Elbphilharmonieren – Ein Gedicht aus St. Pauli

Elbphilharmonieren, Text von einem Flyer in Hamburg St. Pauli

Und jetzt sitzt er da un weint und weiß überhaupt nicht weiter.
Dabei will er gar nicht rauf auf der Berufskarriereleiter.
Nur ne einfache Beschäftigung – am Monatsende noch ein paar Mark –
um das Zimmer zu bezahlen, in dem Stadtteil den er so mag …

Foto in Hi-Res
Text: Notgemeinschaft Peter Pan; Foto: (cc) by-nc ring2.de

Die Frau mit der purpurnen Krone

Ich sitze im Bus,
Die Heizung pfeift, ein Mann hustet.
Die Frau mit der purpurnen Krone auf dem Kopf achüttelt sich.
Ekelig diese Wärme im Winter.

Ich will hinaus, die Nase in den Wind stecken, bis sie blau wird und abfriert.
Die Frau mit der purpurnen Krine schaue ich verdrießlich an. Ihr gebe ich alle Schuld.

Kopf hoch, mein Freund

Lass sie nur die Köpfe hängen lassen,
Wenn die Köpfe ihre eignen sind.
Wir, wir wollen unsre Segel brassen
In den Wind.

Wir, in unserm Alter, wollen wissen,
Dass der Weg nun wieder rückwärts führt. –
Glücklich, wer den freien Drang noch spürt,
Das Getrunkne über Bord zu pissen.

Wenn die Wetter lange düster grollen,
Glücklich, wer dann trotzig lächeln kann,
Ohne Herr der Woge sein zu wollen;
Sondern nur „auf See ein Fahrensmann“.

»Joachim Ringelnatz«

Sommer vor der Thür

Mein Platz vor der Thür
Der Weg an unserm Haus entlang,
wie wunderschön war das!
War morgens früh mein erster Gang,
bis an das Knie im Glas,
da spielt ich bis zum Dämmerschein
mit Steinen und mit Sand;
Großvater holt‘ mich abends rein
und nahm mich bei der Hand.
Dann wünschte ich mir groß zu sein
und übern Zaun zu sehn.
Großvater meinte: laß das sein!
Wird früh genug geschehn!
Es kam so weit; ich hab besehn
die Welt da draußen mir,
es war darin nicht halb so schön
als damals an der Thür.

frei nach meinem Ur-Ur-Großonkel
Klaus Groth (1819 -1899):

Berlin Sonnenuntergang – Berliner Gute-Nacht-Gedicht

Was meint ihr wohl, was eure Eltern treiben,
Wenn ihr schlafen gehen müsst?
Und sie angeblich noch Briefe E-Mails schreiben.
Ich kanns euch sagen: da wird geküßt,
Geraucht, getanzt, gesoffen, gefressen
,
Da schleichen verdächtige Gäste herbei.
Da wird jede Stufe der Unzucht durchmessen,
Bis zur Papagei-Sodomiterei.
Da wird hasardiert um unsagbare Summen.
Da dampft es von Opium und Kokain.
Da wird gepaart, daß die Schädel brummen.
Ach schweigen wir lieber. – Pfui Spinne Berlin!

/ Joachim Ringelnatz

Fernsehturm-Berlin

Daddeldu

Weihnachten steht vor der Tür. Die Zeit der Jahresmailings.
Das mit Abstand beste bekam ich von einem Segler.

Weihnachten, Hamburg und die Seefahrt sind schon immer
eine besonders innige Melange von Sentimentalität und Rotzigkeit
gewesen, die Chefalkoholiker Ringelnatz so schön zu formulieren
wußte.

La fiesta de Navidad del marinero Kuttel Daddeldu

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Dichter

IMG_1597Um nicht noch dicker zu werden, muss ich Dichter werden.
So oder so ähnlich hatte das meine Frau ausgedrückt.

Eigenwillig.

Ich beschloss, schnell noch dichter zu werden und knackte das Siegel der letzten Flasche Wein.
Einen Keller hatten unsere Weinflaschen nie gesehen.
Der Haribo-Effekt eben.

Sonntag: Kommentare und Trackbacks löschen

Muss am Sonntag arbeiten. Das will mein Kunde so. Macht ihn glücklich, glaube ich, immer am Montag irgendwelche Ergebnisse von Irgendwas zu sehen. Mache jetzt eine Pause und entspanne mich beim Kommentare und Trackbacks löschen. Muss ja auch mal gemacht werden.

Zur Belohnung gibts das neue Gedicht von Sven Regener. Watt’n Ditte!

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