Wintermütze „Tallin“ oder lieber einen Hut

Santa Pauli Mütze
Santa Pauli Mütze

Es wird kalt in Nord-Deutschland. Heute krabbelt das Thermometer nicht in den zweistelligen Bereich. Bald ist Weihnachten und der Weihnachtsmarkt auf dem Münchner Flughafen und in Ottensen vor dem Mercado lotsen hunderte von Wollmützen aus Finnland und Estland zu uns.

Jedes Jahr will ich mir eine kaufen, lasse es aber dann doch sein. Hat einer von euch so eine Lappen-Mütze? Und welche Erfahrungen hat er/sie damit gemacht?

Herbst-Zeit-Lose


Gilt das eigentlich schon als Herbst, wenn das Gras zwischen den Gehwegplatten noch satt und grün ist? In der Sonne ist es noch warm, auch wenn sich die gelbe Sau nur noch schräg von der Seite auf die Welt traut.

Gestern wieder nix.
Zweimal 5 Eur, Zweimal 50 Eur und Zweimal 10.000 Eur. Immer übereinander. Perfide.
Habe dann Peter angerufen, und ihn ein wenig beschimpft. Er kommt gebürtig aus Berlin, dem Verlies der Wunderjahre, und für Menschen, die den Dienst an der Waffe nicht ertragen konnten. Heute legen dieselben ihre Kohle beim Ackermann an. Auch so ein Herbst. Ein europäischer Herbst. Der soll ja bekanntlich auch seine schönen Tage haben.

Bevor der November-Regen kommt, war gestern so einer. Ich schlendere mit Björn den Altonaer Balkon herunter, die Sonne schon auf halb acht. Die Hose seines Sohnes auch. Die beiden essen Eis, wir bestellen Bier. Schmeckt schon wieder. „Herbst-Zeit-Lose“ weiterlesen

Von Altona über St. Pauli nach Hamburg hinein #36

Barcelona, 17° Grad im Schatten. Wir passieren das Altonaer Rathaus gegenüber einer Anwaltskanzlei für Familienrecht. Ich muss an meine „Familie“ denken, in der jeder nur an sich selber denkt. Scheidung nicht ausgeschlossen.

Vor mir sitzt Michael M., oder einer der so aussieht. Der kalte Oktoberwind zieht ihm von hinten in den Nacken, wenn die Tür aufgeht. Er schlägt den Kragen seiner Wildlederjacke hoch. Ein paar wilde Strähnen seines vollen schwarzen Haares recken sich in seine Stirn und am Wirbel nach Außen. Er hatte es sicher eilig heute morgen.

„Nächste Haltestelle: S-Bahn Reeperbahn“

Der 36er hat Grüne Welle über den Kiez. Toll. Tolle Welle, wie gerne er die hätte. Ein Monument seiner Karriere und architektonische Vollendung seines St.-Pauli-Bildes. Das Iphone klingelt, Gernot ist dran. Der Zahlenteufel nennen sie ihn in der Geschäftsstelle.

Die beiden Damen vor ihm lachen. Sie unterhalten sich über ihre Vorstände, werden geschmacklos und eigentlich will Michael das alles gar nicht wissen, die banalen Bürogeschichten, die er auch so gut kennt. Es regnet leicht auf St. Pauli, ist aber nicht sehr kalt. Und dennoch, wenn er an den November denkt, dann schaudert es ihn.

„Nächste Haltestelle: Davidstraße“

Nun beginnt die Zeit, da das Präsidium öffentlich hervorlukt, sich in Pose schmeisst. Sich von gemeinsamen Positionen distanzieren wird, den Kritikern am eigenen Tun noch applaudiert.

„Nächste Haltestelle: U-Bahn St. Pauli“

Im Park unter dem Denkmal bauen sie ein Holzgerüst auf. Unter den Bäumen dösen keine Menschen mehr. Die sind zurück unter der Brücke. Wieder Gernot. Wo er denn bliebe, will er wissen, es sei doch schon 1/4 vor 10 und BG, wie sie den Schattenpräsidenten nennen, mag Zuspätkommen nicht.

„Nächste Haltestelle: Johannes Brahms Platz“

Da hatte er richtig nochmal Schwein gehabt mir dem Wetter, als er gestern nochmal aufs Rad stieg. M. fühlt die Körner in den Beinen, die er sich im Sommer angeradelt hat. Ausdauer, das sagt er auch seine Jungs auf der Geschäftsstelle immer, Ausdauer ist das wichtigste. Als halbwegs Gesunder unter lauter Verrückten sowieso. Ihm wird sein Ausgleich fehlen, nun wird das Radfahren seltener und er kann es nicht leiden, wenn unter dem Wetter sein Training leidet.

„Du machst da oben einen Spitzenjob“, hatte Stefan Kuntz ihm beim letzten Treffen der Geschäftsführertagung in Frankfurt noch gesagt. Und es klang wie ein Angebot. Aber was soll er machen. St. Pauli ist auch für ihn die einzige Möglichkeit, wenn sie ihn nicht opfern. Heute oder zur JHV.

Gänsemarkt. Michael M. steigt aus und holt sich noch schnell ein Franzbrötchen, bevor es zum General geht.

Die Jahreshauptversammlung des FC St. Pauli findet am Dienstag, den 22.11.2011 um 18.00 Uhr im CCH statt.

Diese Busfahrt und die Gedanken eines Michael M. sind natürlich ausgedacht. Der Autor meint zwar Michael Meeske, den kfm. Geschäftsführer des FC St. Pauli erkannt zu haben, als er gestern Bus fuhr – alles andere ist aber nur satirische Prosa.

Begeht, belegt und betanzt öffentlichen Raum, denn es ist unser Recht #Hamburg #GG

Es ist überfällig, dass sich zu dem Thema „Ausgrenzung von Obdachlosen“ endlich auch Grundrechtler zu Wort melden.

Das ist nämlich die eigentliche Bedrohung für unsere Gesellschaftsordnung, die manchmal noch vom Grundgesetz geschützt scheint, obwohl sie es immer sein sollte. In der veröffentlichten Diskussion um den Schreiber-Zaun um die Kersten-Miles-Brücke in Hamburg zeigt sich dasselbe gefährliche Tun, wie bspw. bei Platzverweisen während Fussballspielen am Millerntor. Exekutive Stellen sortieren Menschengruppen aus, denen sie dann willkürlich Grundrechte verweigern. Das wird dann nicht geahndet, und noch weniger diskutiert.

‚Das Grundrecht auf freie Entfaltung – Artikel 2 des Grundgesetzes – „garantiert“ auch den „Gemeingebrauch an öffentlichen Wegen“. Betrachtet man das Übernachten unter der Brücke in diesem Sinne als „widmungsgemäße Nutzung im Gemeingebrauch stehender Sachen“, genießt es den Schutz des Grundgesetzes.‘ Grundrechtler Horst in der taz

Angstraum

… Persönlicher.

„Durch sichtbare, massive Verwahrlosung dieses öffentlichen Raumes und damit verbundenen, negativen Senergieeffekte kommt es zu empfindlichen Störungen des Sicherheitsgefühls der Anlieger, Passanten und Touristen. Verstärkt wird die Beeinträchtigung des Sicherheitsgefühls durch Straftaten / zum Teil schwerwiegende Straftaten, deren Begehung in mehreren Fällen eindeutig der, unter der Kersten-Miles-Brücke am Bahnhof Stellingen aufhältigen, Personengruppe zugeordnet werden konnten“

Schreibers Wahrheiten

Die Hamburger Polizei ist wahrlich nicht als linksextrem bekannt, und deswegen darf man besonders aufhorchen, wenn sie sich in der Mopo offensichtlich und deutlich gegen die womöglich taktischen Wahrheiten des Markus Schreiber stellt:

„Es gibt dort keine erhebliche Beschwerdelage“, so Polizeisprecher Mirko Streiber zur MOPO. Markus Schreiber hatte von dem Gebiet rund um die Kersten-Miles-Brücke von einem „Angstraum“ für Anwohner gesprochen. – lese ich in der Mopo und nehme an, dass Herr Schreiber spätestens damit unhaltbar geworden ist.

Zusendungschaos bei den Abokarten des HVV

Eine Kernforderung der Piratenpartei ist der kostenlose öffentliche Nahverkehr. In Hamburg über die Hamburger Hochbahn und den HVV organisiert. Wären die Piraten auch in Hamburg in der Bürgerschaft vertreten, hätte ich womöglich den Hazzle mit der „automatischen“ Aboverlängerung nicht.

Für alle Mit-Abonnenten, die derzeit auf ihre Wertmarke warten, poste ich hier die Info, die mir die ABO-Hotline des HVV eben gab.

– Die alten Wertmarken sind noch bis zum 4.10. einschließlich gültig. Wegen des Feiertages am 3. Oktober.
– Die Deutsche Post ist ein wenig überfordert mit den mehreren tausend Abo-Briefen, die sie verschicken muss.
– Sollte die Wertmarke bis Anfang nächster Woche nicht im Briefkasten sein, will der HVV mich in sein Büro zitieren. Dem habe ich bereits eine Absage erteilt. Abo heisst zuschicken. Pünktlich!

tbc …

Abschiebe-Flughafen Hamburg

Flughafen Hamburg

Seit einem Jahr nun beobachtet eine Kommission die Abschiebung von Menschen aus Norddeutschland am Flughafen Hamburg und hat ihren ersten Bericht vorgelegt.

„Im ersten Jahresbericht werden vor allem vielerlei menschliche Härten beklagt. Betroffene würden zum Teil mittellos an den Flughafen gebracht und wüssten nicht, wie sie vom Zielflughafen an ihren tatsächlichen Bestimmungsort kommen sollen. Auch Krankheiten von Abzuschiebenden würden nicht immer genügend Beachtung finden. Familien würden getrennt oder es würden junge, gut integrierte Menschen abgeschoben.“ – HA

Aus den Augen aus dem Sinn „Abschiebe-Flughafen Hamburg“ weiterlesen

Im Sommer frei

Wenn ich erwache, morgens meist, dann schaue ich auf eine Oase. Grün ist es hier jetzt im Sommer und von einem Wall umgeben in dem Menschen wohnen. Der Putz bröckelt leise von den Mauern, manchmal höre ich es rieseln nachts.

Streetart BerlinDie Flasche Wein drückt noch ein wenig in meinem Kopf, viel mehr als Schlappheit bleibt nicht mehr von so einem bisschen.

Die erste Morgentoillette ist schnell gemacht. Das mag ich so an der Spree, dass sie sauber ist und warm und mich dennoch erfrischt. Nun geht es hinaus aus meiner Burg zwischen Oberbaumbrücke und Kreuzberger Nacht. Hinaus in den umzingelnden Wahnsinn von hetzenden Menschen und den vielen Touristen. Ich mag die leiden, die meisten, und doch sehen sie mich nicht. Mir tun sie leid, je mehr Mitleid aus ihren Augen spricht, dieses schnell abnehmende Mitleid, das eigentlich nur dazu dient den wohligen Schauer des Grauens auszukosten, wenn die Vorstellung, man sei ich, der Erkenntnis weicht, es doch nicht zu sein. „Im Sommer frei“ weiterlesen

Du weisst, Dein Viertel wird gentrifiziert, …

Wenn:

  • Deine Nachbarn dich verklagen, statt Dir Schläge anzudrohen
  • Menschen über 40 den ganzen Sommer in Schlappen herumlaufen.
  • Auf BMWs und SUVs vor Deiner Tür „St. Pauli Aufkleber“ prangen. Oft neben dem der örtlichen internationalen Schule.
  • Kinder nicht laufen, sondern in Wagen gefahren werden, die soviel kosten, wie Dein Auto.
  • Zunehmend schwäbisches statt anatolisches Deutsch gesprochen wird.
  • Hip-Hopper weg, Pop-Hopper hinziehen. (Und Du Platten von ihnen im Schrank hast (Never mind Fettes Brot ;) )
  • Nur die pensionsreifen Lehrer_innen an der Grundschule Deiner Kinder noch im Viertel wohnen.
  • Die Selbsthilfe-Werkstatt in ein Industriegebiet zieht
  • Starbucks
  • Statt Vereinsemblemen, die Menschen „North Face“ auf ihren Jacken tragen.

… und Dir wird klar, dass Du Teil dessen bist, wenn Du bei einem Fair-Trade Rebellencaffee diese Zeilen in Dein Ipad tippst.

Nespresso mit Sharon Stone

Kijiji, das bedeutet „Kleines Dorf“ oder „Kleine Welt“ in der Sprache aus der wohl die meisten Start-Up-Namen stammen: Kesuaheli.

Heute Mittag schlendere ich durch die Hamburger Innenstadt und bleibe am Nespresso-Flagship-Store hängen. Wie so oft schon zuvor, betrete ich ihn, in der wagen Hoffnung, dieses Mal würde der Funke überspringen und ich mir eine Maschine kaufen, nebst angebotenen Nespresso-Sorten, die mich dann auf ewig an die Nadel Nescafés hängen. Ist ein wenig, wie Rauchen-anfangen. Zuerst wundert man sich, überwindet Barrieren der eigenen Warnungen, nur um sich dann einen Genuss zurecht zu phantasieren, von dem man nur schwer wieder loskommt.

„Wieso gibt es eigentlich keine Werbung für Nespresso mit berühmten Schauspielerinnen?“, frage ich mich, wo ich da stehe, mitten in dem Verkaufsraum, der eher an ein Autohaus erinnert, als an einen Kaffeeröster. Sharon Stone beispielsweise, wie sie Gott ihre Kapseln vorenthält, ihn mit einem wahnsinnig gekonnten Beinschlag verführt. Ich freue mich, lächele ein wenig doof, als mir der Verkäufer nachsieht, denn nun kann ich den Laden für Koffein-Junkies getrost verlassen. Solange bis ich eine Nespresso-Werbung mit Sharon Stone sehe bin ich immun.

Menschen. Biere. Sensationen

Das Bier ist schon wieder alle. Und die Woche ist noch gar nicht richtig rum. Mist, denkt sie, heute Abend kommt er wieder nach Hamburg zurück. Von einer Übung, hat er gesagt. Freut sich schon auf „sein Sommermädchen“ hat er gesagt. Und dann gelacht.

Am liebsten trinkt er chinesisches Bier. Man müsse sich vorbereiten, hat er gesagt. Die würden bald die Welt regieren, die Chinesen. Und deren Bier kommt aus Deutschland. Tsingtao heisst es und kommt aus der gleichnamigen Stadt am Meer. Das sind Verbindungen, die am Ende zählen, hat er gesagt. Und seitdem er dies erkannt hatte, bereiten sie sich darauf vor. Jedes Wochenende, wenn er von einer Übung, einem Lehrgang oder so wieder nach Hause kommt.

Zu ihr. Sie wohnt seit 12 Jahren in Hamburg Osdorf. Umschlungen vom Ring2. Im Süden der Reichtum, im Norden der Resskamp. Ganz unten. Immerhin, nicht der Osdorfer Born.

Überhaupt ist sie viel zu viel zuhause. Wartet. Und trinkt Bier.
Am Wochenende dann zum HSV. Oder an den nahen See am Born. An die Elbe will er nicht. Will seine Ruhe, und Kumpels sehen.

Eben, als sie wieder einmal allein war, ist ihr ein Mann aufgefallen. Bei Graeff hatte er Getränke gekauft. Wasser, Mineralwasser ohne Kohlensäure und tschechisches Bier. Pilsener Urquell. Einen Kasten. Und ein wenig Wein. Bio-Chips hatte er auch noch in das Heck seines Volvo geladen. Sie hatte es nicht kommen sehen, und auch vorher noch nie erlebt. Wie eine Welle überschwappte sie eine glühende Sehnsucht und Begierde nach diesem Mann, seinem Leben und seinem Biergeschmack. Die Zugkraft war enorm, und doch stand sie da, wie angewurzelt. Blinzelte hinüber zu ihm und wunderte sich darüber, dass es so weh tat.

Sie stand noch eine Weile da, als der Volvo lange nach links in Richtung Blankenese abgebogen war, blickte auf das Reklameschild des Getränkehändlers – „Menschen. Biere. Sensationen“ – und fing an zu weinen.

Hamburg, Ring2, Osdorf, Getränke Graeff
Hamburg, Ring2, Osdorf, Getränke Graeff

Mir ist car2go zu teuer

car2go - erste Erfahrungen (Hamburg City)
car2go - erste Erfahrungen (Hamburg City)

149 EUR am Tag kostet ein vollgetankter Smart mit allem Zipp und Zapp bei car2go. Bjoern @Ognibeni hat heute bei seiner ersten Testfahrt 16,schiessmichtot bezahlt. Sicher, billiger als ein Taxi, aber ich muss immerhin noch selbst fahren und das Auto erst suchen. Bei 300 Metern Anlauf-Weg und herumfragen in Parkhäusern geht da schonmal eine halbe Stunde drauf. Dafür zahle ich höchstens weniger.

Über die Reeperbahn #St. Pauli

Morgens, kurz vor 10. Der Schnellbus #36 verlässt Altona über das Nobistor und hält an der S-Bahn-Haltestelle „Reeperbahn“. Wie jeden Morgen steigt eine rosafarbene Jogginghose mit Mensch drin in den Bus, wuchtet sich schnaufend auf den Einzelplatz rechts vorne. Wie jeden Morgen schaut der Mann nicht nach hinten. Vielleicht hat er tatsächlich das Gefühl, der Fahrer fährt nur ihn allein. Die Türen schließen. Ich habe es eilig, und eine dumpfe Hektik breitet sich in meinem Magen aus. Irgendwie schaffe ich es nicht, mich in Bussen einfach dem Fluss der Straße hinzugeben. Das gelingt mir beim Bahnfahren besser, da verschwindet aufkommende Hektik sehr schnell wieder, denn hier bin ich machtlos und muss nicht agieren, bin nicht verantwortlich für das Fortkommen. Im Straßenverkehr habe ich, sachlich betrachtet, genauso wenig Einfluss auf die Geschwindigkeit, mit der ich mich tatsächlich meinem Ziel nähere. Komplexes System, das mir durch meine Hand am Steuer und den Fuß auf dem Gas suggeriert, ich müsste, könnte und sollte eigentlich. Dem Zwang dieser scheinbaren Freiheit kann ich mich heute Morgen ganz gut entziehen. Die Menschen, die ich entlang der Reeperbahn beobachte, helfen mir dabei. „Über die Reeperbahn #St. Pauli“ weiterlesen

Mythos AJK #Altona93

Eingang Adolf Jäger Kampfbahn - Altona 93

Das mit der Nostalgie ist so eine Sache. Man beginnt ja marodes, auch hässliches, mit anderen Augen zu sehen, wenn es entschwunden ist oder dazu verurteilt, bald zu verschwinden. Das geht mir mit fortschreitendem Lebensalter mit mir selbst und anderen Menschen so, aber vor allem mit Orten. Stellvertretend. Dem alten Millerntor beispielweise weine ich regelmäßig eine Träne hinterher. Der wackelige Haupttribüne und dem rotten Klubheim, wo unten im Souterrain die Duschen und Umkleiden waren. „Mythos AJK #Altona93“ weiterlesen

Hamburg-Altona Ort der Vielfalt Willkür

"Die Organisation und Durchführung von öffentlichkeitswirksamen Aktionstagen, wie z.B. dem Tag der Toleranz am 16. November 2010, rundet unser Engagement als Ort der Vielfalt ab." - "Bürgermeister", Jürgen Warmke-Rose

Vielfalt, das Zusammenwirken von mannigfaltigen Erscheinungsformen in einer Gesellschaft ist ein hehres Ziel. Und unbedingte Voraussetzung für das Entfalten einer Gesellschaft in einer globalisierten Welt. Davon bin ich überzeugt. In meiner Heimat Altona bei Hamburg finde ich viele Beispiele für Vielfalt. In den Schulklassen meiner Tochter, bei Altona 93. Vordergründig dürfte mich die „Auszeichnung“ der Bundesregierung für meine Heimatstadt also nicht wundern, sogar stolz dürfte man als bekennender Grundgesetzradikaler ein wenig sein. Allein, sie ist ein Muster ohne Wert.

Ich stelle mir vor, wie die Schirmherren (sic!) dieser Aktion, weiße volksdeutsche Heten dem Bezirksamtsleiter diese Plakette überreichen, und mir wird übel. Nicht wegen dieser Menschen, die mögen in ihrem Tun nichts Schlimmes finden. Sondern wegen der Betäubung, die mich erfasst, wenn ich an die perfide Praxis denke, mit der in Hamburg Menschen rechtsamtlich deportiert werden, die gerade versuchen ihr junges Leben aufzubauen. In einer Stadt, die immer noch völkisch argumentiert, wenn es um Bleiberechte und Perspektiven geht. Selbst bei Menschen, die offensichtlich integriert sind in diese Zivilgesellschaft. Junge Menschen, oft Jugendliche und Kinder. Wie Samir, Saikou, Kate oder Yesim.

Solange Hamburgs Dominanzgesellschaft nicht ernst macht mit der Vielfalt (und das lässt sich gut an den „Urteilen“ der Härtefallkommission messen – denn nichts anderes sind sie, Todesurteile manchmal), bleibt eine solche Tafel eine Schande!

Car2GO Hamburg – außer Strafzettel alles inklusive #Hamburg #Autovermietung

Car2go, das ist ein Rent-a-Car-Projekt, das nach dem Vorbild vom StadtRad der Bahn funktioniert. Car2go-Smart finden, per Internet (Google Maps), App oder in offiziellen Parkhäusern. 14,90 EUR pro Stunde sind nicht wenig, aber verglichen zum Taxi günstig. Teuer wird es, wenn man falsch parkt, das ist in HH aber auch mit jedem Wagen abenteuerlich.

Einfach einsteigen und losfahren – egal wann, wo und wie lange Sie wollen? Kein Problem mit car2go.

Besonders gut gefällt mir, dass man den Hamburger Stadtbreich verlassen kann. Lediglich abgeben kann man die Smarts von Car2Go nur innerhalb des Ring2 in HH.

Feine Billets

Mashup, das Verbinden von altem, bewährtem meist, mit neuen Ideen aufgeladen und vermischt, das ist oft Thema in diesem Blog und Grundvoraussetzung für kreative Entwicklungen. Altona ist hier ja klassisches Umfeld – viel länger und intensiver schon als Hamburg bspw. ;)

Auf der Altonale treffe ich immer wieder auf tolle Ideen. Tide, bspw. das veredeln von Treibgut mit köstlichem Ambiente und Kaffee. Heute lief ich Herrn und Frau Pfaff über die Weg, die das Becker-Billett, das ich noch gut aus meiner Kindheit kenne, aus dem Floki-Kino bspw, mit neuen Anwendungsmöglichkeiten aufgeladen haben.

Als Mitbringsel, Mutmacher oder Gutschein. Kuss, Wunsch, … „Feine Billets“ weiterlesen

Kunst Altonale – Sao Pauli POP-ART

Jedes Jahr finde ich auf der Altonale Künstler, die mich begeistern. Sehr lebendig noch die Erinnerung an den Künstler, der Haushaltsgeräte zum künstlerischen Leben erweckt hat.

Dieses Jahr bin ich hingerissen von der künstlerischen Aufarbeitung eines Altonaer Themas, dem Abriss des Frappant (zugunsten von IKEA in Altona).

Frappant Bild - KG POP
„Kunst Altonale – Sao Pauli POP-ART“ weiterlesen

Buntes Gängeviertel

Fast täglich gehe ich am Hamburger Gängeviertel vorbei. Vorbei an Investoren-Träumen in Glas und Stahl. An Springer und Exxon. Und mitten drin wird es bunt. Aufladend magisch, dieser Fleck Kultur. Klein und bedroht, wie der Rest meiner Heimat, in Altona, Ottensen, St. Pauli und der Schanze. Die SPD will nun Mietbestand schützen. Ich hoffe. Und traue nicht mehr.

Hamburg Heiligengeistfeld am 8. Juni 1986

„Ich war auf dem Heiligengeistfeld eingeschlossen. Da ich abends um 8 Uhr meine 10jährige Tochter von Freunden abholen musste und nicht abzusehen war wann wir abgeholt wurden, fing ich gegen 15.15 Uhr an, mich um meine ,Befreiung‘ zu kümmern. Ich schaltete einen Vermittler mit ’nem Button von der GAL ein der mit einem höheren Polizisten verhandelte.

Dieser lehnte es ab, sich dafür einzusetzen, dass ich in eine nähergelegene Wache komme. Mit dem nächsten Transport wurde ich nach Alsterdorf verfrachtet, wo mir, einer anderen Mutter und einer 17jährigen Frau die ihre Mutter anrufen wollte, stundenlang ein Telefonat verweigert wurde.

Um 21.30 Uhr endlich wurden wir zu zweit zu einer Telefonzelle geleitet, wo man der anderen Frau (bei ihren Kindern war besetzt) einen nochmaligen Anruf verweigern wollte. Da bin ich ganz energisch geworden und es klappte. Gegen 23 Uhr bin ich nach Leibesvisitation (splitternackt ausziehen) in die Turnhalle zu den Männern Entlassen‘ worden, da meine Personalien noch nachgeprüft wurden

//nadir.org

Ampelfrei Autofahren

Es gibt Überlegungen, bspw. im Seeverkehr auf die teuren Seezeichen-Markierungen, Tonnen und Baken, zu verzichten und nur noch digitale Markierungen zu verwalten. Sinn mag das machen, da fast alle berufsmäßigen Schiffe längst via GPS und Kartenplotter auf digitalen Seewegen navigieren.

Für den Straßenverkehr soll es ähnliches geben. Automatischen Verkehr. In New York soll es ausprobiert werden – und kommt analogen Immigranten in die digitale Welt spanisch vor: „Ampelfrei Autofahren“ weiterlesen

Zeichen der Verspießung

Ich habe eine Weile in München gearbeitet. Mitte des letzten Jahrzehnts, also noch nicht lange her. Eigentlich habe ich mich dort recht wohl gefühlt, irgendwie fremdelte ich aber mit dieser pittoresken Ordendlichkeit, die dieser Stadt aus allen Fugen strömt. Selbst im Astra-trinkenden Glockenbachviertel. Der Bayer ist adrett und so ist auch seine Hauptstadt. Eines Abends hatte ich dann das passende Erlebnis zu meiner Empfindung. Ich schlenderte abends, es ging schon zur Mitternacht hin, den Nockherberg hinunter, ein wenig angeduselt vom guten Essen und 2 oder 3 Weißbieren. Seemannsgang. Mein Ziel lag am Fuße des Hügels, an dem eine Ampel die Straße durchschnitt. An der Ampelanlage sah ich schon von Ferne einen älteren Mann herumwerkeln. Er trug einen Pullunder über seinem weißen Hemd und einen Hut mit Dingsbums dran. Eine Weile konnte ich mir nicht erklären, was der Mann dort tat, dann, als ich näher kam, wurden die Bewegungen klarer, er kratzte an der Ampel herum. Aber warum? In meinem Dunsche brauchte ich eine Weile, um zu begreifen, dass der Mann in einer Art zivilem Pflichtanfall die Ampel von Aufklebern, Wohnungszetteln, Autonomen Aufrufen und Partyflyern säuberte. Mitten in der Nacht.

Mich hat dieses Erlebnis nachhaltig verstört. Wie kommt man auf die Idee, so etwas zu tun? In der Schanze die Woche drauf fielen mir die vertrauten und teilweise Zentimeter-dick eingeklebten Ampeln und Verteilerkästen besonders ins Auge. Eine heimelige Form des Dazugehörens machte sich breit. Das Unordentliche in Hamburgs, genauer Altonas Stadtteilen, markierte das Gebiet, das ich zuhause nannte. Schanze, Ottensen, St. Pauli. Nach Westen in Othmarschen war es damit vorbei. Da regierte die äußere Ordnung. Nach Hamburg rein ebenso.

Heute morgen dann der Schock. Ich gehe am Altonaer Rathaus vorbei in Richtung Bushaltestelle, als ich auf der gegenüberliegenden Straßenseite einen Mann in orangem „Blaumann“ an einer Ampel herumkratzen sehe. Er schafft Ordnung in Altona, kratzt Flyer, Wohnungsgesuche mit Abrisszetteln, Autonome Aufrufe, USP-Aufkleber und andere, mir lieb gewordene, Ausdrücke unordentlichen Seins von dem Metall, bürstet es blank mit einer groben Stahlbürste.

Stadtreinigung Hamburg im Flyer-Einsatz
Stadtreinigung Hamburg im Flyer-Einsatz

Wenn die Ordendlichkeit in Altona einzieht, dann ist es um die Zukunft meiner Heimat schlecht bestellt. Bezeichnend auch, dass es bei uns die Straßenreinigung erledigt. Der Altonaer Spießer macht sich nicht selbst die Hände schmutzig. In diesem Sinne sind mir die Bayern wesentlich lieber.

Die ersten ihrer Art #Hamburg #Spanien #Arabien

Wir sind die ersten unserer Art in Deutschland. In Nordafrika, in Arabien gibt es sie schon, in Spanien auch. Menschen, die den abgenutzen Worthülsen ihrer Parteien und Regierungen genausowenig trauen, wie dem Versprechen von Versicherungen Klartext reden zu wollen, wenn sie hinten rum die Witwenschüttler ins Bordell schicken. Ausdruck findet dieses Lossagen in vielen kleinen Formen und ist in Deutschland noch weit weg von spanischen Verhältnissen.

Wenn man genau hinsieht, dann kann man sie sehen, die Zeichen. Kühe, die gegen die Staats- und Spekulantenmacht anmuhen, denen dann so gefährlich erscheinen, dass man sie verkloppen muss. Nachbarn, die im Haus und für die Stadt die Kontrolle über Grundlegendens wie Energie zurückerhalten wollen. Das Gängeviertel auch immer noch. Menschen, die ihren Lebensraum auch politisch zurückfordern, noch sind es wenige, sie sind leise. Aber wenn Du genau hinschaust, Olaf, dann kannst Du sie sehen. Und sie sind gekommen, Deinesgleichen, die Demokratie nur spielen, um in Zirkeln dann zu regieren, abzulösen. Mit einer Selbstverständlichkeit, die dem Recht innewohnt. Ihrem Recht. Meinem.

Das ist jetzt Deine Polizei, Olaf Scholz #RechtaufStadt

„Die Lage wirkte fröhlich und entspannt“, berichtet ein Teilnehmer. Plötzlich aber fühlten sich die „Bullen“ doch von den Kühen angezogen und gingen mit dem Kampfstock „Tonfa“ auf die Herde los, andere setzten Pfefferspray ein. „Die sind richtig mit Anlauf durch die Menge gerockert“, sagt ein Augenzeuge. „Dabei war ich schockiert, wie brutal die Beamten vorgingen“, sagt ein anderer „Wie wild schlugen sie auf die Menschen ein“. Einige Verletzte mussten notärztlich versorgt werden. (taz)

… wild um sich schlagende Polizisten und ein vorgeschütztes Schützen von Interessen, wie in den besten Zeiten. Olaf Scholz, Du bist angekommen in der Tradition von Schill und Ahlhaus. Delinquenz erzeugen, um Grundrechte zu beschmutzen. Pfui. Lernt man sowas beim Verkehrsfuchs demnächst, Herr Neumann?

+1
Das Schlimme ist: Es scheint sich kein Schwein dafür zu interessieren. Während in anderen europäischen Ländern der offene Widerspruch zwischen formaler, demokratischer Legitimation und de facto antidemokratischem Handeln der Exekutive die Menschen auf die Straße treibt, geht man hierzulande satt und bieder im Park spazieren mit frisch gebügelten Polo-Shirts und selbstgerechtem Blick und freut sich über Ruhe und Ordnung. Grabesruhe … Dank an die Kühe insofern, dass sie dieser etwas entgegen setzten!

Atomkraft-Nein Danke-Spaziergang am Wochenende

Anti-Atomkraft Demo in Hamburg

Es mutete ein wenig wie eine Mischung aus früher Loveparade und Pfingst-Spaziergang an, was sich Demonstration nannte am Wochenende in Hamburg. Los ging es am Jungfernstieg, friedlich und mit Reggae-Musik untermalt. Leider wenig singen und wenig Selbst-gebasteltes. Dafür alle möglichen Flaggen, kleine und große, aber alle gedruckt und mit Signet von großen Organisationen, Grüne, DGB, Die Linke. Ich misstraue denen ja zunehmend, den Funktionären der Umweltbewegung oder der Arbeitnehmer oder wie auch immer. Empfinde sie und ihre „Ordner“, die sich um die Wagen postieren, ja als Teil des Problems eher als dessen Lösung. „Atomkraft-Nein Danke-Spaziergang am Wochenende“ weiterlesen

Gestrandet in Altona – Streik bei der NOB versaut Schulkindern die Klassenfahrt

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Die erste Klassenreise ist etwas Besonderes, alle Kinder sind aufgeregt.
Ausgerechnet am Montag, wenn dutzende Hamburger Schulklassen auf Klassenreise fahren, streikt die Nord-Ostsee-Bahn (NOB). Die Klassenfahrt droht zu scheitern, bevor sie eigentlich begonnen hat.

+++ 9:01 Der Zug NOB 81748 fällt aus, die Damen und Herren im DB-Servicecenter fühlen sich nicht zuständig.

++ 9:10 Autozüge entladen sich, die Kinder warten in Blauem Dunst. Alternativen: Busreisen?

++ 9:25 Anfrage bei der NOB, wie sie gedenkt die Schulkinder nach Niebüll zu befördern.

++ 9:40 Ein merkwürdiger Tipp aus dem Servicepoint macht die Runde, einen Bus zu chartern und der NOB in Rechnung zu stellen.

++ 9:50 Lehrer entscheiden sich, auf den übernächsten Zug zu warten. Schulklassen Fluten den Bahnhof. So langsam wird’s eng. Informationen Fehlanzeige!

++ 10:30 Lehrer und Kinder sind in der Gemeinde der Altonaer Petri-Kirche untergekommen und organisieren nun Busse für den Fall, dass die Klassen nicht den 11:30 Zug nehmen können. Da das Mittagessen auch nicht planmäßig erreicht werden kann, muss auch hier behelfsmäßig organisiert werden.

++ 11:30 Die beiden Klassen sind vollständig im übernächsten Zug nach Niebüll mitgekommen. Aufgeregt, ein wenig sauer über die Nicht-Kommunikation der NOB und hungrig gehts auf in eine aufregende Woche. Eines der Ziele, die Gemeinschaft der Klasse zu stärken ist schon einmal auf die Probe gestellt, bevor man in der Herberge ankam. ;( ;)