Kauft Deniz Yücels Buch #freedeniz

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Ein Beitrag geteilt von Sankt Pauli *Nu (@stpaulinu) am

Deniz Yücel, deutscher Journalist, ist in der Türkei wegen angeblicher Terror-Unterstützung eingesperrt. Dutzende Medien (eigentlich alle außer der FAZ) solidarisieren sich mit ihm. Die Kanzlerin steht hinter ihm – und trotzdem kommt er nicht frei.

Deniz Yücel Soli-Aktion: sein E-Book kaufen.

Nun ist im Social Web die Idee geboren, das E-Book Yücels zum amazon Bestseller zu machen und dadurch ein Zeichen zu senden, wie es so ähnlich auch mit „Arschloch“ von den Ärzten passierte. Außerdem hilft diese Solidarität dem Eingesperrten seine Verteidigung zu finanzieren. Kostet auch nur 1,49 EUR!

Danke, Erik!

Und morgen die ganze Türkei: Der lange Aufstieg des Recep Tayyip Erdogan (Kursbuch) wird automatisch und drahtlos auf Erik’s Kindle bereitgestellt. Sie können gleich anfangen zu lesen.

Rotten Deutschland – Das Symptom Wulff ist zurück getreten – schade, denn er hätte so fein, als Mahnmal getaugt …

„Christian Wullf ist auch jemand, der einem Wertesystem verhaftet ist, das auch Orientierung gibt“

Das hat Kanzlerin Angela Merkel bei der Vorstellung von Christian Wulff gesagt. Und sie hatte Recht. Leider ist das Symptom zurückgetreten heute Vormittag. Ich gönne den deutschen Medien den Placebo nicht, dass sie doch noch Macht haben und Symbole stürzen können. Ich hätte gerne einen Bundeskanzler Bundespräsidenten gehabt, der als Symptom für unsere Gesellschaft, quasi als lebende Karikatur, und andauernd daran erinnert, in welcher Gesellschaft wir leben.

Genauso, wie ich mich freue, dass an der Hamburger Elbphilharmonie nicht weitergebaut wird, sie mit offenem Dach als Mahnmal von Größenwahn dasteht, hätte ich mich an einem Bundespräsidenten Wulff erfreut, der vollkommen seiner Ehre beraubt, nun wenigstens als Projektionsfläche dient. Das nennte ich dann wahres Dienen. Denn Wulff hat natürlich recht, wenn er darauf hinweist, dass er nur das tut, was alle anderen auch tun: Vorteile einsammeln, da wo es geht. Als Investor in Griechenland, als Beamter in der Privat-Krankenkasse oder als Journalist beim Autokauf.

Schade.

Günter Netzer for (Bundes-) President

Gestern fragte mich Herrmann Schmidt, Hofberichterstatter des FC St. Pauli, wen ich denn als neuen Bundespräsidenten mir wünschen würde. Nun, noch haben wir ja einen – und je mehr sich die vierte Gewalt ineinander schraubt, um sich ihre Macht zu demonstrieren, desto mehr hoffe ich, dass Wulff bleibt.

Aber nehmte ich dann doch an, ich könnte den Bundespräsidenten berufen, wäre also eine Art Ein-Mann-Bundesversammlung, dann käme für mich nur Günter Netzer in Frage. Geboren 1944 in Mönchengladbach ist er quasi ein Vorzeige-Trümmerjunge und hat die soziale Marktwirtschaft mit der Muttermilch aufgesogen. Mit ihm verbindet man keine Skandale, trotz schlimmer Fotos aus der Jugend ist er der einzige Mann, der ohne Hals sexy aussehen kann.

Wulff trägt ohnehin seine Frisur in der uninspirierten Hannover-Variante. Nun wählte ich das Original.

Der wichtigste Vorteil allerdings wäre, dass Günter Netzer bei seinen Ansprachen endlich einmal verstanden würde. Wir würden die großen politischen Zusammenhänge verstehen. Warum die Spanier die neuen Holländer sind zum Beispiel. Oder wieso die dänische Regierung ihren rassistischen Libero nicht aufgeben mag – und wie veraltet die politische Spielweise der Engländer sei – so wie die Portugiesen: ein Starensemble ohne Mannschaftsgeist.

Interviews gäbe es immer nur mit Gerhard Delling. Kai Dieckmann bliebe sicher von Anrufen eines Bundespräsidenten Günter Netzer verschont.

Je mehr ich darüber nachdenke …

Warum sind in der Piratenpartei eigentlich so wenig Frauen?

„Jeder fragt mich das“, schreibt Marina Weisband in ihrem Blog. Und ihre Antwort ist eine Ohrfeige für alle Journalist_innen und Leser sowie Parteien:

„Jeder fragt mich das. In jedem Interview. Nur mich, nicht meine männlichen Kollegen.
Warum in der Piratenpartei so wenige Frauen sind? Weil in der Politik so wenige Frauen sind! Und noch weniger in Ämtern. Warum? Weil die Zeitungen über sie nur berichten, was sie an haben, oder Heldenstories mit ihnen machen, wie sie sich als Frau durchschlagen. Weil sie erst auf politischer Linie total versagen müssen, ehe man anfängt, über das Inhaltliche zu sprechen. Weil sie unweiblich sein müssen, weil man sonst über ihre Frisuren spricht. Deshalb!
Ich bin in der Piratenpartei nie Sexismus begegnet. Ich habe nicht an Sexismus geglaubt. Aber das hier ist er.“

Wat dem Eenen sin Uhl, is dem Annern sin Nachtigall

Nachtigall Ick hör Dir trapsen, hätte mein Berliner Busfahrer wohl gesagt, dem ich solange die Regeln der BahnCard City Option erklärte, freilich nicht ohne ausschweifend über Tages- und Rückfahrregelungen zu schwadronieren, bis er dann entnervt mich durchwinkte.

Also das hätte er wohl gesagt, wenn er den Uhl da vor dem Bundestrojanertag hätte reden hören. Und er hätte den Uhl schnell durchschaut, nicht gleich, aber irgendwann. Denn Blender verraten sich nie im ob, sondern immer im wann. Manche, die guten auch im wie oft.

Wie Joschka Fischer, die Nachteule der Grünen. Der hätte seine Redezeit überschritten und den Piraten vorgeworfen , die Sin Fein des CCC zu sein. Elegisch über 30 Minuten hergeleitet. Schließlich steht ja Chaos schon in ihrem Namen.

Wäre der Uhl nicht bloß eine blöde Eule, sondern ein gescheiter bayrischer rechter Haken, er hätte die Piraten zur Chaos Armee Fraktion hochstereoisiert. Wumms, dann hätte sich der BILD Chef vom Fierst aber die Augen gerieben. Frische Headlines vom politischen Freund. Gegeelte und gegerbte Wahrheiten, die unser Land braucht. „Uhl fordert Bundespolizei gegen Chaos-Terroristen“ ließe sich leicht ableiten, aus seinem Statement, dass „Deutschland glücklicherweise von Sicherheitsbeamten regiert“ würde.

Freilich, die Eule, die auch nachts auf meine Festplatte sieht, wäre nun eine Nachtigall, aber immerhin wären wir gut unterhalten worden.

Schreibers Wahrheiten

Die Hamburger Polizei ist wahrlich nicht als linksextrem bekannt, und deswegen darf man besonders aufhorchen, wenn sie sich in der Mopo offensichtlich und deutlich gegen die womöglich taktischen Wahrheiten des Markus Schreiber stellt:

„Es gibt dort keine erhebliche Beschwerdelage“, so Polizeisprecher Mirko Streiber zur MOPO. Markus Schreiber hatte von dem Gebiet rund um die Kersten-Miles-Brücke von einem „Angstraum“ für Anwohner gesprochen. – lese ich in der Mopo und nehme an, dass Herr Schreiber spätestens damit unhaltbar geworden ist.

Pro Westerwelle

Ich entdecke an mir eine merkwürdige Eigenschaft. Immer wieder: je stärker die Mehrheit sich meiner Meinung oder Ansicht anzuschliessen scheint, desto stärker wird der Drang von ihr abzurücken.

Was man durchaus mit einem latenten Beschützerinstinkt, als auch mit einem übersteigerten Hang zum Avantgardismus erklären kann. Wollte ich gemein sein gegenüber mir selbst, würde ich das als eigensinnige Labilität auslegen, das immer zur kritischen Minderheit Gehören-wollen.

Heute hat ausgerechnet ein Text in der Mopo diesen Effekt ausgelöst. Jürgen Todenhofer schreibt dort über seine Eindrùcke aus Libyen und über Guido Westerwelle:

„Man muss keine Bomben werfen, um Fruende zu haben. Der Kurzbesuch Westerwelles hat hier viel bewirkt. Ich sage dies als ausgewiesener Kritikwr des Außenministers. … Westerwelle war im richtigen Augenblick in Libyen, hat die richtigen Worte gefunden.“

Der Text hat mich weniger erstaunt, als meine emotionale Reaktion darauf. Ich hatte die Demontage Westerwelles zuerst mit einiger Genugtuung verfolgt, schien er sie ja selbst zu zelebrieren. Immer mehr aber, als unterstützende Stimmen ausblieben (Brüderle zähle ich mal nicht hinzu), erhob sich dieser oben beschriebene Reflex. Ich halte allzu grosse Einhelligkeit für ein Alarmsignal.

Im Falle Westerwelles erspüre ich eine gefãhrliche Mischung aus politischer Taktiererei, aggressiver weil zum eigenen Arschretten praktiziert, und einem kollektiven, vielleicht unterbewussten Aufatmen, dass dieser klemmige und technokratische Westerwelle die Bühne verlässt.

Ich mag den Politiker Westerwelle immer noch nicht, aber er ist vom Establishment zum Aussenseiter gebrandmarkt. Und solche mag ich grundsätzlich. Geht mir bei Michael Oenning auch so ;)

Konsequenzen politischen Handelns

Das kann ich mir sehr gut vorstellen, dass der Herr Sarrazin da doof geguckt hat, als er aus einer türkischen Kneipe herausgerufen wurde.

Der umstrittene ehemalige Berliner Finanzsenator Sarrazin besucht in Kreuzberg ein türkisches Restaurant – und verlässt es, weil Stammgäste ihn dort nicht haben wollen. „Da ist der Rassist!“, rufen Passanten, als er über die Straße geht. Er sieht sich selbst als Opfer: „Ein verdienter Senator wird herausgemobbt“, so das SPD-Mitglied. (n-tv)

So ist das mit den Schizophrenen in der Politik, die das Wirken ihrer Politik, ihr Wirken in der Politik nicht auf die Privatperson angewendet sehen möchten, völlig außer Sicht lassend, dass ihre Politik ja tausende private Leben beeinflusst oder schlimmstenfalls ihnen den Boden entzieht. Die Fegebank war ebenso empört über den Rausschmiss aus dem Jolly Roger – und auch wenn ich die Dame nicht mit dem Rassisten Sarrazin vergleiche möchte, weder politisch noch privat, so kann es sein, dass ihr politisches Gekuschel mit dem Abschieber Ahlhaus mehr privates zerstört hat, als alle Kopien Sarrazinscher Hetze zusammen.

-via

Die ersten ihrer Art #Hamburg #Spanien #Arabien

Wir sind die ersten unserer Art in Deutschland. In Nordafrika, in Arabien gibt es sie schon, in Spanien auch. Menschen, die den abgenutzen Worthülsen ihrer Parteien und Regierungen genausowenig trauen, wie dem Versprechen von Versicherungen Klartext reden zu wollen, wenn sie hinten rum die Witwenschüttler ins Bordell schicken. Ausdruck findet dieses Lossagen in vielen kleinen Formen und ist in Deutschland noch weit weg von spanischen Verhältnissen.

Wenn man genau hinsieht, dann kann man sie sehen, die Zeichen. Kühe, die gegen die Staats- und Spekulantenmacht anmuhen, denen dann so gefährlich erscheinen, dass man sie verkloppen muss. Nachbarn, die im Haus und für die Stadt die Kontrolle über Grundlegendens wie Energie zurückerhalten wollen. Das Gängeviertel auch immer noch. Menschen, die ihren Lebensraum auch politisch zurückfordern, noch sind es wenige, sie sind leise. Aber wenn Du genau hinschaust, Olaf, dann kannst Du sie sehen. Und sie sind gekommen, Deinesgleichen, die Demokratie nur spielen, um in Zirkeln dann zu regieren, abzulösen. Mit einer Selbstverständlichkeit, die dem Recht innewohnt. Ihrem Recht. Meinem.

Sanfter Tugendterror

Das Quartier heißt nach einem französischen Marschall, weil es aus früheren französischen Kasernen besteht; diese wurden nach Abzug der Soldaten in eine Art Mustersiedlung für ökologische Stadtbürger umgebaut. In Vauban haben am Sonntag bei der Landtagswahl die Grünen 72,2 Prozent der Stimmen erlangt. Die CDU schaffte dort 3,6 Prozent. Das sind alles sehr nette, behütete und freundliche Menschen in Jack-Wolfskin-Jacken; wer aber einmal durch das Vauban-Viertel gegangen ist, der weiß auch, wie sanfter Tugendterror in unserer Zeit aussieht.

src=“Sueddeutsche“

Was zu beweisen war, leider #Fukushima

„Sind Gesellschaften, wie wir sie kennen, überhaupt imstande, mit Kerntechnik richtig umzugehen? Wenn »richtig« heißt, dass große Schäden und große Angst ausgeschlossen sind, dann ist diese Frage von der Geschichte zweimal verneint worden, erst in einer sozialistischen Diktatur (Tschernobyl) und dann in einer kapitalistischen Demokratie (Fukushima). Offenbar sind weder Staat noch Kapital gefeit gegen die Versuchung, Sicherheit gegen Gewinn zu tauschen, und es ist keine Welt in Sicht, in der das anders sein könnte.“

v. Randow, selbst lange verstrahlt, in DIE ZEIT

Olaf Scholz – nun müsste es Aufenthaltsgenehmigungen hageln, oder?

Olaf, nun bist Du Bürgermeister. Dafür erstmal herzlichen Glückwunsch. Ich hatte bei Dir angefragt, wie Du denn den Fall Samir beurteilst, der Fall des 13-jährigen Spielers unseres FC St. Pauli beurteilst, für dessen Bleiberecht Dutzende Hamburger eine Petition eingebracht haben:

… haben Sie vielen Dank für Ihre Anfrage. Ich kenne den Fall des kleinen Samir
und seiner Mutter natürlich nicht aus eigener Anschauung, bin aber
zuversichtlich, dass der Eingabenausschuss und die Härtefallkommission der
Hamburgischen Bürgerschaft eine gute Entscheidung treffen werden.

Wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten finden, dass gut integrierte
Kinder und Jugendliche eine reale Bleiberechtsperspektive erhalten müssen,
unabhängig vom Aufenthaltsstatus ihrer Eltern. Wir möchten denjenigen
Flüchtlingen eine echte Chance geben, die sich anstrengen, aus eigener Kraft
in unserer Gesellschaft zurechtzukommen. Deshalb haben wir uns in den
vergangenen Jahren in Hamburg und auf Bundesebene immer wieder dafür
eingesetzt, die Kettenduldungen abzuschaffen.

Mit freundlichen Grüßen

Olaf Scholz


Landesvorsitzender der SPD Hamburg

p.s. Was macht denn die Petition? Wann beschäftigt sich die Hamburger Bürgerschaft denn mit Samirs Fall?

Schwarz durch Einreise

Stuart Hall (1994) verweist in dem Aufsatz-Band Rassismus und kulturelle Identität auf die soziale Konstruktion der Kategorie Schwarz. Mit Einblicken in seine Biographie erläutert er, wie er erst durch die Einreise nach England zu einem als Schwarz markierten Menschen wurde. In den 1950er Jahren migrierte er zum Studium von Jamaika nach England und wurde dort mit einer Kategorisierung konfrontiert, die in seinem vorherigen Leben in Jamaika nicht relevant war:

“Bis zu meiner Abreise hörte ich niemals, daß jemand sich selbst oder die anderen als Schwarz bezeichnet hätte, obwohl vermutlich 98 Prozent der Bevölkerung Jamaikas schwarz oder auf andere Weise farbig sind. Niemals hörte ich das Wort schwarz, dafür aber mehr als tausend andere Bezeichnungen” (ebd.: 79).

Quelle: Melanie Groß, „Feministische postkoloniale Positionen“

Die Kriegsrhetorik des Horst Seehofer #Aschermittwoch

… beim Thema „Zuwanderung“ kann man inzwischen von einem „Krieg“ sprechen, einem Kampf -manchmal gegen die eigenen Moralvorstellungen, die tief im Grundgesetz verankert sind -und das Wehren gegen Immigrantenbewegungen, das immer mehr einer sinnlosen Verteidigung ähnelt. Insofern kommt Seehofers Wortwahl nicht von ungefähr …

… und verdeutlicht einmal mehr, in welcher Gedankenwelt dieser Mann lebt:

„Der Krieg ist längst verloren, als am 9. März der Befehl erlassen wird, der in den letzten Kriegstagen noch mehr Berliner in den Tod treiben soll – der „Grundsätzliche Befehl für die Vorbereitungen zur Verteidigung der Reichshauptstadt“. Der Auftrag lautet: „Die Reichshauptstadt wird bis zum letzten Mann und bis zur letzten Patrone verteidigt.“ Ein Netz von Gräben und Sperren soll errichtet werden. Der Befehl trägt die Unterschrift Hellmuth Reymanns. Nach dem Krieg streitet er ab, diese sinnlose Anordnung zum Durchhalten erlassen zu haben.“

Video: Youtube, via
Text: Berliner Zeitung, via

Zu Fuß zum Dammtor

Zum Dammtor-Bahnhof

Es hat gefroren in der Nacht, die Brücke, die von Planten und Bloomen, seinen Alster-seitigen Ausläufern am Stephansplatz, zum Dammtor führt ist ein wenig glatt. Ich bin spät dran. So spät dran, dass ich heute morgen Katzenwäsche gemacht habe. In den Spiegel sehe ich sowieso nicht mehr gerne. Die Ränder unter meinen Augen sind inzwischen zu Tränensäcken geworden, allein schon an ihnen kann man mein wahres Alter erkennen. Alles andere ist noch ganz gut in Schuß. Mein Haar darf ich für Mitte 50 voll nennen, außerdem ist es so blond, dass die wenigen grauen Strähnen gar nicht so recht auffallen wollen. Schlank bin ich auch – und werde es wohl bleiben, denn nun gehe ich öfter zu Fuß. So wie heute zum Dammtor.

Dummerweise, denn eigentlich mag ich nicht mehr angesehen werden. Aber wegen meines Mediengesichtes und meiner Cab-Calloway-Haltung erkennt mich auch noch jeder Hamburger auf Anhieb. Ich bin spät dran, würde am liebsten rennen. Das gehört sich aber nicht für einen Bürgermeister a. D.. Habe sowieso so viele Gedanken im Kopf, dass ich sicher stolpern würde. Dachte, das wäre nun vorbei. Ich darf nicht vergessen Marcus anzurufen und ihm davon abzuraten den Landes-Chef zu machen. Himmelfahrtskommando.

Die Akkordeon-Spielerin auf der Brücke grüßt mich, grinst ein Politikergrinsen. Schön, sie hat mich nicht erkannt.

Avaaz – wenn die Welt ruft

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie sehr Entscheidungsträger auf direkte Ansprache jenseits von politischen, demoskopischen oder medialen Kanälen angewiesen sind. Eine Flut an persönlichen Aufforderungen zu einem Thema kann hier mächtiger sein, als jeder Lobbyismus. E-Mails für den Frieden versucht die Organisation Avaaz.org zu bündeln und die Vereinten Nationen und die EU zum Eingreifen in Lybien zu veranlassen. „Avaaz – wenn die Welt ruft“ weiterlesen

Helmut Schmidt über Guido Westerwelle #maischberger #meme

„Kann man sich auf unseren Außenminister verlassen, was seine Führungskraft angeht …?“, fragt Sandra Maischberger gestern den Alt-Kanzler der Nation über Guido Westerwelle (FDP).

„Ich glaube nicht, dass Sie im Ernst eine Antwort von mir erwarten“, antwortet Helmut „Schnauze“ Schmidt. „So schlimm?“ – entfährt es dann Sandra Maischberger und ich meine, ich hätte sie leicht lächeln sehen.

#martin oe. möchte dieses zitat zu einem „viral“ anstupsen. ich auch.

Hamburg: Hausbesetzung als Bürgerpflicht?

Wie eine Perlenschnur reihen sich die Glasbeton-Bauten an die Elbe. Die erste Reihe ist voll, nun ist die zweite dran. Die Häuser an der Elbtreppe sollen weichen, genauso, wie die Bäume am Hang davor, die den Hafen-Blick versperren für die Mitglieder des Hamburg Business Club. Das Altonaer Museum soll geschlossen werden – was dort entsteht, im Herzen des teuersten Pflasters Hamburgs? Bezahlbarer Wohnraum wohl kaum. Altona wird verscherbelt. Zuletzt im Visier der Investoren: Die Seefahrtschule „Hamburg: Hausbesetzung als Bürgerpflicht?“ weiterlesen

Soziale Rassenlehre – Dohnanyi surft auf Sarrazins Thesen

Sarrazins Behauptung, dass es besondere, kulturelle Eigenschaften von Volksgruppen gibt, kann heute niemand mehr mit Sachkenntnis bestreiten. Die amerikanische Enzyklopädie der Sozialwissenschaften nennt das social race: „soziale Rasse“. Sarrazin sieht nun bei Teilen islamischer Gruppen eine Ablehnung der Integration und darin Gefahren für unsere Bildungs- und Leistungsgesellschaft. Integration sei auch eine „Bringschuld“. Falsch?

Nun also nähern wir uns dem Kern der Debatte. Ist Sarrazin ein Rassist? Sind seine Thesen rassistisch?
Ja, sicher sind sie das. „Soziale Rassenlehre – Dohnanyi surft auf Sarrazins Thesen“ weiterlesen

taz pinkelt ins Berliner Nest

„Was der politische Journalismus dagegen der Politik ungeprüft durchgehen lässt, das sind beispielsweise die vielen gängigen dümmlichen Deutungsmuster: Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt. Jeder kann nur das ausgeben, was er zur Verfügung hat. Steuererhöhungen schaden dem Wachstum. Mit solchen Irreführungen werden politische Weichen gestellt. Sich damit auseinanderzusetzen, dafür fehlt natürlich die Zeit.“

taz, 13.6.2010

Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt

… und tun das noch.

Ich meine damit nicht die schon als infam zu bezeichnende mediale und politische Frechheit, das Versagen der Banken und der politischen Klasse auf alle Menschen abzuwälzen. Es reicht doch, das wir den Schaden tragen müssen, da verhöhnt uns doch bitte nicht noch.

Wir leben übrigens immer noch über unsere Verhältnisse. Ähnlich, wie Zeitschriften-Abonnenten, die jahrelang nicht mehr lesen, aber faul weiterzahlen und beziehen, leisten wir uns diese Banken, die nichts besseres vorhaben, als diejenigen, die sie retteten zur Kasse zu bitten. Inklusive ihrer Kinder und Kindeskinder.

Wir leisten uns ein Finanzsystem, das zwar nach internationalen Regeln, aber nach keinem Gesetz handelt.

Wir leisten uns einen Beamten- und Verwaltungsapparat, der immer mehr an unserer Freiheit herumreguliert, dessen Pensions- und Versorgungsansprüche uns aber mit 970 Milliarden Euro nicht weniger belasten.

Wir leisten uns eine politische Klasse, die bis zur Personalunion verwoben ist mit den voran genannten, dass mir beim Verweis auf das Primat der Politik nur noch das hysterische Kichern kommt.

Herr Roland K. aus H. wechselt in die Wirtschaft und möchte im Deutschland abgeholt werden.

Das Konzept Grundgesetz

Es müssen schwere Zeiten sein, wenn man sich über Selbstverständliches so freut.

„Der Sozialstaat war und ist in der Bundesrepublik Voraussetzung für Wachstum und Wohlstand. Ich warne davor, das eine gegen das andere auszuspielen!“
– Andreas Voßkuhle, Präsident des Bundesverfassungsgerichts

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Das ist ja ein Konzept, auf das ich mich einlassen kann, unsere Verfassung. Weil sie Zugehörigkeit nicht nach Herkunft ordnet, beispielsweise. Wer in Deutschland sich aufhält genießt ihren Schutz, auch meinen. Und wer sich gegen sie stellt, kann noch so lange „Ausländer raus“ brüllen, aus seiner Mecklenburger Brust, er ändert daran nichts. Er schließt sich nur selbst aus.

Das ist ein Konzept von Deutschland, das ich leben kann, weil es universell ist und doch wesentliche Erkenntnisse auch aus der eigenen Familiengeschichte in seiner Essenz vereint.

Liebe 4

Berlin – Die Arbeitsministerin mag das Wort nicht. Ursula von der Leyen möchte „Hartz IV“ gerne aus dem allgemeinen Sprachgebrauch verbannen. Den Begriff hält sie für unvorteilhaft besetzt. Deshalb sei es „absolut wünschenswert, dass auf die Dauer das Wort ‚Hartz IV‘ verschwindet“, sagte sie der „Welt“.

So langsam kann man da eine langfristige Idee erkennen bei der Ursula von der Leyen. Schönmachen als Selbstzweck. Das funktioniert putzigerweise mit Kinderpornos genauso gut, wie mit Langzeitarbeitslosen, Armen und Faulenzern. Hauptsache wir, die mit Sozialversichungspflicht und souveräne Primaten, müssen das Elend am Ende der Nahrungskette nicht sehen müssen.

Vor die Pornos stellt man ein STOP-Schild – vor die Freiheit dann später auch, aber das sagt man nicht so laut. Überhaupt, wer will schon frei sein, wenn er sich nicht mal gegen eine lebenslange Steuernummer wehrt? Eben.

Vor die Armen und Renitenten stellt man die Schönheit der Fürsorge. Umbeschreibt dieses technokratische Monster „Hartz 4“, das einen gleichzeitig an staatliche Willkür und wahre Veruntreuung erinnert, mit einem schöneren Begriff. Sowas, wie „Chancen-Soli“ oder „von der Liebe“. Diese Begriffe duften nach Vernel und Sonnenaufgang – hilft auch nicht mehr, aber klingt wohliger. Wünsche mir ja schon lange so tolle Life-Boxen, wie die, um die sich die Haitianer gerade prügeln, für Hartz4-ler. Dann hätten wir das mit den Obdachlosen auch gelöst.

Foto: (cc) by-nc http://ring.de, Wahlplakat zur Bundestagswahl 2009, Hamburg-Altona

FC St. Pauli – Union Berlin: Vorspielinterview – 5 Fragen aus Berlin

Alte-Foersterei-Union-BerlinIch hatte am Montag das Vergnügen, mir mal das Stadion an der Alten Försterei aus der Nähe anzuschauen und das bei bestem Hamburger Wetter. War schon beeindruckend.

Bei der Gelegenheit hatte ich digitalen Kontakt zu 2 Union-Bloggern, die mir in Vorbereitung unseres Spiels am Sonntag 5 Fragen geschickt haben, so als Art Ferninterview oder Vorspiel. Mit vielen Fragen fühle ich mich tlw. überfordert – deswegen poste ich die hier mal – schnappe sich jeder gerne 1 oder mehrere und senfe dazu ab. Gerne auch kritisch –


Guten Abend nach Hamburg, „FC St. Pauli – Union Berlin: Vorspielinterview – 5 Fragen aus Berlin“ weiterlesen

Liebes Hamburg-Marketing, wir weigern uns!

Szene-Viertel Blankenese

„Eine Stadt ist ein Gemeinwesen. Wir stellen die soziale Frage, die in den Städten heute auch ein Frage von Territorialkämpfen ist. Es geht darum, Orte zu erobern und zu verteidigen, die das Leben in dieser Stadt auch für die lebenswert machen, die nicht zur Zielgruppe der „Wachsenden Stadt“ gehören. Wir nehmen uns das Recht auf Stadt – mit all den Bewohnerinnen und Bewohnern Hamburgs, die sich weigern, Standortfaktor zu sein. Wir solidarisieren uns mit den Besetzern des Gängeviertels, mit der Frappant-Initiative gegen Ikea in Altona, mit dem Centro Sociale und der Roten Flora, mit den Initiativen gegen die Zerstörung der Grünstreifen am Isebek-Kanal und entlang der geplanten Moorburg-Trasse in Altona, mit No-BNQ in St. Pauli, mit dem Aktionsnetzwerk gegen Gentrifizierung und mit den vielen anderen Initiativen von Wilhelmsburg bis St. Georg, die sich Stadt der Investoren entgegenstellen.“

So endet ein langer offener Brief des Künstlers Ted Gaier an die Heinis im Hamburger Senat und angeschlossene Marketing-Butzen, die seit Jahren Slogans statt Politik verkaufen.

Ich schwärme ja immer wieder von der fragilen Balance, die Hamburger Wohnungspolitik in den 80ern in meiner Straße einrichtete (ich schreibe das mal der SPD zu, ohne das genau zu wissen). Drei Jugendstil-Bürgerhäuser, von links nach rechts von Beischlaf-verwöhnten Schauspielern als Eigentum bewohnt, von mir und meinen Nachbarn als normale Mietwohnung und nebenan Mietpreis-gebundene Sozialwohnungen. Ein toller Mix, von außen nicht zu unterscheiden, wenn der eine seiner Sucht fröhnend, zehnmal am Tag zum Automaten rennt und der andere mit Bierpulle aufm Balkon der seinen nachgeht.

Das ist vielleicht traurig und passt in kein Prospekt, aber lebendig ist es und mir gefällts. Und das vermisse ich in der Hafencity völlig, in weiten Teilen der Schanze und der Hamburger Innenstadt schon lange. Das Recht auf Stadt ist eigentlich eine Pflicht, die unserer Vertreter in den Zirkeln, die sie Parteien nennen. Widerstand dagegen ebenso.

Weltkulturerbe

Ted Gaier (* 1964 in Stuttgart) ist ein deutscher Musiker, Regisseur und Darsteller. Er lebt in Hamburg. Ted Gaier ist Gründungsmitglied und bis heute Texter, Bassist, Gitarrist und Keyboarder der Goldenen Zitronen, einer Hamburger Band.