Schilleroper

Schilleroper

Gegenüber der verfallenen Schilleroper liegt das Betahaus, ein Co-working Space, wo prekäre digitale Lebensentwürfe ihre Freizeit, die ja prekär, also immer zweigerichtet dem Lebensunterhalt und dem Spaß gleichzeitig gelten, wo Grenzen verschwimmen, die noch klar schienen, als die Schilleroper noch Kulturzentrum war.

Ich fand die schon immer toll, so voll Charme und doch morbide und sterblich, alles was ich dort erlebte an Theater und Party, auch nie klar abzugrenzen und immer weit vorne, solange es in der Tradition des welken Gebäudes sich inszenierte. Zuhause war der Zauber weg, so wie home office auf Dauer kaputt macht.

Ich bin ehrlich weit weg von der Dskussion, was denn hieraus werden soll, ausser einer verfallenen Drückerheimat – weiss das einer jener, die uns lesen?

St. Pauli Nerds oder Kultur vs Kommerz

Heute gegen 13:20 Uhr gingen drei Nerds zusammen Mittagessen. Der eine philosophischer Politiknerd, der andere popkulturell interessierter Fußballhistorien-Nerd, der Dritte segelnder Blognerd – und alle drei St. Pauli Nerds, die den FC St. Pauli als Kultur- und Lebenssinn-stiftende Umwelt begreifen, in der bspw Dialoge und Diskurse geführt werden können, abseits realpolitischer oder juristischer Formatierungen. Das Millerntor ist nicht die BRD, da sind wir uns wohl alle einig. Uns gibt es tausendfach, und trotzdem werden wir mißverstanden von Apparatchicks und Juristen, und das ist die eigentliche Natur der sozialromantischen Intervention, der sich Stenger, Meeske und Konsorten gegenüber sehen – und die sie nicht zu greifen wissen.

Die intensive Diskussion hat uns verdeutlicht, dass der aktuelle Konflikt zwischen Vereinsführung und Fans sich nicht an einzelnen Sachfragen festmachen lässt, sondern sich auf einer anderen Ebene bewegt: Für Teile der Vereinsführung ist der FC St. Pauli ein Wirtschaftsunternehmen, eine „Marke“ und ein Hobby. Für viele Fans im Stadion ist der Verein jedoch weit mehr als dies: nämlich ein Stück ihres Lebens und ihres Lebensinhaltes und somit keine rationale, sondern eine Herzensangelegenheit. … schreibt dazu der Ständige Fanausschuss /via Übersteiger/ – und liefert gleich das Argument, weswegen der Jolly Rouge nicht verschwinden darf – er bleibt, solange er da ist, entsteht Kultur am Millerntor.

Pasta Schuta

Meine Mutter hat das immer gemacht und es wahr himmlisch, eines unserer Familien-Lieblingsessen für immer mal (anders als Grünkohl, der war ja aufwendiger und jahreszeitlich festgelegter). Ich habe lange Zeit geglaubt, dass meine Mutter sich diesen Namen ausgedacht hat, damit wir nicht immer so oft schnöde Pasta Bolognese essen. Später lernte ich das Wort “pasta asciutta” kennen und nahm an, dass sie das Wort “Pasta Schuta” daher hat. Vielleicht als eine Art somalischer Pastavariante, daher, aus Mogadischu, hatte sie das Originalrezept nämlich.

Nun, ich habe mich wohl geirrt. Lecker war es trotzdem.

Vuvuzela – Lärmen tun nur die weißen Event-Fans

Hahaa, das möchte ich ja fast unbesehen glauben, dass die Event- und Modefans des WM-Zirkus sich die Vuvuzela nur als hippe Folklore umhängen und hineintröten, ohne über den eigentlichen Gebrauch im Sinne einer südafrikanischen Fußball-Kultur auch nur eine Minute nachzudenken.

Ein globaler Vorgeschmack auf die Heimspiele am Millerntor nächste Saison? “Olee, olleee, olleee Ollee, meine Perle, Sankt Pauliiiiii!!!” ;( Continue reading “Vuvuzela – Lärmen tun nur die weißen Event-Fans”

Hellblaues Verlernen

BoneyM to Venus - Plattencover

“Anything that is in the world when you’re born is normal and ordinary and is just a natural part of the way the world works. Anything that’s invented between when you’re fifteen and thirty-five is new and exciting and revolutionary and you can probably get a career in it.

Anything invented after you’re thirty-five is against the natural order of things.”
Douglas Adams

“Wer darauf besteht, zeitlebens an der in jungen Jahren gebildeten Vorstellung von der Welt festzuhalten, entwickelt das geistige Äquivalent zu einer Drüberkämmer-Frisur: Was für einen selbst noch fast genau wie früher aussieht, sind für die Umstehenden drei über die Glatze gelegte Haare.”
Internetkolumne von Kathrin Passig, ebenda

Astra und St. Pauli das war einmal …

Astra Brauerei St. Pauli - tote Hülle»Findet ihr Astra eigentlich wirklich lecker oder gehört es einfach dazu?«, fragt mich Sebastian als abschließende Frage zu unserem Vorspiel-Interview FC St. Pauli – Union Berlin.

Nein und Nein, wäre die kurze Antwort.

Die etwas längere: Spätestens seit dem Wegzug der Brauerei aus St. Pauli ist Astra nichts weiter als eine Biermarke. Durch nichts mehr, als den Vermarktungsvertrag mit dem magischen FC verbunden. Käme morgen ein Flensbuger Pilsener, ich würde jubeln. Astra schmeckt mir nämlich noch nicht einmal. Ich halte Astra für Fusel. Irgendwo in der persönlichen Rangliste knapp vor Aldis Hansa-Pils, wenn das noch jemand kennt – aber hinter Karlsquell. ;(

Eigentlich ist dieser dumme Hype um das Bier auch ein Warnsignal. Wenn ich in München oder Berlin in Kneipen bin, die dem Lebensgefühl des FC St. Pauli nahestehen, sehe ich viele Astra-Trinker. Das ist das einerseits entferntes Dabeisein, gut, aber auch eine Virtualität und Fetisch-sauferei, die mit meinem St. Pauli nicht mehr viel zu tun hat. Genausowenig wie die Carlsberg-Marke Astra mit dem Stadtteil. Im Gegenteil, Astra ist für mich Symbol der Gentrifizierung St. Paulis Continue reading “Astra und St. Pauli das war einmal …”

St. Pauli, der Totenkopf sein modischer Zeitgeist

st-pauli-nike-totenkopf-sneaker2.) Einerseits sieht man eure Fanartikel bundesweit, Sachen von St. Pauli gelten als Street Wear chic, und man kann sie auch bundesweit kaufen. Andererseits gibt es mit dem selbstverwalteten Fanladen und Fanprojekten noch immer eine linke Kultur. Wie nimmt man als Fan diese Diskrepanz wahr und lebt mit ihr?

Gibt es einen Weg, sich der Kommerzialisierung zu öffnen und damit die Perspektiven des Klubs zu erweitern und gleichzeitig die Klubidentität zu wahren?

… fragte Sebastian mich via E-Mail in unserem Vorspiel-Interview zum Klassiker der Kulterben FC St. Pauli vs Union Berlin.

Im Grunde genommen ist es alles eine Frage der Balance. St. Pauli verkauft sich so gut, weil es ein Image hat, das sich beänsgtigend nahtlos in den Zeitgeist einzufügen scheint. Piraten, Freibeuterei und Totenkopf-Motive finden sich derzeit ja auch bei Ed Hardy und echten Designern. Das aber als Grund für die guten Geschäfte mit der Marke St. Pauli auszumachen, wäre zu kurz gedacht. Und gefährlich. Continue reading “St. Pauli, der Totenkopf sein modischer Zeitgeist”

Schirrmacher die schweigende Zitrone

Es war eine gelbe Zitrone,
Die lag unter einer Kanone,
Und deshalb bildete sie sich ein,
Eine Kanonenkugel zu sein.
Der Kanonier im ersten Glied,
bemerkte aber den Unterschied.

/Ring2lnatz

»Wenn ich das Reden verweigere, kann ich kaum der Sprache zum Vorwurf machen, dass niemand meine Gedanken zur Kenntnis nimmt.«
… und:
»Das ist der kurze Abschied vom langen Weg durch die Instanzen: Agenda-Setting ohne Lobbyarbeit, ohne Parteistrukturen und weitgehend ohne die Macht der etablierten Medien. Da kann man schon mal ein wenig überfordert sein, nicht wahr Herr Schirrmacher?«
… das sind meine Zitate der Woche.

Franzbrötchen Export

Franzbrötchen NahaufnahmeKathrin hat Franzbrötchen nun auch in Berlin entdeckt, schreibt sie erstaunt bei facebook. So lecker, wie die von Allwörden (Foto, Filiale Altona) sollen sie nicht sein, dokumentieren aber den unaufhaltsamen Siegeszug Hamburger Speisekultur.

Nach dem Galao ist das Franzbrötchen ja die regionale Spezialität der Hansestadt – da kann dann einem auch der ewige Neid der Berliner über die Hamburger Currywurst egal sein.

Und Labskaus hat sein internationales Verbreitungspotenzial eingebüßt, seit der Erfindung von Kühlschränken für Seeschiffe.

Extrabreit als Garausmacher der NDW?

Heute Abend startet arte eine Reihe über die 80er Jahre:
„Welcome To The Eighties“, Arte, 11. August, 22 Uhr 55. Fortsetzung 18. und 25. 8.

Der Tagesspiegel dazu:

In Deutschland dagegen regieren die Neubauten und D.A.F, später die Neue Deutsche Welle, die sich bald mit Witzbands wie Hubert Kah oder Extrabreit selbst den Garaus macht.

… bin ich der Einzige, der das für Kai und Konsorten nicht so sehen will? Lustig, dass dieses Jahrzehnt erst im Kontrast zu den biederen 90ern und den modrig-stillen 00ern so spannend erscheint.

Treets Schokoklicker und das Verstopfen

treets-schokoklickerMein mittelaltes Herz erfreuen ja diese Flashbacks ungemein, wenn im Fernsehen und allen umliegenden Medien nu bspw. das Leben eines Michael Jackson gefeiert wird.

Das macht so ein schön wehmütiges warmes Gefühl in der Herzgegend.

Habe mir in den 90ern immer den Spaß gemacht in den Kinos Treets Schokoklicker zum Popcorn zu bestellen, nur um das fragende Gesicht der Schüleraushilfe genießen zu können. Das geht jetzt nicht mehr, denn Treets ist zurück. Verstopft mit seinem Revival die Regale – unfähig etwas neues zu erleben dreht sich diese morbide Gesellschaft im Kreis. Momo hat schon recht, es ist Zeit, dass sich in Deutschland etwas neues entwickelt und den Mainstream dahinfegt, eben weil uns graubärtigen Spackos um die 40 nix weiter einfällt, als immer wieder uns selbst und unsere Jugend zu zitieren.

Das nächste Treets hat übrigens türkische Wurzeln.

Poladroid: Polaroid yourself

heimsieg-pola

Etwas analogeres als Polaroid-Fotos gibt es nicht. Lomos vielleicht noch.
Deswegen vielleicht strahlen diese nicht-digitalisierbaren Formen von Alltagskultur soviel Melancholie und Kindheit aus, wie alte Vinylplatten und Super-8-Kameras.

Ich kann mich noch an die Mode erinnern, Ende der 90er in Internetmagazinen diesen Pola-Look künstlich nachzuahmen. Nun feiert dieser Look ein weiteres Revival. Nicht mehr lange, dann gibt es die Polaroid, die neben dem fragilen Sofortbild eine Kopie an flickr schickt, via Twitter an die gesamte Gefolgschaft.

Bis dahin bleibe ich mit Nico Fan verschiedener Fußball-Klubs, aber kindisch genug, mich über den Poladroid zu freuen.
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Magisches Hoffenheim

1899 Hoffenheim Tradition Indianer Häuptling, flickr cc-lizenz

Das Experiment “TSG 1899 Hoffenheim” ist ja ein ganz besonderes. Der Herkuleskampf von Fußball-Tradition gegen Kohle wird da gerne und oft stilisiert. Vor allem von denen, die ihre Seele vor Jahren schon durch Ausgründung der Profiabteilung in eine Aktiengesellschaft zur Disposition gestellt haben. Fußballvereine, in denen die Region (sic!) oder die Stadt hineinwirken und aus den Vereinen wieder zurück. Das gibt es kaum noch – strukturell gesund, meine ich.
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duplicate content, der Berliner Kurier, ein Mantel für die Mopo und wieso denn kein SEO für Print?

Morgenpost, Berliner Kurier

Als ich Mitte 2003 begann in Berlin zu arbeiten und ich jeden Tag den Berliner Kurier lesen konnte, viel mir als Hamburger sofort die Verwandtschaft zur Hamburger Mopo auf. Nicht nur war das Format ähnlich, auch die sanfte Selbstironie, die durch das Blatt und die Texte fließt, war mir vertraut. Ich mochte den Kurier sofort, seine konsequente Ost-Sicht genauso, wie das Überdrehen der Bush-o-phobie bei seinem erneuten Wahlsieg. Allein der Berliner Kurier hat weniger studentische Leser, als die traditionell im Uni-Milieu verbreitete Mopo. Ein Potenzial, das sich aber auch in Berlin durchaus heben lassen könnte – das nur nebenbei. Auch der bedingungslose Regionalbezug ist bei beiden Boulevard-Blättern ähnlich. In Hamburg noch wichtiger, will man von jemand anderem, als von Springers Erben informiert werden.

Heute, wie schon immer, in Hamburg wie in Berlin ist der Sport in der Stadt eigentlich das Wichtigste, die Kulturkalender, der Stadtteiltratsch über lokale B-Promis. Große Kultur findet man weniger in beiden, genauso, wie internationalen Gossip. Den dann meist kommentiert, denn recherchiert.

So ist es nur konsequent, wenn beide Boulevardblätter in Mantelthemen, wie dem internationalen Panorama kooperieren. Der kommt bei der Mopo aus Berlin und führte an der Griegstraße zu Unmut. Zu Unrecht, denn Konkurrenz droht der Mopo lokal. Dem Hamburger Abendblatt mit seiner immer besser werdenden Berichterstattung über den magischen FC beispielsweise, kann man nur durch konsequente Lokalberichterstattung sich vom Leibe halten. Von der BILD ganz zu schweigen.

Wirkt dann doch aber komisch, wenn man beide Mäntel dann nebeneinander liegen hat.
Als Randbemerkung: Aus SEO-Sicht auch bemerkenswert, dass sich der Artikel nur auf dem Angebot von BerlinOnline findet. Die Mopo kriegt wohl nur den duplicate content ;(

disclaimer: der Autor hat BerlinOnline von 2003 bis 2007 beraten.

Solidarität, Anstand, Selbstverständlichkeit

Komisch, es gibt Tage, da liest man alles das, was an anderen Tagen nicht viel gemein hat, anders, in einer Art innerem Zusammenhang. Worte, Begriffe, die sich immer wiederholen, das Unmittelbare verknüpfen im Kopf.

Schön ist aus meiner Sicht, dass Erwachsenwerden vermutlich der Moment ist, wo die Bedeutung dieser Subkulturen und Zugehörigkeiten schrumpft und man lernt, die Welt komplexer und individueller wahrzunehmen. … lese ich bei den bissigen Liberalen. Und verneine.

Komplexer, ja, vielleicht, weil ich inzwischen hinter so manche Kulisse geschaut habe. Einige Drähte zu ihren Puppenspielern verfolgt, aber allzu viele Fäden gesehen habe, denen ich nicht so tief hinab folgen konnte. Individueller? Kommt sie mir vor die Welt, ja. Bin mehr allein. Hängt vielleicht mit dem Alter zusammen, oder mit einer Welt, die solange schon sich selbst bedroht, dass keiner mehr hinhört. Mit “Erwachsen werden” hat das wenig zu tun.

Im Gegenteil, ich empfinde “individueller zu sein” als pubertär. Wichtig, denn erst wenn ich mich selbst begreife, kann ich mich auch wieder in Ruhe umsehen, mich anschliessen.

Wenn ich meinen alten Freund Gavin treffe, der inzwischen in den USA lebt und gestern Geburtstag hatte – herzlichsten übrigens – dann sind seit dem letzten Treffen meist einige Jahre vergangen. Wir gehen dann nach einer kurzen “was hat sich denn inzwischen getan”-Phase in den stillen Teil unserer Konversation über. Reden wenig, geniessen die Zeit, die man nebeneinander verbringt. Selbstverständlich, auf Basis einer zugegeben erprobten Gemeinsamkeit, aufgrund erlebter Solidarität.

Dann lese ich einen Text von Axel Vornbäumen im Tagesspiegel, dem man ruhig vorwerfen kann, dass er sich bei der Überschrift hat hinreissen lassen – “Kein Herz für Inder” hat nämlich mit den Aussagen in seinem Text wenig zu tun. Konträr sogar, reduziert er die Thematik doch gut auf die wichtige Kernfrage: “Was wäre anständig gewesen?”

Ich bin es ebenfalls leid über Selbstverständlichkeiten, wie Anstand noch zu diskutieren. Ich suche Menschen auf, die Anstand mitbringen. Da spielt es keine Rolle, ob das Inder, Sachsen oder Volksmusikanten wären. Das nenne ich erwachsen werden, die Erkenntnis “zusammen weniger allein zu sein”.

Diese Selbstverständlichkeit übrigens, die finde ich Sonnabends für ein paar Stunden am Millerntor. Immer wieder, ohne dass man das groß sagen, einfordern oder in Prozesse gießen müsste.

Es gibt drei Dinge, die sich nicht vereinen lassen:
Intelligenz, Anständigkeit und Nationalsozialismus.
Man kann intelligent und Nazi sein. Dann ist man nicht anständig.
Man kann anständig und Nazi sein. Dann ist man nicht intelligent.
Und man kann anständig und intelligent sein. Dann ist man kein Nazi.
Gerhard Bronner (3)
23.10.1922 –
österreichischer Komponist, Musiker und Kabarettist

lieblnk (4) – Jugenderinnerungen

“Wie fändet ihr das, wenn ich mir eine Tellerlippe stehen lasse?”
Mit Daumen und Zeigefinger zog er die Unterlippe runter, bis aufs Grübchen.
“Zu spät”, meinte Karlos, “da musst du schon als Kind mit anfangen.”

… sind ja mächtig Mode dieser Tage. Kommt wohl daher, dass viele Autoren, die ich kenne und lese, eben die magische “Ende 30”-Nummer in sich herumschieben. Oder weil seit Mitte der 90er nichts Weg weisendes mehr passiert ist. Oder weil mir meine mittelalterliche Wahrnehmung das vorgaukelt.

Sei, wie es sei, ich habe mich heute Morgen über eine Blogperle der besonderen Art gefreut.

“Eigentlich eine schöne Idee, das mal themenbezogen zu machen, eine Art Lieblnk-Carneval”, muss ich mal mit Rob drüber sinnieren …

Schwallerei

“ich merke grad, wie schwer es mir fällt, sowas zu diskutieren. den ganzen sprachstuss kann ich nicht mehr ertragen: Ausländer, Ausländer, Ausländer
Schwule
rosarote Brille
National-Sozialismus
nationaler Sozialismus
Ausländer, Ausländer, Ausländer
linke Gutmenschen
Opferdiskurs
Ausländer
Neosozialisten
ethnisch-kulturell- religiöse Korrelationen
Ausländerprobleme
Judenfrage
Emigrant
Immigrant
Asylant
undsoweiter”

… danke T. Albert! – das ist fast Kunst, wenn es nicht so ernst wäre.

Der Spanier an sich mag ja keine Tiere,

… es sei denn man kann sie essen, pökeln oder quälen.

Soweit eines der gefährlichen , pseudo-gutmenschlichen Vorurteile, die man in Deutschland so gerne pflegt. In einem Land in dem es immer wieder große Aufregung darüber gibt, wenn jemand Autos zerkratzt oder Tiere aussetzt, macht die spanische Sicht auf fühlende Geschöpfe fassungslos. Meist ist es dann aber der vermeintliche Tierfreund, der zur Katasrophe auch noch maßgeblich beiträgt.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie wir zu unserem ersten Hund kamen, mein Bruder und ich.

Erstens durch Gequengel und durch das Ausmalen von Bedrohungen für das kleine Geschöpf – vor allem unseren Eltern gegenüber. Und wirklich wäre der kleine Hund, einer von achten eines wilden Wurfes, am nächsten Tag ertränkt worden. Wir lebten in einer Bar im damals verschnarchten Ses Covettes auf Mallorca, auf Urlaub bei Freunden. Am Strand streunerten viele halbwilde Hunde herum, die in der entbehrungsreichen kurzen Zeit ihres Lebens genau zu unterscheiden lernten, wen es lohnte anzuschlecken und anzuwinseln: deutsche Touristen. Sie sahen verzottelt aus diese wilden Mischlinge und niedlich trotteten sie hinter dir her.

Wir beschlossen eines dieser Welpen mitzunehmen nach Deutschland. Hier gibt es das nicht, das Problem von streunenden Hunden, die ja noch da sind, wenn der Urlaub dann mal zuende geht, es Winter wird.

Tier.TV hat sich des Themas angenommen und eine Reportage darüber gedreht, wie es auf Mallorca zugeht. Ob das so reisserisch hätte angetrailert werden müssen, ob die Perspektive nicht allzu eindimensional ist, kann und muss man diskutieren. Genauso, wie die kulturelle Sicht auf den Umgang mit Tieren und den Respekt davor.

Blogger: alles Drecks-Schweine

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Ich habe es immer noch nicht mitbekommen: warum macht es inhaltlich einen Unterschied, ob man „Journalisten sind zynische Dreckschweine” sagt, oder „alle Journalisten sind zynische Dreckschweine”?

Diskutiert hier irgendjemand über Anstand, Höflichkeit oder einfach die Grenze dessen, was sich öffentlich gehört?

Ist diese Debatte Beleg dafür, dass die Bedrohung unserer Kultur nicht aus dem Iran, sondern geradewegs aus Bayern kommt? Hat hier irgendjemand auch nur eine Prise Humor erübrigen können? Oder werden wir Zeuge einer kleingesitigen Keilerei zweier mittel-alternder Männer?

… und was haben eigentlich Anwälte des Mediamarktes und abmahnende mit Juristerei drohende Blogger gemeinsam?

Inhalt war “Ficken!”

Ich lese gerade das SpOn-Protokoll zu Henryk M. Broders Rede bei der Verleihung des Ludwig-Börne-Preis. Wer so etwas liest, hat besser immer auch Wikipedia offen, für die vielen Fremdworte, die in solchen Dankesbekundungen oft verwendet werden.
Bei Broder, und das ist vielleicht sein größtes Verdienst in seinen Texten, wie in seinen Anfeindungen, brauchte ich Wikipedia nur ein einziges Mal: für das Wort “Äquidistanz”.

Achtung: Du erstellst eine Seite, die bereits früher gelöscht wurde.
… Begründung für die vorhergehende Löschung:
17:59, 21. Sep. 2006 Xocolatl (Diskussion | Beiträge) hat „Äquidistanz (Soziologie)“ gelöscht (Inhalt war: ‘Ficken!’ (einziger Bearbeiter: ‘Benutzer:84.135.203.37’)

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zu wenig

“Der neue Pfanni Kartoffelsnack. Mit natürlichem Geschmack”

… höre ich eben in der Werbung.

Nö. Nur der Geschmack natürlich, das reicht mir nicht. Das kriegen Danone und ihre Bakterienkulturen ja schon seit den 80ern mit Erdbeeren hin. Wird zumindest behauptet.

Die angegebene Geschmacksrichtung muss dabei nicht unbedingt auf die tatsächlich verwendeten Früchte bzw. Fruchtrückstände hinweisen. Meist werden in billigen Fruchtjoghurts “Fruchtstücke” mittels Gelierung oder enzymatischer Vernetzung aus unterschiedlichen Säften unter Beigabe von Aromen erzeugt.

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Der Mantel des Propheten

Es war kein Witz, den ich da las, am Ende des ausgehenden Jahrtausends, das uns auch die unselige “Millenium Angst” gebracht hatte: George Lucas war in Neuseeland als Religionsstifter anerkannt worden.

Fast zehn Jahre später wird jetzt die Relique eines seiner Propheten in London versteigert. Der braunfarbige wollende Umhang des alten Obi Wan Kenobi, getragen und mit Würde aufgeladen von Sir Alec Guinness.

Mindestgebot 90.000 EUR. Ein Trinkgeld.

Genau dieser Umhang wird nun zusammen mit 361 Kostümen aus internationalen Film- und Fernsehproduktionen im Londoner Auktionshaus Bonham versteigert. Für „Star Wars“-Fans wird es nicht billig – rund 90.000 Euro sind als Startpreis für die Kutte festgesetzt.

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Rosenmontagszeit = Flirt-Zeit

Rosenmontagszeit = Flirt-Zeit
von Dr_Marcus_Damm (erschienen im EliteBlog)

Man kann ja von Fasching (Karneval) halten, was man will. Aber eins steht fest: Die meisten Karnevalisten sind gute Flirt-Partner. Denn das kollektive Fröhlich-Sein wird ja gesellschaftlich und kulturell ans Herz gelegt. Millionen Menschen folgen diesem Aufruf zum Ausbruch aus dem Alltag.

Noch bis mindestens Aschermittwoch können Flirtambitionierte aus dem Vollen schöpfen, sprich die mannigfaltigen Möglichkeiten zum anregenden Smalltalk mit dem anderen Geschlecht nutzen, etwa bei Partys oder Umzügen.

Hier einige Tipps:

1. Das eigene Kostüm muss gut ausgewählt sein. Ich verzichte stets auf Verkleidungen, die mein geschlechtsspezifisches Erscheinungsbild zunichte machen würden. Denn: Wer Eindruck auf das andere Geschlecht machen will, darf das eigene durch das Kostüm betonen oder “ausschmücken”. Es ist wissenschaftlich bestätigt, dass die meisten “typischen” Männer und Frauen den stärksten Eindruck hinterlassen.

weiterlesen -> (Ich bin immer wieder erfreut, wenn ich Marcus Texte lese und merke, dass das gemeinsame Projekt immer noch lebt ;)

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SZ: Tonspur gekreuzt

Lustig, bei diesem Interview der SZ mit Sylvester Stallone zum neuen Rocky Film, werden auf Seite zwei die Rollen getauscht. Stallone fragt und SZ antwortet:

SZ: Heute? Ja! Verwirrte Kids – und eine komplett fallengelassene Generation von Alten. Explosiv. Die Familien in Amerika, in der Mittel- und Unterschicht, sie verwahrlosen. Emotional!

Stallone: Ein großes Thema. Ganz Deutschland diskutiert darüber.


SZ:
Da macht ihr ’was richtig. In Amerika diskutieren wir auch darüber. Aber wie? Viele Fundamentalisten. Die haben eigene Interessen, verstehen Sie?

Später stimmts dann wieder, wird aber noch lustiger:

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Vergoldet Borat den Erfolg?

Der zweitbeste Journalist Kasachstans mit steigendem Goldkurs:
Bei den 64. Golden Globe Awards ist der Film BORAT in der Kategorie Beste Komödie oder Musical nominiert.
Auch Sacha Baron Cohen wurde für seine Darstellung des penetranten Reporters, der durch Amerika reist, um eine “kulturelle Lernung” durchzuführen, als Bester Darsteller in einer Komödie oder Musical nominiert.

Die große Preisverleihung findet am Montag, den 15. Januar statt. Ob der Star einreisen darf stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.

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Der zweite Link

Herr Lumma weiss immer nicht so recht, was dieses Blog und sein Autor eigentlich will. Ehrlich gesagt, das geht mir auch öfter so – und anderen auch. Ist aber nicht schlimm, eher eigenwillig.

Immerhin, es gibt noch weitere Sites, die nicht so recht was mit sich anzufangen wissen. Oder versteht das hier jemand?

Die hochwertigen Inhalte (u.a. von der dpa geliefert) dienen der Selbstselektion einer dem Anspruch des Portals entsprechenden Zielgruppe: die Innovationselite der „first mover“, die stets bestens über relevante Trends informiert sein wollen. Dazu tritt noch die stilbildende Funktion und Evaluierung von Trends und Produkten, was dem User Zeit und Transaktionskosten sparen hilft.

Die angestrebte Userselektion bzw. Userkanalisierung erfolgt durch tagesaktuelle News zu innovativen Themen aus den Bereichen Auto, Kunst, Design, Fashion, Consumer Electronics, etc. Diese Inhalte sind Spiegel einer horizontalen, sich ergänzenden – stark markenbasierenden – Bedürfnisstruktur .

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2-Komponenten Sprengstoff

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Wohin man kommt in diesen Tagen, überall nur das eine Thema: Die mißglückten Sprengstoff-Attentate und der Libanon.

Für Beirut gut, endlich ernsthaft wieder diskutiert zu werden. Hoffentlich bewegt sich da langfristig etwas mit bei den Strippenziehern in Syrien, denen nebenbei schon die Muffen gehen, ob des UNO-Mandates an ihrer Grenze. Wohl zu recht.

Ich habe das Thema in den letzten Tagen in der Bahn, zuhause in der Familie und jetzt wieder im Taxi, mit dem Fahrer diskutiert und immer wieder kommt man zu dem Punkt an dem man sich fragt, wie ein Mensch der hier lebt zu einem Attentäter werden kann. Hierzu ein eigenwilig schöner Text von Jochen Bittner bei das ZEIT:

Angenommen also, Yusuf E. hegte bei seiner Einreise nach Deutschland noch keine Terrorpläne. Ist es dann denkbar, dass der Geist eines solches jungen Mannes ganz ähnlich funktioniert wie der Zwei-Komponenten-Sprengstoff, den er und sein Mittäter mutmaßlich in die Gasflaschen stopften? Der radikale Grundstoff (die salafistische Erziehung im Heimatland) wäre für sich noch nicht gefährlich. Aber wehe, er kommt mit den falschen Elementen in Berührung (die Freizügigkeit, die Mohammed-Karikaturen, die Israelverbundenheit des Westens) – dann kann er explosiv werden.

Das, wie gesagt, wäre noch die harmloseste Lesart der gescheiterten Bahnattentate. Eine terroristische Amoktat zweier zu kurz gekommener, kulturgeschockter Retro-Moralisten, die es dem Westen einmal so richtig zeigen wollten.

Foto: flickr

T-one: Die konvergierende Zukunft und der verflixte Uplink

Wer einmal versucht hat ein “konvergentes” Projekt zu realisieren, in meinem Fall war es ein Sendeformat für Breitbandinternet und Fernsehen, der merkt schnell, dass sich das so logisch und schnell Dahergedachte eben nicht so schnell umsetzen läßt.

Meist liegt das an der mangelnden Tiefe, die man vor allem technisch erreicht, wenn man über strategische Fragen nachdenkt. Immer aber, hat man es mit verschiedenen Typen von Menschen zu tun.

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Überall Grauen, nur hier: Schweizer Verhältnisse

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Das Grauen des Terros droht auch die “Schweiz Nordamerikas”, das multikulturelle Kanada, heimzusuchen. Spätestens seit Michael Moore wissen wir, dass die Kanadier immer die Haustüre offen stehen lassen.
Das Grauen in der Weltkulturlücke Guantanamo drängt nur auf die Titelseite der taz, wäre aber sonst auch hier ein Thema.

Sonst, das heißt zu normalen Zeiten. Wir sind aber WM, alle balla-balla. Man merkt, wie es sich anfühlen muß in der Schweiz zu leben. Alles schön. Das Grauen der Welt sieht man in diesen Tagen durch einen Schleier. Man ist merkwürdig weit entfernt. Verstehen sich doch alle prächtig hier, oder? Von den paar Nörglern in Nürnberg mal abgesehen.

Na. Hauptsache Ballack ist fit morgen. In vier Wochen geht es dann wieder ans Weltverbessern. Oder man zieht in die Schweiz. Je nachdem.

Sonnenlicht über dem melt! Festival?

Das melt!-Festival ist eines der wichtigsten Musikereignisse in Deutschland. Es steht für Sommer, anspruchsvolle – meist britische – Musikkultur und viel Spaß. Nun bloggen die melt!-Macher seit kurzem und machen mit einer Sensation auf. Sie denken darüber nach, ob Grup Tekkan mit einer Sonnenlicht Performance in das Line-Up aufgenommen werden soll.

ein Angebot die Grup Tekkan zu buchen. Schwierige Frage: Sind die Melt!-kompatibel oder nicht?
Leider kann man die nur für einen Auftritt mit einem einzigen Song und anschließender Autogrammstunde buchen. Welchen Song aus ihrem reichen Repertoire die wohl performen würden?

Von dieser Stelle ein schöner Gruß nach Köln & Ferropolis: “lasst dette ma lieber sein, der drops ist doch schon gelutscht, ent!”

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