Sommer vor der Thür

Mein Platz vor der Thür
Der Weg an unserm Haus entlang,
wie wunderschön war das!
War morgens früh mein erster Gang,
bis an das Knie im Glas,
da spielt ich bis zum Dämmerschein
mit Steinen und mit Sand;
Großvater holt’ mich abends rein
und nahm mich bei der Hand.
Dann wünschte ich mir groß zu sein
und übern Zaun zu sehn.
Großvater meinte: laß das sein!
Wird früh genug geschehn!
Es kam so weit; ich hab besehn
die Welt da draußen mir,
es war darin nicht halb so schön
als damals an der Thür.

frei nach meinem Ur-Ur-Großonkel
Klaus Groth (1819 -1899):

Stiefmütterchen vs Stahlbeton

Trotzig schauen sie ihm in den Schlund, dem grau-blauen Ungeheuer, dem staubbedeckte Arbeiter mit ihren Maschinen den Bauch aufgerissen haben. Mit ihrer pittoresken Bürgerlichkeit, die sie in ihren Gesichtern zur Schau tragen, und die auch meine Oma so sehr mochte, bilden sie einen merkwürdigen Kontrast zu den Glastürmen und Büro-Ateliers in der Hamburger Innenstadt. Continue reading “Stiefmütterchen vs Stahlbeton”

Altonaer Winterhimmel

Altona, 9:00 Uhr morgens: -13 Grad Celsius

Heute verwöhnt sie uns aber, die Wintersonne, die sich so lange nicht in Altona gezeigt hat. Dieses Blau, das sich so lebendig anfühlt und das die Bayern schlauerweise in ihre Flagge geparkt haben, ist ja bei Osten Wind besonders klar, und hebt das vom Konjunkturpaket 1 Grund-weiss-renovierte Altonaer Rathaus aus seinem grauen Dasein, als stünde es vor einer blue-Screen. Unwirklich fast, wäre da nicht diese reißende Kälte, die sich um das Sein spannt.

Konjunkturpaketen und Fassaden macht die ja nix aus.
Schaue nachher mal zu Alster runter.

Winterhimmel – Pastellfarbener Untergang

Der Frost hat Hamburg fest im Griff. Der Osten Wind (Leseempfehlung!) macht uns krüse Büddel und spannende Falten im Gesicht. Die Menschen in Hamburg wagen erste Schritte auf die zugefrorene Alster – ob es ein offizielles Alster-Eisvergnügen geben wird steht derweil noch in den kalten Sternen.

Ich habe heute gefühlt das erste Mal in diesem Jahr die Sonne gesehen, nachdem ich sie auf Fehmarn 2009 verabschiedet hatte. Der Himmel über meinem Büro verabschiedet diesen knackigen Montag dann auch mit kaltem Pastell in pfirsich-rosa und hellgrauem Blau. Wer will da schon in München sein?

Kruesbuedelig (Neujahrspaziergang auf Fehmarn)

Osten Wind
givt nen kruesen Buedel
un’nen lütten Stint

(Blankeneser Sprichwort)

Minusgrade am Neujahrstag. Frischer Schnee, und zum neuen Jahr 2010 auch ein wenig Sonne zum Abend.
Die nachmittägliche Abendstimmung taucht das Land in stilles Blau. Blau soweit das Auge reicht.

Weiter zum Mühlenmuseum Fehmarn (Lemkenhafener Mühle)

… und bei nachtblauer Kälte rüberschauen zum Leuchtfeuer bei Orth

Fast so heimelig und blau, wie in den Bergen, das wieder drinnen sein, bei einem Glas Rotwein und einem Stück Stremellachs aus der Aalkate.

Meine Meerjungfrau

Sie machen einem gar die Liebe schwer.
Ich liebe doch. Und liebe viele sehr.
Nu hab ich mich mit einer Meerjungfrau verschworen.
Wir schwuren’s nie. Und jeder kann es tun.

Gedicht: Nach Ringelnatz, Zürich 1931
Foto: Femjoy, Model: Ariel on cloud 9

Berlin Sonnenuntergang – Berliner Gute-Nacht-Gedicht

Was meint ihr wohl, was eure Eltern treiben,
Wenn ihr schlafen gehen müsst?
Und sie angeblich noch Briefe E-Mails schreiben.
Ich kanns euch sagen: da wird geküßt,
Geraucht, getanzt, gesoffen, gefressen
,
Da schleichen verdächtige Gäste herbei.
Da wird jede Stufe der Unzucht durchmessen,
Bis zur Papagei-Sodomiterei.
Da wird hasardiert um unsagbare Summen.
Da dampft es von Opium und Kokain.
Da wird gepaart, daß die Schädel brummen.
Ach schweigen wir lieber. – Pfui Spinne Berlin!

/ Joachim Ringelnatz

Fernsehturm-Berlin

Magischer Abriß (Farewell St. Pauli Haupttribnüne)

FC St. Pauli Logo Kachel

Schon lustig, wie sich Magie fortpflanzt. Meist durch Nicht-wollen nicht?
Ich hatte nicht vor, die Abrißparty für unsere Haupttribüne zu besuchen heute, mir dumme Reden von dummen Stadtteil-Fuzzis anzuhören. Und doch war ich dort, überredet und trotz der jüngsten schönen Erlebnisse immer noch nicht ganz zuhause auf der Süd, so weit oben auch, so weit weg vom magischen Rasen. Continue reading “Magischer Abriß (Farewell St. Pauli Haupttribnüne)”

Speicherstadt Hamburg

Speicherstadt-Hamburg

Das Häuschen da in der Mitte, von wem wird das eigentlich bewohnt? Hat da einer gemütlich an Sommerabenden draußen gesessen, vielleicht mit einem portugiesischen Weißwein in der Hand? Die Gewürzfahnen von Wein und alter Handelsware in der gleichen Nase?

Das ist übrigens der Blick vom Raucherbalkon des WoM-Day, auf dem erwartungsgemäß die würzigen Gespräche stattfanden. Drinnen hatte die trnd-istas um Martin Oetting einen feinen halbtägigen Workshop organisiert, den ich mir sicher rot im Kalender 2010 anstreiche.

Später habe ich auf dem Nachhause-Weg noch einen Cache gelogged. Hier in der Bildmitte zu sehen (N 53° 32.714 E 009° 59.990).

Eisgang im Abendrot

Eisgang mit Abendrot“Geht nicht so nah an die Eisschollen, Kinder” – keiner kann euch da mehr rausholen. Tja, was Väter ihren Kindern so raten.

Motiviert aus den Erinnerungen an das eigene Bein in der eiskalten Elbe, weil man natürlich nicht kommen sah, wo das Land zuende geht. Und der Respekt, den dieser Fluss einem im Laufe des Lebens gelehrt hat.

Das Fürchten dabei, das Knirschen des Eises so vertraut. Wie in einem Cocktail-Glas, quasi als Sundowner.