Verlierer zu beschimpfen und zu gängeln und zu diskreditieren … dieses „Looser“ und „Opfer“, das von Schulhöfen tönt, das ist die realgesellschaftliche Quittung.

Es ist manchmal ganz hilfreich Wirkungsfelder aufzuzeigen, damit sich die Herren mit Dame nicht verstecken können, später.