Winterpausen-Buch: „Niemand siegt am Millerntor“

niemand siegt am millerntor/Niemand siegt am Millerntor – ja das habe ich hier auch schon oft gesungen. Ich freue mich auf den Start der Rückrunde, wie Bolle – und vertreibe mir die Zeit mit der Lektüre eines Buches, das ein im positiven Sinne Verrückter geschrieben haben muss.

René Martens, „Niemand siegt am Millerntor“ ist ein feines Buch für kalte Tage. Die akribisch zusammengestellten Infos, die jedem Anspruch an ein braun-weißes Quartett genügen sind mit lebendiger Hingabe aufgeschrieben und illustriert. „Winterpausen-Buch: „Niemand siegt am Millerntor““ weiterlesen

Wo sich Aston Villa Fans vor dem Spiel gegen den HSV anwärmen?

… auf dem Kiez!

Aston Villa, Fans, Hamburg, St. PauliZumindest einige von ihnen, die im Fanclub mit dem schönen Namen „Barcelona Lions Club“ organisiert sind.

In dem Fanblog wird dann auch Nachhilfe in der sozialen und politischen Struktur der Hamburger Fußball-Landschaft gegeben – auch der Treffpunkt am Kiez ist gut gewählt, mit viel Magie aufgeladen geht es dann zur Müllverbrennungsanlage.

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St. Pauli Nachrichten

Gratuliere herzlich zum 40jährigen Bestehen. Die Anfänge waren sicher spannender als die Gegenwart, weniger eiseitig Stadtteil-bezogen. Wird mal wieder Zeit die andere Seite St. Pauli’s die sich inzwischen im heimischen Fußballklub manifestiert, mit deinen Wurzeln zu verbinden. Was könnte das für eine schöne Postille werden.

Meist sei von den fabulierten Schlagzeilen diejenige genommen worden, über die in der Redaktionsrunde zuvor am lautesten gelacht wurde, etwa: «Angst und Schrecken über Venlo – Wollte Franz J. Strauß Lufthansa-Jet kapern?» Bald fingen die Leser wegen der örtlichen und inhaltlichen Nähe zum Hamburger Kiez an, Kontaktanzeigen zu schicken, die später unter der Rubrik «Seid nett aufeinander» liefen.

Wohnungssuche beim FC St. Pauli

flat, wohnung, appartmentJedes Mal, wenn die Spieler des magischen FC nach einem Spiel an uns und den anderen Feiernden – oder Trauernden – vorbeiziehen, frage ich mich, ob einer von denen denn auch auf dem Kiez wohnt, oder die nur zu Fuß unterwegs sind, weil sie ihre „spermafarbenen Schlitten“ in der Tiefgarage am Millerntor lieber parken, als am Stadion.

Einen Hinweis darauf liefert nun der FC St. Pauli selbst. Er sucht Wohnungen für seine Neuzugänge. Und zwar in den angesagten Stadtteilen: „2- bis 4-Zimmer-Wohnungen in den Stadtteilen Sternschanze, Eimsbüttel, Rothenbaum und Hoheluft.“

F****, F**** St. Pauli

Endlich mal ein Stadionsponsor der passt. Nu nicht gleich das ganze Stadion wird mit „100% Erotik aus Flensburg“ versorgt, aber immerhin Teile davon.

Wäre doch eine schöne Idee für den viel zu früh verstorbenen Millerntaler: Geltungsbereich ausweiten. Bier für das akute Bedürfnis und die Bumsbroschüre später im Orionshop auf dem Kiez abholen. Für Gästefans nach ihren Niederlagen am Millerntor als „Pauligedeck Erotik“ sozusagen.

update: meine Frau findet f**** zu pubertaer. recht hat sie ;)

Der frühe Tod des Millerntalers

In Flensburg heißt man Thomsen und ist von einer geraden Verbindlichkeit, die den Menschen am obersten Rand Deutschlands so eigen ist. Da weiß man, wann man die Förde zurückrudern muss.

So ist nun auch Peter Thomsen, GF vom Förde Catering der Flensburger Brauerei (viel leckerer als Astra übrigens ;) und oberster Bierschenk am Millerntor in Sachen Biermarken zurückgerudert:

Der servicefreundliche „Millerntaler“ kommt deshalb vorerst nicht. Da die Kritik an der geplanten Einführung des „Millerntalers“ im Stadion des FC St. Pauli, sowie auch Drohungen gegen Mitarbeiter von Förde Show Concept derzeit andauern, hält das Catering-Unternehmen Förde Show Concept zunächst Gespräche mit den Gegnern des Zahlungssystems für erforderlich. …

Dann eben alle beide

Auf den letzten Drücker wollte sich St. Pauli für einen Ersatz für Ian Joy entscheiden.
Da eine Wahl eben auch Qual sein kann, hat man nun beide genommen.

Das Talent aus Berlin und den aufsteigenden Stern aus dem Osten: Willkommen.
Andreas Biermann wechselt vom Oberligisten Tennis Borussia Berlin zu den Hamburgern. Der 27-Jährige Linksfuß kam in der vergangenen Saison bei Union Berlin auf 29 Einsätze in der Regionalliga Nord und erzielte dabei zwei Tore. Der erst 21-jährige Pavlo Ianchuk kommt vom rumänischen Erstligisten FC Arges Pitesti zu den Kiezkickern. Ianchuk stammt aus der Ukraine und durchlief die Jugendschule von Rekordmeister Dynamo Kiew. …

Alle gegen den Millerntaler

Nein, er hat es nicht leicht. Er ist einfach nicht erwünscht. Der Millerntaler, der neue Biergroschen am Millerntor.

Im Blog „The hell of St. Pauli“ wurde ein offener Brief an die Vereinsführung veröffentlicht, dem sich alle wichtigen, und vor allem sehr viele, Fanorganisationen anschließen.

Dieses Vorhaben stößt in weiten Teilen der Fanszene des FC St. Pauli auf großes Unverständnis, da die Einführung dieser Stadionwährung für den Stadionbesucher keinerlei nennenswerte Vorteile hat

Ein Auszug der Unterzeichnenden:
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Millerntaler

Ehrlich, ich verstehe die Aufregung nicht.
Ja, der Millerntaler ist ein Promogag, nahe läge, dass er vom Pokersponsor unseres Vereins, pokerroom.tv unterstützt wird.(ist das eigentlich so?). Wird er aber wohl nicht, sondern vom Caterer aus Flensburg.

Habe die Flyer auch gesehen an diesem schönen Sonnabend am Milerntor.
Und?

Grundregel einer Promoaktion ist, dass sie uninteressierte nicht behindert, interessierte Fans anspricht. Mal witzig, mal unterschwellig, mal in Form von Jetons, die man sammeln und einlösen kann. Ich kann daran nichts Schlimmes entdecken.

Sicher, es muss weiterhin auch mit Euro bezahlbar sein (siehe Regel 1 ;), aber das scheint ja gewährleistet zu sein.
Selbstverständlich könnt ihr auch weiterhin das Bier und die Wurst bzw. das Fischbrötchen an den Verkaufsständen im Millerntor-Stadion in Euro bezahlen.

Update: Genervt sind die Paulianer wohl in erster Linie von der Art der Kommunikation. Bei der anscheinend angedachten Poker-Dauerkarte müsste man das wohl offensiver besprechen, um ins Feld schießende Paranoia abzufangen, und davon haben wir ja ne Menge am Millerntor – übrigens aus schlechter Erfahrung, dass hat zuerst mal nix mit dem Sponsor zu tun.

Update II: Einen Bierboykott halte ich aus zwei Gründen für eine eigenwillig doofe Idee. Erstens ist das gerade der Bereich in dem der Verein am reellsten am Umsatz beteiligt wird, anders als bei den Merchandising-Einnahmen. Zweitens ist ohne Bier das schönste Spiel nur halb so schön.

Weitere Infos:
Basisstpauli Forum
Offizielle FAQ zum Millerntaler

Viva Con Agua: Hilferuf

viva con aqua

Dringende Onlinespende, ein Aufruf:

Der Sommer ist schon lange vorüber, die Erinnerung an Viva Con Agua fängt wohl an zu verblassen. Benny Adrion ist zur Zeit auf Reisen, auf den Spuren seines Engagements, sehen, zuhören, aufnehmen, was noch an Hilfe gebraucht wird. Gestern las ich in der Mopo, dass ihm kangsam die Spenden ausgehen. Weihnachten vorbei, Deutschland mitten in der Winterpause. Jetzt klamm werden ist tragisch:

(Viva Con Agua) hatte er Mitte 2005 gegründet, zunächst 50000 Euro an Spenden gesammelt, damit 153 Kindergärten auf Kuba mit Trinkwasserspendern ausstatten lassen. Danach folgten die ersten Unternehmungen in Afrika. Insgesamt holte er durch Aktionen, für die er Promis wie Fettes Brot, Gentleman oder Sasha begeistern konnte, über 200000 Euro rein.

Jetzt steht der 26-Jährige am Scheideweg. Wenn er in acht Wochen zurückkehrt, fällt eine Entscheidung für oder gegen „Viva con Agua.“ Ein finanzstarker Sponsor muss her! Adrion: „Die fünf Leute, die ständig im Einsatz sind, können das nicht mehr ehrenamtlich betreiben. Sie müssen ihre Wohnungen finanzieren und sich ein Brot kaufen können.“

Das gilt auch für ihn selbst: „Mein Konto ist langsam leer.“ Denn den Fußballer Adrion gibt’s momentan nicht mehr. Leider.

Vorweihnacht auf dem Kiez

Ich gehe eben dem Hamburger Berg längs, als mir eine schlagende Verbindung entgegen kommt.
Ein Betrunkener prügelt auf einen anderen Betrunkenen ein. Hat ihn hinten an der Jacke gepackt und zieht ihn halb nach vorn, halb nach unten. Fies, da kommt man nicht raus, zumindest nicht betrunken. Die Bewegungen des Knies, des einen Betrunkenen, der seines ins Gesicht des nach vorne übergebeugten Betrunkenen stösst, sind langsam, fast zeitlupisch. Ich vermute aber, sie tun doch sehr weh, denn der vornübergebeugte Betrunkene fällt hin, krümmt sich, in Erwartung dessen, was dann immer kommt. Noch mehr Tritte.

Das wiederum sieht aber ein dritter, ebenfalls vollkommen Betrunkener, der mich seit meinem Aufbruch aus der „Barbarabar“ (toller Name, den müsst ihr mal geschrieben sehen) begleitet. Der, ganz Gentleman, greift ein. Torkelnd, aber energisch. Der Schläger lässt auch ab, ob wegen des dritten Betrunkenen, oder wegen der betrunkenen Frau, die sich nu auch noch einmischt, weiß ich nicht. Auf jeden Fall helfen sie dem zusammengeschlagenen Betrunkenen auf die Beine.

Der sieht nicht gut aus, hat aber noch mehr Energie, als ich erwartet habe und sucht nun seinen Peiniger. Er dreht sich um und sein glasiger Blick landet auf dem Betrunkenen, der ihm eben aufgeholfen hat. Er geht schreiend auf den los und tritt auf seinen Helfer ein. Sein total betrunkener Peiniger steht wirr daneben und starrt leer in die Gegend. Er wankt ein wenig.

Ich verlasse schnell diese Szene und merke, ich sehne mich nicht nach dem Hamburger Berg: auf Dir hat sich nix verändert in den letzten 15 Jahren.

„Halt mal kurz“ – Karl Heinz Schwensen

Ich habe lange Erinnerungen an N … äh Karl Heinz „Kalle“ Schwensen. Tja, so lange ist das jetzt her.

Es war Ende der 80er Jahre. Auf dem Kiez herrschten noch deutsche Luden, die GmbH, die Nutella-Bande und Stefan Hentschel. Kalle Schwensen hatte einen Klub, das „Top 10“, in dem sich alle trafen. An einer Extrabar, rechts hinter dem Eingang. Da saßen die Wirtschafter und Huren und hielten Hof.

KHS stand immer mal wieder alleine an seiner Tür, die Sonnebrille auf der Nase. Gefährlich wurde das erst, wenn er seine Brille abnahm. In dem kleinen und engen Gang vor dem Klub gabs dann auch mehr als eine gebrochene Nase. Einmal stand ich dumm im Weg und wurde zum Brillenhalter auserkoren. Nach 2 Minuten war alles vorbei – als Lohn bekam ich eine Klubkarte, die heute noch sich unter den Dingen befindet, die ich aus meinem Vorleben vor meiner Frau verberge.

Endgültig Heldenstatus bei uns 18-Jährigen erhielt der Kerl, als er angeschossen auf der Bahre das Victoryzeichen seinen Möchtegernmördern medial entgegen schleuderte. Alle, aber auch alle weiteren Auftritte in der Boulevardlandschaft sind schadlos an diesem Mythos vorbei gegangen. Nahezu.

Es sind also wirklich die kleinsten Probleme, die der MC da hat, wenn er nur von seinem Anwalt hört. Er sollte sich freuen, nicht von Kalle’s Freunden besucht worden zu sein. Also, halb so schlimm, nur das so schön verspaakte Bild, des St. Pauli-Heroen, das will nicht mehr sein. Ist zerfallen, abgemahnt für immer.

☠ St. Pauli’s Boxer-König – Der Kiez trauert um Stefan Hentschel


Stefan Hentschel, netz-berühmt durch seine Szene aus der Dokumentation „DER BOXERPRINZ“ (WDR) ist tot. Der Kiez gedenkt einem seiner letzten echten Luden.

In diesen Tagen wird immer wieder dickutiert, was denn der „Penner“ im Video gesagt hat, das eine solch strafende Reaktion des Boxers Stefan Hentschel hervorrief.

Video
* bei eins.de

Literatur
* Ariane Barth: Im Rotlicht. Das explosive Leben des Stefan Hentschel. Ullstein, Berlin 2005, ISBN 3-548-36769-0
* Ariane Barth: Die Reeperbahn. Der Kampf um Hamburgs sündige Meile. Hoffmann und Campe 1999, ISBN 3-455-15028-4
* Julia Jüttner: Die letzte Party des Bordellkönigs. In: Der Spiegel. 28. Dezember 2006
* Julia Jüttner: Das irre Leben des Paten von St. Pauli. In: Der Spiegel. 28. Dezember 2006
* Julia Jüttner: Milieu-Studie Der Kiez und Hentschels Selbstmord. In: Der Spiegel. 15. Juni 2007

Film
* Gerd Kroske: Der Boxprinz. Realistfilm, 2000
* dctp: Tod eines Zuhälters – das exzessive Leben einer Hamburger Kiezlegende. VOX, 2007
* Spiegel TV: „Ich bin ein göttlicher Zuhälter“ – Leben und Sterben einer Kiezlegende. VOX, 2008

(An dieser Stelle sollte sich eigentlich der youtube clip befinden, der Hentschels berühmte Szene auf der Großen Freiheit zeigt. Nach einem Hinweis, „dass der Rechteinhaber das Netz durchforstet, um Rechtsverletzungen anzumahnen“ – vielen Dank Matt für die Mühe – habe ich den Clip hier entfernt)

– wäre doch aber mal interessant zu erfahren, ob dieser Ausschnitt nicht längst den Charakter eines allgemeinen Kulturguts erhalten hat, das -hier zitiert- gar keine wesentlichen Urheberrechte verletzt, wenn die Quelle genannt wird?

„German engineering in da haus, jah“

unpimpmyride.jpg

„Unpimp your ride“ hölzert der eigentlich schwedische aber auf klischeedeutsch getrimmte Schauspieler Peter Stormare den ahnungslosen US-GTI-Motzern in VW’s neuestem Werbeclip entgegen. Vor den Augen der GTI-Tuner und mit Hilfe der strengen blonden Helga (angeblich inspiriert durch den B-Movie Charakter „Helga, the she-wolf of the SS“ ;)werden die Proll-GTI „unpimped“, mit roher teutonischer Gewalt.

Das lernt uns zweierlei: Man kann in den USA mit Eigenkarikatur Boden und Dollars gut machen – und – „candy white“ ist die neue Lackfarbe!

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