Facebook Targeting verwirren

Wenn man seine digitalen Spuren nicht adäquat managen kann, sie sich ganz von alleine zu einem Profil verdichten, auf das Werbetreibende dann auch anlegen und abfeuern können (targeting), dann bleibt einem nur das maskieren der Daten. Das Unsinnig-machen.

Für Facebooks Targeting Engine bin ich 101 Jahre alt, so alt wie der magische FC und weiblich. Dann macht die Werbung oben auch Sinn.

Google wirbt mit wer-weiss-was

Google schaltet aktuell Werbefilmchen, auch in Blogs.
Google selbst nennt sie Suchgeschichten, Clips die eine Geschichte erzählen, indem sie mehrere Suchen hintereinander vorführen, sind ein schönes, weil einfaches und anschauliches Format. Google zeigt einen dieser Filme, Kindertraum, beispielsweise auf Carta, einem Blog in meinem Feedreader.

Kurz nach der Mitte der Suchgeschichte taucht auf die Frage “Kann man mit Pollenallergie Astronaut werden?” – im Suchergebnis, neudeutsch den SERPs (Search Engine Result Pages), taucht eine Website auf, die mir bekannt vorkommt: wer-weiss-was, eindeutig.

Wollen wir doch mal sehen, ob es diese Suche und dieses Ergebnis so auch gibt: Continue reading “Google wirbt mit wer-weiss-was”

Ein Leben in Stopp-Bewegung (Olympus Pen E-p1)

Olympus E-p1 Pen Stop-Motion

Das Leben als Film ist ein beliebtes Motiv – und seien wir ehrlich, spätestens seit den Fanta4, die uns aufforderten unseren eigenen Film zu drehen, der sich Leben nennt, denken wir uns in Farbe und zellolider Dramaturgie.

Da liegt die Idee nahe, die Lebensgeschichte einer Kamera, der Olympus Pen, ebenfalls in einem Lebensfilm zu erzählen. Interessanterweise geht das in Zeiten dialogischer Märkte nicht mehr nur nach dem Erzählerprinzip. In diesem Werbespot fehlt der nicht erzählte Teil der Geschichte, der für den Kunden wichtige: Continue reading “Ein Leben in Stopp-Bewegung (Olympus Pen E-p1)”

Google vs Verleger – no-index als Experiment

Piratin Google»Wer die Leistung anderer nutzt, muss auch dafür bezahlen. Ein angemessener Anteil an den Werbeerlösen steht den Urhebern von Nachrichten und redaktionellen Angeboten zu.«

… schreibt Sven Scheffler, Chefredakteur Handelsblatt.com neben anderen bei Meedia. Gemeint ist Google, das mit seinem Adwords-Programm wesentliche Spendings der Werbeindustrie auf seiner Suchmaschine konzentriert, Werbebudgets, die früher einmal in die Taschen der Verlage und Sender geflossen sind.

Nun beschreibt Sven Scheffler vortrefflich das symbiotische Verhältnis, zwischen Verlegern und Suchmaschinen, das ich hier mal “biete Inhalt gegen Aufmerksamkeit” genannt habe. Je mehr sich die Werbebudgets nun in Richtung Suchmaschine verschieben, desto mehr wettern Verlage gegen diesen “Deal”. Er erscheint ihnen unfair, wenn Google eine Liste von Suchtreffern zu einem gesuchten Sujet indiziert und außer den inhaltlich relevanten Treffern noch Werbe-Partner priorisiert ausliefert, die sich eben diesen Platz an der Quelle des Nutzerinteresses einiges kosten lassen.

Die einzige denkbare Lösung: Google beteiligt jede in einem Suchergebnis aufgeführte Website mit einem Anteil an den Werbeerlösen. Continue reading “Google vs Verleger – no-index als Experiment”

Danke Millerntor! #fcsp

Danke Fans, FC St. Pauli MillerntorWenn sich Werber St. Pauli vorstellen, dann immer in dieser merkwürdig weichgespülten Form. Viel zu sauber, als in Wirklichkeit und mit einer stilisierten Gewalt ausgestattet, die sich so eben in der Seele von St. Pauli nur findet, wenn man es ärgert.

Eigentlich umfängt jeden, der es zulässt, sich an die Regeln der Solidarität und des Anstands hält, eine Wärme, die sich eben aus der Liebe zu dem selbst geschaffenen Lebensraum Millerntor nährt. Deswegen auch einbeziehen und geben kann. Eine lebendige Echtheit, die sich in den Kneipen nach Niederlagen und Siegen gleichermaßen spiegelt und die ich in noch keiner Werbekampagne wieder gefunden habe. Sie alle sind immer zu vorderwitzig, wenig wirklich frech, sondern ärmlich schlicht – im Sinne von zu wenig. Continue reading “Danke Millerntor! #fcsp”

Google’s Dammbruch: G1-Werbung auf der Startseite

Google G1 Werbung Startseite google.de

Der größte Werbevertreter der Welt sah bisher nicht so aus. In jungfräulichem Schneeweiß präsentierte sich google.com (de, it, jp et al ebenso) seinen Nutzern.

Ein Konzept, das revolutionär und dogmatisch konsequent den Kern-Nutzen nach vorne stellte und nebenbei eine interessante psychologische Wirkung entfaltete: Google wurde als reine Suchmaschine wahrgenommen, nicht als millardenschwerer Werbe-Mischkonzern.

Die visuelle Konzentration auf den Nutzen verbarg handfeste Finanz- und Machtinteressen. Genial.

Vielleicht war diese Reinheit – in letzter Zeit schon durch die Hinweise auf die eigenen vielfältiger werdenden Services leicht ramponiert – letztlich wesentlicher Garant des Erfolges.

Nun scheint ein Damm gebrochen.
Google wirbt mit dem G1 erstmals nicht mehr für einen Dienst, sondern ein Produkt. Ein Handy. Zumal für eines, das in Deutschland “T-Mobile G1” heißt. Wie weitreichend die ramponierte Reinheit das wahrgenommene Wesen von Google wohl verändert? Vielleicht ist das der erste Schritt in Richtung Yahoo-isierung einer Legende. Apple und facebook vermögen beim verwöhnten Marktführer wohl schon Paradigmen aushebeln. Eine Revolution in Richtung Normalisierung?

Pepsi Max: Männer-Werbung “I am good”

Nach der “Manacademy” von Burger King setzt sich auch in der Werbung der Trend zur Rückbesinnung des Mannes fort. Zum Super Bowl am 1.2., dem männlichsten aller US-Sport-Events, kann man die mediale Begleitung einer Männer-Pepsi-Cola erleben.

Die Spots, die zur teuersten Werbezeit des Jahres laufen werden, sind längst selbst Medien-Hype – und vorab im Internet zu sehen: Continue reading “Pepsi Max: Männer-Werbung “I am good””

Viral Marketing, das funktioniert, zahlt nicht auf meine Marke ein

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… so mal als These, die ich mit Pepe und Markus von Value Mountain schon öfter besprochen habe:

Können Virals, also professionell produzierte, dabei oft amateurhaft wirkende, werbliche Internetvideos auf die Bekanntheit einer Marke einzahlen? Oder ist, vor allem bei Produkten, die eher unspannend sind – auf werbisch low-involvement Produkte, der Witz des Videos, der bewußt herbeigeführte Schock oder die Häme so weit von der Marke weg, dass ich die Kampagne auch gleich seinlassen kann?

Ich habe wenig Ahnung davon, vor allem, wie das auf Menschen wirkt, die sich nicht beruflich mit Kommunikation beschäftigen.

Ein weiteres Beispiel, bloß anders herum aufgezogen scheint mir der neue, viel besprochene Werbespot der Telekom mit Paul Potts Auftritt im britischen TV zu sein. Auch hier wird diskutiert, ob ein virales & mediales Ereignis, wie dieser Mashup funktionieren, also auf die Marke Telekom einzahlen kann. Oder ist die Marke hier soweit im Hintergrund, dass die Werbeleistung verpufft?

Buhler?

Übrigens, komme ich deswegen darauf, weil ich bei den Jungs kürzlich diesen Spot besprochen habe.

Unwort des Jahres: “Werbenetzwerk für Blogs”

Nach adical Adnation plant nun auch technorati ein Werbenetzwerk für Blogs aufzubauen. Trotz eines viel größeren Marktes ist die Idee nicht besser, als die der Berliner Blogentrepreneure Sascha Lobo und Johnny Haeusler.

Technorati, which has raised around $10 million in new funding to save it out of oblivion, is now launching an online ad network for blogs, amidst heavy competition in the sector. The Technorati Media network has signed on some blogs as its core, more focused on technology sector: blogtalkradio, Blogcritics, blogcatalog, BlogTV, GeekAlerts, GPSMagazine, NerdApproved and Technabob.

Werbung will Norm. Nicht nur deswegen gibt es den so oft schon totgeglaubten Standardbanner noch. Der Wert dieses normierten Stücks werblicher Kommunikation, ob es nun medium rectangle oder wallpaper heißt, bestimmt sich nach dem Umfeld in dem es geschaltet wird. Teurer auf einem Finanzjournal – wenn wir mal Werbende aus dem Bereich Altersvorsorge nehmen – und billiger auf Communities, wie wer-kennt-wen bspw., wo die Menschen milliardenfachen PI-Schaum abwerfen beim sich gegenseitig verknüpfen. In der Stimmung eine Riester-Rente abzuschließen ist da keiner.

Und Blogs? In den USA finden sich immerhin noch Weblogs mit thematischer Klarheit *und* einigermaßen signifikanter Reichweite. In Deutschland kenne ich da keines. Blogs sind hier nur in den Augen ihrer Betreiber besonders; für Media-Agenturen leben wir unterhalb der Wahrnehmungsgrenze.

Werbetechnisch gesehen ist das so, als würde es Klopapier für Dicke geben, das sich aber in Nichts von dem für alle unterscheidet.

disclaimer: Ich finde die Idee eine feine Blogagentur zu gründen, um über ein Netzwerk, wie Adnation stark focussierte Kampagnen zu fahren, die in einem großen Mediaplan eben keinen Platz haben, hingegen nicht so schlecht. Eigentlich ist es auch genau das, was Sascha und Johnny mit der Casio Kampagne gemacht haben. Nur dann muss ich den Anspruch und die Kommunikation anpassen – ein Werbenetzwerk ist das nicht mehr. Eher eine online Werbeagentur mit angeschlossenen Werbeträgern

Businessnews.com abgeschalten

Der Tod des kostenlosen Newsblattes BusinessNews ist nun ein Jahr her. Das Trauerjahr endet.

Nun darf wieder gelacht werden, aber bitte nicht zu laut. Komischerweise scheint bei der VHB noch niemand davon gehört zu haben, dass auch Archive von Zeitungen a.) Backllnks haben, bspw. von diesem Blog, die nun ins Leere führen anstatt ins Nirvana und b.) mit solchen durchaus noch Geld zu verdienen ist im Zeitalter von Long Tail und Contextueller Werbung. Sowas doofes.

“Not with my name”: facebook Protest erreicht Ungarn

Ich verstehe so gut wie kein Wort von dem, was ich eben auf einer ungarischen IT-News-Site lese.
Unter der Überschrift “Bloggerek perelhetik be a Facebookot” kann ich meinen und Udos Namen entziffern und mutmaße, dass unser Protest gegen facebooks Unsitte, Werbung mit unseren Namen bei Google zu machen in den ungarischen Sprachraum rübergeschwappt ist.

Kann einer der ehrenwerten Leserinnen hier ungarisch? Eine Übersetzung wäre doch mal interessant.

faz-blogs: kein kommentar

*** update *** jetzt scheint es zu funktionieren. Vielen Dank an Holger Schmidt für die telefonische Nachfrage, das kommt auch nicht alle Tage vor #journalist 2.0 ***

Es scheint Holger Schmidt nicht zu wundern, dass man in seinem Blog nicht kommentieren kann.
Auch seine Beiträge aus den vergangenen Tagen sind kommentarfrei. Kann ja mal passieren, Journalisten sind zeitlich belastete Menschen.

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Mark: Not with my name (update: facebook addresses statement)

Unsitte, ist das richtige Wort, wenn man Facebooks Umgang mit Privatsphäre und Persönlichkeitsrechten beschreiben will.

Nach der Aufregung über facebooks Beacon, einer Art Spähsoftware zum zielsicheren Ausliefern von Werbung, arbeitet facebook weiter an seinem Ruf gelinde gesagt unsensibel und aggressiv eigennützig mit den Daten seiner Nutzer umzugehen: de.facebook.com schaltete bei Google.de Adsense Werbung mit Klarnamen der Nutzer, auch mit meinem.

Nachdem das inzwischen knapp 125 Nutzern von facebook und der halben Blogosphäre sauer aufgestoßen ist, hat facebook diese Art der Werbung zumindest eingestellt, ob der “Spuk” damit vorbei ist, wie Robert mutmaßt, wage ich zu bezweifeln. Zu groß scheint mir in diesem Fall der “kulturelle” Unterschied in der Wahrnehmung von “privacy” zu sein.

Immerhin, und das zeichnet dieses Unternehmen eben auch aus, ist vielleicht der Grund für seinen Erfolg, es realisiert schnell und so antwortet heute Mark Zuckerbergs Büro auf meine E-Mail von gestern:

Mark sent you a message.
——————–
Re: Not with my NAME, Marc

Hi,
This sounds like an issue that Facebook’s User Operations team could help with. I’ve forwarded this message along to them, and someone from that team will reach out to you as soon as possible.

Thanks,
Mark

Update 22:58 Uhr MESZ: Das offizielle Statement von faccebook trudelt ein.

“Facebook hat mehrere Programme getestet, damit Nutzer, mit der Option einer öffentlichen Suchanzeige für die Indexierung von Suchmaschinen, noch schneller in Suchergebnissen zu finden sind. Im Moment läuft dieser Test nicht mehr. Die Anzeigen wurden nur ausgeliefert, wenn a) ein Facebook Nutzer eine öffentliche Suchanzeige für die Indexierung von Suchmaschinen hat und b) wenn nach speziell ihrem Namen auf einer Suchmaschine gesucht wurde. Der Klick auf diese Anzeige führte auf die Hauptseite von Facebook, wo man sich wie immer registrieren muss bevor man ein Freund der gesuchten Person werden kann und bevor irgendwelche Informationen zu sehen sind.

Öffentliche Suchanzeigen zeigen allenfalls die Informationen Name und Foto des Nutzers, und auch nur dann, wenn der Nutzer in seinen Einstellungen der Privatsphäre die Such-Sichtbarkeit auf “Alle” gesetzt hat.
Öffentlich Suchanzeigen gibt es, um unsere Nutzer noch einfacher auffindbar für ihre Freunde auf Suchmaschinen zu machen und können jederzeit von den Nutzern ausgestellt werden. Nur Nutzer die über 18 sind und die die Einstellung “Eine öffentliche Suchanzeige für mich erstellen und diese für die Indexierung von Suchmaschinen verwenden” angekreuzt haben tauchen in externen Suchen auf.”

Ehrlich*. Ich bin mit dieser Antwort nicht zufrieden. Ihre Geschwindigkeit ist bemerkenswert, rechnet man die Sprachbarriere hinzu. Es scheint aber noch eine andere Barriere zu existieren, die ich heute Mittag schon mit Thomas besprach, als wir zu diesem Beitrag telefonierten.

Mehr noch: Die Schaltung der Anzeigen war gekoppelt an die Namen der jeweiligen Personen: Wer nach Hauth suchte, dem wurde diese Anzeige gezeigt. „Irgendwie hatte man ja damit rechnen können, dass es mal so weit kommt“, sagt der Hamburger: „Ich akzeptiere, dass der Google-Suchindex meinen Namen findet. Aber Teil einer Werbung zu sein – das hat eine andere Qualität“, sagt Hauth.

Bei facebook kann oder will man nicht begreifen, dass es einen Unterschied zwischen dem organischen Index von Google und Werbeanzeigen, á la Adwords gibt.

*Hervorhebungen von mir

HSV und Uwe Seeler: “tiefer kann man nicht sinken”

HSV uwe seeler seelenlos
… als die Preise die der Ex-HSV-Profi da anpreist. So ganz ohne Zustimmung des HSV kann das auch nicht gelaufen sein noch Ärger geben (siehe update). Wie bitter! Jetzt preist der alte Zausel in seiner Not —

Ein Grund mehr, sich über die Existenz des magischen FC zu freuen. Und ich versuche wirklich, meinen Respekt ggü. Herrn Seeler zu bewahren!

Update: So richtig gefragt, hatte der Mediamarkt den echten HSV wohl nicht. Sonst könnte das Abendblatt heute nicht berichten, dass die Seeler-Werbemittel auf Druck des Hamburger Sport Vereins von “Hamburger Schnäppchen Verein” zu “Hamburger Sensations Verein” geändert werden müssen. Besser werden sie dadurch natürlich nicht, nur noch eine Spur satirischer ;)

Virales Gammelfleisch (Spam)

spam
Gut geführter viraler Wahlkampf kann spannend sein. Wie spannend das allerdings auch gehörig nach hinten losgehen kann, erfuhr die FDP in diesen, doch so wichtigen, Tagen per Abmahnung (mal anders herum).

Virale Videos bspw. werden, so nennt das der Fachvirologe, “geseedet“, also an besonders themennahen Stellen im Netz unter die Bevölkerung gemischt, in der Hoffnung, dass sich der Virus so schnell wie möglich verbreitet. Das ist eine kritische Phase, denn ähnlich dem Schlüpfen von Schildkrötengelegen gehen viele noch so schöne Videoviren am ersten Tag zugrunde. Da brauchen sie noch nicht mal so blödsinnig sein, wie der Schauspieler Sky Dumont, der für die FDP in Hamburg viralen Wahlkampf machte.

Natürlich will die Viren versetzende Agentur ihren Lieblingen einen guten Start ermöglichen, und schiesst dabei des öfteren über das legale Ziel hinaus. Unaufgefordert zugesandtes Virenmaterial ist nämlich Spam.

Nun ist Spam, also Werbung per unverlangter Mail, illegal. Und wer mit falschen Absendern und erfundenen Fürsprechern für sich wirbt, kann nicht erwarten, dass die Botschaft authentisch rüberkommt. Schade, wenn eine Partei, die Recht und Gesetz propagiert, solche Wahlkampfmethoden verwendet.

Hannos (Mein) Anwalt hat Anfang letzter Woche als Antwort eine Abmahnung an die FDP Hamburg verschickt, was zu der oben zitierten, heftigen Reaktion führte. Die von der Partei beauftragte Kanzlei war besonnener und hat offenbar schnell erkannt, dass der Fall eindeutig war: Die FDP Hamburg hat die Abmahnung noch vor Fristablauf akzeptiert.

Wie viraler Wahlkampf funktioniert, wie polemisch platt und dennoch filigran man das steuern kann, sieht man derzeit bei DIE PARTEI.

Kaioo vs. StudiVZ und das “StasiVZ”-Dilemma

Bild 4.pngMeine Oma hat sich immer mitleidig gezeigt, wenn sie mich beim Dame spielen mal wieder in eine Zwickmühle manövriert hatte.

Heimlich hat sie sich bestimmt diebisch gefreut.

So ähnlich stelle ich mir das heute beim yasn (yet another social network) kaioo vor. Ein Video, das sich sehr eindeutig gegen StudiVZ richtet, die Plattform als “StasiVZ” beschimpft und zum Wechsel zu Kaioo aufruft, ist heute in meinem Feedreader aufgetaucht – und bestimmt nicht vom Recht auf Freie Meinungsäußerung gedeckt.

In dem Clip bezeichnet ein maskierter Rapper namens Stasido die dem Medienkonzern Holtzbrinck gehörende Plattform als StasiVZ. Mit Einblendungen wird dem Zuschauer suggeriert, dass die von StudiVZ-Nutzern eingestellten Daten auf der Plattform nicht sicher seien. Gleichzeitig macht der Rapper Werbung für den Wettbewerber Kaioo.

Ein Schelm, der die Gründer von kaioo dahinter vermutet.

Der Kaioo-Gründer und Geschäftsführer Thomas Kreye bestreitet jede Beteiligung an dem Web-Film: “Das Video hat mit Kaioo nichts zu tun.”

Ein Dummkopf, der wechselt, ohne sich den Datenappetit dieser “gemeinnützigen” Plattform mal genauer anzusehen.

Sowas herrliches.

Millerntaler

Ehrlich, ich verstehe die Aufregung nicht.
Ja, der Millerntaler ist ein Promogag, nahe läge, dass er vom Pokersponsor unseres Vereins, pokerroom.tv unterstützt wird.(ist das eigentlich so?). Wird er aber wohl nicht, sondern vom Caterer aus Flensburg.

Habe die Flyer auch gesehen an diesem schönen Sonnabend am Milerntor.
Und?

Grundregel einer Promoaktion ist, dass sie uninteressierte nicht behindert, interessierte Fans anspricht. Mal witzig, mal unterschwellig, mal in Form von Jetons, die man sammeln und einlösen kann. Ich kann daran nichts Schlimmes entdecken.

Sicher, es muss weiterhin auch mit Euro bezahlbar sein (siehe Regel 1 ;), aber das scheint ja gewährleistet zu sein.
Selbstverständlich könnt ihr auch weiterhin das Bier und die Wurst bzw. das Fischbrötchen an den Verkaufsständen im Millerntor-Stadion in Euro bezahlen.

Update: Genervt sind die Paulianer wohl in erster Linie von der Art der Kommunikation. Bei der anscheinend angedachten Poker-Dauerkarte müsste man das wohl offensiver besprechen, um ins Feld schießende Paranoia abzufangen, und davon haben wir ja ne Menge am Millerntor – übrigens aus schlechter Erfahrung, dass hat zuerst mal nix mit dem Sponsor zu tun.

Update II: Einen Bierboykott halte ich aus zwei Gründen für eine eigenwillig doofe Idee. Erstens ist das gerade der Bereich in dem der Verein am reellsten am Umsatz beteiligt wird, anders als bei den Merchandising-Einnahmen. Zweitens ist ohne Bier das schönste Spiel nur halb so schön.

Weitere Infos:
Basisstpauli Forum
Offizielle FAQ zum Millerntaler

Blogscene: Doch irgendwie ein Widerspruch

blogscene
Es ist eines der Unzählbaren. Eines von Millionen Angeboten, die Links sammeln, Feeds auswerten und darauf hoffen, dass sich um diesen seelenlosen Katalog eine Community bildet. Putzig wird es bei blogscene.de dann, wenn populäre Anbiederung durch Datenschutzbanner genau neben eben einer Datensammlung stehen. Putzig auch, dass unter Journale Bildblog und Ringfahndung zu finden sind. Freut mich irgendwie.

Noch lustiger wirds, wenn man nach dem Impressum sucht. Da findet sich anstatt eine dadaistische Fortschreibung, die eigentlich das lesenswerte dieser Website ist. Sowas?
Die Aufbrüche der Netzkünste werden segmentär und kontrastieren die visuellen dezenten Subjektbezüge. Voting und Ausstellungskontext gehen hier eine interdisziplinäre Tangente und eine pastellmilde Sprache ein. Der Diskurs rapportiert in diesem Ideenpool einen symptomatischen Folder mit einem supplementären Ausstellungskontext.

9/11: bittere Ironie im Anflug

VIA PIA
Das Schicksal treibt makabere Blüten.
Deswegen ist es durchaus vorstellbar, dass Osama Bin Laden erst durch eine alte Werbung der Pakistanischen Fluglinie PIA auf die Idee mit dem WTC gekommen ist.

Ist auch einerlei, ob das nun stimmt, oder nicht.
Jeder hat schon Zusammenhänge sich konstruiert, aus Erlebtem bitter nachgeleitet, die ähnliches vermuten ließen.

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Ford, Ford, Foohord

Ford Mustang

Manche Reaktionen in Konzernen sind ihrer Organisation geschuldet. Das ist manchmal bitter, vor allem, wenn man sich auf anderer Seite bemüht, die neuen Formen der Werbung und PR sinnvoll zu nutzen.

So gerät es zur schwer nachvollziehbaren Posse, dass Ford einerseits die Fotos seines Mustangs via Flickr mithilfe einer CC-Lizenz frei bearbeitbar macht, andererseits einen Fanclub, also die wertvollsten Markenabgesandten die es gibt, anmahnt keine Fotos *ihrer* Ford Mustangs zu veröffentlichen.

Die Mitglieder des “Black Mustang Clubs” lieben ihre Autos – so fest, dass die Community bereits seit mehreren Jahren einen Kalender publiziert, worauf jeweils zwölf Mitglieder stolz “ihren” Ford Mustang zeigen. Dieses Jahr stoppte der Autohersteller die Fans jedoch mit der Begründung, dass Ford die Urheberrechte an allen Fotos besitze, schliesslich seien darauf Automobile von Ford abgelichtet.

Das ist natürlich ein schlimmer Widerspruch. Aber einer, der in Zeiten des Bloggens nicht unbemerkt bleibt, und deswegen wie ein kleiner Boomerang an die kommunikativen Wälle des Unternehmens zurückschlägt.

update: Was wohl ziemlich schnell passiert ist, das Aufschlagen des Protestes auf die Ford-Unternehmenswälle. Inzwischen hat Ford den Mustangfans die Erlaubnis zum Druck ihres Kalenders erteilt.

Bleibt eigentlich nur noch eine Frage zu klären: “Wer zum Henker kauft einen Ford-Kalender?”

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