Kontra IKEA in Altona erwirkt Planungsstopp

Kontra IKEA Altona Button“Die weitere Bearbeitung der von IKEA eingereichten Bauvoranfrage und die Bearbeitung der sanierungsrechtlichen Genehmigung für den beabsichtigten Bau unterliegen somit ab sofort dieser Sperrwirkung.”

Es ist ein kleiner Achtungserfolg, dass die Gegner der geplanten Ansiedlung eines IKEA Altona den Bauvorantrag stoppen konnten, bevor er zuende bearbeitet worden war. Anders gedacht, war das anscheinend schon vom Altonaer Bezirk.

Wie Altona.info meldet, darf „nach der Abgabe von einem Drittel der für das Zustandekommen des Bürgerbegehrens erforderlichen Unterschriften (ca. 1.850 gültige Unterschriften) darf für mindestens drei Monate – hier bis zum 29. Dezember 2009 – nach § 32 des Bezirksverwaltungsgesetzes eine dem Bürgerbegehren entgegenstehende Entscheidung durch die Bezirksorgane nicht mehr getroffen und mit dem Vollzug einer solchen Entscheidung nicht begonnen werden“.

Eine der Unterschriften war von mir, abgegeben vor unserem Wahllokal, zusammen mit mehreren meiner Nachbarn. Die übrigens alle, wie ich, nicht gegen IKEA sind, sondern sich gegen die Art und Weise wehren, wie der Bezirk und IKEA uns Bürgern keine Wahl lassen, als dagegen zu sein. Feiglinge, allesamt.

Das Internet-Manifest

Das Internetmaifest von Thomas, Sascha und vielen anderen ist eine Zusammenfassung der lose schwelenden Konflikte um das Thema Internet und Journalismus, die uns seit ein paar Jahren begleiten.

In seiner disruptiven Wirkung nicht zu verwechseln mit dem Cluetrain Manifest, aber eine gut formulierte Sammlung an Thesen, an denen man sich gehörig reiben kann und soll.

„Wir, das Internet“ :) „Das Internet-Manifest“ weiterlesen

Bunzen

Mercedes Bunz im Bug habe ich ja öfter zu lesen versucht. Aber ich habe das dann aufgegeben, weil ich das alles irgendwann schlicht nicht verstanden habe, diese Feierei prekärer Lebensverhältnisse mit Laptop als Avantgarde und Boheme. Diese ganzen Ästheten haben die Ideologie der persönlichen Zwangsbescheidenheit mitvorbereitet.

kommentiert T. Albert drüben bei shifting reality.

… und ja, das Leben in der digitalen Boheme ist eben nur so lange lustig, wie man unter 40 ist, dabei gesund, deswegen genügsam und manchmal sexy. Offen Kaffeesatzrechnen würde in Berlin-Mitte keiner.

Das Schweigen der vermeintlich Freien

|kryptisch
Ja, Freiheit kann weh tun. Deswegen hüte sich, wer eine Freiheit fordert, die Menschen nackt im klammen Regen stehen lässt. Vor allem, wenn er noch warm angezogen ist, aber von den Nackten ihr letztes Hemd geliehen bekommt, um seine eigene Haut zu retten.

|klartextlich

Wo bleiben angesichts der Krise die Stellungnahmen der Liberalisierungs- und Deregulierungsprofiteure und -versager im Umgang mit Ihrer wirtschaftlichen Freiheit und deren Wegbereiter?

Josef Ackermann? Norbert Walter? Martin Blessing? Michael Diekmann? Dr. Herbert Walter? Olaf Henkel? Hans Werner Sinn? Thomas Straubhaar? Der Professor aus Heidelberg? Irgendeine INSM-Fresse? Meinhard Miegel?
Nix. Nada. Niente. Rien. Nothing.

Replik: „Über rechte Ignoranz“

Polemik in die eine Richtung braucht ja dann immer einen Gegengedanken:

Die beste und vermutlich eine der kürzesten Antworten auf die Frage “Was ist rechts?” lautet: Ignoranz … schneidende, erbarmungslose Ignoranz, inhumane und machthörige Überheblichkeit, das Niedermachen aller, die nicht über die Macht verfügen sich zu wehren, das habe ich eigentlich immer nur bei Rechten angetroffen.

Replik hierzu:

Die beste und vermutlich eine der kürzesten Antworten auf die Frage “Was ist links?” lautet: Arroganz. … Schneidende, erbarmungslose Arroganz, intellektuelle Überheblichkeit, das Niedermachen aller, die nicht der eigenen Subkultur angehören, habe ich eigentlich immer nur bei Linken angetroffen.

… aus „Zettels Meckerecke“, diskutiert u.a. bei shiftingreality

Konkurrierende strategische Handlungsfelder

Unter dem etwas sperrigen Begriff „Politik der Bundesregierung für digitale Information und Kommunikation – Strategische Handlungsfelder“ finden sich in der Dokumentation des BMWI zum Aktionsprogramm iD2010 zwei, die sich meiner Ansicht nach in einer immanenten und permanenten Konfliktsituation befinden: „B.I.4 Schutz geistigen Eigentums zukunftsgerecht sichern“ und „B.II.4 Kulturgut über das Internet für jedermann erschließen“, was in seiner Konsequenz auch kostenfreies DSL für „Hartz IV“-Empfänger heißt.

Bemerkenswert und vielleicht ein wenig entlarvend, dass im Bereich Sicherheit kein Wort über das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung oder die daraus resultierenden Herausforderungen in Sachen Persönlichkeitsschutz verloren wird. Nur in einem solchen politischen Klima kann so etwas, wie die Telekom-Spitzelaffäre gedeihen.

Die Politisierung der deutschen Blogosphäre und der Irrtum der netzeitung

Die netzeitung interpretiert heute die Ergebnisse des Forschungsdoppelbands «Neue Schriften zur Online-Forschung Bd.2&3» im Hinblick auf Blogs:

Im September 2005 sah sich der amerikanische Journalist Sean Sinico anlässlich der Bundestagswahlen in der deutschen Blogosphäre um. Die Deutschen Welle brachte seine Analyse damals unter der Überschrift „Blogs Making Baby Steps in German Politics“. Das war keine Provokation, sondern Fazit einer nüchternen Bestandsaufnahme.

Vor ein paar Wochen führte das Zitat von Sinicos damaliger Einschätzung zu deutlichen Abwehrreaktionen aus der A-Blogger-Szene. In der Abwehr unter ging die inhaltliche Auseinandersetzung mit der Feststellung, dass auch der aktuelle Vergleich US-amerikanischer politischer Blogs mit ihren deutschsprachigen Pendants ergab, welch geringe Rolle politische Blogs im deutschsprachigen Raum spielen.

Die Methode, den Entwicklungsgrad einer nationalen Blogosphäre an ihrer Politisierung abzuleiten hat der Haltungsturner bereits ausgiebig kritisiert. Ich stimme ihm da zu.

Das (stichpunktartige Suchen nach Keywords, wie „Irak“ und „Merkel“, Anm. d. A.) hielte ich für eine Fragestellung – mal abgesehen davon, dass ich die These Politisierung = Professionalisierung bedenklich finde -, die völlig ungeeignet ist, die Politisierung deutscher Blogs und deutscher Blogger festzustellen.

Vielleicht liegt der Irrtum der netzeitung ja auch einfach darin, dass A-Blogger (also Reichweiten- und Link-Starke Blogs) in Deutschland nicht vornehmlich über Politik bloggen, sondern über Medien, Pop oder das Bloggen selbst.

Natürlich gibt es eine große politische Blogosphäre. Die ist in Deutschland allerdings extremistischer als in den USA, was wiederum viel mit dem Anstand und Respekt vor der politischen Meinung anderer zu tun haben könnte. Der ist in den USA einfach höher.

Politik wird in Deutschland entweder verkopft gebloggt oder kommt aus dem Darm. Der Bauch ist leider viel zu selten Entstehungsort von politischer Artikulation. Das ist bedauerlich, sagt aber über die Politisierung deutscher Blogs gar nichts aus.
Seit ich Mitautor bei shifting reality bin jedenfalls, kommt mir das oft so vor.

Nachtrag: (1)
Neben den vielen richtigen Punkten, die netzpolitik.org noch zu dem netzeitungsartikel anführt, erscheint mir der folgende Satz wichtig zu sein:

Ein Unterschied könnte auch sein, dass US-Politik-Blogs von Journalisten als Quellen genannt und verwendet werden.

„Olaf Scholz, was stierst Du so?“

olaf scholz-poster

Wir sind hier in Ottensen alle mächtig gespannt drauf, was das bringt dass wir nicht nur zwei Bundestagsabgeordnete haben, sondern einer davon auch Minister ist. Olaf Scholz, umtriebiger Politiker mit einer Wahlkreisverwurzelung, die sich sehen lassen kann.

Nu ist er wieder da, in seinem Altona, am 25.3.2008 im Stadtcafé Ottensen. Einen besseren Ort für das Spannungsfeld zwischen Arbeitsministerium Berlin und dem freiheitsliebenden Altona kann man nicht wählen, ist doch das von Hundertwasser legitimierte Café vom Abriss bedroht. Das alles würde ich mir durch den Kopf gehen lassen, wenn ich sein Ankündigungsplakat sehen würde. Normalerweise.

Nu aber frage ich mich, ob der Fotograf an diesem Tag einen schlimmen hatte. Oder ob es so schlimm um Deutschland bestellt ist? Wie Olaf Scholz da mich anstarrt auf dem Plakat, das macht mir Angst.

Was mag das bedeuten? Nachwirkungen des Poloniums, dem wir Ottenser alle ausgesetzt waren? Ich wundere mich noch immer.
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London vs. Porsche

london von oben
Zähle vier Porsche und dutzende SUVs von Audi, BMW, Volvo & Co, die geheizt und gehetzt an mir vorbei rasen. Den starren Blick auf die gelbe Ampel gerichtet anstatt nach oben.

schrieb ich letzte Woche. Ich habe mich das auch gefragt, weswegen diese fetten Dinger in die Innenstadt fahren müssen, alle nur mit einer Person besetzt.

Die Lösung der Londoner, so große Luxusschleudern, wie einen Porsche, mit einer Extrawurst an City-Maut zu belohnen, ist mir deshalb sympathisch. Porsche ärgert das und lässt das Unternehmen einen Fehler machen: Es übt Druck auf den Londoner Bürgermeister aus.

Abgesehen von den alten Reflexen, die da ablaufen, wenn ein deutsches Unternehmen der britischen Haupstadt droht, interessiert doch im Ernst keinen, was Porsche da hilfsweise verlaubart: «Sie (die City Maut Erhöhung) wäre schlecht für London insgesamt und würde das falsche Signal senden, dass die Stadt nicht ernsthaft daran interessiert ist, sich als der beste Standort für Geschäfte zu etablieren».

Das veranlasst nun auch den Londoner Bürgermeister zu einem Gegenangriff:

„Porsche’s threatened legal action is a double attack on Londoners. First Porsche are trying to deprive Londoners of their democratic right to decide in the Mayoral election on 1 May whether they want gas guzzling and polluting cars to drive in London when there is absolutely no need for them to do so. Second they are trying to impose on all Londoners unnecessary levels of pollution and greenhouse gases by a tiny minority. No one is allowed to throw their rubbish in the street and Porsche should not be allowed to impose gas guzzling polluting cars on Londoners who do not want them.“

Die Daten unserer Kinder

kinderWer in diesen Tagen in die USA reist, und sagen wir Hashid mit Vornamen heißt, der ahnt schon, was da über ihn im Hintergrund alles ausgetauscht wird, an Daten und Rastern, die über diese dann gelegt werden.

Für Hamburger Schüler gibt es seit ein paar Jahren das Zentrale Schülerregister, eine Datenbank ZSR* genannt, die alle Hamburger SchülerInnen erfassen soll. Vordergründig soll damit die Schulpflicht erfasst werden. Ein unangenehmer Nebeneffekt ist die Ringfahndung nach „illegalen“ Kindern durch den Datenabgleich mit anderen Behörden, bspw. der Ausländerbehörde. Wohin das führen kann haben wir am Fall der Hamburger Schülerin Yesim gesehen, deren geplante Abschiebung Hamburger Bürger, gegen ihre Verwaltung, politisch gerade noch durchsetzen verhindern konnten.

Für diese Überwachungsorgie erhielt Senatorin Dinges-Diering 2007 den Big Brother Award.

An einer Schule befreundeter Eltern ist es mehrfach zu diesen Datenabgleichen zwischen staatlichen Stellen gekommen, ohne die Eltern vorher in geeigneter Weise zu informieren. Da kann man sich getrost hilflos fühlen in der eigenen Stadt. Verglichen und verstrickt in Verwaltungsmuster, ohne richtige Kontrolle. Ein Datenschutz-Gau.

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Virales Gammelfleisch (Spam)

spam
Gut geführter viraler Wahlkampf kann spannend sein. Wie spannend das allerdings auch gehörig nach hinten losgehen kann, erfuhr die FDP in diesen, doch so wichtigen, Tagen per Abmahnung (mal anders herum).

Virale Videos bspw. werden, so nennt das der Fachvirologe, „geseedet„, also an besonders themennahen Stellen im Netz unter die Bevölkerung gemischt, in der Hoffnung, dass sich der Virus so schnell wie möglich verbreitet. Das ist eine kritische Phase, denn ähnlich dem Schlüpfen von Schildkrötengelegen gehen viele noch so schöne Videoviren am ersten Tag zugrunde. Da brauchen sie noch nicht mal so blödsinnig sein, wie der Schauspieler Sky Dumont, der für die FDP in Hamburg viralen Wahlkampf machte.

Natürlich will die Viren versetzende Agentur ihren Lieblingen einen guten Start ermöglichen, und schiesst dabei des öfteren über das legale Ziel hinaus. Unaufgefordert zugesandtes Virenmaterial ist nämlich Spam.

Nun ist Spam, also Werbung per unverlangter Mail, illegal. Und wer mit falschen Absendern und erfundenen Fürsprechern für sich wirbt, kann nicht erwarten, dass die Botschaft authentisch rüberkommt. Schade, wenn eine Partei, die Recht und Gesetz propagiert, solche Wahlkampfmethoden verwendet.

Hannos (Mein) Anwalt hat Anfang letzter Woche als Antwort eine Abmahnung an die FDP Hamburg verschickt, was zu der oben zitierten, heftigen Reaktion führte. Die von der Partei beauftragte Kanzlei war besonnener und hat offenbar schnell erkannt, dass der Fall eindeutig war: Die FDP Hamburg hat die Abmahnung noch vor Fristablauf akzeptiert.

Wie viraler Wahlkampf funktioniert, wie polemisch platt und dennoch filigran man das steuern kann, sieht man derzeit bei DIE PARTEI.

„Heimat Hamburg“ vs. „Heimat Ankara“

hamburg beibt deutsch„Es ist schändlich“, sagte Henryk Broder eben bei Anne Will, „dass Erdogan, türkischer Ministerpräsident und zu Gast in Deutschland, die Katastrophe in Ludwigshafen für seine politischen Interessen benutzt“. Und er hat recht.

Das spielen mit den Gefühlen rückt in den Vordergrund. Erdogan nutzt die gleichen Mechanismen, wie Roger Kusch, wenn der auf seinen Plakaten fordert, dass „Hamburg deutsch bleiben“ soll. Demnach sollen die Tüken in Deutschland besser türkisch bleiben.

Das ist Zündeln an einer Lunte, die keiner der beiden je wieder ausgepustet bekommt, wenn sie einmal brennt.
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Virales Grün – virale Parteien-Werbung im Wahlkampf

zeit für grün
Die Grünen schalten keine Anzeigen, sie kleben sie. Und zwar an Ampeln, genau in der Blickrichtung, die der geneigte Wähler einschlägt, wenn er gebannt auf die beiden roten Männchen starrt und auf den Wechsel wartet. Von Rot auf Grün.

Man könnte die Agentur, die dahinter steckt umarmen, so schön ist die Idee, hätten sie sich nicht auch an Personen statt nur an Farben versucht. Der Hinweis am Gänsemarkt, dass Grüne Spitzen-Frauen keine „desperate housewives“ seien, stinkt dagegen voll ab. Virale Parteien-Werbung in Wahlkämpfen stehen ja ganz am Beginn – ein Anfang scheint zumindest bei den Grünen gemacht.

Übrigens: Wer ist denn das hier?
Ole alt

Du bist Journalist, Amen.

Die Journalisten und alle anverwandten Qualitäter brauchen nichts von ihrem Expertentum aufzugeben. Aber sie müssen mehr und wesentlich offensiver ihre Ansprüche mit den Nutzern und Neuformierern ihrer Arbeit teilen. Es wird weiterhin erstklassige Reporter, Berichterstatter und Autoren geben, die uns mit klaren Blicken auf die Welt versorgen. Aber die Zeit, in der Journalismus von einer begrenzten Berufsgruppe ausgeübt wurde, geht zu Ende. In der Internet-Ära sind wir alle dazu verdammt, Journalisten zu sein.

… schreibt Peter Glaser, damals einer der Kolumnisten unseres legendären VH-1derlandes (ja ich Trauer da immer noch) in der TR. Und setzt ein schönes Ausrufezeichen unter die Diskussion der letzen Zeit.

Liebe Angela Merkel,

Wenn Sie dies ernst meinen:
„Diktatorische Systeme bekommen zunehmend ein prinzipielles Problem. Die weltweite Verfügbarkeit von Informationen ist wesentliche Voraussetzung für ökonomischen Erfolg. Folglich muss den Bürgerinnen und Bürgern in den Ländern ein vollständiger Zugang zu Informationen gewährt und die Fähigkeit, Informationen zu neuem Wissen zu verknüpfen, per Bildung beigebracht werden.“

Dann bedeutet es das Ende Ihrer Urheberrechtspolitik, ein Grundrecht auf Freie Information, was auch für Genpatente und Kartoffelsorten gilt, eine Umkehr der Vorratsdatenspeicherung, hin zu dem Grundrecht auf Informationelle Selbstbestimmung.

Warum nur, glaube ich, dass Sie das nicht verinnerlicht haben, als sie es sagten.

Weiter und VIA

Was erlauben Alice?

Sie hat eine betörende Stimme unsere hübsche Alice. Ich war damals noch Kunde von Hansenet und Alice wohl kurz vor der Einschulung, als ich DSL dort bezog.
Seitdem ich vermuten muss, dass Alice mir mit ihrem jugendlichen Überschwang den Tarif geändert hat, ohne mich zu fragen, ich darüber stolperte, nachfragte und seit knapp zwei Wochen auf den versprochenen Rückruf warte, seitdem denke ich daran, die Presseabteilung da mal zu behelligen und grundsätzliches zu erfragen:

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SZ et al, „Google News ist euer Fieber“

Nicht nur die deutschen Printmedien liegen in schwerem Fieber. Weltweit, zumindest in der westlichen Welt, sinken die Auflagen der traditionellen Zeitungen. Die Erkenntnis greift langsam um sich, dass das wohl nicht wieder wegzuwünschen ist.

Mit Erstaunen lese ich in diesem Interview der SZ mit John Lloyd, dass nun ausgerechnet Google News als Buhmann aufgebaut wird. Ein Buhmann, der allenfalls als Symptom durchgeht, stellt er doch sehr deutlich die Austauschbarkeit der Medienberichte dar, wenn zu einem Thema ausgerechnet Reuters als Quelle genannt wird, und, wie heute 300 (!) Medien denselben, oder minderwertig erweiterten Inhalt anbieten. Das war schon vorher so, fällt aber nun eben auf.

Menschen mit galoppierender Panik aber, nehmen solche, für normale Menschen leicht zusammenzudenkenden Zusammenhänge nicht wahr. Journalisten, wie Uli Jörges bspw. auch sehen das Problem nicht in ihrer eigenen Austauschbarkeit, sondern im Überbringer ihrer Nachrichten. Nichts anderes ist Google News, zitiert noch nicht einmal viel von den klassischen Medien. Unlauteres „Ressourcen“ abgreifen, also Trittbrettfahrern, sehe ich da nicht.

SZ: Sehen Sie in „Googles News“ eher einen Freund oder Feind für die Zeitungswirtschaft?

Lloyd: „Google News“ ist derzeit eher unser Feind als Verbündeter. Und zwar weil dort Nachrichten nicht selbst produziert, sondern einfach Anderen weggenommen werden. Dadurch wird die Anziehungskraft derer geschwächt, die fürs Nachrichtensammeln bezahlen müssen. Die stellen Google unfreiwillig ihre Ressourcen zur Verfügung und bekommen nichts zurück.

Leider geht Herr Lloyd nicht auf die interessante Frage ein, ob längere Reportagen, einzigartigere Inhalte, verwegene Geschichten der Schlüssel zur Umkehr wären? Meines Erachtens die einzige Chance, für Zeitungen schwieriger als für Magazine, sich vom seichten Nachrichtengeblubber abzuheben, mit Glück und Tüchtigkeit auf das Radar von bisherigen Nichtlesern zu kommen.

Hauptsache nicht Establishment

Der Sieg von Obama in Iowa ist vor allem eines: Der Ausdruck des unbedingten Wunsches nach einer neuen Politik. Einer Politik, bei der neue, unverbrauchte Männer in den Status des Retters erhoben werden (für Frauen sieht das inzwischen wohl schlechter aus), die mit dem neokonservativen Establishment nichts zu tun haben. Immer noch trauen und vertrauen die Amerikaner ihrer Demokratie, der Institution des Präsidenten. Und genau so präsentiert sich Barrack Obama in Iowa.

Eine hoffnungsvolle Entwicklung, die enorm auch hier in Deutschland wahrgenommen und interpretiert wird. Kein Blog von Rang, dass sich dieses Themas nicht annimmt.

Habe Freitag mit Saniti zusammengesessen und darüber palavert, offline in seinem Büro. Die Hoffnungen, die die Menschen in ihn setzen, könnten Obamas größte Gefahr sein, zumal, wenn er dann Präsident wird und anfängt umzusetzen, was er heuer verspricht. Dann erwarte ich eine Wiederholung der Geschichte und ein weiteres Zeichen der Macht, und ihrer eigentlichen Inhaber in den USA.

Markenneugier

interone


Das Web 2.0 verändert in rasender Geschwindigkeit die Form der Kommunikation. Das beinhaltet natürlich auch Marken, die ähnlich, wie Politik ab einer gewissen Abstraktionsstufe, es verlernt haben, direkt zu kommunizieren. Martin Oetting hat das mal sehr treffend auf das „Zuhören“ verdichtet. Nun ist das Zuhören wichtiger Bestandteil von Kommunikation und es scheint Marken zu geben, die das im Moment auch tun. Allerdings wohl eher, wie die amerikanische NSA, durch horchen. Wenn das der erste Schritt zu einem Dialog ist, dann soll es mir recht sein, dass vermehrt Bots und Referrer von Interone hier auftauchen. „Webmonitor“ heißen die und sind bestimmt nicht billig, diese Horcher.

Nun wächst ja meiner Neugier bei solchen Entdeckungen in schier maßlose. Welche der Firmen, die Interone betreut ist denn dabei in den Vorhof moderner Kommuniktaion zu treten? O2, BMW, Mini oder Air Berlin als Nachfolgerin der dba?

Ich frag da gleich mal nach …

Foto/Screenshot: Interone.de

Vom Senf zur flotzigen Mentholzigarette

Hole gerade den Senf aus dem Kühlschrank, um den Grünkohl, den aufgewärmten, ein wenig zu verfeinern, als das Telefon klingelt.

Spreeblick-Johnny ist dran. Er zittert ein wenig in der Stimme.

ich: „Frohes Neues“
Spreeblick-Johnny: „Hört auf, ich weiss doch, was bei euch los ist“
i: „Wie jetzt?“
S-J: „Ihr wollt polemischer werden, der Lumma und Du“
i: „Och, das war nur so ne Idee, das würd ich jetzt nicht so ernst nehmen“
S-J: hat inzwischen weitergesprochen „… und dann hackt ihr bestimmt auf adical rum, Du vor allen, weil Du nicht rein durftest“.
i: „Ach, weisst Du, ich wollte gerade Grünkohl essen, soll ja gut für die Verdauung sein“
S-J: „Komm, erzähl nix“
i: „Doch, versprochen, hier gibts jetzt vermehrt Rezepte und so, und Politik, das passt super zusammen hier in Hamburg, wenn das wieder rauskommt, weißte, alles zusammen inne Elbe rinn“

Ich zwinkere mit den Augen, doch das kann Johnny nicht sehen.

S-J: „Ich seh mir das nicht länger an, wie ihr Nörgler mein schönes Projekt kaputt macht.“

Ein paar Sätze später, die ich mir nicht merken konnte, ich war abgelenkt, weil der Verschluss des Senfglases klemmte – wieso müssen die das immer neu erfinden, neuerdings braucht man zwei Daumen gleichzeitig, um die Dinger wieder aufzumachen – legten wir auf.

Ich ließ den Grünkohl liegen und machte mir ein heißes Bad zurecht. Mit Bayleys und Automatenzigarette. Frage morgen Nico mal, was er damit meinte, „mal wieder flotziger“ zu werden.

Heimat Hamburg-Harburg: „Ej Alder, den reden wieder über disch“

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Es ist Sylvester, bei einem Linie Aquavit kommen Ö. und ich auf unsere Jugend zu sprechen. Von der Faszination, die die Gewalt auf den Straßen St. Paulis auf uns ausübte, die regelmäßig zu uns rüber schwappte, zu ihm nach Altona und zu mir ein wenig weiter westlich. Die Ahnungslosigkeit unserer Eltern, die Ignoranz, mit der die Probleme verdrängt, medial nicht thematisiert und dann von uns, wegen unseres Eintritts in die Erwachsenenwelt aus den Augen verloren wurden.

Nun hat Roland Koch das Thema zu einem Politikum gemacht. Es mithilfe der BILD auf den rotbraunen Boulevard geschleift. Unlautere Absichten darf man ihm da wohl unterstellen. Aber sind da „unsere“ besser? Wir, die wir mit einer Mischung aus erleichterter Distanz, gebildetem meist positiven Rassismus und Abscheu auf die Ereignisse um Sylvester in München schauen? Auf die Reflexe, die da in Medien und Politik, in uns ablaufen.

„Ey alder, den reden wieder über uns. Krass“, höre ich es auf den Schulhöfen und Bahnhöfen meiner Stadt. „Die Wichser, wie geil ist das den“.

Die Situation, dass 30 Champs auf dem Gänsemarkt meinen Bruder und mich umringen – aus purem Zufall, und weil wir einen der Jungs kannten, nichts weiter passiert ist – ist mir noch sehr gegenwärtig und 20 Jahre her. Das hätte durchaus so ausgehen können, wie die Situation in Harburg die Tage. Nix Neues also, und ein Grund weswegen sich Koch und Konsorten schämen sollten. So gehörig schämen. Tun sie vielleicht sogar und inszenieren deswegen dieses schwarz-bräunliche Dumpfdenkmanöver.

Natürlich gehören die Jungs, die den alten Mann totprügeln wollten, in den Knast! Auch die in Harburg. Ihre kleinen Brüder aber gehören pädagogisch mit aller Macht gefördert. In funktionierenden Vorschulen, als Deutsche erster Klasse. Imho der Kern dieser Debatte, dass da immer noch von Ausländern gefaselt und wirklicher gesellschaftlicher Fortschritt verhindert wird.

Hessen, hüte Dich vor Roland Koch

Roland Koch steht mit dem Rücken zur Umfragewand. Auf der Suche nach einem Stammtischthema, dass die „schweigende Mehrheit“ der Hessen auch so erfreut wie ihn. Koch vermutet wohl mit der bigotten Kopie von Parolen, die man bisher aus dem braunen Lager gewohnt war, Wähler zur Urne zu treiben.

Hessen, ihr habt die Wahl. Straft diesen schlimmen Menschen ab. Er hat in der deutschen Politik nichts zu suchen.

Waffen und Hasch nur gegen Fingerabdruck

Waffen Drogen und Substanzen

„Finger“-Dieter Wiefelspütz möchte den „Deutschen ab 16“ den Perso mit Fingerabdruck schmackhaft machen.
Würde mich nicht wundern, wenn sich vor den Ämtern lange Schlangen bilden, wie beim IPhone, um den „zeitgemäßen“ und „besten Perso der Welt“ rechtzeitig und als Erster zu bekommen.

„Abdruck ja“, sagt er hier, „Datei nein“. Soll also nirgendwo gespeichert werden mein Fingerabdruck. Könnte ja mißbraucht werden.

Nur wenn man so Dinge macht, wie Waffen, Alkohol oder andere Substanzen einzukaufen. Mache ich jeden Tag. Und da zieht der Mann dann die Linie, nicht die, die ihr jetzt meint. Nee, die Linie, das nicht in eine Datei schreiben zu wollen, wer denn nun Waffen und Substanzen gekauft hat.

„Ganz klar!“ Wer da einen Widerspruch herausliest, ist selber doof und völlig unzeitgemäß.
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„Abfall-Regelung“

Wieso ich mich in letzter Zeit immer wieder verlese kann mir vielleicht ein Freudianer erklären:

Die damalige Bleiberechtsregelung galt nur für Staatenlose aus dem Libanon, nicht für Türken. Auch ein Bleiberecht nach der im August in Kraft getretenen Altfall-Regelung hat das Gericht verneint.Es verwies darauf, dass Siala wegen unsachgemäßen Schlachtens zu einer Geldstrafe verurteilt wurde.

Wer aus dem da oben schlau werden will, muss Unionspolitiker, Richter am OVG oder Leser von Shifting Reality werden.

Schäuble und die Offenheit

Gefahr sieht der Mensch hinter jeder Ecke. So sehr, dass er und seine Politik dann als Gefahr wahrgenommen werden. Irgendwann.

Das ist genauso wie mit der Offenheit, die irgendwann so offen ist, dass eben Tür und Tor geöffnet, das Böse in Form des isalamistischen Terrors, eben diese Offenheit ausnutztend, fröhlich sich verbreiten kann. So, und dann ist vorbei mit offen.
Aber ist es denn nicht auch vorbei, das Offene, gekennzeichnet durch sein Gegenteil, das Geschlossene, wenn ich mich, ehemals offen, nun verschließe? Ein Dilemma ja, aber die Wahl, ob ich mich quasi selbst richte, bevor es der Terror tut, die Wahl habe ich noch. Ausgang: offen.

Übrigens ist mein Privates und auch alle Rechner die darin stehen genau das. Geschlossen. Taugt also nicht, Dein Argument, die Terroristen und Extremisten dieser Welt würde die Offenheit ausnutzen, offen gesagt.

vgl. Tagesspiegel von heute:

Die absolute Offenheit des virtuellen Raums könne so zur Gefahr für die Offenheit der Gesellschaft werden.

„Kinderschutz“: Politiker fordern Christenregister für junge Touristen in der Türkei

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Normalerweise würde ich die Meldung, die uns da aus der Türkei erreicht für einen Scherz halten. Anscheinend meint sie aber eine neo-extremistische Gruppe aus der muslimischen Regierungspartei dort bitter ernst.

Nach den jüngsten Fällen von „Verführung Minderjähriger“ soll ein zentrales Register in Ankara geschaffen werden, das alle westeuropäischen Touristen christlichen Glaubens erfaßt, die in die Türkei reisen. Auch alle jungen Männer und heranwachsende Deutsche zwischen 14 und 24 Jahren.

„Wir haben festgestellt, dass unter den gemeldeten Fällen, in denen junge Männer unsere Mädchen zu verführen versuchen, eine hohe Zahl an jungen Christen ist“, sagte der Vertreter der Muslimischen Demokraten in Ankara, Mustafa Bösbük, am Abend. „Das ist keine Schikane, sondern reine Prävention“. Wer seinen Willi zu verbergen wisse, der hätte nichts zu befürchten. Immerhin sei die Türkei ja eine offene Gesellschaft.

Rettet den Hamburger Volksentscheid

607.468 Hamburger Bürger müssen am 14. Oktober für die direkte Demokratie stimmen, um sie zu retten:

Diesmal geht es ums Ganze: Gerade noch rechtzeitig vor den Hamburger Herbstferien, nämlich am Sonntag, den 14.Oktober 2007, wird der Volksentscheid stattfinden, bei dem die Bürgerinnen und Bürger darüber abstimmen, ob sich Senat und Parlament in Zukunft stärker an die Ergebnisse von Volksentscheiden halten müssen.

… weitere Gedanken von mir, hier.
… weitere Informationen, hier.

Solidarisches Bürgergeld: „Kinder, ich arbeite nur noch vierteltags“

Wenn ich das von Herrn Althaus (CDU) hier zitierte richtig verstehe, dann würde ich mit einem Viertel meiner Arbeitsleistung besser dastehen, als heute: Das Haushaltseinkommen meiner Familie betrüge netto 4.200,75 €

Wenn ich oder meine Frau arbeiteten und 1.601 € verdienten (einen Euro müssten wir dann versteuern), kämen nach Abzug der Gesundsheitspauschale – wieso eigentlich keine Verteidigungspauschale oder CO2-Pauschale?; aber die kommen dann sicher später – noch 200€ Bürgergeld für den arbeitenden Part der Famile. Kann man sich ja auch monatsweise teilen.

800€ dann ja für mich, oder meine Frau, wenn ich arbeite (1000 EUR, abzgl. der komischen Gesundsheitspauschale von 200 EUR), für meine Tochter Nr. 1 und Nr. 2. Die sind ja nach dem GG auch schon BürgerInnen, oder?

Toll.

Ich bin wirklich ein großer Fan von Herrn Straubhaars Ideen zum Bürgergeld. Nur eben ein wenig länger darüber nachdenken, das würde ich mir wünschen. Ansonsten vermute ich hinter Herrn Althaus Ideen genau das Gegenteil, eine Abwertung dieser Diskussion.