FC St. Pauli vs Marco Fritz 1:3


Am Vormittag hatten meine Deerns ihr Achtelfinale gegen den TSV Niendorf im HHer Pokal. Der Verband hatte ein wenig verschlafen und es erschien kein Schiedrichter. Die Spielleitung hat dann ein Vater der Niendorferinnen übernommen – und er hat gut gepfiffen, auch wenn er statt einer Pfeife zwei Finger benutzte.

Ich bin mir sicher, dass Thorsten, so hieß er, das Spiel am Nachmittag ebenfalls souveräner hätte leiten können, als das Marco Fritz und seine Fuzzies an der Linie getan haben. Continue reading “FC St. Pauli vs Marco Fritz 1:3”

Magisches Scheitern

Ihr macht das Scheitern erst schön. Bastian, Florian und alle daneben – in bester Absicht und Tradition. 90 Minuten fern beckmannscher Wichtigkeit oder effektiver Produktivität. Und wenn wir wieder einmal absteigen sollten, besetzen wir die VIP-Logen und lassen das Polizeiorchester “YNWA” aufspielen.

Derby FCSP – HSV: Wenn sich “falsch rum” richtig anfühlt

»Ringelpiez mit Anfassen – es hat nur noch gefehlt, dass wir in rosa Röckchen auflaufen!«
Frank Rost (HSV)

»Wie wärs, wenn ALLE St. Paulianer im Fummel (für Heten: “Frauen”Kleider) zum Derby gingen?«
momorulez #fcsp

Am Ende dieses Derby-Tages war ich heiler wieder zuhause angekommen, als ich losgegangen war und das war so nicht unbedingt vorauszusehen gewesen, führte der Weg zum Millerntor doch meinen Kumpel Björn und mich, zusammen mit dem HSV-Mob von Altona nach St. Pauli. Als wir aufeinander trafen, unsere, meine Gäste und ich, waren wir schon an der Reeperbahn, die Polizei hatte gerade beschlossen, Bengalos und Feuer im Fan-Tross des HSV mit Wasserwerfern zu löschen und einen Auffang-Kessel gebildet, in den sie die freundlichen Burschen leitete. “Scheiss-St. Pauli” dröhnte mir entgegen, und ich sang gerne mit. Öffnete mir eine Dose “Hansa”-Pils, schnackte mit meinen Mitstehern über dieses Derby, den HSV und das große selbstbestimmte Glück, St. Pauli-Fan zu sein.

Überhaupt war dieses Derby in erster Linie eine Vergewisserung, dass es sie noch gibt, die Seele dieses Vereines und die Magie dieses Ortes. Nach meinen Erlebnissen bei der Vergabe der Dauerkarten Saisonkarten für die Süd und am Tag der Legenden war ich mir nicht mehr ganz so sicher, ob wir uns nicht geradewegs in eine “pseudo-coole” Version des HSV verwandelten. Sozusagen innerstädtischer Event-Fußball mit Amüsiermeile. Dieses Derby hat mich allerdings davon überzeugt, dass St. Pauli mir noch eine ganze Menge zu bieten hat, und dieser Sonntag darf mit Fug und Recht als identitätsvergewissernd bezeichnet werden, obwohl wir über die Rauten in unseren Logen noch mal sprechen müssen, wie über die Logen überhaupt. Continue reading “Derby FCSP – HSV: Wenn sich “falsch rum” richtig anfühlt”

Ausflüchte und die Chance, sie auf anderer Ebene zu widerleben

“Brux: Das ist ein Risiko des sportlichen Erfolges, dann hast du da auch Leute unterhalb vom Ballermann-Niveau. Da können wir als Verein nichts machen,…” (mopp)

Das klingt nicht nur nach HSV, das ist es auch. Angst diffundiert aus der Menschenkutte, die sich medialen, ja Vereins-politischen Zwängen beugen muss. Bitteres Subjekt.

Die Diskussion um den armen Sven Brux, dem es auch nicht gelingt, mit seinem Ideal bei St. Pauli alt zu werden, sollten wir nutzen, um eines klarzustellen, und zwar “The Sankt Pauli Way”: WIR TOLERIEREN KEINE GEWALT, AUCH UNSERE EIGENE MACHT NICHT! WIR MÖGEN EUCH VERARSCHEN, ABER WI MOK DI DOCH!

HSV: Grobe Folklore

HSV: Grobe Folklore

Man kann es schlechtes Timing nennen, dass einen Tag nachdem der Chefredakteur der 11Freunde, Philipp Köster, im Abendblatt Paulianer und HSVer zu Fast-Freunden machen wollte, sich diese Folklore in Form von Fäusten und Stangen am Altonaer Bahnhof gewaltig manifestiert. Unsinn ist die Annahme, HSVer und Sankt Paulianer wären sich eigentlich ziemlich ähnlich, obendrein.

Sicher, werfen jetzt einige ein, diese Form der Folklore, auch Hooliganismus genannt, pflegen nur wenige. Der Umgang mit ihnen ist aber entscheidend. Und das ist der unüberbrückbare Unterschied zwischen Kultur und Folklore, zwischen einmischen und zwitschern.

Wer schon einmal mit einer vollen S-Bahn in Richtung Altonaer Volkspark gefahren und nach einem Spiel durch den düsteren Volkspark zurück, an der Autobahn und der Namen-gebenden Müllverbrennung in Richtung Hamburg, der weiß vielleicht, was ich meine. Unverhohlen wird hier mindestens grenzwertig gepöbelt, ohne dass irgendjemand einschreiten wollte. Alle anderen kommen spät mit dem PKW und fahren früh, nennen die Hools in der eigenen Fanschaft erleichternd Idioten, die nicht für den HSV sprächen. Ihre Gesänge geniessen sie dann im Familienblock. Für mich eine nur wenig harmlosere Kultur, als diejenige, die ich Anfang der 80er Jahre in Richtung St. Pauli verlassen habe oder die sich in Ostseenähe findet.

Nun klappt das Miteinander am Millerntor und vor allem auswärts auch beim magischen Anhang nicht immer, aber immer habe ich erlebt, dass andere Fans vehement eingegriffen haben, wenn es zu bunt wurde. Das wünsche ich mir vom HSV auch. Fasst euch ein Herz und verteidigt eure Kultur, und was von ihr übrig ist. Macht Transparente, schmeißt die Spacken raus aus dem Volkspark, die anderen Übles wollen. Und die Gäste aus Stellingen beschütze ich am Millerntor gerne persönlich, mit vollem Vertauen darauf, dass ich nie alleine stehe, wenn unsere Gastfreundschaft von innen bedroht wird. In diesem Sinne Willkommen in Hamburg, willkommen am Millerntor.

Südkurve war schön, Zeit für uns zu gehen

Wenn ich an meine vergangene Saison auf den Traversen des Millerntors denke, im Südosten, da wo gesungen und gewirkt wird zwischen USP und Gegengeraden, dann kommt schon ein wenig Wehmut auf, denn die Einzigartigkeit dieser Aufstiegssaison wird wohl auch persönlich einmalig bleiben, nachdem wir uns seinerzeit umsonst für Saisonkarten Süd angestellt haben.

Es bleiben Erinnerungen an ein Jahr, das als das intensivste meiner Leidenschaft eingehen wird. Magische Siege gegen Ostseebewohner, immer wieder Naki – immer wieder das Pflanzen von Fahnen in Rasen, der uns was bedeutet. Erst gestern wieder. Bierhütchen, Bierdusche und Barden im Ballsaal. Bewußtmachende Blockaden, Bier-ernstes bashen der Bullerei, biestige Bagger und GeBäck aus Übersee.

Farewell Südkurve YNWA :) – ich komme wieder, und wenn es als Sponsor sein muss. Continue reading “Südkurve war schön, Zeit für uns zu gehen”

Die Vollendung

Sechs auf fünftem Platz bedeutet:
Beharrlichkeit bringt Heil. Keine Reue.
Das Licht des Edlen ist wahrhaftig.

Der Sieg ist errungen. Die Kraft der Beständigkeit ist nicht zuschanden geworden. Es ist alles gut gegangen. Alle Bedenken sind überwunden. … Aufs neue strahlt das Licht einer edlen Persönlichkeit und setzt sich durch unter Menschen, die daran glauben und sich darum sammeln. Die neue Zeit … ist da.

Für mich eines der schönsten Fotos von gestern. Von einem Fürther aufgenommen, wenn ich das richtig deute. Auf diesem Weg nochmals Danke für die Gastfreundschaft. – und das Orakel (IGing) hatte recht behalten.

Fürth ist braunweiss – und St. Pauli ist Weltmeister

Ich bin heiser, der Rasen ist im Eimer und Deniz Naki trägt Sonnenbrille. Nach dem magischen Spiel in Fürth, als sich die Boys in Brown selbst am eigenen Schopf in die Erstklassigkeit hoben, habe ich das Schauspiel von oben genossen. Wie der Kaiser seinerzeit, nur nicht auf dem Rasen, sondern auf der inzwischen verwaisten Tribüne, auf der wir uns Minuten vorher verrückt um die Hälse fielen.


Wir sind aufgestiegen. Und das Heimspiel gegen Paderborn wird wehmütiges Abschied nehmen. Von einer zweiten Liga, die mir gut gefallen hat ;)

Lieber Zweiter statt Fürther – mit Schnauzer Aller!

Wer mich mich Schnauzbart sehen will, der muss mit nach Fürth kommen. Das Unternehmen vorzeitiger Aufstieg in der Provinz, oder kurz “Fick Dich 2. Liga”, startet für mich am Sonnabend. Mit der Anreise zu meiner ersten Mottofahrt:

“Nieten, Schnauz und Dosenbier oder auch Hippiematten, schlimme Lederschnürhosen und Batikshirts. Wollen wir doch nicht so tun, als ob der Autonomen-Chic damals regiert hätte.”

In guter alter Rollo-Aller-Manier kann ich mich schon ganz persönlich auf die streitbare Dialektik meiner Familie gefasst machen, und das alles für den Aufstieg. Schade, dass es Bum Shanka in Ottensen nicht mehr gibt – wo kriege ich denn jetzt son ein feines Batik-Shirt her? :)

“64. Vor der Vollendung wandelt sich in 6. Der Streit”

St. Pauli und ich sind wieder zusammen

Es ist auf den Monat zwanzig Jahre her, dass ich das erste Mal Mitglied des magischen FC St. Pauli geworden bin. Damals als aktiver Spieler in der 2. Bundesliga (Baseball ;) und mit Hoffnung im Herzen.

Ende der 90er Jahre hatte sich aus Gründen, die ich nicht mehr ganz nachvollziehen kann, unsere Beziehung ein wenig abgekühlt, bis wir uns so entfremdet hatten, dass ich mich scheiden ließ, meiner Verflossenen aber immer treu blieb, was das fußballerische angeht. Nachdem meine drei großen Lieben, die ich in Altona dann fand, inzwischen aus dem Gröbsten raus sind, begann zaghaft die alte wieder an die Tür zu klopfen. Nun sind wundervolle fünf Jahre vergangen, in denen wir wieder zusammen geliebt, gelacht, gezetert und gestritten haben. Unsere Leidenschaft ist wiederentflammt – höchste Zeit, sie in den heiligen Stand einer Ehe zu übertragen: Seit heute bin ich wieder Mitglied. Über die fantastische Abteilung Fördernde Mitglieder. ForzAFM, Forza Sankt Pauli, meine Liebe.

Nachtrag zum Spiel gegen Union Berlin

“Und der ganze Tag hatte rein gar nichts mit (organisierter) “Fanfreundschaft” zu tun. Sondern es ging nur um viele Anhänger, die eine ähnliche Idee davon haben, wie sie Fußball erleben wollen.” – schreibt @saumselig im Blog Textilvergehen – und ja von diesen Unionern bin ein Fan, nicht erst seit Sonnabend, aber seitdem ganz besonders. … und dass ich mit der Verschwendung als Klammer des Wochenendes richtig lag, bestätigt mir ausgerechnet die Berliner Zeitung:

“Nie mehr Dritte Liga!” sangen sie nach dem 2:1 gegen den FC St. Pauli. Dann verabschiedeten sie den Gegner mit Applaus in die Kabine.

Das Szenario passte zu diesem Tag, an dem die Einstufung als Risikospiel durch die Deutsche Fußball Liga und die massive Polizeipräsenz wie Verschwendung von Steuergeld wirkte. Warum müssen Fans derart bewacht werden, die sich mögen?

Verschwende Dich, Sankt Pauli

Die Sonne sandte verschwenderisch viele ihrer warmen Strahlen nach Berlin, trotz Aschewolke brannte sich die über den Vormittag, den wir auf Einladung von Sebastian und Steffi auf einem Spreedampfer mit Skipper Eddy nach Köpenik schippernd verbrachten, tief in die Haut. Gut gelaunt, auch wenn es ein wenig knapp war, erreichten wir die Alte Försterei. Wiederum verschwenderisch gingen nun die Ordner und Sprengstoffhunde mit unserer wenigen Zeit um, die immer schneller verrann – Tasche abgegeben und mit einiger Mühe zum Anpfiff in den Block Y.

Da begann aber die Verschwendung erst richtig, sich auch auf die Jungs in Braun zu übertragen. Die verschenkten dann nämlich großzügig drei gute Chancen zur Führung in den ersten 10 Minuten, während die Unioner einen magischen Freistoß nur brauchten, der einer fröhlichen Verschwendungssucht des Schiris entsprang, mit Fehlentscheidungen um sich zu schmeissen.

“Auch wenn beim FC St. Pauli mitunter Klasse aufblitzte, wir uns diesmal beim Schiedsrichter und dem Fußballgott bedanken konnten, zwischenzeitlich nicht in Rückstand geraten zu sein, Kampf und Einsatz bis zum Abpfiff wurden endlich wieder einmal belohnt.” – fasst das Spiel dann ganz gut zusammen.

Am Support kann es nicht gelegen haben, so viele Stimmbänder, die wir da im Köpeniker Wald ausreizten, dass nun nicht mehr verschwendet wurde, sondern gekrampft.

Übrigens verschwendeten die Ordnungshüter später kein bischen ihrer geliehenen Macht an uns, sondern rackerten sich an acht Rockern (Bandidos) ab, die ohne Helm fuhren. Auch eine Form der Verschwendung, wenn dann signifikante Teile von Hundertschaften in Marsch gesetzt werden.

In Hamburg angekommen verschwendeten dann noch ein paar “heimkommende” Hansa Fans ihren Hass an uns Paulianer, die – inzwischen ein kleines Häuflein – im Speisewagen ihnen zuwinkten. Keine Sekunde verschwende ich jetzt noch an dieses Spiel – eine kurze Woche liegt vor uns – dann verschwende ich meine Zeit lieber an die Erinnerung an diese freundlichen Berliner.

Montagsrausch am Millerntor

Es war ein wenig, wie nach dem Spiel in Rom 1990, als der Kaiser da durch das tobende Stadion schritt, in die vom Rauch verhängten Flutlichter blickte. Nun, letzten Montag war ich kein Teamchef, aber doch auch ein wenig beteiligt, am stimmungsvollsten Abend am Millerntor, seit langem.

WEEEE LOVE SANKT PAULI, FABOULOUS SANKT PAULI, hallte da in mir nach, das knapp 90 Minuten zuvor von der Gegengerade über die Süd rund ums Stadion brüllte- und wenn man genau hinschaut, da war ich nicht allein, kurz vor dem Abschalten der magischen Beleuchtung, silbern schimmernd im Hamburger Frühlingsdunst. Da steht noch einer im Mittelkreis, Kaiser-gleich und versunken.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits meine feuchtfröhliche Runde durch und hinter die Kurven hinter mir.

Nach dem Spiel wollten wir das Millerntor ja gar nicht mehr verlassen, ich auch nicht. Diesen Ort der magischen Versöhnung zwischen Fans, Fans und fantastisch aufspielenden Boys in Brown. Persönlich versöhnt habe ich mich dann noch mit Andi und Thomas, der übrigens übermorgen in Berlin sein 300. Auswärtsspiel feiert. Danach Kontrast – zum AFM-Container, feiern, Astra trinken, WE BEAT THE FUCKING AUGSBURG … Ne Raute getroffen, eine nette, und eine mit VIP-Band. Band abgemacht, irgendwie unter die Jacke geklemmt und mich in die Süd geschmuggelt, weiter Astra getrunken. Wieder Kontrast, und langsam wurde sie heiser die Stimme. Fabian Boll getroffen und sich ein Grinsen abgeholt, so mit ein paar Astra intus werde ich ja immer peinlicherweise zum Boll-Groupie. “Das ist wieder mein Sankt Pauli”, sagt der und wird nach diesem Statement zum Abend zur inzwischen fortgeschrittenen Stunde von seiner kleinen blonden Frau nach Hause beordert.

Helmut Schulte ist noch immer da, versteht meine Bitte aber nicht, die Blockade und ihre Aufarbeitung unter uns Fans zu regeln und nicht mit dem Strafrecht. Das Mißverstehen liegt nicht an meiner Aussprache, die ist immer noch tadellos. “Strafe muss sein”, sagt er uneinsichtig verkürzt. Er und Corny erscheinen mir in seinen Augen ohne Zweifel als der Verein sich verstehend und in ihrer Funktion im Zweifel und bei aller Beteuerung eine privat-rechtliche Veranstaltung. Corny flieht, hat keinen Bock auf mein Zetern für eine Süd, die das irgendwie alleine regelt – was sich nach meinen eigenen Gefühlen von vor 2 Wochen ja auch für mich selbst irgendwie eigenwillig anhört – aber es ist mächtig, dieses Verzeihen, Verbrüdern und Feiern – da kann ich keine Formalien gebrauchen. Inzwischen sind die verkündet die formalen Konsequenzen aus der Südkurven Blockade durch USP und anderen, Sonderrechte, welche für wen weiss keiner so genau, sind erstmal eingezogen, entzogen, von Papi Littmann. Wie Fernsehverbot, nur andersherum.

Werde das alles nun wieder sehr vermissen nächste Saison, so ohne Saisonkarte, aber ich will das dieses Frühjahr noch sehr leben diese Liebe, so rauschhaft wie einst und wie am Montag. Vielleicht geht das ja nur durch den gleichzeitigen Abschied – das Verlieren meiner Südkurve als lautes Wohnzimmer, genauso, wie diese Magie an diesem Abend aus Scherben nur wieder-entstehen konnte. Sonnabend feiern wir in Berlin mit den Unioner. Uns, das Leben als Liebende und hoffentlich einen Auswärtssieg, zu Thomas 300. Auswärtsspiel und nichts weniger!

Magische Stille am Millerntor – 20 ohne 90 Minuten Roar gegen Augsburg

Update: USP haben den 20-minütigen Schweigeboykott gegen die fernsehfreundlichen Anstoßzeiten der DFL, montags Abends, abgesagt. Nachdem die Mannschaft selbst darum bat, haben die Ultras auch im Sinne einer Wiederannäherung der St. Pauli-Fans auf der Süd entschieden: 90 Minuten volle Pulle – Niemand schweigt am Millerntor!

Am Montag wird das DSF schon Sport1 heißen, die Zerfledderung des Spieltages der Bundesligen ist dann aber immer noch wirksam. Wer seine Mannschaft regelmäßig auswärts zu supporten versucht, kennt die Melange an Frust zu Genüge, die sich aus polizeilicher Gängelung und mediendevoter Anstoßzeit ergibt. Bei Fahrten nach Freiburg, oder eben von Augsburg nach Hamburg ist 20:15 an einem Montag einfach zu spät, um ohne Urlaubstag und Übernachtung nach St. Pauli zu reisen, so sehr sich eine Reise auch lohnt.

Ich habe die Freiburger damals sehr bewundert, als sie sich solidarisch zeigten mit den weit gereisten Sankt Paulianern – und unterstütze den Protest der Südkurve am Millerntor nun ebenfalls – 20 Minuten keinen lauten Support zu zeigen am Millerntor. Wünschen würde ich mir, dass wir eine Form finden, wie bspw. die Dortmunder, die ja vorhaben gegen Mainz 20 Minuten lang Zeitung zu lesen. Den Protest in dem einen Medium visuell mit dem angeblichen Genuß eines anderen zu pointieren, finde ich eine Spitzenidee. Und da geht es ja auch um was, sportlich gesehen.

Außer einem unmelodischen “Scheiß-Sport1”, wäre dieser Montag auch dazu geeignet mit einem versöhnlichen Blinzeln wieder an unsere Fähigkeit zu erinnern, das Millerntor mit Magie aufzuladen – ganz leise vielleicht. Flüsternd und vor allem gemeinsam!

Entschuldigung in Sachen Südkurven-Boykott am Millerntor

Liebe Frau Stanislawski, lieber Buttje Rosenfeld,

ich möchte mich für die Unannehmlichkeiten, ja die von mir nicht vorhergesehenen Einschränkungen in Ihrer Entscheidungsgewalt und Freiheit, beim Betreten auch Ihrer Südtribüne herzlich entschuldigen. Es tut mir leid, dass Sie durch das Blockieren der Stehplatz-Traverse Süd nicht auf ihre Sitzplätze kamen. Ich habe es gut gemeint, als ich, also nicht ich persönlich, aber mein Fanclub-Sprecherrat, via meinem Fanclub “die netpirates” den Aufruf zum Supportboykott unterschrieb.

Ich bin zumindest bis zur vollständigen Blockade selbst, sozusagen mitschuldig und da sich kein anderer eine lupenreine Entschuldigung für die jedem Maß entfliehende “Gewalt” zu entschuldigen vermag, tue ich das hiermit. Continue reading “Entschuldigung in Sachen Südkurven-Boykott am Millerntor”

Schönes neues Sankt Pauli

Mit was haben wir es hier eigentlich zu tun? Mit einem Generationenkonflikt? Mit einer Machtprobe, die Fans mit Fans ausfechten, weil ihnen der Präsident zu ungriffig ist, oder einfach über? Was ist denn in den verrückten Wochen los, in denen ich fünf Stunden umsonst angrille, Hooligans des HSV zustimmen muss, wenn sie von der Polizei in Sachen Fußball Verhältnismäßigkeit einfordern, mich für Fanrechte ereifere, dann plötzlich vor Gleichgesinnten stehe, die mir Prügel androhen, meine damit negieren – worum geht es da? Continue reading “Schönes neues Sankt Pauli”

Wenn das Gesicht die Fassung verliert, sieht man in die bedrängte Seele

Ein Mitglied meiner Bezugsgruppe, der zuvor in verschiedenen Diskussionen die Aktion noch unterstützt hat und bei freundlicher Ansprache auch bereit gewesen wäre, sich anzuschließen, hat gestern einen großten Teil der Illusionen über “seinen” Verein eingebüsst. Ich habe selten ein Gesicht gesehen, dem die Erschütterung so klar anzusehen war. Fabulous St. Pauli Blog

– hätte ich einen Spiegel dabei gehabt, hättet ihr in meine Seele sehen können. Mit den eigenen Fangesängen niedergeschrien zu werden war wirklich grausam.

Verrückt

Es ist schon ein komisches Gefühl, dass irgendwas sich an den eigenen Koordinaten verrückt hat, wenn man innerhalb einer Woche sich mit den Aussagen eine HSV-Hools solidarisieren und auf einen Text von Die Welt mit Zustimmung verlinken will.

Die “Ultras Sankt Pauli” (USP) hatten zu einem Solidaritätsprotest aufgerufen, der sich für sie aber zu einem Desaster entwickelte. Erst nach fünf gespielten Minuten wollten die “Ultras”, die vor dem Anpfiff die Zugangsbereiche zur Südtribüne versperrten, ursprünglich die Stehplätze betreten. Die “Ultras”, die schon in der Vergangenheit durch ein elitäres, intolerantes Auftreten bei den übrigen St. Pauli-Fans in Misskredit geraten waren, beendeten schon nach 3:30 Minuten den Protest. Als sie auf die Traversen der Kurve strömten, erklangen “Scheiß USP!”-Rufe und “Fußball-Mafia USP”-Rufe von der Gegengeraden. Nach 20 Minuten wurde der Bruch zwischen den Fans durch die ersten Wechselgesänge etwas gekittet.
welt.de

#SÜDKURVE FÜR ALLE!

Südkurven-Blockade Sankt Pauli

“Dumm ist, wer Dummes tut.”
Forrest Gump

Historische Vergleiche schlagen in der Regel auf seinen Urheber zurück, zu einfach oder Effekt-haschend sind sie meist (ja, auch ich kenne Godwins Law). Heute kann ich aber nicht anders, meine Wut und tiefe Enttäuschung auszudrücken, über das, was heute sich in den Zugängen zur Südkurve am Millerntor abspielte. Es hat mich geschockt, wie ich und schätzungsweise 200 Sankt Paulianer hinter mir durch zupfropfen der Zugänge zur Südkurve mindestens 30 Minuten daran gehindert wurden ihr Stadion zu betreten – im Namen eines Protestes, den ich beinahe unterstützt hätte, hätte man mich nicht mit Macht dazu zwingen wollen. Auch nach dem Spiel, das die Boys in Brown in 90 magischen Minuten mit 2:0 gewannen, und ein wenig Austauschen und Abregen bleibe ich dabei: wer mich am Betreten der Südkurve mit passiver Gewalt hindert, selbst noch als hunderte ihre Fanrechte lauthals artikulierten (“Wir wollen rein”), der bedient sich Methoden, die sich einem Vergleich stellen müssen, den man im Zusammenhang mit St. Pauli gerne auch als provokant deuten kann.

Es ist geradezu abstrus, Fanrechte einzufordern, indem man Menschen am Betreten ihres Stadions hindert.

Ich kann mich immer noch nicht beruhigen, bin tief verletzt und geschockt. Mit euch USP bin ich fertig! Singt doch wo ihr wollt, aber ohne mich. Habe wie viele andere in der Süd heute mit der Nord und der Gegengeraden gesungen, aus Protest gegen die Gewalt, die mir und dem St. Pauli, das ich liebe angetan wurde. Zu faschistoider Tendenz übrigens, wird ein Protest dann, wenn er Mitmachen gewaltsam fordert – ausgerechnet am Millerntor, ich begreife das immer noch nicht!

(edited 19:55 Uhr)

FC St. Pauli Knights

Von 1990 bis 1992 habe ich für den FC St. Pauli in der 2. Bundesliga gespielt.
Baseball, nicht Fußball.

Unsere Baseballer spielten meist nach den Boys in Brown, ebenfalls am Millerntor, wo sich dann manchmal eine gehörige Menge an angetüderten Zecken einfand, um uns anzufeuern.

Mitglied des FC St. Pauli war ich seit dem 1. April 1990.

Was man beim Aufräumen alles so findet, an persönlicher Teilhabe an 100 Jahren Magie.
Heute tun das die Kinder in ihr Facebook und googlen sich dann 20 Jahre später.

1860 – 150 mal verloren magischer FC?

Warum fahre ich auswärts mit dem magischen FC? Bin ich Masochist? Kann ich was bewirken?

Ja, das geht. Nirgendwo ist der Unterschied zwischen dem heimischen Millerntor und der Fremde spürbarer als in München. 1860 Freunde, die sich freuen, Dich zu sehen und 500 Ultras, die ihr eigenes Süppchen kochen, “Scheiß St. Pauli” rufen und dumme “St. Pauli-FC Bayern”-Rufe ernten. Nee, deswegen bin ich nicht hier. Sondern wegen der Magie, die auch wirkt, wenn sie fehlt, lieber Andre Trulsen. Das durften wir nicht gewinnen heute, weil wir Angst vor den eigenen Chancen hatten – soviel zum Spiel.

Aber den Sieg gegen RWO am Millerntor nächstes Wochenende, den habe ich ein wenig mit erlitten heute, mir verdient, indem ich Werner seine Magie abgeschnackt habe. Werner ist übrigens Deutscher Pokalsieger von 1957 – und wird in der Arena rumgeschubst von jungen Hostessen, wie wir alle. Er hat sie mir vermacht, seine Magie, siehst Du Fußballgott, das wirkt, auch wenn Du mir auf meine aufmunternden Worte mit Presse-Texten antwortest (“zu diesem Zeitpunkt haben alle ersten fünf noch Chancen …” mein Popo!). Macht nix, dass Ebbers nur einen versenkt. Hauptsache wir können gegen RWO auch ohne Bruns und Takyi, die haben sich meine Magie heute nicht verdient. Du lieber Naki wundere Dich nicht, dass Dir wildfremde nachwinken. Das war ok.

Allez Braun-weiß, so renne ich durch diesen Sonntag. Für mich, rastlos und ausser Haus.