Wenn das Hamburger Abendblatt (mal wieder) nicht kommt

In unserem Haushalt möchte eine Person unbedingt das Abendblatt am Samstag (ich vermute aus nostalgischen Gründen) – seit Monaten verschlechtert sich die Zustellung zusehends- mal kommt es zu spät, liegt draußen im Schneematsch oder kommt gar nicht, so wie heute.

Ich rufe also mal wieder die Hotline an, wo sich eine säxelnde Frau Schmitz meldet und mich fragt, ob der Ottenser Marktplatz in Hamburg liegt. Sie hätten technische Störungen (das sagen sie wirklich jedes Mal) und könnten eine Nachlieferung erst in einer Stunde veranlassen. Ich solle dann nochmal anrufen …*#% WTF?

Ich kann nicht anders, ich muss laut lachen 😂- Frau Schmitz atmet erkennbar verwirrt 🤷‍♀️- als ich wieder zu Atem komme, erkläre ich ihr freundlich, dass ich das für einen Witz halte: “Sie nehmen jetzt bitte einen Stift, notieren sich meinen Namen und geben in einer Stunde selbst den Nachlieferauftrag ins System ein. Oder noch besser, wenn ich jetzt auflege, rufen Sie ihren Vertrieb an und bitten ihn, sich aufs Fahrrad zu schwingen und nachzuliefern.

Frau Schmitz bedankt sich, und ich zweifle, ob sie sich in drei Minuten noch an das Telefonat erinnert. Ich werde es aber so schnell nicht vergessen ;)

ps ich habe mein Abo hilfsweise für den Fall der wiederholten Nichterfüllung gekündigt und widerrufe meinen Bankeinzug.

Das ambivalente Wesen des St. Paulianers – oder “re: Der etwas andere Verein aus Hamburg”

Jolly Rouge auf der Südtribüne
Jolly Rouge auf der Südtribüne

Letztens, als ich unterwegs zu einem Mittagessen mit Frodo war, im Raval, wie gewöhnlich für einen unregelmäßigen Bloggermittach, die Sonne schickte erste warme Strahlen gen Hamburg, traf ich Lutz Wöckener, Sportjournalist und Autor beim Hamburger Abendblatt. Er kam gerade vom Training und hatte mal wieder Hiobsbotschaften dabei. Wir grüßten uns, und hielten uns gegenseitig ein paar Minuten in einem Schnack auf. Thema war natürlich der FCSP.

Ich konnte es mir nicht verkneifen, ihn ein wenig aufzuziehen, wie er denn die Proteste der Sozialromantiker mit dem Wettskandal und den Mannschaftsleistungen verknüpfen könne, oftmals in einem Atemzug.
— heute morgen schlage ich das Hamburger Abendblatt auf und sehe, er hat es wieder getan. Continue reading “Das ambivalente Wesen des St. Paulianers – oder “re: Der etwas andere Verein aus Hamburg””

Die falsche Ultra-Debatte St. Pauli

USP Ultra Sankt Pauli

Gotthilf Fischer wäre begeistert von so einem famosen Chor. Denn die Sänger sind ungeheuer ausdauernd und singen weiter, ganz egal, was passiert. Das Ergebnis ist ein monotoner Singsang, der die Atmosphäre von Fahrstuhlmusik verbreitet.

Irgendjemand im Stadtteil hat dieses Tag der USP durchgestrichen. Vielleicht jemand aus Stellingen, vielleicht aber auch jemand wie Sven Kummereincke, ein St. Pauli Fan und trotzdem Gegner der Ultras. Einer, der sich durch das “dauernde Singen” genervt und durch den durchaus berechtigten Hinweis auf die verhaltene Stimmung während der letzten Heimspiele am Millerntor provoziert fühlt. Continue reading “Die falsche Ultra-Debatte St. Pauli”

Paid Content geht natürlich nur, wenn er einzigartig ist – auch in Hamburg

Stationen Stadtrad Hamburg
Das sind alle Stationen des Stadtrad Hamburg im Überblick.
Quelle: StadtradHamburg.de – kostenfrei

Das hier ist der dazugehörige Artikel im Hamburger Abendblatt:
Paid Content Wall Hamburger Abendblatt
Quelle: abendblatt.de – kostenpflichtig

Hintergrund: Das Hamburger Abendblatt macht seit heute große Teile des Lokalteils online zahlungspflichtig. Interessanterweise nicht oder erst später via Google.

Paid Content: abendblatt.de als Abo – finde ich gut

Hamburg. Es ist aussichtslos, spotten Experten. Es ist selbstmörderisch, argwöhnt die Konkurrenz. Es ist unverschämt, denken die Nutzer. Und doch werden wir es tun: Wir wagen, Werthaltiges im Netz künftig nicht mehr zu verschenken, sondern zu verkaufen.

… so beginnt die Rechfertigung des stv. Chefredakteurs des Hamburger Abendblatts, weshalb nun große Teile des Online-Angebotes ebenfalls nur per Abo, also neudeutsch als paid content angeboten werden sollen. Das Argument Qualitätsjournalismus ist eines, das mich auch nicht überzeugt – und dennoch finde ich den Schritt gut und in Teilen richtig.

Wenn es ein weiter so nicht gibt, die Refinianzierung von Redaktionen und Verleger-Rendite über Werbung online nicht (mehr) funktioniert (wobei man sich man anschauen muss, wer hier die Preise verdirbt ;), dann gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten.

  • 1. Ich muss mein Angebot so wertig machen, dass ich trotzdem zu hohen Preisen Werbung verkaufen kann. Dieses Modell beobachte ich bei Die Zeit online gerade.
  • Oder ich muss 2. es mit paid content probieren, zumindest für die Teile meines Angebotes, von denen ich annehmen kann, dass sie eigenstehenden Nachrichten- oder Informationswert besitzen.
  • In beiden Wegen liegt allerdings ein großes Wagnis. Das Versprechen zu halten, entweder gegenüber der Werbewirtschaft oder den zahlenden Kunden, dass der Wert meiner Postille, die Marktführerschaft des HA in Hamburg bspw. sich nicht aus der Vertriebsmacht des Axel Springer Verlages erklärt, sondern in der Qualität der Inhalte und das Verlangen der Leser für sie eine Wand zu erklimmen. Die Bezahlwand kann hier liebgewonnenen Selbstbetrug zerstören oder zu neuer Kraft im Journalismus beitragen. Ich bin sehr gespannt.

    Disclosure: Ich bin privat Abonnent des Hamburger Abendblatt, beruflich arbeite ich mit einigen seiner Mitarbeiter gerne und gut zusammen.

    HA bloggt, fast

    HA bloggt

    Nicht nur ist die Deutsche Bahn eines der Lieblingsthemen deutscher Blogger, sie ist auch ein gutes Beispiel dafür, wie sich Menschen publizierend mit ihrem bewegten Alltag auseinandersetzen. Dass diese Form sich heute morgen im Hamburger Abendblatt findet, freut mich.

    Es zeigt nicht nur, dass Bloggen dem journalistischen Format der Glosse oder Kolumne sehr ähnlich ist (was ich ja schon länger behaupte), sondern auch in Zeitungen gebloggtes seine Berechtigung hat.

    Könnten nun andere Blogger sich auf diesen Beitrag beziehen, Trackbacks setzen und sich der Autor daran gewöhnen auf Kommentare und Weiterdenkendes an anderer Stelle zu reagieren, durch Kommentare oder weitere Postings zum Thema, dann wäre das der erste gedruckte Blogeintrag, den ich bemerkt hätte.

    Good Luck Ian, en-Joy coming home

    Für viele kommt diese Nachricht überraschend: Verteidiger Ian Joy verlässt den FC St. Pauli in der Winterpause! Joy zieht es aus privaten Gründen zurück in seine Heimat, die USA. Dort wird er zukünftig für Real Salt Lake die Fußballschuhe schnüren.

    … lese ich da gerade im Paulifeed. Komisch, ich war gar nicht überrascht.
    Nach dem engagierten Pokalspiel gegen Leverkusen, in dem er mich wirklich überraschte, fehlte es Ian Joy irgendwie an Durchsetzungsvermögen und Kraft, sich in diese zweite Liga zu spielen. Ich werde das Gefühl nicht los, dass er nicht wirklich Anschluss fand in dieser Paulimannschaft, kann mich aber irren.

    Nachdem das Hamburger Abendblatt diese Woche noch meldete, dass er die Vorbereitung so unglücklich verpasst hat, war so etwas durchaus zu erwarten.

    Komm gut heim Junge, behalte uns in angenehmer Erinnerung. Das tun wir auch.

    Nachtrag: Mensch, bin gerade umgeworfen von seinen Abschiedsworten und dem mächtigen Tattoo da auf dem Rücken. So leidenschaftlich war der mir nie vorgekommen. Sowas.

    Nach Bohlen nur noch homophobe Kalauer

    Stephan Steinlein durfte heute eine Kolumne auf der Startseite dem Titelblatt des Hamburger Abendblattes schreiben. Fürs Thema hat er sich Hundenamen ausgesucht. Auf den ersten Blick eine tolle Idee, basierend auf der Meldung aus England, dass “unsere britischen Freunde ihre vierbeinigen Zeitgenossen”, hier spätestens hätte ich stutzig werden müssen, bei dieser Hilfskonstruktion von Wortbild, nun zu spät, dass also unsere britischen zweibeinigen Freunde, ihre Hunde nicht mehr Bello, sondern Paris und Britney zu nennen pflegen.

    Wie der Mann sich danach aber über die Zeilen quält ist fies. Stephan Steinlein marodiert kalauernd über Angela Merkel zu Dieter Bohlen, immer noch bei den Hunden thematisch angesiedelt und merkt einfach nicht, wie er völlig abschmiert. Vielleicht merkt er es aber auch, hat aber noch zuviele Zeilen übrig. Anders kann ich mir folgende Passage kaum erklären:

    Wir kennen Hunde (das ist der “Goebbelsche Wiederholer”, GK 10te Klasse, er benutzt ihn drei Mal), deren Schwänzchen wedelt, wenn sie sich freuen. Das ist dennoch kein Grund, den kleinen Süßen “klaus, das ist auch gut so” zu rufen.

    Sie haben bestimmt die Kombination “Schwänzchen” und “schwuler Bürgermeister, der immer, ist ja auch gut so sagt” mitbekommen, oder? Bitter, hinter Dieter Bohlen in einem solchen Text genannt zu werden ist bitter. Und ungehörig, nur weil man zu doof ist, einen anständigen Text aus einer lustigen Meldung zu machen. Schäm Dich Stephan!

    blue race 2007 – wenig Blogs und die miefige online-Berichterstattung des HA

    Luv
    Datum: 27.06.2007
    Luv, Skipper Heiko Tornow

    Wenn ich am Wochenende zuhause bin, dann lese ich mit salziger Wonne die Berichte von den Schiffen auf dem Atlantik, die im Rahmen des blue race 2007 über den Atlantik gen Hamburg sich durch Tiefdruckgebiete und klammen Dauerregen kämpfen. Im Moment in der Nähe von Irland, mitten in einem Orkantief.

    Der Nachmittag vor dem Sturm. Gespannte Aufmerksamkeit bei allen, die in Richtung aufziehende Front blicken. Die kommt wie im Bilderbuch von achtern mit hohen Zirruswolken, darunter immer schwärzere Schichten bis ran an den Horizont. Leichter Regen setzt ein. Das Barometer sinkt seit Stunden deutlich, jetzt immer rascher.

    Die Berichte von Bord kommen per E-Mail in die Redaktion des Hamburger Abendblatts, die eine sehr schöne Übersichtsseite in ihrer Wochenendausgabe damit füllt. Umso weniger begreifbar ist die Onlineberichterstattung, die wie in dumpfen Zeiten auf die Printartikel verweist und die Regattaseiten lediglich per PDF anbietet. Dummerweise immer nur die von gestern. Mit online first hat das wenig zu tun. Und das bei einem Thema, bei dem niemand sonst dem Hamburger Abendblatt Konkurrenz machen würde.

    Dummerhaftig, wie da die Chance verpasst wird, Segler und segelbegeisterte Hamburger zu Stammlesern zu machen. Online.

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