Ja, ich komme auch zur JHV …

aber dass die Mopo die Veranstaltung meinetwegen umbenennt, ist dann doch zuviel der Ehre ;)

Am kommenden Dienstag findet im Saal zwei des CCH die Jahreshautversammlung des FC St. Pauli statt. Der Präsident hat viel zum Vorzeigen. In der MOPO spricht Stefan Orth (45) über…

… fehlt übrigens noch ein „h“ ;)

… die Gegengerade: Die Verträge sind ausverhandelt, von der Stadt und den Banken gibt es positive Signale. Wir wollen und können uns keinen Experimentalbau leisten. Wir werden hanseatisch und bodenständig eine Entscheidung treffen, sie noch im November bekanntgeben. Nur soviel: Für mich ist das Alleinstellungsmerkmal das gesamte Millerntorstadion mit all unseren Fans. Die Tribüne wird 13500 Plätze haben, davon 2500 Sitzplätze. Sie wird zu Beginn der neuen Saison nutzbar sein.

Das ist in der Tat ein Thema, bei dem sich Stefan Orth durchaus profilieren kann. Die Welle, so lese ich das, ist wohl passé.

… den Antrag für die Mitgliederversammlung eines teilweisen Rückbaus der Business-Seats: Wir haben unsere selbst gesteckten Ziele beim Abverkauf der Business-Seats in der 2. Liga mehr als erreicht, möchten uns für einen eventuellen Wiederaufstieg in die 1. Liga eine gewisse Flexibilität bewahren. Zudem sind wir an Verträge mit der Stadt gebunden. Die frei gebliebenen Plätze wurden seit Saisonbeginn in normale Sitzplätze umgewandelt und verkauft. Deshalb sind wir auch ständig ausverkauft.

Tja, da hatte man ein ganzes Jahr Zeit, dieses Thema zufriedenstellend zu lösen – und nun kommt ein unerklärter Vertrag mit der Stadt ins Gespräch – und dass die Mopo nicht nachfragt, spricht ja auch wieder Bände. (sic!)

Ich Libero

Ich stelle mir vor, wie Hubert Burda und Maria Furtwängler beim Frühstück sitzen am Sonntag letzter Woche. Maria nimmt sich noch einen Schluck Darjeeling aus der kleinen Silberkanne, die Esperanza immer frisch nachfüllt. Beide sind noch ein wenig mitgenommen von der Bambi-Party, die war dieses Jahr besonders schön, und die TV-Reichweite stimmte auch.

Du, Hubert?
Ja, mein Schatz.
Der Buschido ist ja doch ganz nett.
Ja, mein Schatz, sagt Hubert leise und lächelt.

Eine Woche vorher stand ich auf den Nordhängen des magischen Millerntor und schaute Männern aus Fürth zu, wie sie den Spielfluss meiner Boys in Brown zerstören suchten. In der ersten Hälfte gelang ihnen das sehr effektiv, was Fürth mit einem Lastminute-Tor krönte.

In der zweiten Hälfte wurden wir St. Paulianer dann emotional. Bei Max Pass auf Deniz hüpfte ich auf die Schulter von Thomas, in freudiger Erwartung des Tors. Naki, jaaaa. Wir umarmten uns, tanzten ein wenig auf dem Fleck. Der Quotenrocker küsste mich auf die Wange und ich ihn zurück. Deniz Naki tanzte um die Eckfahne und kriegte sich nicht wieder ein vor Glück. Das war ein Moment purer Leidenschaft, unter Männern.

Wir waren Libero.

Von Waschweibern, Schlauchbootlippen, Taka Tuka Land und was Helge Schneider damit zu tun hat

Mitte der 90er Jahre saß ich gerne abends mit ein paar Freunden herum. Wir quatschten lange, spielten Spiele oder hörten uns Platten an. Eines Abends kam ich eine halbe Stunde später, meine Kumpels hatten gerade die erste Hörspiel-Platte von Helge Schneider aufgelegt und lagen alle schon kringelnd auf dem Boden als ich mich dazusetzte. Wie sie es in ihrem Zustand geschafft hatten, mir die Tür zu öffnen, war mir ein Rätsel. Wie albern die waren, sich totlachten über so banales, wie einen Mann auf dem Nachhauseweg eine Rose kauft (Gleich kommt mein Mann, mein Mann kommt gleich), konnte ich nicht verstehen. Eine Viertelstunde später erging es mir nicht anders, und bis heute fange ich an zu lachen, wenn jemand „Capuccella“ sagt. „Irgendetwas in Deiner Biochemie im Gehirn ändert sich irreversibel, wenn Du Helge Schneider eine Weile zuhörst“, hatte Matze das zusammengefasst.

Inzwischen sind über zehn Jahre vergangen, Helge Schneider macht jetzt nur noch Jazz, und die Gelegenheiten, abends Unsinn zu ratschen oder zu hören der Spaß macht, sind auch rarer geworden. Am Wochenende musste ich allerdings wieder an den Satz denken, den Matze damals so vor sich hingesagt hat. Denn wieder hat sich in meinem Bewußtsein etwas verändert, das nicht mehr zurückzudrehen ist. Noch im Nachhall der „#Weldinggate“Debatte um Rassismus, Sexismus und die Wahrnehmung von dominanter Sprache, lese ich plötzlich anders. Da frage ich mich nach der Lektüre meines Lieblings-Anwaltsbloggers, wieso ein Artikel über die Denunziationsphantasien eines Politikers mit „Waschweib“ überschrieben werden muss. Am Wochenende, in Vorbereitung zum Spitzenspiel des FCSP gegen Fürth am Millerntor schaue ich im Hamburger Abendblatt auf ein Comic des im St. Pauli Umfeld bekannt gewordenen Guido Schröter und frage mich, wieso er schwarze Spieler mit Schlauchlippen zeichnet, weiße aber nicht?

Ist ihm das egal bewusst, dass er rassistische Stereotypen reproduziert? Merkt das da beim Abendblatt einer? Ist das etwas besonderes, wenn ich das als Haus-und-Hof-Comiczeichner des FC St. Pauli so mache? – alles rhetorische Fragen, sorry. Dann geht es aber erst richtig los. Die Wahrnehmung läuft Amok, genauso, wie die Aufreger aus den Kreisen der Dominanten, die sich langsam aber sicher genervt fühlen vom andauernden Hinzeigen:

– Antisemiten beim RBB (ein schwer einzuschätzender Vorgang, bei dem es den Anschein hat, dass man Broder, wenn auch latent widerwillig, Recht geben muss, auch seine Wahl der Mittel)
– Rassismus in Taka Tuka Land – BILD.de empört sich über die Empörer „Sie hat Generationen geprägt: Die starke, tapfere Pippi Langstrumpf. Was für Millionen Deutsche eine wunderbare Kindheitserinnerung ist, nennt Dr. Eske Wollrad (49) „rassistisch“…“

Überall Widerstand (auf bild.de verlinke ich nicht), im besten Falle Polemik. Warum nur, kann man Astrid Lindgren nicht lieben und verehren und doch ihre Texte in einem richtigen, wichtigen historischen Kontext als streckenweise rassistisch bezeichnen und diskutieren? Das geht doch in Belgien auch. Kann Guido Schröter das nicht sein lassen, schwarze Fußballer wie den schwarzen Piraten bei Asterix und Obelix zu zeichnen? , wenn er weiß, dass das schwarze St. Pauliner_innen verletzt. Das will mir nicht in den Kopf.

Ich bin in fast allen meinen Lebensumständen Angehöriger der dominanten Gesellschaftsgruppe und bestimmt reproduziere ich alle naselang dominante Strukturen. Auch bin ich deswegen in der kommoden Lage mich zurückzuziehen unter die wohlige Decke der Ignoranz. Ich kann die Platte wieder in den Schrank stellen. Viele meiner Freunde können das nicht, und so langsam beginne ich zu verstehen, wie zermürbend das ist, sich zu wehren. Und ich bewundere das immer mehr.

(Hinweis: in diesem Blog dulde ich keine unwidersprochene Reproduktion von Rassismen oder anderen dominanten Ismen oder Lächerlichmachung von Kritiker_innen. Wenn ihr pöbeln wollt, dann bitte bei euch zuhause, dann auch gerne mit Trackback)

Empörend

Millerntor unter Flutlicht
Millerntor unter Flutlicht

Montag Abend im Oktober. Die Sonne ist schon seit einer Stunde untergegangen, Feuchtigkeit fällt von oben auf den Rasen und bricht das Flutlicht am Millerntor, als ich mich in Richtung Nordkurve aufmache. Ich habe immer Probleme mit der inneren Motivation an Montagen. Da helfen auch zwei Wachmachbiere nur bedingt. Wie machen das unsere Boys in Brown nur, denn das ist schon wuchtig, was die in den ersten 20 Minuten spielen. Wuseln sich mit exaktem Passspiel durch die müde Fortuna-Abwehr, dass es eine Freude ist. Allen gefällts, nur Herrn Perl scheint der Spielfluß zu stören, dass er gleich drei Aktionen von Flo Bruns abpfeift. Das hat mehr Wirkung auf das Spiel, als die umstrittenen Szenen in der zweiten Hälfte. Empörend, dass so fiese Fußballerdarsteller, wie Fortunas Rösler (#30), der Jarolim für Arme vom Rhein, nicht in ihre Schranken gewiesen werden und ich verstehe das voll und ganz, dass unsere Jungs sich da verschaukelt und verpfiffen vorkommen.

Das Empören über die Schauspielertruppe Fortuna Düsseldorf macht durstig – und wie das so ist, war man am Anfang einmal im Container, dann muss man immer wieder. Herausspülen, diese Ungerechtigkeit und still dann mit Blick auf das dampfende Millerntor genießen und hoffen, dass das Nichtaufgeben wieder einmal hilft. Es hilft nicht – und so kommt das Millerntor zu Ruhe. Ausempört und völlig augepowert vom Kampf gegen Unsportlichkeit und das, was Schwafler Cleverness nennen. Da fiel vielen nicht mal ein, unsere Jungs mit einem YNWA aufzubauen. Der Süden, die Singing Area und uns Fünf auf der Nord mal ausgenommen.

Niedergeschlagen und ein wenig dun melancholisch dann an der Domschänke abzutauen lädt dann aber wieder auf. Hoffentlich steigen die doofen Fortunen in die erste Liga auf, verdient haben sie sich diese Strafe auf jeden Fall gestern.

Von Altona über St. Pauli nach Hamburg hinein #36

Barcelona, 17° Grad im Schatten. Wir passieren das Altonaer Rathaus gegenüber einer Anwaltskanzlei für Familienrecht. Ich muss an meine „Familie“ denken, in der jeder nur an sich selber denkt. Scheidung nicht ausgeschlossen.

Vor mir sitzt Michael M., oder einer der so aussieht. Der kalte Oktoberwind zieht ihm von hinten in den Nacken, wenn die Tür aufgeht. Er schlägt den Kragen seiner Wildlederjacke hoch. Ein paar wilde Strähnen seines vollen schwarzen Haares recken sich in seine Stirn und am Wirbel nach Außen. Er hatte es sicher eilig heute morgen.

„Nächste Haltestelle: S-Bahn Reeperbahn“

Der 36er hat Grüne Welle über den Kiez. Toll. Tolle Welle, wie gerne er die hätte. Ein Monument seiner Karriere und architektonische Vollendung seines St.-Pauli-Bildes. Das Iphone klingelt, Gernot ist dran. Der Zahlenteufel nennen sie ihn in der Geschäftsstelle.

Die beiden Damen vor ihm lachen. Sie unterhalten sich über ihre Vorstände, werden geschmacklos und eigentlich will Michael das alles gar nicht wissen, die banalen Bürogeschichten, die er auch so gut kennt. Es regnet leicht auf St. Pauli, ist aber nicht sehr kalt. Und dennoch, wenn er an den November denkt, dann schaudert es ihn.

„Nächste Haltestelle: Davidstraße“

Nun beginnt die Zeit, da das Präsidium öffentlich hervorlukt, sich in Pose schmeisst. Sich von gemeinsamen Positionen distanzieren wird, den Kritikern am eigenen Tun noch applaudiert.

„Nächste Haltestelle: U-Bahn St. Pauli“

Im Park unter dem Denkmal bauen sie ein Holzgerüst auf. Unter den Bäumen dösen keine Menschen mehr. Die sind zurück unter der Brücke. Wieder Gernot. Wo er denn bliebe, will er wissen, es sei doch schon 1/4 vor 10 und BG, wie sie den Schattenpräsidenten nennen, mag Zuspätkommen nicht.

„Nächste Haltestelle: Johannes Brahms Platz“

Da hatte er richtig nochmal Schwein gehabt mir dem Wetter, als er gestern nochmal aufs Rad stieg. M. fühlt die Körner in den Beinen, die er sich im Sommer angeradelt hat. Ausdauer, das sagt er auch seine Jungs auf der Geschäftsstelle immer, Ausdauer ist das wichtigste. Als halbwegs Gesunder unter lauter Verrückten sowieso. Ihm wird sein Ausgleich fehlen, nun wird das Radfahren seltener und er kann es nicht leiden, wenn unter dem Wetter sein Training leidet.

„Du machst da oben einen Spitzenjob“, hatte Stefan Kuntz ihm beim letzten Treffen der Geschäftsführertagung in Frankfurt noch gesagt. Und es klang wie ein Angebot. Aber was soll er machen. St. Pauli ist auch für ihn die einzige Möglichkeit, wenn sie ihn nicht opfern. Heute oder zur JHV.

Gänsemarkt. Michael M. steigt aus und holt sich noch schnell ein Franzbrötchen, bevor es zum General geht.

Die Jahreshauptversammlung des FC St. Pauli findet am Dienstag, den 22.11.2011 um 18.00 Uhr im CCH statt.

Diese Busfahrt und die Gedanken eines Michael M. sind natürlich ausgedacht. Der Autor meint zwar Michael Meeske, den kfm. Geschäftsführer des FC St. Pauli erkannt zu haben, als er gestern Bus fuhr – alles andere ist aber nur satirische Prosa.

Seid non-established!

Zur Diskussion über die Blogger-feindlichen (Twitter, Facebook, meinetwegen auch StudiVZ-feindlichen, grundsätzlich Nutzer-, Internet- und Fan-feindlichen) AGB des FC St. Pauli, ist dies der beste Kommentar bisher:

Insbesondere auch Fanzines sind davon betroffen, wenn diese einen kleinen Gewinn machen und dieser wahrscheinlich von der Redaktion versoffen wird (oder in Projekte gesteckt wird), dann wird man die Gewerblichkeit ohne weiteres bejahen müssen. Und welches Fanzine hat bitte diese Macht, dass man es nicht verbieten kann? Der Übersteiger vielleicht, aber sonst? Meint ihr wirklich, es gäbe einen riesigen Aufschrei, wenn das Ende der Welt plötzlich weg wäre? Oder dieser Blog? Ich glaube es nicht. In der jetzigen Form ist das eine Inhaltskontrolle durch die Hintertür und es wird sehr stark auf die Formulierungen ankommen, die in einer neuen Version benutzt werden. Mein Vorschlag: Nehmt den Scheiss einfach ersatzlos raus. Und wenn die DFL meckert: Zeigt denen einen gestreckten Mittelfinger, seit verfickt noch mal endlich einmal „non established“.

Weiterlesen bei MagischerFC Blog

FC St. Pauli vs. Altona 93

Ich bin (Anhänger) des magischen FC St. Pauli – das Anhänger habe ich in Klammern gesetzt, weil mir die Obsession zum letzten Stadtteilverein in der Bundesliga zum Wesen geworden ist. Auf der anderen Seite bin ich Co-Trainer der 1.E Deerns von Altona 93 und diesem Verein nicht nur wegen des Zeckenhügels und des Abwendens von Paulianischem Kommerz positiv verbunden. Meine Töchter uns ich haben einen klaren Deal: Frauen – AFC ; Männer FCSP „FC St. Pauli vs. Altona 93“ weiterlesen

#PROFCSP

Gerd Rugenbauer würde sich wohl eine „Trotzreaktion“ der Mannschaft wünschen, würde er diese Farce live moderieren. Ich auch. Und irgendwie freue ich mich über den willkürlich bösen DFB, denn er kann als Katalysator wirken, die Mannschaft mit unserer Magie und Kraft versorgen, die dann in einem Spuk unter dem Riesenrad ihren Höhepunkt findet – ganz romantisch, lachend und schmetternd gegen das Böse ansingen. Wenn sich der Schleim des Bösen lockert, erstmal Eine rauchen und einen Becher auf die Gesundheit: Auf Stani und seine Ghostbusters.


Limp Bizkit Düsseldorf 5.9.2010 Ghostbusters Theme… – MyVideo

Das ambivalente Wesen des St. Paulianers – oder „re: Der etwas andere Verein aus Hamburg“

Jolly Rouge auf der Südtribüne
Jolly Rouge auf der Südtribüne

Letztens, als ich unterwegs zu einem Mittagessen mit Frodo war, im Raval, wie gewöhnlich für einen unregelmäßigen Bloggermittach, die Sonne schickte erste warme Strahlen gen Hamburg, traf ich Lutz Wöckener, Sportjournalist und Autor beim Hamburger Abendblatt. Er kam gerade vom Training und hatte mal wieder Hiobsbotschaften dabei. Wir grüßten uns, und hielten uns gegenseitig ein paar Minuten in einem Schnack auf. Thema war natürlich der FCSP.

Ich konnte es mir nicht verkneifen, ihn ein wenig aufzuziehen, wie er denn die Proteste der Sozialromantiker mit dem Wettskandal und den Mannschaftsleistungen verknüpfen könne, oftmals in einem Atemzug.
— heute morgen schlage ich das Hamburger Abendblatt auf und sehe, er hat es wieder getan. „Das ambivalente Wesen des St. Paulianers – oder „re: Der etwas andere Verein aus Hamburg““ weiterlesen

Becherwerfer sind keine Verbrecher

… bzw erst wenn sie treffen.

Ich ringe den ganzen Tag schon mit den kleinen Teufelchen in mir. Da sind noch welche übrig vom Freitag, die auf der Süd auch der Haupttribüne zugerufen haben und das Becherwerfen als falsches Mittel in Emotionen befand, die sich durchaus richtig anfühlen. Ich kann mich Norberts Argumentation nicht entziehen, die geworfene Pyros auf Schalker Seite (gezielt wohl auf unsere Einwechselspieler) einbezieht, ihr Gefahrenpotentzial viel höher einschätzt und dann versucht, den Medienhype um den Bierbecherwurf einzuordnen.

Ich komme da nicht weiter. Ist so ein Becherwurf Grund zu einem Abbruch, der nicht weiter schlimme Folgen hat, aber gehabt haben könnte, ok, und warum wird dann das Spiel nicht abgebrochen, wenn Feuerwerkskörper auf unsere Spieler geworfen werden, mit derselben Absicht?

Der FCSP bekäme von mir den Auftrag das nun, da das Bierchen im Brunnen liegt mal grds zu klären. Oder klären zu lassen. Denn wenn der DFB den FCSP verurteilt, und nur das Glücken des Wurfes den Unterschied macht, ist das der eigentliche Skandal.

Ich lasse mich nicht haftbar machen für diesen Becherwurf, liebe Presse, lieber FC. Es ist kein Problem der Fanszene und so kann deren Image auch nicht beschädigt werden. Denn es ist eure Haupttribüne und ihr habt bisher doch alle Maßnahmen gegen Becherwürfe konterkariert.

Ohne Orthung #profcsp

Stefan Orth und sein Präsidium geben keine gute Figur ab, zumindest in der digitalen Vereinsöffentlichkeit sind die Vorstände des FC St. Pauli minderpräsent. Woran liegt das?

Zum einen natürlich an einer gewachsenen Gemütlichkeit, mit der man sich in den Gremien eingekuschelt hat. In einer merkwürdigen Mischung aus Kungelei, gegenseitigem Misstrauen und Stellungskrieg operiert jeder Vereinsteil an und mit dem anderen.

Fröhlich degradiert ein Michael Meeske in einem Selbstinterview* dann seinen Souverän, die vermitgliedschafte Fanbasis. Als notwendiges Übel, als Störenfried, den man zwar toleriere, weil er für die so fein vermarktbare Folklore sorge. Als wesentliche Instanz aber will Meeske das nicht wahrnehmen, die St. Pauli Fans da draussen, auch die in Digitalien, würde sich über weniger Proteste freuen, und bestätigt eine Weichgespültheit, die über normales Mediengebaren hinaus, Rückschlüsse auf den Charakter zulässt.

Lasst uns in Ruhe, hier im inneren Zirkel, meint das. Es spiegelt eine Arroganz wider, die entlarvend ist. Und unzeitgemäß.

Genauso, wie die Journalisten der Bundespressekonferenz lernen müssen, dass Kommunikation einer Regierung nicht mehr nur über gemütliche Zirkel funktioniert, wird man sich beim FC St. Pauli überlegen müssen, wie man mit einer Fanöffentlichkeit kommuniziert, und zwar verbindlich, die kein Gremium ist, keine Gruppe, sondern eine soziale Community.

Viel Zeit bleibt ihnen nicht, denn die außervereinliche Fanschaft organisiert sich derzeit mit enormer Geschwindigkeit selbst. Und wäre durchaus in der Lage, in den Verein zu wirken (#AOMV). Höchste Zeit für Orth & Co. dies mindestens zu moderieren. Ein zweiter Fankongress macht aber nur Sinn, wenn vom Präsidium die Ernsthaftigkeit belegt wird. Alles andere wirkt wie ein merkelsches Moratorium.

*
Wenn Du in andere Stadien siehst, wie dort teilweise Sponsoringaktivitäten umgesetzt werden, bist Du dann eher neidisch oder denkst Du „schön, dass es bei uns anders ist“?
Letzteres, denn zum einen gefällt es mir auch „privat“ besser und zum anderen kann es für uns keine Möglichkeit sein, alles zu vermarkten, was auf den ersten Blick bei den anderen Clubs geht. Lediglich da, wo wir aus meiner Sicht eben auch mal ungerechtfertigt für unsere Art der Vermarktung kritisiert werden, denkt man manchmal, dass es ein wenig unkritischer auch ganz schön sein kann…

Forza AFC Deerns

Zu einem Titel hat es nicht gereicht, und doch bin ich furchtbar stolz auf unsere E1-Deerns von Altona 93. Denn sie haben Beute mit nach Hause gebracht, die mehr wert ist, als so ein dusseliger Pokal – einen handfesten Satz neuer Trikots (Foto für die Sponsoren, wie bei den Großen) und die Erkenntnis, dass man auch im Kleinen so leiden kann, wie der magische FC.

Deerns Altona 93 E1

Euphoria Sanktpauliensis

Euphorie – „subjektiv temporäre überschwängliche Gemütsverfassung“

Wir könnten gewinnen, wenn jetzt alles gut geht könnten wir gewonnen haben, wenn … diese Anspannung löste sich da mitten in der letzten Woche in einem Abpfiffschrei. Inmitten dieser enttäuschten Rauten ein sehr subjektives HOCHGEFÜHL. Gewonnen. Verdient, dann der 2. Gedanke, inneres Lächeln, nein natürlich nicht, aber das macht es fast noch schöner, das in diesem Tempel der Leistungsschau junger Männer. Nach ein paar Tagen trägt dann dieser Aufwind nicht mehr. Irgendwie war es einem immer klar, dass man berauscht auf dünnem Eis feiert – schön ist es gerade deswegen, aber endlich.

Wespen sind es gewesen, die uns das zeigen durften, das Vorbangen war zuende, das Grinsen auch. Eine Art Dankbarkeit stellte sich ein, am Ende der Woche in der Dortmunder Fremde, ein tiefes angstfreies Mögen.

Dünn ist die Schicht des Glücks beim FC St. Pauli derzeit und keine Vorfreude mehr.
Vor Hannover 96 habe ich richtig Bange.

Merkwürdige Hooligan-Debatte

Um das mal klarzustellen: Wenn ich angegriffen werde, bin ich ebenfalls „gewaltbereit“ – das nennt sich juristisch dann Notwehr!

„Tendenziell sind die HSV-Hooligans gewaltbereiter. Sie neigen dazu, Fans verfeindeter Vereine gezielt anzugreifen“, sagt Gunter Pilz (66), Professor an der Uni Hannover und Hooligan-Experte. „Die gewaltbereiten Fans des FC St. Pauli schlagen in der Regel nur dann zu, wenn sie selbst angegriffen werden.“ – MoPo

Armer Fußball, armer HSV

„Hamburger Wetter, Wir haben Hamburger Wetter“

Gegen den modernen Fußball

Ich habe unglaublich gerne bei strömendem Regen Fußball gespielt. Manchmal sind mein Bruder und ich gerade dann in den benarchbarten Park gelaufen, Tango Rosario unter den Arm, Stutzen runter und buffen. Grätschen auf Rasen hat ja was sehr sinnliches, eine ansonsten geradezu brutale Bewegung hin zu Gegner und Ball wird zu einer fließenden, der man mit ein wenig Fantasie fast Anmut zuschreiben könnte.

Große Spiele, an die man sich lange erinnert, sind anstatt ins Wasser zu fallen in einer Regenschlacht gemündet, die der eigenen Mannschaft (SC Nienstedten gegen Altona 93)genauso, wie Polen gegen Deutschland – die Wasserschlacht – oder von weniger Pathos getragen aber mindestens genauso schön, das letzte Heimspiel der Hinserie gegen den 1. FCK, bei dem man Carsten Rothenbach den Spaß ansah, die Bälle abzugrätschen, sich der Physik des Millerntors zu unterwerfen. Ein nicht zu beschreibendes Gefühl der Erdverbundenheit, wenn der Schlamm dann langsam verkrustet am Oberschenkel, die Wonne, den dann nach so einem Spiel heiß abzuduschen. All das hat die moderne Rasen-Kultur, der moderne Fußball á la HSV unmöglich gemacht – und das ist ein herber Verlust.

Es ist dabei unerheblich, dass der Rasenvau nun gar nicht mehr gewinnen kann (und davon ist kalt-kalkulatorisch ja nach wie vor auszugehen, an einem Nachholtermin am 16.2.) – ohne immer die Frage mitzudenken, was passiert wäre, wenn das Derby auf einem richtigen Fußballplatz ausgetragen worden wäre, anstatt in einer Eventbutze mit Parkhaus, der ihre Verbindung zu dem Wesen des Spiels schon lange abhanden gekommen ist. Fehlen tut mir dieses nie gespielte Derby trotzdem ungemein.

p.s. natürlich lasse ich mir bei allem Mitgefühl nicht nehmen, heute alle Rauten die ich treffe (oder lese) mit einem lustigen „Rollrasenbesieger“ zu begrüßen – vor allem die, die aus ihrer billigen Arroganz noch nicht erwacht sind.

Als Gast in Mordor

Unverhofft kam diese Last-Minute-Einladung an den Volkspark, ich werde also – um es kurz zu machen – entgegen meiner vehementen Weigerung, doch das Derby am Volkspark ansehen. Der Sohn eines guten Freundes ist krank geworden, ein Freund, der nun die Gelegenheit gekommen sah, unsere Einladung vom vergangenen Samstag zu erwidern. Eine Einladung, die ich nicht ablehnen mag, auch wenn ich nach wie vor mit gemischten Gefühlen in Richtung Stellinger Wald fahre. „Als Gast in Mordor“ weiterlesen

@drobo_ampem Forza Esbjerg – bis bald! #fcsp

Es gibt wenige Spieler des magischen FC, die eine so enge Verbindung zu diesem Blog haben, wie Davidson Drobo-Ampem. Nach seinem fulminanten Debut gegen Rot-Weiss Oberhausen vor knapp zwei Jahren, und der Erwähnung in einer Folge „Rückwærts TV“, hatten Kumpels ihm den ersten Real Tweet in einem Stadion gewidmet. Ein wenig verwirrt war er damals, Mediengeschichte geschrieben zu haben, aber gefreut hat es ihn sehr, wie er mir später im Jahr bei einem kurzen Gespräch veriet.

Ich fand das immer schade, dass Davidson „Drobo“ Drobo-Ampem sich nicht festspielen konnte – und werde das Fachsimpeln über ihn vermissen, das ich immer mal wieder mit dem Junior des indischen Imbisses bei mir um die Ecke über seine Entwicklung beim FC St. Pauli hatte.

Nun leiht der Verein ihn an einen dänischen Erstligisten – und tut genau das richtige, ihm Spielpraxis zu ermöglichen, damit in Dänemark die Gazetten in Kürze auch befürchten, dass bei der spielerischen Entwicklung St. Pauli ihn schnell wiederhaben möchte. Forza Drobo – auf ein baldiges Wiedersehen am Millerntor

Im Sommer 2006 aus der A-Jugend des SC Vorwärts/Wacker Billstedt ans Millertor gewechselt, verlässt Drobo den FC St. Pauli nach nun viereinhalb Jahren.

Cheftrainer Holger Stanilawski äußerte sich wie folgt: „Für Drobo ist es einfach wichtig, dass er all das, was er die Jahre bei uns gelernt hat, regelmäßig im Spiel abrufen kann. Nur so kann er sich immer weiterentwickeln und den nächsten Schritt machen. Gegen Köln haben wir ihn eingewechselt, weil er sich diesen Bundesliga-Einsatz nach den vielen Jahren, die wir zusammen gegangen sind, einfach noch mal verdient hat.“

St. Pauli Nerds oder Kultur vs Kommerz

Heute gegen 13:20 Uhr gingen drei Nerds zusammen Mittagessen. Der eine philosophischer Politiknerd, der andere popkulturell interessierter Fußballhistorien-Nerd, der Dritte segelnder Blognerd – und alle drei St. Pauli Nerds, die den FC St. Pauli als Kultur- und Lebenssinn-stiftende Umwelt begreifen, in der bspw Dialoge und Diskurse geführt werden können, abseits realpolitischer oder juristischer Formatierungen. Das Millerntor ist nicht die BRD, da sind wir uns wohl alle einig. Uns gibt es tausendfach, und trotzdem werden wir mißverstanden von Apparatchicks und Juristen, und das ist die eigentliche Natur der sozialromantischen Intervention, der sich Stenger, Meeske und Konsorten gegenüber sehen – und die sie nicht zu greifen wissen.

Die intensive Diskussion hat uns verdeutlicht, dass der aktuelle Konflikt zwischen Vereinsführung und Fans sich nicht an einzelnen Sachfragen festmachen lässt, sondern sich auf einer anderen Ebene bewegt: Für Teile der Vereinsführung ist der FC St. Pauli ein Wirtschaftsunternehmen, eine „Marke“ und ein Hobby. Für viele Fans im Stadion ist der Verein jedoch weit mehr als dies: nämlich ein Stück ihres Lebens und ihres Lebensinhaltes und somit keine rationale, sondern eine Herzensangelegenheit. … schreibt dazu der Ständige Fanausschuss /via Übersteiger/ – und liefert gleich das Argument, weswegen der Jolly Rouge nicht verschwinden darf – er bleibt, solange er da ist, entsteht Kultur am Millerntor.

AFC St. Pauli

Der Alternative Fußball Club oder „A Fan’s Club“ St. Pauli ist eine glatte Drohung. Hervorgegangen aus der Depression der Pioniere, die ihre Werte, das Kapital des Vereins FC St. Pauli, nicht gewahrt, sondern auf dem Altar des Profifußballs verramscht sehen. Von einer Clique, in der man nur doof und geltungssüchtig genug sein muss, um einen Bundesliga-Verein zu leiten. Als in diesem Dezember wieder einmal das Fass überzulaufen droht und uns nicht der schillernde Corny Littman verraten hat, sondern der slicke Meeske, „einer der es beim HSV nicht schaffte“ hat ihn ein Bekannter mal skizziert, einer aus der dritten Garde der bundesdeutschen Fußballmanager, kam sie wieder auf, die Diskussion über das Abwandern nach Altona oder das Gründen eines alternativen Vereins nach dem Vorbild des United of Manchester, der ja ausgerechnet uns die Aufwartung machte zum 100. Geburtstag. Und diese Warnung ist real. Wahrscheinlicher und unheimlicher, als sich Uli Hoeneß und andere beim DFL-Stammtisch oder in ihren Vereinen das vorstellen können. Denn tatsächlich lebt der Mythos FCSP – und alles sich vermarktende – von seinen aktiven Fans*. Ich war lange nach meiner aktiven Zeit aus dem Verein als Gebilde ausgetreten, weil ich ihn als Sportclub betrachtete, in dem ich nun nicht mehr aktiv spielte. Aktives Fußballleben, das tat ich wochenends mit dem Jolly Roger – dem Freiraum im Freibeutertum, das mich seit 2005 wieder an das Millerntor zieht. Nun wähnte ich mich wieder näher dran, ich wollte wieder mitgestalten, auch den Verein (bspw. auf der JHV) – und trat deswegen im April 2010 wieder ein.

Und das alles nur, um 2011 wieder auszutreten? Wenn es eng wird auf dem Zeckenhügel des AFC ( des neuen oder bei Altona 93 :) dann wird sich Meeskes Team entschieden haben: Susi oder wir „AFC St. Pauli“ weiterlesen

St. Paulis Wort des Jahres: „Logenbewohner“, Sportler des Jahres: Unsere Boys in Brown!

Millerntor

Der Millerntor-Geschäftsklimaindex sieht rosig aus, ein weiteres Quartal steigt er unaufhörlich. Die Geschäftsführung setzt dabei auf den steigenden Binnenkonsum. Der Kulturetat schmilzt dagegen weiter ab. Ganze Tribünen müssen um ihren Status als heilige Kurven im Konzertensemble des Millerntor Roarr fürchten, darunter vornehmlich die Haupttribüne, die häppchenweise zu einer Stellinger Aussenstelle mutiert.

So spiegelt sich das Leben der Stadt in unserem Mikrokosmos, wobei die Spruchbänder von Blau (sic!) nur anekdotisches Symptom sind. Anfeuern per SMS ist sogar mir als Twitterer zu viel Umweg. „St. Paulis Wort des Jahres: „Logenbewohner“, Sportler des Jahres: Unsere Boys in Brown!“ weiterlesen

St. Pauli – Annäherung an einen Verein

St. Pauli – Annäherung an einen Verein
(ein Blogwichtel-Beitrag 2010*)

In einem dramatischen Viertelfinale der Champions League unterlag der FC Bayern dem FC St. Pauli mit 0:4. Trainer Stanislawski sagte nach dem Spiel überglücklich: „Es ist Wahnsinn, was Fans und der Verein in den letzten Jahren aufgebaut haben. Jetzt sind wir im internationalen Geschäft angekommen.“

Horrorvision? Erstrebenswertes Ziel? Nun, wenn wir schon bei den erfolgsverwöhnten Münchnern sind, lohnt sich vielleicht doch ein kurzer Blick auf die Unterschiede zwischen beiden Vereinen. Was mich an den Bayern stört, ist deren ausformulierter Anspruch, stets bei den Ersten, wenn nicht der Erste sein zu wollen – im Wettbewerb, beim Merchandising, bei den Fanclubs, bei den Transfers. Es ist alles auf Erfolg getrimmt, sauber polierte Oberfläche, glänzender Lack, Perfektion. Es hat oft den Anschein, als liebe man das Geld der Fans, aber nicht die Fans als solche. Es besteht ein merkwürdig distanziertes Verhältnis zwischen Fans und Verein. Ein paar hundert Kilometer nördlich: himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt – der Fan erlebt eine Achterbahn der Gefühle und wird mitgerissen. (Ich erinnere mich noch sehr gut an die Bilder des unbändigen Jubels, als der Wiederaufstieg von St. Pauli in das Oberhaus der Liga feststand.) Das bedeutet auch, dass er mit seinem Verein durch dick und dünn geht. Und dazu einen braun-weißen Schal schwenkt.

Vielleicht geht ja am 3 Adventswochenende ein Traum in Erfüllung: St. Pauli schlägt Bayern auf heimischem Boden. Ich habe ja mit meinem Blogwichtelbeitrag unter anderem deswegen so lange gebraucht, weil ich dieses Spiel unbedingt abwarten wollte. Nein, der Wunsch des Weltmeisterpokalsiegerbesiegers ist nicht in Erfüllung gegangen. 3:0 für die Bayern, das klingt nach einer klaren Angelegenheit – was das Spiel ja nun ganz und gar nicht war. Erstaunlich, wie oft ich an die Partie erinnert wurde: schon am Freitagmorgen, als ich in den Bus stieg, machte mich ein mit seinem Iphone beschäftigter Kollege darauf aufmerksam. „Es wird ein interessantes Spiel.“ „Ja, die Paulianer…“, antwortete ich. Immer für eine Überraschung gut. Und als ich am Samstag an der Kasse meines Haus- und Hof-Supermarkts stand, unterhielten sich der Kassierer und ein Kunde über ein Spiel des örtlichen Drittligisten. „Das fällt aus, wegen der schlechten Platzverhältnisse…“, warf ich ein. „O.k., aber es spielt ja noch St. Pauli.“, verkündete der Kunde freudestrahlend. Ich musste schmunzeln.

Vereine wurzeln ja immer in dem Milieu, in dem sie heimisch sind. Bei St. Pauli war das unter anderem tatsächlich mal die Hamburger Hausbesetzerszene, die den Totenkopf ins Stadion schmuggelten. Eine hübsche Geschichte für einen Verein, der einen Teil seiner Identität immer aus der Herausforderung der allzu etablierten, allzu satten Vereine geschöpft hatte. Aber wann wird man aus einem allseits beliebten Underdog zu einem anderen Verein, der die Underdog-Rolle nun wirklich nicht mehr für sich beanspruchen kann? Und was passiert dann mit der Seele von St. Pauli? Gehört dazu der Einstieg ins internationale Geschäft? Noch ist es ja nicht soweit. Der zwölfte Mann feuert die Mannschaft um Trainer Stanislawski unermüdlich an, und Ebbers, Kruse oder Lehmann ackern, was die Scholle hergibt. Es ist kein Beinbruch, bei den Bayern zu verlieren. Nein, ganz und gar nicht.

Es bleibt zu hoffen, dass St. Pauli erstklassig bleibt. Weil dieser Verein mit seinen Fans eine Bereicherung für die Bundesliga darstellt. Und weil das doch eine ganz heiße Liebeskiste ist.

Obiger Beitrag ist dieser Postille als Blogwichtel untergejubelt worden. Irgendwie scheint der Autor oder die Autorin davon Wind bekommen zu haben, dass es hier manchmal magisch zugeht. ich bedanke mich recht herzlich dafür!

„Der Blogwichteltag 2010 ist der 15.12.2010, also am Mittwoch in dieser Woche und das ist der Tag an dem wir Blogwichtler alle unser Wichtel präsentieren – uns freuen und gemeinsam beratschlagen, ahnen wer unser Blogwichtel ist – oder auch nicht. Das weiß man nie! Aber die Erfahrung zeigt, alleine mit Entgegennahme und der Publizierung des eigenen Wichtels, ist das Blogwichteln längst noch nicht ad acta gelegt. ;-)“

„Not und Elend“-Tour nach Bremen

Winterwunderland
Am Sonnabend gab es den ersten (selbstgekochten) Grünkohl der Saison als Belohnung für klirrend kaltes Anstehen nach den ersten Stehplatztickets zur Rückrunde. Der Winter zog ein, morgens kroch er frierend in meine Schuhe, abends wärmend und kräftig in Form von Kochwurst und Grünkohl in meinen Magen. Am Sonntag machte ich mich dann auf den Weg nach Bremen. Es sollte eine nette Adventsausfahrt werden, mit einem Fußballspiel mittendrin. „„Not und Elend“-Tour nach Bremen“ weiterlesen

Das ewige Thema: schwuler Fußball

„is schwul trainer for deuschland“ ist die kuriose Variante des Phänomens, dem sich diese kleine (Heten-)Postille seit mehr als vier Jahren gegenüber sieht. Jedes, aber wirklich jedes noch so unwichtige Freundschaftsspiel (sic!) der deutschen Nationalmannschaft zieht unweigerlich hunderte Besucher nach sich, die sich über die womöglich contranormale sexuelle Interessenslage unseres Bundestrainers informieren wollen. Kurz gefragt: „Ist Jogi Löw schwul?“ – meine Interpretation dieser Frage ist ebenso alt – und genauso die Diskussion in den Medien, über dieses angebliche Tabu. An das ich immer weniger glauben will.

Wenn es nicht einfach ist für den Einzelnen, dann sollen sich doch alle Spieler (m)einer Mannschaft, idealerweise alle an einem Spieltag outen, an einem Samstag als schwul, an dem folgenden allesamt als polygam. Solange dies Thema verschwurbeln, bis der Boulevard die Lust verliert (sic!) – und die Kurven gleich mit.

Ich schaue mir heute die Boys in Brown am Millerntor an und bin 90 Minuten schwul. So wie Fußball sein soll!

Die falsche Ultra-Debatte St. Pauli

USP Ultra Sankt Pauli

Gotthilf Fischer wäre begeistert von so einem famosen Chor. Denn die Sänger sind ungeheuer ausdauernd und singen weiter, ganz egal, was passiert. Das Ergebnis ist ein monotoner Singsang, der die Atmosphäre von Fahrstuhlmusik verbreitet.

Irgendjemand im Stadtteil hat dieses Tag der USP durchgestrichen. Vielleicht jemand aus Stellingen, vielleicht aber auch jemand wie Sven Kummereincke, ein St. Pauli Fan und trotzdem Gegner der Ultras. Einer, der sich durch das „dauernde Singen“ genervt und durch den durchaus berechtigten Hinweis auf die verhaltene Stimmung während der letzten Heimspiele am Millerntor provoziert fühlt. „Die falsche Ultra-Debatte St. Pauli“ weiterlesen

1. FC St. Pauli 21

Es war eine kuriose Jahreshauptversammlung, von der man ggf. eines Tages von einer historischen sprechen könnte. Das lag weniger an dem nervösen Versprecher, den sich Ex-Präsident und designierter Ehrenpräsident Corny Littmann leistete, als er unseren Verein zum „1. FC St. Pauli“ machte, sondern an der Diskrepanz, die sich zeigte, als die Mitglieder, gerade die aus der organisierten Fanschaft die Wahl hatten, die Wahl zwischen einer symbolischen Abrechnung mit Littmann und der Korrektur einer Kommerzialisierung der Haupttribüne, das „Meeske-Loch“, das bei allen Heimspielen diese Saison sich immer wieder auftut, wenn zur 2. Halbzeit angepfiffen wird.

Aber der Reihe nach. „1. FC St. Pauli 21“ weiterlesen

Schluss mit dem Playmate-Fußball

Klamme Kälte kriecht unter die Laibchen, es wird zweimal täglich trainiert in dieser Woche. Schön sein war gestern, das gilt auch für das Spiel des FC St. Pauli. In hübsche Menschen ist man eben auch nur verknallt, einen euphorischen Sommer lang. Im werktäglichen St. Pauli, im schmuddeligen November, stehen heute gerade mal zwei Menschen vor mir an, um Karten für das Spiel gegen Kaiserslautern zu ergattern. Playmates und Posterboys in Brown hängt man sich eben lieber in den Spind oder an die Wand, und nicht ins Herz. Bei Nieselregen kann sich nur verlieben, wer auch das eklige an St. Pauli mag. „Den Ball abfressen“ möchte Matthias Lehmann in einer herrlich übermotivierten Variante des Grasfresser-Schwurs, der absolute Hingabe verspricht. Weh soll es tun, auch den Gegnern. „Schluss mit dem Playmate-Fußball“ weiterlesen