Millerntaler, Du kleine Stadionwurst

millerntaler

Ich werde daraus nicht schlau und je länger diese Diskussion um den Millerntaler dauert, desto weniger mag ich ihn.
Er tut nämlich genau das, was gute Promoaktionen nicht machen dürfen: er limitiert und schränkt ein.

Abgesehen davon, ob ursprünglich geplant war, die Fans am Millerntor zu ihrem Glück zu zwingen (was ja bekanntlich immer nach hinten losgeht), also nur noch den Millerntaler an den Bier- und Wurstständen anzunehmen, ist die jetzt, zuletzt in der Mopo, kommunizierte Lösung auch nicht viel besser: Einige Stände nehmen demnach EURO, andere *nur* Millerntaler.

Die Stände am Millerntor werden mit der Einführung des Millerntalers aufgeteilt. An den meisten Wurst- und Bierbuden werden die St. Pauli-Anhänger zunächst noch mit Bargeld bezahlen können.

So ein Humbug!

Einzige Rettung für das angeschlagene Projekt:
– duales Kassieren an allen Ständen
– Kommunikation als reines Sammlerstück – mehr ist er nämlich nicht – und merke: wer am Millerntor mit Effizienz argumentiert, hat schon verloren. Das solltest Du, Cornelius, eigentlich wissen.
– Einrichten einer Tauschbörse/Spendenbörse für nicht genutzte Taler
– Unterstützen eines St. Pauli Projektes. Wie ich höre braucht Benny’s Projekt Viva Con Agua gerade wieder eine Spritze.
– Verankerung im Stadtteil. Bspw. durch Förderung der Mittagessen für Schüler der Gesamtschule St. Pauli, da hakt es seit Jahren dank Herrn Hartz und seiner Armutsgrenze.

Millerntaler

Ehrlich, ich verstehe die Aufregung nicht.
Ja, der Millerntaler ist ein Promogag, nahe läge, dass er vom Pokersponsor unseres Vereins, pokerroom.tv unterstützt wird.(ist das eigentlich so?). Wird er aber wohl nicht, sondern vom Caterer aus Flensburg.

Habe die Flyer auch gesehen an diesem schönen Sonnabend am Milerntor.
Und?

Grundregel einer Promoaktion ist, dass sie uninteressierte nicht behindert, interessierte Fans anspricht. Mal witzig, mal unterschwellig, mal in Form von Jetons, die man sammeln und einlösen kann. Ich kann daran nichts Schlimmes entdecken.

Sicher, es muss weiterhin auch mit Euro bezahlbar sein (siehe Regel 1 ;), aber das scheint ja gewährleistet zu sein.
Selbstverständlich könnt ihr auch weiterhin das Bier und die Wurst bzw. das Fischbrötchen an den Verkaufsständen im Millerntor-Stadion in Euro bezahlen.

Update: Genervt sind die Paulianer wohl in erster Linie von der Art der Kommunikation. Bei der anscheinend angedachten Poker-Dauerkarte müsste man das wohl offensiver besprechen, um ins Feld schießende Paranoia abzufangen, und davon haben wir ja ne Menge am Millerntor – übrigens aus schlechter Erfahrung, dass hat zuerst mal nix mit dem Sponsor zu tun.

Update II: Einen Bierboykott halte ich aus zwei Gründen für eine eigenwillig doofe Idee. Erstens ist das gerade der Bereich in dem der Verein am reellsten am Umsatz beteiligt wird, anders als bei den Merchandising-Einnahmen. Zweitens ist ohne Bier das schönste Spiel nur halb so schön.

Weitere Infos:
Basisstpauli Forum
Offizielle FAQ zum Millerntaler

Moon over St. Pauli

moon over MillerntorEigentlich hat St. Pauli heute 3:2 gewonnen am Millerntor, zumindest ist das in meinem Herzen verbucht dieses Ergebnis. In einem Spiel, dass auch eigentlich gar kein Testspiel war, sondern ein herrlich ernst genommener Saisonauftakt. Es hat alles gepasst, sogar die biestige Hilflosigkeit von pomadig dahinspielenden Hannoveranern.

Von denen übrigens viele Fans angereist und ihren Teil dazu beigetragen haben, dass sich dieses Vorfrühlingsspiel so echt anfühlte (inklusive Spinner mit Rauchbomben und Hools, leider). Am Support ihrer Anhänger kann das also nicht gelegen haben, dass Hannover in der ersten Halbzeit gegen vergnügt aufspielende Paulianer 1:0 hinten lag. Hannover absolut zweitligareif.

Toll René Schnitzel und Sir Charles, die Traumpässe schlugen, in alter Paulimanier ihre Chancen wieder vergaben, als wäre schon Ostern, ohne Druck, aber locker 2:0 hätten führen können. Darüber ärgern können wir uns demnächst wieder, über die vergebenen Chancen. Heute haben wir uns über die Art und Weise gefreut, wie St. Pauli sie herausgespielt hat. Feiner Fußball.

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Da mag sich Ian Joy doch noch eine Träne verdrückt haben, solch eine Kulisse bei einem Vorbereitungsspiel wird er so schnell nicht wieder erleben.

Offiziell hieß das Ergebnis 2:2, ein gegebenes Abseitstor für Hannover dabei, die in einer kurzen Phase der 2. Halbzeit, in der sie gegen unsere halbe Zweite spielten, sich herankämpften. Herrlich, wie diese Testelf dann wieder zurück kam, Ömer Sismanoglu überwand Nationaler Encke in der 69. phänomenal. Sowieso ein Spiel der großen kleinen Geschichten und das lange ersehnte Comeback von Abdou Sall. Ein reguläres Tor von Pauli wurde dann vom noch im Weihnachtsurlaub weilenden Schiedsrichtergespann nicht gegeben. Ich habe es dazugezählt. Das fühlte sich einfach, wie ein Sieg an, dieser rundum ein schöne Nachmittag.

Sogar der Regen hatte sich ab Mittag in Richtung Niedersachsen verzogen. Ein erstes Omen, dass mit einem netten Abendessen im Ofeuer endete.

Nazi-DJs plündern Millerntor

Es gibt gefühlt nichts schlimmeres, als Nazisudeleien, ausgerechnet am Millerntor. Gerade das ist aber gerade geschehen.
Außerdem haben die Einbrecher noch ein Mischpult, Boxen und Mikrophon mitgehen lassen.
Für den nächsten gemütlichen Heimatabend, wieder zuhause in Hessen.
Die schelmische Scharade, dass Roland Koch gefühlt dort eingeladen willkommen ist, ist so weit hergeholt, wie die Überschrift.

FCSP-Kaiserslautern: Umnachtung am Millerntor

Die vier aufrechtenNein, ich bin immer noch nicht drüber weg. Es viel so schwer, diesen vier aufrechten, die sich da nach dem blamablen 3:4 auf die Reise um den Rasen der Schmach machten, Mut zu machen. Zu sehr hatten sie die eigene Hoffnung enttäuscht, zu sehr sich selbst hängen lassen in ihrer ohnmächtigen Angst. Ich konnte ihnen nicht verzeihen, dass sie mich beinahe glücklich gemacht hatten. Zwei Mal!. Einmal nach 22 Minuten und dann nach dem Ausgleich.

Zum Trauern ging es dann auf den Dom, zur ersten Kochwurst mir Grünkohl dieses Jahr in der Krisensaison und danach zu Anni nach Ottensen. Haben uns noch bis lange nach Mitternacht über dieses vernieselte Spiel gewundert, geärgert und mit St. Pauli gehadert.
Komischerweise wirkten die Lauterer Fans, die ich da über den DOM schlendern sah nicht glücklicher. Komischer Abend, der noch in diese Woche nachhallt, so unfassbar ist das erlebte.

Neuer Stadion-Sponsor für den FC St. Pauli: „Mövenblick Arena am Millerntor“

„Wenn schon denn schon“.

boycott bejing 2008

Vor fast einem Jahr bereitete Corny Littmann das Thema bei Hamburger Journalisten bei einem Treffen des Hamburger Presseclubs vor, dass der Verkauf des Stadionnamens, so Littman, „auf St. Pauli zukommen werde“. Nu ist es soweit.

Die MoPo witzelt so vor sich hin, wie schon vor ihr die ARD Sportschau, wohl wissend, dass ein passender Sponsor niemals zu finden sein wird. Es ist eben am Ende doch das Ausverkaufen einer Legende. Eine Legende, die nicht dem Verein gehört.

Nicht vorstellbar, dass die Ultras unter einem „Hanse-Merkur“-Schild, in einer „Arena“ stehend, ihre weltberühmte Choreografie abfeiern. Das Phänomen FC St. Pauli und der Mythos des Millerntors ist eben keines, das allein einem Verein mit seinen funktionalen Strukturen geschuldet ist, sondern eine Leistung der Supporter des FC St. Pauli, und die sind eben durch Abmahnungen gegen Fußballfans und Diskussionen um die dicken Taschen der Sportvermarkter mehr als genervt und sensibilisiert.

Was wäre St.Pauli ohne Millerntor? Wir gehen seit Jahrzehnten ins schrottigste Stadion eines Bundesligisten was es gibt und warum? Weil es unser ist!! Unser Millerntor!!!
Der Name ist genauso wie der Totenkopf von uns Fans ins Leben gerufen worden oder habt ihr etwa das Wilhelm Koch Stadion vergessen?
Von daher Hände weg vom Millerntor, es gehört uns und keinem noch so potenten Geldgeber!!!

Da hilft nur Attacke. Eigentlich bleibt nur ein Sponsor, der so viel klassisches Feindbild mitbringt, dass er die selbstironische Ader der Paulianer trifft.

Mövenpick wäre so einer, oder die BILD Zeitung.

Solidarität, Anstand, Selbstverständlichkeit

Komisch, es gibt Tage, da liest man alles das, was an anderen Tagen nicht viel gemein hat, anders, in einer Art innerem Zusammenhang. Worte, Begriffe, die sich immer wiederholen, das Unmittelbare verknüpfen im Kopf.

Schön ist aus meiner Sicht, dass Erwachsenwerden vermutlich der Moment ist, wo die Bedeutung dieser Subkulturen und Zugehörigkeiten schrumpft und man lernt, die Welt komplexer und individueller wahrzunehmen. … lese ich bei den bissigen Liberalen. Und verneine.

Komplexer, ja, vielleicht, weil ich inzwischen hinter so manche Kulisse geschaut habe. Einige Drähte zu ihren Puppenspielern verfolgt, aber allzu viele Fäden gesehen habe, denen ich nicht so tief hinab folgen konnte. Individueller? Kommt sie mir vor die Welt, ja. Bin mehr allein. Hängt vielleicht mit dem Alter zusammen, oder mit einer Welt, die solange schon sich selbst bedroht, dass keiner mehr hinhört. Mit „Erwachsen werden“ hat das wenig zu tun.

Im Gegenteil, ich empfinde „individueller zu sein“ als pubertär. Wichtig, denn erst wenn ich mich selbst begreife, kann ich mich auch wieder in Ruhe umsehen, mich anschliessen.

Wenn ich meinen alten Freund Gavin treffe, der inzwischen in den USA lebt und gestern Geburtstag hatte – herzlichsten übrigens – dann sind seit dem letzten Treffen meist einige Jahre vergangen. Wir gehen dann nach einer kurzen „was hat sich denn inzwischen getan“-Phase in den stillen Teil unserer Konversation über. Reden wenig, geniessen die Zeit, die man nebeneinander verbringt. Selbstverständlich, auf Basis einer zugegeben erprobten Gemeinsamkeit, aufgrund erlebter Solidarität.

Dann lese ich einen Text von Axel Vornbäumen im Tagesspiegel, dem man ruhig vorwerfen kann, dass er sich bei der Überschrift hat hinreissen lassen – „Kein Herz für Inder“ hat nämlich mit den Aussagen in seinem Text wenig zu tun. Konträr sogar, reduziert er die Thematik doch gut auf die wichtige Kernfrage: „Was wäre anständig gewesen?“

Ich bin es ebenfalls leid über Selbstverständlichkeiten, wie Anstand noch zu diskutieren. Ich suche Menschen auf, die Anstand mitbringen. Da spielt es keine Rolle, ob das Inder, Sachsen oder Volksmusikanten wären. Das nenne ich erwachsen werden, die Erkenntnis „zusammen weniger allein zu sein“.

Diese Selbstverständlichkeit übrigens, die finde ich Sonnabends für ein paar Stunden am Millerntor. Immer wieder, ohne dass man das groß sagen, einfordern oder in Prozesse gießen müsste.

Es gibt drei Dinge, die sich nicht vereinen lassen:
Intelligenz, Anständigkeit und Nationalsozialismus.
Man kann intelligent und Nazi sein. Dann ist man nicht anständig.
Man kann anständig und Nazi sein. Dann ist man nicht intelligent.
Und man kann anständig und intelligent sein. Dann ist man kein Nazi.
Gerhard Bronner (3)
23.10.1922 –
österreichischer Komponist, Musiker und Kabarettist

B. Beton von Fettes Brot flitzt für FC St. Pauli Dauerkarte

Update: Björn Beton hat inzwischen eine Dauerkarte – wie die ganze Band.
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Jaja, das Thema Dauerkarte beim FC St. Pauli beschäftigt Hamburg. Und mich ja auch. Inzwischen kann man ja, wenn man so freundlich herbeigeladen wurde wie ich die ersten beiden Spiele am Millerntor, auch die Auswirkungen der verzögerten Tribünenfertigstellung beobachten: Futzige Manager, die als Gastpaulianer uns Singende als Exoten anlachen, mitten im Spiel Brezeln bestellen und Freibier saufen.

Björn Beton hat s keine Dauerkarte und verarbeitet seinen Frust in einem Brotesong, und eben weil die Jungens so schöne Musik verkaufen verschenken und dennoch davon leben, hoffe ich der FC St. Pauli bekommt von möglichen Einnahmen der neuen Hommage was ab, und Herr Beton (muss man wirklich immer noch diese spackigen Hip-Hop-Namen tragen?) seine Dauerkarte.

Der Videosteil gefällt mir schon mal. Wird auch nicht ewig so bleiben, das mit den wackeligen Fragmenten in Filmen, dass das als Stilmittel durchgeht.

Und nun lasse ich den Beton in Ruhe, sonst wirft mir MoMo wieder vor, ihn zu bashen, nur weil der arme Mann berühmt ist. Ach nee. Das war ja Bela B.

FC St. Pauli 2007/2008: Dauerkarten nur für Dauerkarteninhaber

… anders kann ich die E-Mail des Kartencenters nicht interpretieren:

da sich die Fertigstellung der Südkurve verzögern wird, können wir leider keine Dauerkarten Mitgliedern anbieten geschweige denn einen freien Verkauf ermöglichen. Wenn es zu einem späteren Zeitpunkt (Herbst) noch ein Vorkaufsrecht für Mitglieder oder einen freien Verkauf geben sollte (wir planen das), werden wir darüber rechtzeitig informieren (z.B. über unsere Homepage). Eine Vor-Reservierung ist nicht möglich…

Also nochmal mein bald hysterischer Aufruf an alle Weggezogenen: SUCHE DAUERKARTE FÜR DEN FC ST. PAULI, sie wird es gut haben bei mir ;)

„FC St. Pauli 2007/2008: Dauerkarten nur für Dauerkarteninhaber“ weiterlesen

Wahrheftig

„Man kann die Wahrheit nicht ins Feuer werfen, sie ist das Feuer“
Friedrich Dürenmatt,
passt natürlich nicht explizit zum Anschlag auf Herrn Diekmanns Auto mit Kindersitz das Zitat – wohl aber zum Umgang der BILD, der „der Dieckmann“ ja vorsteht, mit dem Begriff „Wahrheit“.

Einerlei, eine schön polemische und satirische Aufarbeitung vom Pantoffelpunk („KEINER SIEGT AM MILLERNTOR“, übrigens).

Vielleicht wird dann auch klar, wieso ein Teil der Seele dem Herrn Dieckmann „volle Gönnung“ zuschreien möchte. Das Teufelchen auf der linken Schulter.

Fotomontage: Pantoffelpunk, Foto: BILD

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