Wiederschein

Die distanzierte Demut des Beobachters weicht dabei der Geltungssucht des Mitmischers, der Menschen und Themen nach Gusto herauf- und herunterschreibt. Reale politische Konflikte werden als hässliches Gezänk gespiegelt, die vermeintlichen Sieger und Verlierer täglich neu und oft willkürlich festgelegt. Die Macht professioneller Einflüsterer ist deutlich gestiegen.

Ich erkenne in dieser Beschreibung vieles wieder, was sich in Klein-Bloggersdort gegenseitig Rang und Namen gibt.

„Wiederschein“ weiterlesen

Mindestlohn kostet Arbeitsplätze, oder?

mindestlohn_179x115.jpg

Heute entscheidet sich die Zukunft des bei Indsutrievertretern, und neuerdings auch bei der SPD verhassten Mindestlohns.

Bis heute verstehe ich nicht ganz, wieso dieser denn Arbeitsplätze kosten soll.

Werden nicht bespw. in der Branche der GebäudereinigerInnen genauso viele Fenster, Büros und Schreibtische zu reinigen sein, wie vorher?
Wenn hier nun Arbeitsplätze wegfielen, wer macht die dann sauber? Nicht dei Arbeitsplätze, die Arbeitsplätze der anderen, meine ich. Einstellen kann man ja niemanden mehr, zumindest nicht für einen Lohn geringer als der, genau, Mindestlohn.

Also arbeiten in der Branche zu viele Menschen zu viel für zu wenig, was ja den Vorwurf der Ausbeutung befördern würde – oder es passiert, NICHTS.

Vorausgesetzt der Mindestlohn bleibt das, was sein Name bedeuten soll, die untere Grenze des Zumutbaren.

Nachtrag: putzigerweise befürworten auch 66% der Leser der FTD online einen Mindestlohn:

„Mindestlohn kostet Arbeitsplätze, oder?“ weiterlesen

G8: Wale vor Heiligendamm

Wäre Helmut Kohl noch Kanzler, hätte ich mir eine Greenpeace Aktion vor Heiligendamm auch vom Strand aus vorstellen können. „Sein Mädchen“ wieder in die rettende Ostsee zu rollen, wäre dann aber doch nicht schicklich gewesen.

So mottet man bei Greenpeace die Schlauchboote aus und wundert sich, dass die Staatsschützer mitunter heftigere Gegner sind als raue Walfänger:

Heiligendamm – Schlauchboote der Umweltorganisation Greenpeace sind am Vormittag in die Sperrzone um den G-8-Tagungsort in Heiligendamm eingedrungen. Greenpeace wollte den Staats- und Regierungschefs eine Petition mit einem Aufruf zum Klimaschutz überreichen, sagte ein Sprecher. Als Polizeischiffe die Boote mit zum Teil riskanten Manövern stoppten, wurden nach Greenpeace-Angaben drei Personen verletzt. Sie seien auf dem Weg ins Krankenhaus, sagte ein Sprecher. Die Umweltorganisation sprach von insgesamt elf Booten, die in die Sperrzone eingefahren seien.

„G8: Wale vor Heiligendamm“ weiterlesen

Ghana: Der klügere gibt nach …

… und hungert.

Zum Nachdenken und diskutieren anregen möchte ich durch dieses Zitat zum massenweise Export von Geflügelresten (90.000 t) nach Ghana und die Hilflosigkeit der Regierung (aus dem Afrika Spezial der FR):

„Ich weiß nicht, wie wir das Problem lösen sollen“, sagt Anna Nyamekye, die stellvertretende Landwirtschaftsministerin. „Ihr bezahlt eure Bauern doch dafür, dass sie billig exportieren können.“ Versuche die Regierung, dem einen Riegel vorzuschieben, werde sie von außen gestoppt. „Natürlich ist das Erpressung!“, ruft Nyamekye. „Wissen Sie, warum Venezuela sich wehren kann? Weil es Öl hat. So würden wir es gerne machen.“ Dann lacht sie, weil sie weiß, dass sich mit Ghanas Kakao wohl kein Handelskrieg gewinnen lässt. Hilfe aus Europa ist auch nicht zu erwarten: Die EU-Kommission ließ wissen, die Afrikaner sollten froh sein, dass sie so billig an proteinhaltiges Fleisch kommen.“

— via
— weitere Konversationen hierüber bei s-w

„Ghana: Der klügere gibt nach …“ weiterlesen

Mein natürlicher Bierbauch

Gewichtszunahme bei Vätern soll biologisch initiiert sein. Der große Masterplan ist Schuld an der Gewichtszunahme, die man landauf Bierbauch nennt, und vielleicht auch meine Frau:

Oder warum bekommen viele Männer nach der Geburt des ersten Kindes einen Bierbauch? Weil ihr Körper dafür sorgt, dass sie sich weniger für andere junge Frauen interessieren, sondern sich um das eigene Kind kümmern. Dazu wird der Testosteronspiegel heruntergefahren – Folge: Der Kerl wird fett. Zugleich signalisiert der „Bierbauch“ den jungen Frauen: Der „alte Sack“ ist in der Evolution schon einen Schritt weiter, kümmert euch lieber um die „Benachteiligten“. So ist nun mal die Biologie!

… sagt der Popstar unter den Oekotrophologen, der sein Gesicht in jede Kamera haltende Udo Pollmer bei welt.de.

Interessant ist es aber schon, dass einfache und unkomplexe Antworten auf das Thema Abnehmen schlicht nicht funktionieren. Im Zusammenhang mit dem MC seiner FDH und SDH-Kampagne würde mich ein eigenes Blog zu diesem Thema reizen.

Deshalb die Frage an die Dicken Kinder von Blogistan die Frage, wer Lust hätte das in einem Gruppenblog zu tun, sich mit Ernährung, Abnehmen und dem süssen Leben zu beschäftigen?

„Mein natürlicher Bierbauch“ weiterlesen

Gabriele Pauli we love you


Gabriele Pauli gefällt mir. Nicht zuletzt wegen ihres Nachnamens und der darin ja auch schon angelegten koketten Rebelligkeit eines FC Sankt Pauli.

Nein, die Frau sieht auch noch umwerfend aus und ist auf den Fotos von Park Avenue imho sehr angenehm inszeniert. Erinnert sie mich doch an eine heilige Schlagersängerin mit metroerotischen Anleihen an die Attribute einer starken, herrschenden Frau. Soweit, so sexy.

Und ebendeshalb scheint ihre politische Karriere im Sauberstaat Bayern beendet:

Selten hat sich jemand so schnell vom Hoffnungsträger seiner Partei zum Hofdepp gemacht. Und das freiwillig und vorhersehbar.

… meint dazu Thomas und fällt ungewollt in die gleiche Chauvifalle, die bspw. BILD so schön aufbaute. Frauen, die sexy sich geben, wollen provozieren, können doch gar keinen klaren politischen Gedanken fassen, so der offen zur Schau getragene Unterton.

Schade, dass Rebellinnen in der (bayrischen) Politik nicht auch sexy sein dürfen. Sehr schade.

Foto: Park Avenue/Jens Boldt

Wenn die alte Tante SPD irrt …

… dann biegen sich die politischen Balken. Immernoch.
Und gleichzeitig dreht sich ein großer Teil der alten Ostpolitiker im Grab um.

Zwei Meldungen, die verdeutlichen, was ich meine:
– BILD meldet heute, dass die Polen bei den Deutschen am unbeliebtesten sind (bisher nicht online)
– Die SPD hofft – in Form ihres Leitwildebers Kurt Beck -, lt. Neue Züricher Zeitung, dass sich das Wehren gegen den amerikanischen Raketenschild bei den Wählern auszahlt. Eine Konfrontation, wie 2002 zwischen Schröder und Bush wird hier zumindest billigend in Kauf genommen. Die SPD konzentriert sich dabei traditionell auf Russland:

Während Bundeskanzlerin Merkel einer Auseinandersetzung mit den USA wegen der Raketenabwehr aus dem Weg gehen möchte, sucht die SPD die Konfrontation.

Ein fataler Fehler!

Wenn es ein Land in Europa gibt, mit dem es so nötig gewesen wäre, wie beim Vorbild der Deutsch-Französischen-Aussöhnung vorzugehen, dann wäre das Polen gewesen.
Der kalte Krieg hat das verhindert und nun fällt es den beteiligten EU-Nationen merkwürdig schwer, das Miteinander zu organisieren, zu normalisieren.

Deutsche Sicherheitspolitik kann indes nicht ohne die enge Berücksichtigung der polnischen Interessen funktionieren, das sieht Angela Merkel vollkommen richtig. Nur eine enorme kommunikative Anstrengung in Europa kann den Wiederstand gegen diesen eigenartigen Schutzschirm wirksam formieren. Die SPD selbst schreibt hier von „Friedenssicherung durch Interessenausgleich“. Der sieht freilich anders aus, Herr Beck!

Alle reflexartigen und taktischen Alleingänge schütten Spaltsalz in die noch immer offene europäische Wunde.

Übrigens eine gute Gelegenheit, die Aussöhnung mit Polen zu intensivieren und über lange Zeit zu fördern. Immerhin ist Frankreich inzwischen das beliebteste EU-Land der Deutschen.

Foto: SPD.de

„Wenn die alte Tante SPD irrt …“ weiterlesen

„Stell Dich Du Mörder“

Irgendetwas krampft sich zusammen tief in meinen Eingeweiden. Schon seit gestern kann ich nicht anders, ich muss die ganze Zeit mir vorstellen, ich wäre der Vater des Jungen Mitja und würde den Mörder meines Sohnes in einer ungestörten Minute hinrichten, verstümmeln und foltern.

Ich stelle mir auch vor, dass ich als Unbeteiligter in dieser Tram saß. Nicht ahnend, dass ich mich Tage nach dieser banalen Fahrt, die mein Hypothalamus schon in den Gedächtnismülleimer befördert hatte, fragen würde, ob mir nicht irgendetwas hätte auffallen müssen.

Schrecklich.
Das liegt wohl an dieser realen Wucht, mit der die Bilder eines Augenblicks uns in die Seele fahren. Kein Filter, der davor schützt. Durch die Zeit unerreichbar geworden und doch so nah.

„„Stell Dich Du Mörder““ weiterlesen

Äh, Edmund Stoiber, Äh, elder statesman

„Die Leute werden sich daran gewöhnen müssen, dass ich die Dinge deutlicher ausspreche als in der Vergangenheit.“

Das hat der Stoiber, Edmund gesagt. Heute an seinem politischen Aschermittwoch.
Wer jedoch denkt nun sei alles vorbei, der irrt. Als ehemaliger Staatschef darf man sich einmischen und engagieren. Vorzugsweise für das Klima oder die Beseitigung von Landminen.

Landminen gibt es in Bayern nur im übertragenden Sinne. In der Politik und als Fladen auf den Feldern und in Münchner Boulevard-Gazetten. Das hat Edmund Stoiber mit dem heutigen Tag hinter sich gelassen.

So sehen wir ihn womöglich am 7-7-07 auf der Bühne.

Foto: Stoiber.de

„Äh, Edmund Stoiber, Äh, elder statesman“ weiterlesen

Live Earth – nun für alle singen

Vielleicht ist das die wesentliche Unterscheidung zum Jahr 1985: diesmal gehts um uns alle.

Diesmal besteht eben auch die Möglichkeit, dass alle, zumindest alle mit Internetanschluss, an diesem Klima-Kick-Off teilnehmen werden. Neben vielen Milliarden Menschen auch Popstars. Initiiert durch Al Gore. Vielleicht auch ein Wesensunterschied, das diesmal ein Politiker die Führung übernimmt.

„Live Earth – nun für alle singen“ weiterlesen

Albern

Jimmy Carter einen Antisemiten zu schimpfen, ist selten albern.

So sind Aussagen wie diese reinster gonzo:

“Es war Borat, nicht Jimmy Carter, der eine Menschenmenge in Tucson dazu anstiftete, gemeindem mit ihm zu singen ‘Werft den Juden in den Brunnen’.

Carter hat die gleiche Botschaft.

… lese ich und schüttle den Kopf.

Natürlich muss dieses Buch auf Kritik stossen, man kann es sogar unanständig finden, dass Carter die Apartheid als Begriff bemüht. Letztendlich ist im Sinne des Begriffes ja nichts anderes im Gange dort, nur vergleichen, die Dinge in Israel mit denen in Südafrika darf man nicht, was Carter wohl selbst richtig stellt – am Ende. Und das darf man dann unanständig nennen, wenn man dann will. Ein Antisemit wird Carter aber dadurch noch lange nicht, wenn er klarstellt:

We discussed the word „apartheid,“ which I defined as the forced segregation of two peoples living in the same land, with one of them dominating and persecuting the other. I made clear in the book’s text and in my response to the rabbis that the system of apartheid in Palestine is not based on racism but the desire of a minority of Israelis for Palestinian land and the resulting suppression of protests that involve violence. Bishop Tutu, Nelson Mandela, and prominent Israelis, including former attorney general Ben Yair, who served under both Labor and Likud prime ministers, have used and explained the appellation in harsher terms than I, pointing out that this cruel oppression is contrary to the tenets of the Jewish faith and the basic principles of the nation of Israel.

„Albern“ weiterlesen

SpOn: Irreführender Vergleich

Lese gerade den Bericht über die Baker Kommission bei SpOn und bin einigermaßen überrascht.

Nicht gerade über die Ergebnisse, denn man hätte in der politischen Führung der USA schon früher darauf kommen können, dass die diplomatische Einbeziehung der Nachbarn in der Region und das Herausnehmen der GIs aus der Schusslinie eine sinnvolle Strategie ergeben hätten.

Nein, der Vergleich mit dem zweiten Weltkrieg hat mich irritiert:

Der Einsatz im Irak dauert inzwischen länger als die Beteiligung der USA am Zweiten Weltkrieg.

Wie kommt man auf so einen schwachsinnigen Vergleich, dazu am Vorabend eben des Angriffes auf Pearl Harbour?

„SpOn: Irreführender Vergleich“ weiterlesen

Investivlohn

9944_78c79f7a55_m.jpgAus Sicht von Arbeitnehmern macht das nur Sinn, wenn man die Macht der Beteiligung bündeln kann. Zu politischer Macht. Herr Sommer übernehmen Sie.

Geld ist komprimierte Macht. Das war schon vor Karl Marx ein Allgemeinplatz.
Auch das Thema Mitarbeiterbeteiligung, so lernen wir im heutigen Tagesspiegel, ist eine so neue Idee nicht. In Deutschland fristet das Thema ein Schattendasein als exotische Geldanlage oder als etwas, was man eben so mitnimmt, wenn es das schon mal gibt. Meist in großen Unternehmen pütschert jeder so ein wenig mit Investivkapital herum, wie das so modern nun heißt.

Der Grund, weswegen das ganze so wenig Ernst genommen wird, auch bei denen, für die das seinerzeit einmal gedacht war, ist so einfach, wie banal. Mit den paar Kröten, die der Einzelne in Mitarbeiterprogrammen, wie Aktienoptionen, stecken hat, lässt sich kein Herr Ackermann davon abhalten tausende Kollegen zu feuern. Auf der Hauptversammlung wird man entweder gar nicht wahrgenommen, oder als Störer entlarvt, der die anderen kleinen Pupser und Wichtigtuer vom Buffet abhält. Nee. Da fehlt was Wichtiges.

„Investivlohn“ weiterlesen

DFL und „Das Fiese Lumpenpack“

JollyRoger.jpg
Es gibt Momente, da ist man reflexartig froh, dass der eigene Klub in der Regionalliga spielt. Ein Aufatmen geht durch das Rückenmark: dann droht wohl deswegen keine Abmahnung durch die DFL.

Setzt der Kopf dann das Denken ein, weil ihn soviel Erleichterung stutzig macht, dann realisiert man schnell: Das ist nur eine Frage der Zeit, wenn Du und die so weiter machen.
Die, das sind die Großkopferten der Medienindustrie, Verbände und Konzerne, in letzter Zeit in unheilvoller Eintracht mit der Politik.

Hier treffen social web und klassischer Rundfunk zusammen.

Hier offenbart sich ein Menschenbild, das zutiefst zynisch und rau ist:
Die Deutsche Fußball Liga DFL, die die Bild- und Übertragungsrechte an den Partien vermarktet, hat angekündigt, hart gegen die Urheberrechtsverletzungen im Internet vorzugehen und zu diesem Zweck eine internationale Allianz mit anderen Betroffenen zu schmieden. „Wir holen jetzt zum großen Gegenschlag aus“, sagte DFL-Sprecher Tom Bender der Berliner Zeitung.

Ahmadineschad, das putzige Killerkaninchen

104599772_b41c189f01_m.jpgEs ist recht geschickt, wie der Iran und seine, an einen niedlichen Maulwurf erinnernde, Führerfigur Ahmadineschad die Welt in Atem halten.
Man darf nie vergessen, dass das, was wir als Diplomatie begreifen, seinen Ursprung auch in dieser politisch heute so drohenden Welt hat. Konflikte in Verbindung mit dummdreisten Ideen sind nicht nur in der CSU oft Mittel zum Zweck.

Schockieren, zurück rudern, ein bisschen, Hinhalten und dann wieder Schockieren. Nach dem Schock aber noch etwas völlig Abstruses vorschlagen, das ist eine gute Masche.

„Ahmadineschad, das putzige Killerkaninchen“ weiterlesen

Steinbrücks panische Polemik

17635382_820d8b1b29_m.jpg

Die Menschen müssten sich darauf einstellen, „in den nächsten Jahrzehnten mehr Geld für Alter, Gesundheit und Pflege auszugeben“,
… sagte Steinbrück der Zeitschrift „Hörzu“. Der Minister hatte auch gleich einen konkreten Sparvorschlag auf Lager. „Wir müssen im Zweifel auf eine Urlaubsreise verzichten, um für später vorzusorgen“, riet er.

Mit „die Menschen“ meint Steinbrück Rentner, Arbeitnehmer, Selbständige und Freiberufler sowie Mittelständler. Wen er nicht meint, sind diejenigen, die von diesem System profitieren, von den Vorgenannten leben!

Die Nassauer in Verwaltung, Verbänden und Parteien, die Beamten und Teile des Öffentlichen Dienstes.
Der Urlaub ist hier nicht nur gesichert und fest eingeplant, er wird aller Voraussicht nach auch im Pensionsalter sehr viel üppiger ausfallen.

Ich erinnere mich bei solchen Sperenzchen immer an eine Talkshow auf dem Dritten vor ein paar Jahren. Roland Berger wurde dort als Experte gefragt, warum es denn keinen Aufschrei im Land gebe, wenn es allen doch so schlecht ginge. „Weil es nur einem Teil der Menschen in Deutschland schlecht geht“, antwortete er. „Dem anderen Teil geht es verhältnismäßig sehr gut“.

„Steinbrücks panische Polemik“ weiterlesen

Tagesschau: Die Schere im Kopf der ARD

Vielleicht liegt es daran, dass sich die Redakteure der ARD Tagesschau-Redaktion noch an Präsidentenbesuche erinnern, die immer gleichzeitig auch historisch bemerkenswerte Momente waren. Vielleicht ist auch der Druck zu hoch, Deutschland nach der tollen WM auch weiter nachhaltig schön zu präsentieren.
Ich kann es mir nur mit solchen Motivationen erklären, dass die Berichterstattung über die Proteste in Stralsund gegen das Bush-Grillen so kurz und ärmlich ausgefallen sind.

Aufgestossen ist mir bei dem Bericht der 20Uhr Tagesschau vor allem die Passage, in der ein PDS-Politiker, zwar noch sagen durfte, dass er etwas sagen darf, aber nicht noch gesendet wurde, was kritisches auf der Demo artikuliert wurde. Schade, einseitig und auch nicht wieder gut zu machen durch eine spätere Reportage.

„Tagesschau: Die Schere im Kopf der ARD“ weiterlesen

Panini 2.0

Jeder der Paninibilder sammelt kennt das Dilemma, einige der wichtigsten Akteure sind einfach nicht vorhanden.
Lehmann kann man inzwischen nachkaufen, Odonkor wenigstens nachdrucken. Um aber, wie Stefan vom ARD-Blog, das Panini-Album als Sanktionsinstrument zu nutzen, müssten alle fehlenden Argentinier – und vielleicht auch Italiener – nachgedruckt und eingeklebt werden – um sie dann als Strafe wieder herauszureißen.
060702_2.jpg


Prima, ein Paninialbum, das den Seelenzustand des Eigners und die aktuellen Entwicklungen des Turniers wiederspiegelt. Noch Jahrzehnte später, wenn es zum Autogrammtermin geht oder der Sohnemann am Lagerfeuer andächtig den väterlichen Geschichten lauscht. Das ist lebendig. „Panini 2.0“ sozusagen.

Übrigens, diese Meldung erstaunte mich doch auch, bei der technorati Recherche zu diesem Posting: Da wird das Paninikleben einem Politiker zum Verhängnis ,)

Foto: ARD Blog

„Panini 2.0“ weiterlesen

Kanzlerin Merkel hat Recht: „Deutschland ist ein Sanierungsfall“

Deutschland SanierungDer Berliner Kurier fragt heute „Frau Merkel, hassen Sie Deutschland?“. Das wird wohl kaum der Fall sein. Denn das, was sie sagt, ist natürlich in Teilen richtig. Deutschlands Verwaltung ist ein Sanierungsfall und da wir alle, alle Steuerzahler, die ominöse „Wirtschaft“ von der immer die Rede ist, die Reichen, die Leuchtturmwärter, die Freiberuflichen, wie die Angestellten, diese Verwaltung bezahlen, ja, dadurch ist ganz Deutschland ein Sanierungsfall.

Beispiele finden sich so leicht, dass es schon gar keinen Spaß mehr macht. Der Berliner Hauptbahnhof, der zusammengenommen knapp eine MILLIARDE Euro kostete. Das Gesundheitssystem und seine angebliche Reform, das durch ein komplexes System Lobbyisten und Verwaltung ernährt, die Kranken und die Solidarität der Gesunden aber letal belastet.

Das anachronistische Beamtenrecht, mit Unmengen an Überversorgungen und Incentives, wie das neudeutsch heißt, das so protektiv ist, dass selbst Spitzenpolitiker hinter vorgehaltener Hand verzweifeln. Die DDR-Beamtenpensionen, die der Generation meiner Kinder eine Bürde hinterlässt, die ihnen den Hals abschnüren wird. Und das eigentlich ohne Not, denn die DDR kannte kein Berufsbeamtentum!

Die Verwaltung verwaltet sich selbst und tut das, was sie am Besten kann, wachsen. Ein sich selbst regulierendes System, denn über die Hälfte der Bundestagsabgeordneten gelten als „beamtennah“.

So genannte Expertenkommissionen, sei es die von Herrn Rürup oder der Professor aus Heidelberg werden politisch, bedeutet verwaltungslobbyistisch, so verwässert, dass wahrer Wandel ausbleibt. Selbst Systeme, die bisher vom Zugriff des Staates frei und deswegen – ja es ist so einfach und so bitter – funktionierten, werden nun staatlich verwaltet. Es droht der Bankrott.

Deutschland hingegen
. Der Rest, die Freiberufler, die Hartz4-ler oder der angestellte „Leistungsträger“, hat den Wandel akzeptiert. Meinetwegen auch die berühmt gewordene Krankenschwester. Sie allein haben Deutschland auf den dritten Platz der Top-Wirtschaftsstandorte gehievt.

Die Staatsentourage allerdings, die Regierung, die Gewerkschaften & Verbände, Lobbyisten und auch die Kirchen, die diesem Treiben tatenlos zusehen, die stehen kurz vor dem strukturellen Stillstand.
Und drohen den Rest, den wandelbaren, den zuversichtlichen, der neue Freude findet in diesen Tagen, die trotzdem und lebendig Schaffenden mitzuziehen.

Familiensplitting

Zugegeben, ich habe mal wieder Christiansen geschaut. Ich bitte um Nachsehen.
Ich hätte aber auch eine Sensation verpasst: Alice Schwarzer und die katholische Kirche einer Meinung. Enorm.

Wolfgang Ockenfels, für einen Vertreter der Kirche eigenwillig engagiert und emotional, plädiert vehement für die Abschaffung des Ehegattensplittings – und auch Alice Schwarzer identifiziert dieses Rudiment fiananzstruktureller Familien- und Beziehungspolitik als den Hauptfaktor für die geringe Erwerbsquote bei Frauen.

Auch wenn Alice Angst bekommt, bei der Vorstellung mit der katholischen Kirche in ein Horn zu blasen, richtig ist es umso mehr.

„Familiensplitting“ weiterlesen

Hausmeisterstelle frei

Björn sucht im Auftrag von o2 einen Blogmeister für das kürzlich gestartete Projekt mobile-macs. Einen oder eine Bloggerin, die sich um die Community kümmert und auch noch Zeit findet mächtig versiert aus der Macwelt zu bloggen.

O2 verspricht, dass das Engagement auf ein Sponsoring zurückgefahren wird, die Plattform vollkommen offen bleibt. Paßt eigentlich zur sehr offenen Politik des Mobilfunkanbieters in letzter Zeit. Und VIP beim nächsten Konzert wird der Blogger bestimmt auch. Interessenten bewerben sich hier.

via

„Hausmeisterstelle frei“ weiterlesen

„Und nun zurück in die angeschlossenen Funkhäuser“

Transparency International kommuniziert. Und zwar mit dem unkreativ Weblog:

Sehr geehrter Herr M,
Sie wissen so gut wie ich, dass es in Deutschland Datenschutz gibt und Transparency hält sich an Gesetze. Wir sind durchaus offen für Kritik und wissen auch mit ihr umzugehen, aber die Fakten, auf denen Kritik beruht,
müssen schon stimmen. Der Gesetzgeber hat Meinungsfreiheit Art. 5 GG einerseits und den Schutz des Persönlichkeitsrechts Art. 2 GG gegeneinander abgewogen. TI-D wird Personalangelegenheiten nicht in der Öffentlichkeit diskutieren, auch wenn die Angelegenheit dann in einem anderen Licht erscheinen würde.

Mit freundlichen Grüßen
Dagmar S.

Immerhin hat mich dieses Treiben und das Nachdenken über TI-D (Fachabkürzung für Transparency International-Deutschland; nehme ich an) auf diese Aktion aufmerksam gemacht: „Nebeneinkünfte Veröffentlichen“

Das Online-Netzwerk Campact, die Antikorruptionsorganisation Transparency International und LobbyControl starten eine Protestaktionen gegen die von Bundestagspräsident Norbert Lammert am Freitag angekündigte Aussetzung der Veröffentlichungspflicht von Politiker-Nebeneinkünften. Lammert begründet dies mit beim Bundesverfassungsgericht anhängigen Klagen von Bundestagsabgeordneten, obwohl diese juristisch keine aufschiebende Wirkung haben.

Es wäre natürlich ähnlich naheliegend zu vermuten, dass die Verschiebung durch Herrn Lammers mit dieser Meldung des SPIEGEL etwas zu tun hätte:

Bundestagspräsident Norbert Lammert erhält jährlich 25.000 Euro vom Energiekonzern RAG – zusätzlich zu den normalen Bezügen als Politiker. Es gebe da gar keine Interessenkonflikte, sagt Lammert. Dabei ist der Umgang mit dem Kohleunternehmen seit jeher ein Politikum.

Der Frankophile sagt in solchem Fall: „honi soit qui mal y pense“ und überlaßt seinen Lesern die Schlußfolgerung.

Was für ein Glück, dass ich zwei Abgeordnete im Bundestag habe. Herrn Marcus Weinberg (CDU) und Olaf Scholz (SPD). Fühlen Sie sich bitte angesprochen meine Herren.

„„Und nun zurück in die angeschlossenen Funkhäuser““ weiterlesen

Mautspitzel: Datenschutz von langer Hand untergraben?

Foto: Spiegel.deNicht nur ich habe mich bereits seit Beginn des Mautdesasters gefragt, wieso sie keine kleinen Handgeräte mit GPS, oder meinetwegen Galileo, ausrüsten, verplomben und den Brummifahrern in die Hand geben.
Zuerst habe ich an eine Konzern-Politik-Seilschaft geglaubt. Nach dem EXPO2000-Motto nachhaltig Arbeitsplätze zu sichern:

„Du Verkehrsminister, Du geben mir Hunderte Millionen für unsinniges Maut-Onboard-Unit, ich gehen nicht nach Tschechei“.

Heute wird klar, dass auch der Kollege Innenminister einen Vorteil von dem Deal hat. In Zukunft möchte er alle Urlaubsreisenden schön von den schicken Mautbrücken aus Videoüberwachen. Ein Parkwächter und der Überfall auf den selbigen müssen jetzt als moralischer Notbagel dienen:

Da sind wir uns einig, dass wir so etwas ändern müssen. Es muss im Zweifel unter rechtsstaatlichen Voraussetzungen möglich sein, Straftaten zu verfolgen aber natürlich vor allen Dingen auch sie zu verhindern.
Via Netzpolitik.org

„Mautspitzel: Datenschutz von langer Hand untergraben?“ weiterlesen

Ist Ohio gefallen? Die ganze Welt rätselt: Wer gewinnt das U.S. Wahlfinish

Betty MugCNN, der Spiegel online, selbst blog.tagesschau.de kennen das genaue Ergebnis in OHIO, einem der so genannten „swing-states“, nicht. Sie sehen Bush vorne. Wir wollten es genau wissen und fragten die Augurin von Ohio.com, Betty O’Neill-Roderick. Angeblich kann sie jede Frage rund um Ohio beantworten. Betty ist immer noch dabei das Wahlmaschinen-Handbuch auswendig zu lernen. Zum Glück hatte sie einen der provisorischen Wahlzettel ausfüllen dürfen, sonst wäre ihre Stimme wie letztes Mal nicht gezählt worden ;)


Kerry Train

Für den Fall, dass irgendjemand trotz der stundenlangen Aufklärung bei RTL, ARD und Konsorten noch nicht weiß, was provisorische Wahlzettel sind: hier die Erklärung.
Wir stellen uns vor, wir sind von Bucknuck, Ohio nach Cincinnati gezogen, weil alle UPS-Jobs in unserer Heimatstadt gestern gestrichen wurden. Dann haben wir natürlich ein Problem. Außerdem hätten wir nach dem alten Gesetz nicht in Cincinnati wählen können, weil wir uns, wenn überhaupt, in der 200 Jahre alten National Guard Kaserne in Bucknuck zum Wählen melden müssen. Nach dem Wahlskandal von 2000 geht das aber nun auch in Cincinnati.
Wir haben allerdings unser Problem nur auf den Staat und die Stimmenauszähler (Gerüchteweise der gleiche Notar, der die Ziehung der Lottozahlen überwacht) verlagert. Die müssen nämlich jetzt einen afrikanisch stämmigen Iron-Man-Läufer die 800 Meilen nach Bucknuck laufen schicken, um zu prüfen, dass ich auch wählen durfte. Es könnte ja sein, dass Ohio von Al-Kaida Schergen unterwandert wird, die Kerry wählen. Das ist aber eine andere Geschichte.